• Eine Depression ist eine seelische bzw. psychische Erkrankung, die über vorüber­gehende Stimmungs­schwankungen hinausgeht. Sie kann in unterschiedlichen Alters- und Lebens­phasen auftreten.
  • Depressionen sind schwer zu diagnostizieren, das Krankheits­bild kann von Fall zu Fall variieren. Typisch sind eine anhaltende nieder­geschlagene Stimmung und Antriebs­losigkeit, Interessens­verlust sowie körperliche Symptome wie Schlaf­störungen.
  • Finden Sie mit dem kostenlosen Selbsttest heraus, ob Sie gerade "nur" gestresst sind oder sich bereits auf dem Weg in eine depressive Verstimmung be­finden.
  • Die Behandlung von Depressionen erfolgt meist über eine Kombination aus Psychotherapie und medikamentöser Therapie. Unser Serviceangebot Partnernetzwerk Psyche unterstützt Betroffene mit einer privaten Krankenvollversicherung der Allianz auf dem Weg aus der Krise.
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Erklärung
Die meisten Menschen haben zeit­weise keine Freude an der Arbeit oder Stress im Privat­leben, fühlen sich müde, nieder­geschlagen oder „deprimiert“. Solche Phasen sind normal und vor­erst kein Grund zur Sorge. Hält diese ge­drückte Stimmung jedoch an, hat Ein­fluss auf unseren All­tag und weitere Be­schwerden zu­folge, liegt möglicher­weise eine psychische Er­krankung vor, eine Depression.

Eine klinische Depression oder depressive Verstimmung ist eine psychische Erkrankung bzw. krankhafte Gemütsstörung. Sie äußert sich typischerweise durch eine anhaltend gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit sowie vielfältige körperliche Symptome, wie beispielsweise Appetit- und Schlafstörungen.

Depressionen oder depressive Episoden können in jedem Alter auftreten, viele Betroffene erkranken bereits vor dem 30. Lebensjahr. Typischerweise fühlen sich Betroffene mit Depressionen ausgelaugt und kraftlos, niedergeschlagen oder verzweifelt, doch die Erkrankung äußert sich bei jeder Person unterschiedlich.

Viele Patienten und Patient­innen ent­wickeln während einer depressiven Episode Selbst­mord­gedanken. Häufen sich solche schweren depressiven Phasen, lassen einige der Er­krankten diesen Ge­danken auch Taten folgen; die Suizidrate liegt bei rund 10-15 %. Gerade Menschen mit Depression, die allein leben oder in belastenden sozialen Verhält­nissen, sind be­sonders ge­fährdet. Alkohol und Drogen­missbrauch können das Suizid-Risiko eben­falls erhöhen. Gibt es An­zeichen für solche Tendenzen, sollten nicht nur die Be­troffenen, sondern auch Ange­hörige und Freunde die Notfall­nummer einer Be­ratungs- und Krisen­hotline zur Hand haben. In akuten Fällen wählen Sie bitte den Not­ruf über 112.
Die medizinischen und therapeut­ischen Ent­wicklungen in der Psycho­somatik und Psycho­therapie in den letzten Jahren wirken sich sehr positiv auf die Be­handlung und Therapie von Depressionen aus. In­zwischen lernen mehr als 80 % der Er­krankten, erfolg­reich und vor allem dauer­haft gut mit Ihren Problemen um­zugehen.
Eine unipolare Depression be­zeichnet das Auf­treten depressiver Phasen ohne manische Phasen. Eine manische Stimmung (Manie) liegt bei grund­loser und über­trieben ge­hobener Stimmung vor.
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An­zeichen & Sympto­matik
Das Krank­heits­bild einer Depression ist viel­schichtig, die unter­schiedlichen körper­lichen und psychischen Be­schwerden sind für Be­troffene oft schwer ein­zuordnen. Die Schwierig­keit von ärztlicher Seite be­steht in einer fundierten Diagnostik der meisten Symptome.

