Wenn Kopfschmerzen immer wiederkommen, stellt sich schnell die Frage nach der passenden ärztlichen Anlaufstelle. Meist ist die Hausarztpraxis der beste Startpunkt, bei komplexen oder chronischen Verläufen übernimmt die Neurologie oder eine spezialisierte Schmerztherapie. Ein Überblick: Wann ein Arztbesuch ratsam ist, welche Fachrichtung bei welcher Kopfschmerzart weiterhilft und woran Sie einen Notfall erkennen.
Kopfschmerzen: Welcher Arzt hilft Ihnen?
Inhalt
- Wann sollten Sie mit Kopfschmerzen zum Arzt gehen?
- Welcher Arzt hilft bei Kopfschmerzen: Hausarzt oder Spezialist?
- Welcher Arzt ist für welche Kopfschmerzart zuständig?
- Wann sind Kopfschmerzen ein Notfall?
- Wie unterstützt Sie die Allianz bei der Arztsuche?
- Haben Sie noch Fragen zu Kopfschmerzen und Arztwahl?
Wann sollten Sie mit Kopfschmerzen zum Arzt gehen?
Sie sollten ärztlichen Rat suchen, wenn Kopfschmerzen regelmäßig auftreten, stärker werden, wenn Schmerzmittel nicht mehr wirken oder wenn Sie an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerzmittel benötigen (Quelle: Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V., kurz DMKG). Gelegentliches Kopfweh ist dagegen meist kein Grund zur Sorge. Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten Beschwerden überhaupt: Laut der groß angelegten Studie BURDEN 2020 des Robert Koch-Instituts mit rund 5000 Teilnehmenden berichten 57,5 Prozent der Frauen und 44,4 Prozent der Männer in Deutschland von Kopfschmerzen innerhalb eines Jahres.
Viele Beschwerden lassen sich mit bewährten Hausmitteln und einfachen Maßnahmen zunächst gut selbst lindern. Ein Arztbesuch ist in folgenden Fällen ratsam:
- Die Kopfschmerzen treten regelmäßig oder immer häufiger auf.
- Die Attacken werden heftiger oder verändern sich.
- Schmerzmittel wirken nicht oder nicht mehr.
- Sie nehmen an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerzmittel ein.
- Die Beschwerden beeinträchtigen Alltag, Arbeit oder Schlaf.
Welcher Arzt hilft bei Kopfschmerzen: Hausarzt oder Spezialist?
Erste Anlaufstelle bei Kopfschmerzen ist in der Regel die hausärztliche Praxis. Zur Neurologie oder Schmerztherapie geht es meist erst dann, wenn die Beschwerden komplex sind oder chronisch werden.
Hausärztinnen und Hausärzte kennen die typischen Symptome von Migräne und Spannungskopfschmerzen. Unkomplizierte Verläufe können sie in aller Regel selbst behandeln. Außerdem prüfen sie mögliche Auslöser wie Medikamente oder Bluthochdruck und überweisen bei Bedarf an eine Spezialistin oder einen Spezialisten.
Neurologinnen und Neurologen sind auf Erkrankungen des Nervensystems spezialisiert und damit die Fachleute für Kopfschmerzerkrankungen. Sie können zwischen Migräne, Spannungskopfschmerz, Cluster-Kopfschmerz und selteneren Formen unterscheiden. Die Behandlung stimmen sie gezielt auf die jeweilige Diagnose ab (Quelle: DMKG). Ein Termin in der Neurologie kann sinnvoll sein, wenn die hausärztliche Behandlung nicht ausreicht oder die Diagnose unklar bleibt.
Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „spezielle Schmerztherapie" sind auf die Diagnostik und Behandlung chronischer Schmerzen spezialisiert. Nicht alle von ihnen haben jedoch einen Kopfschmerz-Schwerpunkt. Manche behandeln vor allem Schmerzen des Bewegungsapparats oder Tumorschmerzen.
