Erkennen, behandeln und vorbeugen

Migräne

Etwa zehn Prozent der Bevölkerung leiden an einer Migräne. Wir zeigen Ihnen, was Migräne ist und wie es sich behandeln lässt.

In Kürze
Frauen leiden mehr
In der Altersgruppe zwischen 35 und 45 Jahren sind Frauen dreimal häufiger betroffen als Männer.
Ursachen
Anscheinend spielen die genetische Veranlagung und veränderte Stoffwechselvorgänge bestimmter Hirnbereiche eine wichtige Rolle.
Prophylaxe
Eine vorbeugenden Medikation enthält Wirkstoffe gegen Bluthochdruck oder Epilepsie, sie kann Migräneanfälle deutlich lindern.
Die Ner­ven­er­kran­kung Migräne gilt als gut behandelbar.
Gut behandelbar
Die Ner­ven­er­kran­kung Migräne gilt als gut behandelbar.
Nach Schätzungen der MigräneLiga e. V. leiden etwa acht Millionen Menschen in Deutschland an Migräne, drei Viertel davon Frauen. Die Betroffenen ereilt ein- oder mehrmals im Monat eine Migräne­at­tacke, die sich meist als starke einseitige Kopfschmerzen bemerkbar macht, die 4 bis 72 Stunden andauern. Die Ner­ven­er­kran­kung gilt als gut behandelbar.
Frauen häufiger betroffen
Bereits kleine Kinder können an Migräne erkranken. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung leiden an einer Migräne. In der Altersgruppe zwischen 35 und 45 Jahren sind Frauen dreimal häufiger betroffen als Männer. In der Regel nehmen Migräneanfälle nach dem 45. Lebensjahr in der Häufigkeit und Intensität ab – sowohl bei Frauen als auch bei Männern.
Innere und äußere Faktoren

Die Ursachen der Migräne-Erkrankung sind noch nicht umfassend geklärt. Offenbar spielen die genetische Veranlagung und veränderte Stoffwechselvorgänge bestimmter Hirnbereiche eine wichtige Rolle. Außerdem kommen weitere innere und äußere Faktoren hinzu, sogenannte „Trigger“, die bei Betroffenen eine Migräneattacke auslösen.

Die Trigger sind individuell verschieden. Die üblichen Verdächtigen sind eine Veränderung des Stresslevels, Schlafmangel, grelles Licht, Nikotin, Alkohol, bestimmte Lebensmittel wie Käse oder Schokolade und hormonelle Schwankungen. Spätestens mithilfe eines Kopfschmerzkalenders finden Betroffene ihre Trigger heraus.

Unterschiede

Ein typischer Migräneanfall läuft in drei bis vier Phasen ab. In der 24- bis 48-stündigen „Vorbotenphase“ kann sich die Migräne durch Symptome wie erhöhte Reizbarkeit, Euphorie, Appetitlosigkeit oder Heißhungerattacken ankündigen.

15 bis 25 Prozent der Patienten erleben zudem eine „Auraphase“, die vor den Kopfschmerzen einsetzt und maximal eine Stunde anhält. Die sogenannte Aura macht sich typischerweise bemerkbar durch einen einseitigen Gesichtsfeldausfall, den Betroffene auch als Lichtblitze, Zickzacklinien und manchmal schwarze Löcher im Gesichtsfeld beschreiben.

In der anschließenden „Kopfschmerzphase“ treten starke, pulsierende oder pochende, meist einseitige Kopfschmerzen ein, die bei körperlicher Aktivität zunehmen. Begleitsymptome sind häufig Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit. Unbehandelt dauert die Kopfschmerzphase 4 bis 72 Stunden an.

Am Ende folgt die 12- bis 24-stündige Rückbildungsphase, in der sich die Betroffenen müde und abgespannt fühlen.

Die Symptome sind aber nicht immer so eindeutig – es können auch andere Erkrankungen infrage kommen.

Was tun, wenn Beschwerden auf eine Migräne hindeuten?

  • Lassen Sie dies von einem Neurologen abklären. Eine Migräne lässt sich gut mit Medikamenten behandeln.

Welche Untersuchungen sind nötig?

  • Vor Therapiebeginn muss der behandelnde Arzt andere Kopfschmerzarten und andere Hirnerkrankungen ausschließen – zum Beispiel Hirnhautentzündung oder Hirntumor. Der Diagnoseweg führt in der Regel über einen Neurologen.
Was hilft?

Man unterscheidet die Attackenbehandlung von der vorbeugenden Therapie. Die Therapie hängt von der Stärke und Häufigkeit der Migräneattacken ab.

  • Gegen leichte bis mittelschwere Migränekopfschmerzen helfen meist Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen – oder eine Kombination aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein. Welches Schmerzmittel anschlägt, ist individuell verschieden.
  • Übelkeit und Erbrechen lassen sich mit sogenannten Antiemetika abschalten.
  • Bei schweren Migränekopfschmerzen reichen gewöhnliche Schmerzmittel nicht aus. Hier kommen spezielle Migränemittel zum Einsatz – allen voran Triptane.

Allen diesen Medikamenten, die zur Behandlung der Migräneattacke eingesetzt werden, ist gemeinsam, dass eine zu häufige Einnahme an mehr als zehn Tagen im Monat eine starke Zunahme der Kopfschmerzen auslösen kann, einen sogenannten „Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln“. Bei häufigen Migränekopfschmerzen sollte also unbedingt mit einer vorbeugenden Therapie prophylaktisch behandelt werden.

Prophylaxe

Treten Migräneattacken mehr als dreimal im Monat auf, dauern die Attacken regelmäßig länger als 72 Stunden, wirken Schmerzmittel nicht ausreichend oder können aufgrund von Nebenwirkungen nicht eingenommen werden, können die Patienten auch von einer vorbeugenden Medikation profitieren. Dabei handelt es sich nicht um besondere Schmerzmittel, sondern um Wirkstoffe gegen Bluthochdruck oder Epilepsie, die Migräneanfälle deutlich lindern und in ihrer Häufigkeit halbieren können.

Es dauert etwa zwei Monate, bis die vorbeugende Wirkung eintritt. Vor Beginn einer solchen Migräneprophylaxe müssen die Betroffenen drei Monate lang einen Kopfschmerzkalender geführt haben, damit der Effekt nachher auch klar messbar ist. Eine Migräneprophylaxe gilt dann als wirksam, wenn die Migräneattacken um 50 Prozent abnehmen.

Gesund und aktiv sein hilft

Verfahren der Verhaltenstherapie wie Entspannungsverfahren lassen sich alternativ als Prophylaxe versuchen. Sie haben einen nachweisbaren vorbeugenden Effekt. Eine vorbeugende medikamentöse Therapie sollte durch solche Verfahren ergänzt werden.

Ein gesunder und aktiver Lebensstil kann dazu beitragen, dass eine vorbeugende Migränetherapie besser anschlägt.

  • Falls Sie Rauchen oder Dampfen, reduzieren Sie Ihren Nikotinkonsum.
  • Ebenso ist es hilfreich sein, weitgehend auf Alkohol zu verzichten.
  • Zudem können sich regelmäßige Bewegung und Ausdauersport positiv auf Migräne auswirken.
Bild: ESB Professional/Shutterstock