Eine Depression kann sich bei Be­troffenen sehr unter­schiedlich äußern. Als Leit­faden für die Diagnostik depressiver Episoden dienen inter­national fest­gelegte Haupt­symptome einer Depression:

  • Depressive Stimmung (Trauer aus­genommen)
  • Interessens­verlust und Freud­losigkeit
  • Antriebs­mangel sowie erhöhte Ermüd­bar­keit

Nicht immer sind alle der oben ge­nannten typischen Symptome für eine Depression vor­handen. Zu den weiteren An­zeichen bzw. Zusatz­symptomen von Depressionen zählen:

  • Geringes Selbst­wert­gefühl, Schuld­gefühle
  • Auf­merksam­keits­defizit, ver­minderte Konzen­tration
  • Ver­minderter Appetit, Gewichts­verlust
  • Schlaf­störungen
  • innere Un­ruhe oder Panik­attacken
  • Ängste und Phobien
  • Hoffnungs­losig­keit & Pessimismus
  • Suizid­gedanken oder Selbst­tötungs­handlungen
Um besser ein­schätzen zu können, ob Sie gerade „nur“ zu viel Stress haben, sich in einer schwierigen Lebens­phase oder tatsächlich auf dem Weg in eine Depression be­finden, hilft Ihnen der folgende Depression Selbst­test:
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Entstehungs­faktoren
Für die Ent­stehung einer Depression spielen in der Regel mehrere Faktoren eine Rolle, die unter­schiedlich zusammen­wirken. Erb­liche Ver­anlagung, eine be­sondere Vulner­abilität (geringere Belastungs­toleranz) und be­stimmte Persönlich­keits­faktoren können Depressionen be­günstigen. Menschen, die derart vor­belastet sind, ent­wickeln bei Über­forderung, Stress oder be­lastenden Ereignissen eher eine depressive Episode als andere.

Die Ur­sachen und Aus­löser für das Auf­treten einer Depression im Über­blick:

  • Genetische Ver­anlagung: Wissen­schaftlich ist ein ge­netischer Faktor für die Ent­wicklung einer Depression in­zwischen be­legt. Bei depressiven Ver­wandten ersten Grades liegt das eigene Risiko für eine Depression bei ca. 15 Prozent, unter Zwillingen sogar bei mehr als 50 Prozent.
  • Stoff­wechsel- und Funktions­störungen im Ge­hirn: Bei depressiven Patienten und Patient­innen weisen die Boten­stoffe im Ge­hirn eine typische Ver­änderung auf, wie beispiels­weise eine niedrigere Aktivität als bei Menschen ohne Depression. Medikamente wie Anti­depressiva, die neben einer thera­peutischen Be­handlung oft ein­gesetzt werden, erhöhen die Aktivität dieser Boten­stoffe.
  • Psycho­soziale Faktoren: Ent­wicklungs- und Persönlich­keits­faktoren wie die Folgen eines ängst­lichen oder über­behüteten Erziehungs­stils (erlernte Hilflosig­keit, mangelnde Fähig­keit zur Stress­bewältigung) sind Risiko­faktoren für eine Depression. Hierzu zählen beispiels­weise der frühe Ver­lust eines Eltern­teils oder Traumata wie sexueller Miss­brauch.
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Gut zu wissen
Ab­hängig von den jeweiligen Ent­stehungs­faktoren liegt die Wahr­scheinlichkeit, selbst eine Depression zu ent­wickeln, zwischen 7 und 18 Prozent. Dabei sind Frauen fast doppelt so häufig von der Er­krankung be­troffen wie Männer. Doch woran liegt das?
  • Die Tat­sache, dass Depressionen bei Frauen am häufigsten im Alter zwischen 25 und 44 Jahren auf­treten, steht Wissen­schaftlern zu­folge mit hormonellen Faktoren im Zusammen­hang. Denn die weiblichen Geschlechts- und Sexual­hormone Östrogen und Progesteron haben einen er­heblichen Ein­fluss auf den Bio­rhythmus, das Nerven­system und die Stimmungs­lage. So sind be­stimmte Formen der Depression, wie z. B. die Wochen­bett­depression bis zu 12 Monate nach einer Geburt oder die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) bei Mädchen und jungen Frauen, vor­nehmlich weiblich be­setzte Krankheits­bilder.
  • Forschungen haben er­geben, dass der höhere Prozent­satz für Depressionen bei Frauen in der sozialen Erziehung und gesellschaftlichen Geschlechter­rollen be­gründet liegt. Während Mädchen häufig Lob für ihre Fürsorglich­keit und ihren sensiblen Um­gang mit anderen be­kommen, werden Jungen in ihrer Unab­hängig­keit ge­fördert und sollen ihre Gefühle nicht offen äußern. Das führt dazu, dass Männer eine mögliche Depression eher ver­schweigen und auch anders wahr­nehmen. Daher könnte die Dunkel­ziffer deutlich höher sein.
Es existiert darüber hinaus die These, dass Depressionen in Wirklich­keit gar nicht häufiger bei Frauen als bei Männern auf­treten. Letztere be­schreiben Depressivität in ihrer Wahr­nehmung nur eher als Stress und neigen zu Symptomen wie Reiz­bar­keit, Wut oder Schlaf­störungen. Frauen fühlen sich hin­gegen eher traurig und nieder­geschlagen, als hätten Sie in ihrer gesell­schaftlichen Rolle, in ihrer be­ruflichen Position oder als Haus­frau und Mutter ver­sagt. In dieser Situation suchen Frauen eher professionelle Hilfe als Männer; bei Ihnen wird daher tenden­ziell eher eine Depression diagnostiziert als beim männlichen Ge­schlecht.
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Ein­teilung und Klassi­fikation
Depressive Erkrankungen zeigen sich in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen. Um eine wissenschaftliche Basis für eine medizinisch fundierte Diagnostik und entsprechende Therapiemaßnahmen zu schaffen, werden depressive Verstimmungen in bestimmte Phasen, Schweregrade und Sonderformen unterteilt.

Depressionen werden nach dem internationalen Klassifikationssystem ICD-10 (International Classification of Diseases) in drei verschiedene Schwergrade eingeteilt:

  • Leichte depressive Episode (leichte Depression oder Gemütsstörung)
  • Mittelgradig depressive Episode (mittelgradige Depression bzw. mittlere Gemütsstörung)
  • Schwere depressive Episoden (schwere Depression oder Gemütsstörung)

Für jeden Schweregrad ist definiert, wie viele Hauptsymptome und Zusatzsymptome vorliegen müssen. Unabhängig vom Schweregrad und der Anzahl der jeweiligen Symptome müssen diese Beschwerden bereits mindestens zwei Wochen anhalten. Vorher kann aus ärztlicher Sicht keine entsprechende Diagnose gestellt werden. Die einzelnen Schweregrade und die Anzahl der vorliegenden Symptome auf einen Blick:

