Kick für den Kreislauf

Kaffee

Tasse oder Kännchen? Egal – Kaffee ist in jeder Form ein anregender Genuss, und dazu auch noch gesund.

In Kürze
Seit Jahrhunderten geschätzt
In Äthiopien ist der Kaffee-Anbau seit dem 9. Jahrhundert belegt. Rund 90 Kaffee-Arten sind bekannt, aber 98 Prozent der Kaffeeproduktion entfallen auf die Arten Arabica und Robusta. 
Gesunder Genuss
Kaffee enthält praktisch keine Kalorien, aber sehr viele gesunde Inhaltsstoffe. In Maßen getrunken, senkt Kaffee außerdem das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und einige Krebsarten.
Für jeden das Richtige
Zahlreiche Zubereitungsmethoden sorgen für ein individuelles Geschmackserlebnis und machen Kaffee bei Bedarf bekömmlicher.
Kaffee belebt nicht nur Morgenmuffel – und ist sogar gesundheitsfördernd.
Kick für den Kreislauf
Kaffee belebt nicht nur Morgenmuffel – und ist sogar gesundheitsfördernd.
Ob Filterkaffee oder Espresso: Kaffeetrinker weltweit schätzen die belebende Wirkung des aromatischen Heißgetränks. Bis vor wenigen Jahren hing dem koffeinhaltigen Kaffee der Ruch an, sich negativ auf die Gesundheit aus­zuwirken. Neueste Studien belegen aber, dass maßvoller Kaffeekonsum un­schäd­lich ist und unter be­stimm­ten Be­din­gun­gen sogar gesundheitsfördernd sein kann.
Beliebt seit Jahrhunderten

Der Legende nach entdeckten äthiopische Hirten die Wirkung der Kaffeebohne: Ihre Ziegen fraßen die Früchte einer eigenartigen Pflanze und waren bis in die Nacht quicklebendig. Zu Hilfe gerufene Mönche kreierten dann aus den Bohnen den belebenden Aufguss.

Historisch belegt ist, dass Kaffee im 9. Jahrhundert in Kaffa angebaut wurde, einer Region im Südosten des heutigen Äthiopien. Etwa im 14. Jahrhundert brachten Sklavenhändler die Pflanze nach Arabien. Im 16. Jahrhundert setzt der Kaffee seinen Siegeszug im Osmanischen Reich und in Persien fort. Im 17. Jahrhundert öffneten Kaffeehäuser in Italien, England und Österreich ihre Pforten.

Kaffeefrüchte ähneln Kirschen und zählen zu den Steinfrüchten. In jeder Frucht befinden sich zwei bohnenförmige Samen, die als Rohkaffee gehandelt werden.

Der Kaffeebaum zählt zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae). Rund 90 Kaffee-Arten sind bekannt, wobei 98 Prozent der jährlichen Kaffeeproduktion auf zwei Arten entfallen: Arabica (Coffea arabica) und Robusta (C. canephora). Daneben gibt es noch Spezialitäten wie Liberica- (C. liberica) und Excelsa-Kaffee (C. liberica var. dewevrei).

Alles außer Kalorien

Geröstete Robusta-Kaffeebohnen enthalten unter anderem 35 % wasserunlösliche Polysaccharide, 28,5 % Röststoffe, 17 % Fette (Kaffeebohnenöle), 7,5 % Eiweiße, 3 % Lignin, 2,5 % Chlorogensäure, 1,3 % Koffein, 1,0 % Trigonellin sowie reichlich Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium, Kalzium und Phosphor. Darüber hinaus enthalten Kaffeebohnen über 800 Pflanzenstoffe, darunter Vitamin B3, Aromastoffe und Polyphenole.

Für den charakteristischen Geschmack sind vorwiegend die Röstprodukte verantwortlich, wobei es auf Temperatur und Dauer des Röstvorgangs ankommt. Bei Temperaturen um 500 °C bilden sich mehr Bitterstoffe, langsames Rösten bei etwa 200 °C erzeugt mildere Kaffees. Hell geröstete Kaffees sind säurebetonter, dunkel geröstete eher bitter. Die Crema bei Espresso und Direktaufgüssen wie Mokka besteht vorwiegend aus Kaffeeölen.