Für Menschen mit chronischen Kopfschmerzen sind spezialisierte Kopfschmerzambulanzen eine gute Anlaufstelle. Dort arbeiten Fachleute aus Neurologie, Psychologie und weiteren Therapiebereichen interdisziplinär zusammen (Quelle: DMKG).
Je nach Ursache können weitere Fachrichtungen weiterhelfen. Eine orthopädische Untersuchung kann sinnvoll sein, wenn muskuläre Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich oder Verschleiß der Halswirbelsäule die Schmerzen auslösen. Leiden Kinder unter Kopfschmerzen, ist die Kinderarztpraxis die richtige Adresse. Qualifizierte Expertinnen und Experten für Kopfschmerz in Ihrer Nähe listet außerdem der Expert-Finder der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).
Welcher Arzt ist für welche Kopfschmerzart zuständig?
Für die häufigsten Kopfschmerzarten gilt: Spannungskopfschmerzen behandelt meist die Hausarztpraxis, bei Migräne und Cluster-Kopfschmerz ist die Neurologie zuständig. Insgesamt unterscheiden Mediziner:innen mehr als 200 Kopfschmerzformen. Bei über 90 Prozent handelt es sich um sogenannte primäre Kopfschmerzen: Der Schmerz selbst ist die Erkrankung und nicht das Symptom einer anderen Krankheit (Quelle: DMKG).
Primäre Kopfschmerzen sind gesundheitlich meist nicht gefährlich, können die Lebensqualität aber erheblich einschränken. Beginnt die Therapie rechtzeitig, lässt sich oft verhindern, dass die Schmerzen chronisch werden.
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Kopfschmerzart
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Typische Merkmale
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Betroffene
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Zuständige Anlaufstelle
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| Spannungskopfschmerz | Drückend, ziehend, ganzer Kopf, leichte bis mittlere Intensität | Mehr als 50 % | Hausarztpraxis, bei chronischem Verlauf Neurologie |
| Migräne | Pulsierend, meist einseitig, heftig, oft mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit | 14,8 % der Frauen, 6,0 % der Männer (Robert-Koch-Institut) | Hausarztpraxis, bei unklarer Diagnose oder schweren Verläufen Neurologie. |
| Cluster-Kopfschmerz | Streng einseitig hinter dem Auge, bohrend, extrem stark, anfallsartig | Unter 1 % | Neurologie oder Kopfschmerzambulanz. |
| Sekundäre Kopfschmerzen | Folge anderer Ursachen, beispielsweise Verspannungen, Infekte, Medikamente | Unter 10 % | Je nach Ursache: Hausarztpraxis, Orthopädie, HNO oder Zahnmedizin |
Wann sind Kopfschmerzen ein Notfall?
Kopfschmerzen sind ein akuter Notfall, wenn sie schlagartig und mit großer Heftigkeit einsetzen oder wenn Warnsymptome hinzukommen. Wählen Sie in diesem Fall sofort den Notruf 112. Akuter, heftiger Kopfschmerz kann beispielsweise auf eine Blutdruckkrise, eine Hirnhautentzündung oder einen Schlaganfall hinweisen (Quelle: DMKG).
Rufen Sie den Notarzt oder die Notärztin, wenn zusätzlich zu plötzlichen, sehr starken Kopfschmerzen mindestens eines dieser Anzeichen auftritt:
- Nackensteifheit
- hohes Fieber
- Bewusstseinsstörungen
- Lähmungen, Seh- oder Sprachstörungen
- Krampfanfälle
- Übelkeit und Erbrechen
Vorsicht gilt auch bei Kopfschmerzen, die neu auftreten oder sich plötzlich verändern. Ein Hinweis zur Medikamenteneinnahme: Alle Schmerzmedikamente können Nebenwirkungen hervorrufen, vor allem bei häufiger oder hoch dosierter Einnahme. Besprechen Sie Dosierung und Dauer deshalb ärztlich. Klären Sie zudem vorab mit Ihrer Krankenversicherung, ob die Kosten für vorbeugende Medikamente übernommen werden.