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Schweregrad
Anzahl Hauptsymptome
Anzahl Zusatzsymptome
Leichte depressive Episode 2 2
Mittelgrad depressive Phase 2 3 bis max. 4
Schwere depressive Episoden 3 4
Depressionen lassen sich nicht nur nach ihrem Schwere­grad unter­scheiden. Je nach auf­tretenden Zusatz­symptomen lassen sie sich darüber hinaus in spezifische Sub­typen auf­teilen, deren Be­handlung unter Um­ständen besondere Therapien er­fordern. Folgende Sub­typen oder Sonder­formen lassen sich differen­zieren:
Chronische depressive Störungen
Depressive Episoden, die ge­wöhnlich länger als zwei Jahre anhalten (z. B. Dysthymie) und häufig von weiteren psychischen Er­krankungen, wie Ess­störungen, Persönlich­keits­störungen, Substanz­miss­brauch oder Zwangs­störungen be­gleitet werden.
Melancholische Depression
Schwere Aus­prägung des Haupt­symptoms Stimmungs­störung, bei der Be­troffene keine Ge­fühle wie Lust, Freude oder Wut empf­inden können.
Psychische Störung nach der Entbindung
Die so­genannten „Heul­tage“ („Baby Blues“) oder Wochen­bett­depressionen (post­partale Depressionen) treten in den ersten Tagen oder Wochen nach einer Ge­burt bei der Mutter (seltener auch dem Vater) auf.
Psychotische Depression
Depressive Episoden mit zusätz­lichen, oft schweren wahn­haften Vor­stellungen, die sich beispiels­weise in einem Ver­schuldungs- oder Ver­armungswahn äußern. Auch Depressionen mit be­gleitender Angst­symptomatik oder (generalisierten) Angst­störung sowie Panik­störungen (Panik­attacken) fallen unter diese Psychosen.
Saisonal abhängige Depression (SAD)
Diese depressiven Episoden gehen häufig mit bestimmten Jahreszeiten einher, wie die Winterdepression oder der sogenannte „Feiertagsblues“. Sie treten gerade in der lichtarmen Jahreszeit auf, sodass Patienten den Rest des Jahres gesund sein können.
Um besser ein­schätzen zu können, ob Sie gerade „nur“ zu viel Stress haben, sich in einer schwierigen Lebens­phase oder tatsächlich auf dem Weg in eine Depression be­finden, hilft Ihnen der folgende Depression Selbst­test:
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Hilfe bei Depression
Die Be­handlung einer Depression er­folgt im Wesentlichen über zwei Wege: die medika­mentöse Be­handlung mit Anti­depressiva sowie die psycho­therapeutische Be­handlung. Medikamenten­behandlung und Psycho­therapie werden oft kombiniert und durch weitere thera­peutische An­gebote er­gänzt.

Eine Depression ist eine eigen­ständige psychische Er­krankung. Be­troffenen fällt es schwer, all­tägliche Ent­scheidungen zu treffen, selbst kleinste Schwierig­keiten werden zu unlös­baren Problemen. Damit diese Probleme wieder über­schaubar werden und negative Gefühle wie Antriebs­losig­keit oder Freud­losig­keit, die mit der Krank­heit einher­gehen, er­träglicher werden, kommen im Rahmen einer Pharmako­therapie so­genannte Anti­depressiva zum Ein­satz. Diese Medikamente sind keine Be­ruhigungs- oder Aufputsch­mittel und machen per se nicht süchtig. Sie sind jedoch ver­schreibungs­pflichtig und dürfen nur nach Ab­stimmung mit dem be­handelnden Arzt oder der Ärztin bzw. Therapeutin oder Therapeuten ein­genommen werden. Ihre Wirkung ent­faltet sich nicht sofort, sondern erst nach einer längeren Ein­nahme­phase von bis zu vier Wochen. Anti­depressiva wirken lang­fristig, dürfen bei einer Besserung der Er­krankung aber auch nicht gleich wieder ab­gesetzt werden. Be­troffene laufen ansonsten Ge­fahr, erneut in eine Depression zu fallen. 

Wann ist die Be­handlung mit Anti­depressiva oder anderen Psycho­pharmaka sinn­voll?
Das sollte individuell mit dem be­handelnden Arzt oder der Ärztin be­sprochen werden und ist ab­hängig von dem jeweiligen Schwere­grad der Depression und früheren Krankheits­ver­läufen der Patientin oder des Patienten.

Psycho­therapie
Psycho­thera­peutische Ver­fahren basieren auf ver­schiedenen kommunikativen Techniken oder Übungen, um Patienten und Patientinnen bei der Be­wältigung einer psychischen Erkrankung zu unter­stützen. Die einzelnen Psycho­therapie­formen sind in der Regel nicht allgemein­gültig, sondern sehr spezifisch auf das jeweilige Krankheits­bild zu­geschnitten. Sie sollen Be­troffenen Handlungs­kompetenz und Bewältigungs­strategien zum Um­gang mit inneren oder zwischen­menschlichen Konflikten auf­zeigen. Es geht darum, das eigene Selbst­vertrauen auf­zubauen, da Be­troffene sich oft mit­schuldig an ihrer Er­krankung fühlen. Folgende Formen der Psycho­therapie (in alpha­betischer Reihen­folge) haben sich zur Be­handlung von Depressionen etabliert:
Gesprächs­­psycho­­therapie
Bei dieser Form der Psycho­therapie lernen Be­troffene, ihre Ge­danken und Ge­fühle in Worte zu fassen. Das „Be­nennen“ der eigenen Gefühls­lage fördert zudem die bessere Wahr­nehmung der individuellen Be­dürfnisse. Denn ein negatives Selbst­bild fördert depressive Stimmungen und psychische Störungen. Gesprächs­psychotherapie er­folgt oft in Gruppen­therapien und hat sich insbesondere bei depressiven Störungen infolge chronischer körperlicher Er­krankungen oder für die Trauer­bewältigung be­währt.
Inter­personelle Therapie (IPT)
Innere und soziale Konflikte ent­stehen oft in kritischen Lebens­situationen und im Zusammen­spiel mit den jeweiligen Mit­menschen. Gerade älteren Menschen mit Depression fällt der Um­gang mit diesen zwischen­menschlichen Konflikten oder Krisen schwer, wie sie beispiels­weise durch den Ab­schluss eines Lebens­abschnitts (Renten­eintritt) oder den Ver­lust eines ge­liebten Menschen (Ehe­partner) aus­gelöst werden. Die IPT soll je nach Art des Konflikts die eigene Trauer­bewältigung unter­stützen, neue Be­ziehungen und Freund­schaften auf­bauen oder das Selbst­wert­gefühl in einer neuen gesell­schaftlichen Rolle wieder­herstellen.
Kognitive Therapie
Die kognitive Psycho­therapie setzt bei Depressionen auf die be­wusste Änderung und Um­wertung erlernter Denk- und Verhaltens­muster. Diese negativen und ab­wertenden Wahr­nehmungs­muster wurden durch frühere Er­eignisse und Er­fahrungen erlernt. Sie erscheinen in der Gegen­wart meist un­logisch und realitäts­fremd, haben jedoch großen Ein­fluss auf die Stimmung und Gefühls­welt der Be­troffenen. In einer kognitiven Einzel- oder Gruppen­therapie lernen Patientinnen und Patienten mit Depressionen, diese Denk­muster zu er­kennen, sich be­wusst von ihnen zu distanzieren und sie positiv um­zudeuten. Oft wird eine kognitive Therapie mit einer Verhaltens­therapie kombiniert, um eine nach­haltige Ver­änderung von Verhaltens­weisen zu er­reichen.
Tiefen­psycho­logisch orientierte Psycho­therapie
Diese Therapie­form geht von unan­genehmen oder negativen bio­grafischen Ereignissen in Kind­heit und Jugend aus. Dieser nicht be­wältigte innere Konflikt soll in der Therapie wieder­holt durch­lebt und erinnert werden. Das Ziel dieser Art der Psycho­therapie: die depressiven Symptome und Be­schwerden durch diese Auf­arbeitung auf­zulösen.
Verhaltens­therapie
Jedes menschliche Ver­halten kann erlernt, innerlich ge­festigt, aber im Laufe der Zeit auch wieder verlernt werden. Das betrifft körperliche Reaktionen und sicht­bare Verhaltens­muster, aber auch Ge­danken, Ge­fühle oder Beweg­gründe. Während Lob und Zu­wendung die Häufig­keit von Verhaltens­weisen erhöhen, können negative Folgen oder eine Bestrafung für aktives soziales Ver­halten in depressiven Störungen resultieren. Eine Therapie be­ginnt mit einer Analyse der Reaktionen und Verhaltens­muster der depressiven Person. Gemeinsam mit dem Therapeuten oder der Therapeutin werden im An­schluss Behandlungs­ziele definiert und ein Behandlungs­plan fest­gelegt.
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Wenn Menschen, die uns nahestehen, sich plötzlich verändern, ist das oft schwer zu begreifen. Die folgenden Ratschläge können Angehörigen in ihrem Umgang mit depressiven (Ehe-)Partnern und Lebenspartnerinnen, Familienmitgliedern oder Freundinnen und Freunden weiterhelfen:
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FAQ

Was verschlimmert eine Depression?

Menschen, die eine Depression oder depressive Episode durch­leben, haben oft eine ge­netische Ver­anlagung zu dieser Er­krankung. Das Risiko für einen Rück­fall und eine wieder­kehrende Depression ist hoch, mehr als die Hälfte der Be­troffenen mit Depression leiden im Laufe ihres Lebens an weiteren depressiven Episoden. Um einen solchen Rück­fall oder eine Ver­schlimmerung einer be­stehenden Depression zu ver­meiden, können Be­troffene jedoch selbst Einiges tun. Zu den Risiko­faktoren, die eine Depression ver­schlimmern, zählen zu viel Schlaf, an­haltender Stress im Beruf und Beziehungs­probleme. Auch Sucht­mittel wie Alkohol, Nikotin und andere Drogen können auf längere Sicht eine Depression ver­stärken und das Krankheits­bild ver­schlimmern.

Wie häufig kommen Depressionen vor?

Schätzungen zu­folge leiden in Deutsch­land derzeit etwa vier Millionen Menschen an einer Depression. Das ent­spricht 5 Prozent der Be­völkerung. Im Laufe des Lebens wird bei ca. 16 von 100 Er­wachsenen eine Depression fest­gestellt. Frauen sind dabei fast doppelt so häufig von der Er­krankung betroffen wie Männer.

Ist Ruhe gut bei Depressionen?

Sich eine Aus­zeit zu können, den Kopf frei kriegen, Körper und Seele baumeln lassen – das klingt erst einmal gut. Be­wusste Ruhe­phasen sind z. B. bei stress­bedingten psychischen Störungen wie Burn­out ein wichtiger Bau­stein auf dem Weg der Heilung. Doch zur Ruhe kommen ist nicht in allen Lebens­situationen die richtige Strategie. Im Gegen­teil: Bei Depressionen haben Ruhe, lange Schlaf­zeiten und viel Er­holung oft einen gegen­teiligen Effekt, wie eine Studie der Stiftung Deutsche Depressions­hilfe belegte: Eine längere Bett- und Schlaf­zeit ver­stärken depressive Symptome oder können sogar einen Teil der Ur­sache dar­stellen. In vielen Kliniken gehört Schlaf­entzug daher zu den in­zwischen etablierten Behandlungs­formen bei einer Depression.

An wen kann ich mich wenden?

Betroffene mit An­zeichen einer Depression oder An­gehörige von depressiven Menschen sollten sich professionelle Unter­stützung zur Be­wältigung oder Begleitung dieser psychischen Er­krankung holen. Haus­ärzte oder -ärztinnen des Ver­trauens, Beratungs­stellen in Therapie­zentren oder Kliniken können erste Anlauf­stellen sein. Geringere Hürden stellen telefonische Krisen­hotlines dar, und Online-Services wie das Partner­netzwerk Psyche bieten eine individuelle und qualifizierte Be­ratung bei psychischen An­liegen.
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