Der Brennwert von schwarzem Kaffee liegt bei nur 2 kcal pro 100 ml. Mit Zucker und Milch lässt sich der Energiegehalt jedoch problemlos auf das Niveau einer zuckerhaltigen Cola hieven. Aktuelle Kaffee-Spezialitäten bringen es mit Sirup, Sahne und großer Füllmenge sogar auf bis zu 600 kcal und damit den Kaloriengehalt eines doppelten Hamburgers.

Eine Tasse Kaffee enthält 60 bis 120 mg Koffein. Dieses stimuliert das zen­tra­le Ner­ven­system, stei­gert Herz­tä­tig­keit und Kon­zen­tra­tions­fä­hig­keit, er­höht den Blut­druck leicht, wirkt harn­trei­bend und regt Darm­tä­tig­keit und Fett­ver­bren­nung an.

Gut zu wissen
  • Abhängigkeit

    Regelmäßiger Kaffeekonsum kann abhängig machen. Wer als starker Kaffeetrinker sein Lebenselixier auf einen Schlag absetzt, muss mit Entzugserscheinungen rechnen. Spätestens nach einem Tag setzen Kopfschmerzen ein. Ebenso möglich sind Übelkeit, Schwindelgefühle, Erschöpfung und Reizbarkeit. Der Körper kann sich aber binnen ein bis zwei Wochen anpassen und wieder ohne Koffein auskommen.
  • Bluthochdruck

    Koffein erhöht kurzfristig den Blutdruck. Wer an Bluthochdruck (Hypertonie) leidet, sollte daher besser auf koffeinfreie Röstungen zugreifen.
  • Cholesterinspiegel

    Insbesondere in der Crema enthaltende Verbindungen wie das Kafestrol und Kahweol können das Gesamt- und das unerwünschte LDL-Cholesterin im Blut um bis zu 10 Prozent erhöhen. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen (Lipid-Liga) empfiehlt Menschen mit erhöhtem Cholesterinspiegel daher, Filterkaffee den Vorzug zu geben. Filterpapier bindet nämlich einen Großteil des Kafestrol und Kahweol.
  • Flüssigkeitshaushalt

    Kaffee regt zwar den Harndrang an, wirkt aber insgesamt nicht entwässernd. Außerdem enthält Kaffee wertvolle Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium und Magnesium.
  • Herz und Gefäße

    Da Kaffee vorübergehend die Herztätigkeit ankurbelt, stand das Genussmittel lange im Verdacht, sich negativ auf die Herzgesundheit auszuwirken.

    Wissenschaftler der Harvard School of Public Health konnten diese Bedenken im Jahre 2013 jedoch zerstreuen, nachdem sie bei rund 1,3 Millionen Studienteilnehmern den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Herz-Kreislauf-Erkrankungen analysiert hatten: Wer drei bis fünf Tassen Kaffee am Tag trinkt, hat demnach ein geringeres Risiko als Kaffeeverächter, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Starker Kaffeekonsum mit bis zu sieben Tassen täglich wirkte sich dagegen weder positiv noch negativ auf die Herzgesundheit aus.

  • Krebs

    Kaffee enthält Antioxidantien und andere sekundäre Pflanzenstoffe, die möglicherweise vor der Entstehung bestimmter Krebserkrankungen schützen können. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) bestätigt, dass Kaffeetrinken vor Leberkrebs schützen kann. Außerdem verringert Kaffeekonsum in geringem Maße das Erkrankungsrisiko für Nierenkrebs und weißen Hautkrebs. Möglicherweise gibt es auch einen schwachen Schutz vor Brust-, Dickdarm- und Gebärmutterkörperkrebs.