Wie unterstützt Sie die Allianz bei der Arztsuche?
Die Allianz unterstützt Sie mit der Arzt- und Kliniksuche Online sowie mit kostenfreien Patienten-Coachings dabei, die passende Anlaufstelle und Behandlung zu finden. Mit der Arzt- und Kliniksuche Online finden Sie schnell und unkompliziert eine passende Facharztpraxis oder Klinik für Ihre Diagnose. Kunden und Kundinnen mit einer Privaten Krankenvollversicherung der Allianz stehen zusätzlich kostenfreie Coachings offen. Mein KopfschmerzCoach begleitet Sie telefonisch mit medizinischen Expertinnen und Experten beim Umgang mit Kopfschmerzen und Migräne. Mein SchmerzCoach hilft, den Ursachen chronischer Schmerzen auf den Grund zu gehen. Beide Programme gelten als unverbindliche Ergänzung zur ärztlichen Therapie. Adressen qualifizierter Spezialistinnen und Spezialisten für Kopfschmerz, Ambulanzen und Kliniken bietet zusätzlich der Expert-Finder der DMKG.
Auf einen Blick:
- Erste Anlaufstelle: Hausarztpraxis, bei Kindern die Kinderarztpraxis
- Fachleute für Kopfschmerzerkrankungen: Neurologinnen und Neurologen
- Bei chronischen Verläufen: Schmerztherapie oder Kopfschmerzambulanz
- Notruf 112 bei plötzlichen, sehr starken Kopfschmerzen mit Warnsymptomen
- Unterstützung der Allianz: Arzt- und Kliniksuche Online, Mein KopfschmerzCoach, Mein SchmerzCoach
Haben Sie noch Fragen zu Kopfschmerzen und Arztwahl?
Brauche ich eine Überweisung für die Neurologie?
Nein, in der Regel können Sie eine neurologische Praxis direkt aufsuchen. Gesetzlich wie privat Versicherte benötigen dafür keine Überweisung, außer sie nehmen an einem Hausarztprinzip teil. Eine hausärztliche Überweisung ist aber dennoch sinnvoll: Sie enthält Vorbefunde und erleichtert über die Terminservicestelle (Telefon 116117) die Vermittlung eines zeitnahen Termins. Spezialisierte Kopfschmerzambulanzen setzen dagegen häufig eine Überweisung voraus.
Wann ist bei Kopfschmerzen ein MRT oder CT nötig?
Eine Bildgebung ist nur dann nötig, wenn Warnsignale oder ein untypischer Verlauf vorliegen. Bei eindeutiger Migräne oder eindeutigem Spannungskopfschmerz ist sie laut Leitlinie nicht routinemäßig erforderlich (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V., kurz DGN/DMKG). Ärztinnen und Ärzte veranlassen ein MRT oder CT beispielsweise bei neu auftretenden, sich verändernden oder von Ausfallerscheinungen begleiteten Kopfschmerzen.
Wie hilft ein Kopfschmerztagebuch bei der Diagnose?
Ein Kopfschmerztagebuch dokumentiert, wann, wie stark und unter welchen Umständen Ihre Kopfschmerzen auftreten. Das erleichtert die Diagnose erheblich. Notieren Sie auch eingenommene Medikamente und mögliche Auslöser wie Stress, Schlafmangel oder bestimmte Lebensmittel. Die DMKG bietet kostenfreie Vorlagen und eine App an.
Quellen
- Robert Koch-Institut, Journal of Health Monitoring S6/2020: Migräne und Spannungskopfschmerz in Deutschland (Studie BURDEN 2020)
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG): Patienteninformationen, Expert-Finder, Broschüre „Kopfschmerzen: Wann sind sie gefährlich?"
- DGN/DMKG-Leitlinie: Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne