Kopf­schmerzen: Welcher Arzt hilft Ihnen?

Behandlung von Kopfschmerzerkrankungen
Allianz Gesundkheitswelt - ärztliche Hilfe bei Kopfschmerzen: Eine junge Frau sitzt vor einem Sofa auf dem Boden und hält sich den Kopf.

Wenn Kopf­schmerzen immer wieder­kommen, stellt sich schnell die Frage nach der passenden ärztlichen Anlauf­stelle. Meist ist die Hausarzt­praxis der beste Start­punkt, bei komplexen oder chronischen Verläufen übernimmt die Neurologie oder eine spezialisierte Schmerz­therapie. Ein Überblick: Wann ein Arztbesuch ratsam ist, welche Fachrichtung bei welcher Kopf­schmerz­art weiterhilft und woran Sie einen Notfall erkennen.

Sie sollten ärztlichen Rat suchen, wenn Kopf­schmerzen regelmäßig auftreten, stärker werden, wenn Schmerz­mittel nicht mehr wirken oder wenn Sie an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerz­mittel benötigen (Quelle: Deutsche Migräne- und Kopf­schmerz­gesellschaft e.V., kurz DMKG). Gelegentliches Kopf­weh ist dagegen meist kein Grund zur Sorge. Kopf­schmerzen zählen zu den häufigsten Beschwerden überhaupt: Laut der groß angelegten Studie BURDEN 2020 des Robert Koch-Instituts mit rund 5000 Teil­nehmenden berichten 57,5 Prozent der Frauen und 44,4 Prozent der Männer in Deutschland von Kopf­schmerzen innerhalb eines Jahres.

Viele Beschwerden lassen sich mit bewährten Hausmitteln und einfachen Maßnahmen zunächst gut selbst lindern. Ein Arztbesuch ist in folgenden Fällen ratsam:

  • Die Kopf­schmerzen treten regelmäßig oder immer häufiger auf.
  • Die Attacken werden heftiger oder verändern sich.
  • Schmerz­mittel wirken nicht oder nicht mehr.
  • Sie nehmen an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerz­mittel ein.
  • Die Beschwerden beeinträchtigen Alltag, Arbeit oder Schlaf.

Erste Anlaufstelle bei Kopf­schmerzen ist in der Regel die hausärztliche Praxis. Zur Neurologie oder Schmerz­therapie geht es meist erst dann, wenn die Beschwerden komplex sind oder chronisch werden.

Für die häufigsten Kopf­schmerz­arten gilt: Spannungs­kopfschmerzen behandelt meist die Haus­arzt­praxis, bei Migräne und Cluster-Kopfschmerz ist die Neurologie zuständig. Insgesamt unterscheiden Mediziner:innen mehr als 200 Kopf­schmerz­formen. Bei über 90 Prozent handelt es sich um sogenannte primäre Kopf­schmerzen: Der Schmerz selbst ist die Erkrankung und nicht das Symptom einer anderen Krankheit (Quelle: DMKG).

Broschüre Migräne

Primäre Kopfschmerzen sind gesundheitlich meist nicht gefährlich, können die Lebensqualität aber erheblich einschränken. Beginnt die Therapie rechtzeitig, lässt sich oft verhindern, dass die Schmerzen chronisch werden.

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Kopfschmerzart
Typische Merkmale
Betroffene
Zuständige Anlaufstelle
Spannungskopfschmerz Drückend, ziehend, ganzer Kopf, leichte bis mittlere Intensität Mehr als 50 % Hausarztpraxis, bei chronischem Verlauf Neurologie
Migräne Pulsierend, meist einseitig, heftig, oft mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit 14,8 % der Frauen, 6,0 % der Männer (Robert-Koch-Institut) Hausarztpraxis, bei unklarer Diagnose oder schweren Verläufen Neurologie.
Cluster-Kopfschmerz Streng einseitig hinter dem Auge, bohrend, extrem stark, anfallsartig Unter 1 % Neurologie oder Kopfschmerzambulanz.
Sekundäre Kopfschmerzen Folge anderer Ursachen, beispielsweise Verspannungen, Infekte, Medikamente Unter 10 % Je nach Ursache: Hausarztpraxis, Orthopädie, HNO oder Zahnmedizin

Kopf­schmerzen sind ein akuter Notfall, wenn sie schlagartig und mit großer Heftigkeit einsetzen oder wenn Warn­symptome hinzukommen. Wählen Sie in diesem Fall sofort den Notruf 112. Akuter, heftiger Kopf­schmerz kann beispielsweise auf eine Blut­druck­krise, eine Hirn­haut­entzündung oder einen Schlag­anfall hinweisen (Quelle: DMKG).