    Andererseits kann Kaffeetrinken das Risiko für Speiseröhrenkrebs erhöhen. Zudem erkranken Personen, die über zehn Tassen Kaffee am Tag konsumieren, häufiger an Blasenkrebs. Da Kaffee-Vieltrinker aber häufig einen ungesunden Lebensstil pflegen, lässt sich hier die Krebsursache nicht direkt am Kaffee festmachen.

  • Schwangere und stillende Mütter

    Ungeborene und Säuglinge verfügen nicht über eine voll ausgereifte Leber und können das Koffein nur langsam abbauen. Werdende und stillende Mütter sollten Kaffee daher nur in geringen Mengen genießen – maximal zwei Tassen à 125 ml pro Tag.
  • Sodbrennen

    Kaffeesäuren wie Chlorogensäure können einen empfindlichen Magen reizen und Sodbrennen verursachen. Hier kann eventuell Schonkaffee Abhilfe schaffen.

    Schonkaffee besteht zu 100 Prozent aus Arabica-Bohnen, welche deutlich weniger Säuren enthalten als Robusta-Bohnen. Zudem werden die rohen Bohnen unter Druck mit Wasserdampf behandelt, um einen Teil der Säuren auszuwaschen. Des Weiteren wird Schonkaffee nur leicht geröstet, wodurch weniger Reizstoffe entstehen.

  • Kaffee statt Fasten

    Kaffee kann beim Abnehmen helfen: Poly­phe­nole im Kaffee stimulieren die Selbstverdauung von Zellen. Der gleiche Mechanismus wird auch beim Fasten in Gang gesetzt. Damit dies funktioniert, muss der Kaffee aber schwarz getrunken werden.
Empfindliches Genussmittel
  • Achten Sie auf das Mindesthaltbarkeitsdatum.
  • Verpacken Sie Ihre Bohnen oder das Kaffeepulver in einem luftdicht verschließbaren, lichtundurchlässigen Keramikbehälter.
  • Lagern Sie den Kaffee zudem trocken und an einem kühlen Ort wie einem Naturkeller, aber nicht im Kühlschrank.
  • Am besten hält sich das Aroma, wenn Sie die gerösteten Bohnen kurz vor dem Aufbrühen selbst mahlen.
Koffein-Kick mal anders
Koffeinhaltige Muntermacher sind auch Schwarztee, Grüntee, Mate-Tee und Guaraná. Letzterer ist ähnlich belebend wie Kaffee, schmeckt aber gewöhnungsbedürftig. Das neue, giftgrüne In-Getränk Matcha ist fein gemahlener Grüntee.
Für jeden das Richtige

Kaffee ist ein weltweit verbreitetes Genussmittel, für das zahlreiche Zubereitungsmethoden existieren. Wer Wert auf Crema legt, brüht die gerösteten und gemahlenen Bohnen ohne Filter auf, z. B. in der French Press, der Moka für die Herdplatte (fälschlich oft als „Espressokocher“ bezeichnet) oder als türkischen Kaffee im Mokkatopf. Eine besonders reichhaltige Crema hat Espresso, da hier insbesondere die Kaffeeöle unter hohem Dampfdruck besonders effektiv extrahiert werden.

Filterkaffee enthält dagegen keine Crema, da diese weitestgehend im Filter zurückbleibt.

Eine besonders magenschonende, aber gewöhnungsbedürftige Variante ist kalter Filterkaffee, die als „Cold Brew Coffee“ gerade zum In-Getränk wird. Hierzu setzen Sie das Kaffeepulver zwölf Stunden in kaltem Wasser an. Den Überstand gießen Sie durch einen Kaffeefilter und bewahren ihn in einer luftdicht verschließbaren Flasche aus braunem oder grünen Glas auf. Kühl gelagert bleibt das Extrakt etwa eine Woche genießbar.

Der kalte Filterkaffee enthält wenig Säuren und ist entsprechend magenschonend. Zum Trinken einfach ein Teil Extrakt mit zwei bis drei Teilen kochend heißen Wasser aufgießen.

Bild: amenic181/Fotolia