Ziel: Besser essen

Aktuelle Ernährungstrends

Clean Eating, Superfoods und Rückbesinnung auf  traditionelle Obst- und Gemüsesorten

In Kürze
Clean Eating
„Clean Eating“ gewinnt immer mehr Anhänger. Selbst kochen mit frischen Zutaten heißt die simple Devise. In der Konsequenz werden nachhaltige und regionale Bio-Lebensmittel bevorzugt.
Revival auf dem Teller
Alte Obst-, Salat-, Gemüse- und Kräutersorten kommen wieder und sorgen für mehr geschmackliche Vielfalt auf dem Teller.
Alles super?
Neue Superfoods sind auf dem Vormarsch. Sie heißen Baobab oder Inkanuss und konkurrieren mit Chia & Co. um die Gunst von abnehmwilligen und gesundheitsbewussten Konsumenten.
Zu gesund wird ungesund
Der Drang, sich optimal gesund zu ernähren, kann krankhafte Züge annehmen, sodass eine wachsende Zahl von Medizinern und Psychologen von einem neuen Krankheitsbild ausgeht: Der Orthorexie.
Wer auf gesunde Ernährung setzt, liegt voll im Trend, kann aber auch zu viel des Guten tun.
Zurück zur Natur
Wer auf gesunde Ernährung setzt, liegt voll im Trend, kann aber auch zu viel des Guten tun.
Soziale Medien, Frauenzeitschriften und Ernährungsgurus werden auch im neuen Jahr wieder reichlich Ernährungs- und Abnehmtipps für gesundheitsbewusste Konsumenten liefern. Die Schlagrichtung folgt dem Trend der vergangenen Jahre: frischer, gesünder – und nachhaltiger. Die Fixierung auf gesunde Ernährung hat jedoch auch Schattenseiten.
Bewusst gesund

In den 1950er-Jahren traten die ersten Fertiggerichte ihren weltweiten Siegeszug an, die dem Verbraucher zeitaufwendige Zubereitung komplett ersparten. Öffnen, erhitzen, fertig. Heute sind die Supermarktregale voll mit sogenanntem Convenience Food. Der wachsende Trend zu bewusster und gesunder Ernährung schuf eine Gegenbewegung, die seit einigen Jahren unter Clean Eating firmiert.

Die wichtigste Regel: Als Zutaten kommen ausschließlich naturbelassene Lebensmittel wie Salat, Obst, Gemüse, Getreide, Fleisch, Fisch und Geflügel in Frage.

Der Vorteil: Wer selbst und ausschließlich mit unverarbeiteten Zutaten kocht, isst somit auch keine Zuckerzusätze, Konservierungsstoffe , Farbstoffe, künstliche Aromen, Trockenmittel, Geschmacksverstärker oder sonstige Zusatzstoffe.

Der Nachteil: Einige der Clean-Eating-Regeln sind übertrieben. So empfehlen Clean-Eating-Gurus, drei Liter Wasser täglich zu trinken. Dies entspricht nicht den wissenschaftlich basierten Trinkempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Die Gesundheitswelt empfiehlt Ihnen daher, sich auf folgende moderate Clean-Eating-Grundregeln zu beschränken:

  • Kaufen Sie regionale Lebensmittel und/oder Bio-Lebensmittel.
  • Kochen Sie möglichst nur mit naturbelassenen Zutaten.
  • Ernähren Sie sich vollwertig.
  • Verzichten Sie auf Zucker und Alkohol.
  • Essen Sie keine (Teil-)Fertiggerichte, Light- oder Diät-Produkte.
Das Aroma ist es wert

Die Welternährungsorganisation (FAO) schätzt, dass zwischen 1900 und 2000 über 75 Prozent der Kulturpflanzen unwiederbringlich verschwunden sind. Viele alte Sorten fielen dem wirtschaftlichen Optimierungsdruck der Agrarindustrie zum Opfer. Was nicht ertragreich genug war, sich nicht über weite Entfernungen transportieren ließ oder nicht mehr nachgefragt wurde – das wurde nicht mehr angebaut.

Dank des Trends zu Biokost und regionalen Lebensmitteln wächst seit einigen Jahren die Nachfrage nach alten Sorten. Sie sind zwar nicht so ertragreich und nicht immer optisch perfekt, dafür in der Regel aromatischer als die industriell optimierten Salat-, Obst-, Gemüse- und Getreidesorten.

Greifen Sie also zu, wenn Sie auf Wochenmärkten auf alte Sorten stoßen. Sie haben teils klangvolle Namen wie Goldparmäne (Apfel), Mollebusch (Birne), Lila Luder (Möhre), weiße Bete, blaue Kapuzinererbse, gebogene Kipflerbohne oder Butterkohl. So helfen Sie mit, die Artenvielfalt bei Kulturpflanzen zu erhalten.

Alte Nutztierrassen profitieren leider nicht vom Biotrend, der überwiegend von Veganern und Vegetariern getragen wird. Sie sterben aus, weil sie langsamer wachsen oder weniger Milch, Eier oder Wolle liefern – also teure Endprodukte liefern und sich in der Massentierhaltung nicht lohnen. Kurzum: Was der Verbraucher nicht isst, läuft Gefahr auszusterben.

Typische Beispiele sind das Angler Sattelschwein, das Glanrind und das Sachsenhuhn, die meist nur noch von Liebhabern und einigen Biobauern gezüchtet werden. Dass sich dieser Trend umkehren lässt, zeigt das lange bedrohte Mangalitza-Schwein, das inzwischen in ganz Europa wieder auf dem aufsteigenden Ast ist.

Exotische Versprechen

Sie heißen Açaí, Chia, Goji oder Noni, sind vollgestopft mit Nährstoffen und Antioxidanzien und werden als „Superfoods“ massiv vermarktet. Ihre angepriesenen Gesundheitseffekte sind mehr Wunsch denn Realität – und unter bestimmten Umständen können Superfoods sogar schaden.

Nichtsdestotrotz drängen jährlich neue Superfoods auf den Märkte. Verbraucher zahlen schließlich bereitwillig bis zu 20 € pro 100 g konzentriertes Gesundheitsversprechen. Die potenziellen Aufsteiger im Jahr 2017 heißen Inkanuss, Baobab (Frucht des Afrikanischen Affenbrotbaums), kleine Wasserlinse, Maca (peruanische Kresse) und Grünkohl.

Neue Krankheit Orthorexie
Pestizide, Antibiotika und Schadstoffe im Essen verunsichern die Verbraucher. „Bio“, „glutenfrei“ und „ohne Gentechnik“ finden reißenden Absatz. Der Drang nach einer optimalen gesunden Ernährung kann in ein extremes bis krankhaftes Ernährungsverhalten umschlagen, das die seelische und körperliche Gesundheit massiv beeinträchtigen kann: Orthorexie.
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