Rufen Sie den Not­arzt oder die Not­ärztin, wenn zusätzlich zu plötzlichen, sehr starken Kopf­schmerzen mindestens eines dieser Anzeichen auftritt:

  • Nackensteifheit
  • hohes Fieber
  • Bewusstseinsstörungen
  • Lähmungen, Seh- oder Sprachstörungen
  • Krampfanfälle
  • Übelkeit und Erbrechen

Vorsicht gilt auch bei Kopfschmerzen, die neu auftreten oder sich plötzlich verändern. Ein Hinweis zur Medikamenteneinnahme: Alle Schmerzmedikamente können Nebenwirkungen hervorrufen, vor allem bei häufiger oder hoch dosierter Einnahme. Besprechen Sie Dosierung und Dauer deshalb ärztlich. Klären Sie zudem vorab mit Ihrer Krankenversicherung, ob die Kosten für vorbeugende Medikamente übernommen werden.

Die Allianz unterstützt Sie mit der Arzt- und Kliniksuche Online sowie mit kostenfreien Patienten-Coachings dabei, die passende Anlaufstelle und Behandlung zu finden. Mit der Arzt- und Kliniksuche Online finden Sie schnell und unkompliziert eine passende Fach­arzt­praxis oder Klinik für Ihre Diagnose. Kunden und Kundinnen mit einer Privaten Kranken­voll­versicherung der Allianz stehen zusätzlich kostenfreie Coachings offen. Mein KopfschmerzCoach begleitet Sie telefonisch mit medizinischen Expertinnen und Experten beim Umgang mit Kopf­schmerzen und Migräne. Mein SchmerzCoach hilft, den Ursachen chronischer Schmerzen auf den Grund zu gehen. Beide Programme gelten als unverbindliche Ergänzung zur ärztlichen Therapie. Adressen qualifizierter Spezialistinnen und Spezialisten für Kopfschmerz, Ambulanzen und Kliniken bietet zusätzlich der Expert-Finder der DMKG.

Auf einen Blick:

  • Erste Anlaufstelle: Hausarztpraxis, bei Kindern die Kinder­arzt­praxis
  • Fachleute für Kopf­schmerz­erkrankungen: Neurologinnen und Neurologen
  • Bei chronischen Verläufen: Schmerz­therapie oder Kopf­schmerz­ambulanz
  • Notruf 112 bei plötzlichen, sehr starken Kopf­schmerzen mit Warn­symptomen
  • Unterstützung der Allianz: Arzt- und Kliniksuche Online, Mein KopfschmerzCoach, Mein SchmerzCoach

Brauche ich eine Überweisung für die Neurologie?

Nein, in der Regel können Sie eine neurologische Praxis direkt aufsuchen. Gesetzlich wie privat Versicherte benötigen dafür keine Überweisung, außer sie nehmen an einem Hausarztprinzip teil. Eine haus­ärztliche Überweisung ist aber dennoch sinnvoll: Sie enthält Vorbefunde und erleichtert über die Termin­service­stelle (Telefon 116117) die Vermittlung eines zeitnahen Termins. Spezialisierte Kopf­schmerz­ambulanzen setzen dagegen häufig eine Überweisung voraus.

Wann ist bei Kopfschmerzen ein MRT oder CT nötig?

Eine Bildgebung ist nur dann nötig, wenn Warnsignale oder ein untypischer Verlauf vorliegen. Bei eindeutiger Migräne oder eindeutigem Spannungs­kopf­schmerz ist sie laut Leitlinie nicht routinemäßig erforderlich (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V., kurz DGN/DMKG). Ärztinnen und Ärzte veranlassen ein MRT oder CT beispielsweise bei neu auftretenden, sich verändernden oder von Ausfall­erscheinungen begleiteten Kopfschmerzen.

Wie hilft ein Kopfschmerztagebuch bei der Diagnose?

Ein Kopf­schmerz­tagebuch dokumentiert, wann, wie stark und unter welchen Umständen Ihre Kopf­schmerzen auftreten. Das erleichtert die Diagnose erheblich. Notieren Sie auch eingenommene Medikamente und mögliche Auslöser wie Stress, Schlafmangel oder bestimmte Lebensmittel. Die DMKG bietet kostenfreie Vorlagen und eine App an.

Quellen
  • Robert Koch-Institut, Journal of Health Monitoring S6/2020: Migräne und Spannungs­kopf­schmerz in Deutschland (Studie BURDEN 2020)
  • Deutsche Migräne- und Kopf­schmerz­gesellschaft (DMKG): Patienteninformationen, Expert-Finder, Broschüre „Kopf­schmerzen: Wann sind sie gefährlich?"
  • DGN/DMKG-Leitlinie: Therapie der Migräne­attacke und Prophylaxe der Migräne