Häufiges Risiko

Zahnverletzungen

Gewalteinwirkung wie ein Sturz oder Schlag kann Zähne lockern oder abbrechen. Besonders Kinder und Jugendliche sind hier gefährdet.

In Kürze
Häufiges Trauma
Zahnverletzungen sind im Alltag ein häufiges Risiko. Gefährdet sind in erster Linie die Frontzähne im Oberkiefer – auch in ästhetischer Sicht eine empfind­liche Region.
Keine Bagatelle
Nicht nur ein aus- oder abgebrochener Zahn ist behandlungsbedürftig, auch äußerlich nicht sichtbare Erschütterungen stellen ein Risiko dar.  
Schnell handeln
Mit den richtigen Sofortmaßnahmen lassen sich betroffene Zähne häufig retten und auch größere Schäden wieder reparieren. Je nach Verletzung sind unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll.
Risiko in der Freizeit
Gerade Trendsportarten wie Inline-Skaten, Mountainbiking und Snowboarding sind die Ursache vieler Zahntraumen. Ebenfalls gefährlich sind Ballsportarten wie Handball oder Fußball.
Selten zum Lachen: Zahnunfälle
Häufiges Trauma

Oft angeschlagen

Selten zum Lachen: Zahnunfälle
Ob beim Sport, beim Spielen oder bei Unfällen – Zahnverletzungen sind im Alltag ein häufiges Risiko. Gewalt­einwir­kung wie ein Sturz oder Schlag kann Zähne lockern oder abbrechen. Beson­ders Kinder und Jugendliche sind hier gefährdet: Rund ein Drittel von ihnen haben bis zu ihrem 16. Lebensjahr einen Zahnunfall erlitten. Vornehmlich betrof­fen sind die Frontzähne im Oberkiefer – auch in ästhetischer Sicht eine empfind­liche Region.
Gelockert oder gebrochen

Ein Sturz vom Fahrrad, ein Treffer mit dem Fußball oder die schmerzhafte Begegnung mit einem Türstock: Schnell ist ein Zahn in Mitleidenschaft gezogen. Eine Zahnverletzung muss dabei gar nicht dramatisch aussehen, um ernsthafte Folgen zu haben. Nicht nur ein aus- oder abgebrochener Zahn ist behandlungsbedürftig, auch äußerlich nicht sichtbare Erschütterungen stellen ein Risiko dar. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e. V. (DGZMK) warnt davor, vermeintliche Bagatellverletzungen auf die leichte Schulter zu nehmen.

Unmittelbar nach einem Unfall ist das Ausmaß möglicher Folgeschäden noch nicht abzuschätzen. So können Zahnverletzungen gerade bei Kindern die weitere Entwicklung der Zähne und des Kieferknochens beeinflussen. Außerdem wichtig: Bei Schürfwunden, Schleimhautverletzungen und auch beim Wiedereinpflanzen ausgeschlagener Zähne sollte der Tetanus-Impfschutz geprüft und gegebenenfalls aufgefrischt werden.

Zahnverletzungen lassen sich dabei grundsätzlich einteilen in:

  • Lockerung des Zahns
    Im günstigen Fall ist ein betroffener Zahn „nur“ im Knochenfach gestaucht und bedarf keiner Behandlung. Doch neben einer weitergehenden Lockerung fallen auch Verschiebungen und das vollständige Herauslösen des Zahnes unter diesen Verletzungstyp.
  • Zahnfrakturen oberhalb des Zahnfleisches
    Bei diesem Bruch oberhalb des Zahnfleisches reicht die Spanne von Sprüngen des Zahnschmelzes, die im Regelfall keiner Behandlung bedürfen, über unkomplizierte Frakturen der Zahnhartsubstanz bis zu komplizierten Frakturen, die die Pulpa, also den Zahnnerv eröffnen.
  • Zahnfrakturen im Knochenbett
    Hier liegt der Bruch unterhalb des Zahnfleisches. Je nach Umständen und Lage der Fraktur muss hier der Zahn eventuell gezogen werden.

Eine Zahn-Zusatzversicherung bietet Rundumschutz für Zahnbehandlung und Zahnersatz und hilft, Ihre Eigenbeteiligung deutlich zu senken.

Schnell handeln
  • Ausgeschlagener Zahn

    Auch ein ausgeschlagener Zahn lässt sich retten und wieder einpflanzen. Deshalb gilt in so einem Fall:

    • Suchen Sie den Zahn.
    • Die Wurzeloberfläche darf nicht austrocknen, deshalb muss der Zahn feucht gehalten werden.
    • Die Wurzeloberfläche darf nicht berührt oder desinfiziert werden.
    • Suchen Sie unverzüglich einen Zahnarzt auf.
    • Für den Transport eines ausgeschlagenen Zahns (und auch abgeschlagener Zahnstücke) ist eine Zahnrettungsbox ideal. Diese in Apotheken erhältlichen Boxen können einen ausgeschlagenen Zahn in einem speziellen Nährmedium bis zu 48 Stunden am Leben halten.
    • Ist keine Zahnrettungsbox vorhanden, lässt sich der Zahn für begrenzte Zeit in isotoner Kochsalzlösung aus der Apotheke oder in Kunststofffolie (z. B. Gefrierbeutel) lagern.
  • Gelockerter Zahn

    • Ist ein Zahn sehr stark gelockert, muss er unter Umständen noch am Unfallort entfernt werden: Ein benommener Verletzter kann ihn verschlucken oder einatmen – Erstickungsgefahr!
    • Einen entfernten Zahn transportieren Sie ebenfalls in der Zahnrettungsbox.
    • Sitzt der Zahn noch an seinem Platz: Lassen Sie ihn in Ruhe.
    • Versuchen Sie nicht, einen verschobenen Zahn selbst wieder zurechtzurücken.
    • Suchen Sie unverzüglich einen Zahnarzt auf.
  • Zahn nicht mehr zu sehen

    • Hier kann der Zahn entweder ausgeschlagen oder in den Kiefer getrieben worden sein.
    • Suchen Sie die Umgebung nach dem Zahn ab.
    • Gehen Sie dann unverzüglich zu einem Zahnarzt oder suchen Sie eine Zahnklinik auf.
    • Nur eine Röntgenaufnahme kann zeigen, ob der Zahn im Kiefer sitzt.
  • Zahnstück abgebrochen

    • Eine solche Kronenfraktur ist oft reparabel: Die Bruchstücke lassen sich mit einem Spezialkleber wieder befestigen.
    • Suchen Sie die Bruchstücke und bewahren Sie sie feucht und keimarm auf.
    • Auch hier ist die Zahnrettungsbox das ideale Transportmedium.
    • Suchen Sie unverzüglich einen Zahnarzt auf.
  • Kein sichtbarer Schaden

    • Suchen Sie trotzdem einen Zahnarzt auf und lassen Sie Ihre Zähne untersuchen.
    • Die Wurzel eines Zahnes kann unbemerkt gebrochen sein, zudem können sich Folgeschäden, ​wie Nervverletzungen ergeben.
    • Zahnunfälle sollten Sie grundsätzlich durch einen Arzt dokumentieren lassen, um auch später auftretende Schäden zuverlässig auf eine Ursache zurückführen zu können.
  • Grundregeln

    • Bewahren Sie Ruhe, handeln Sie überlegt.
    • Inspizieren Sie die Mundhöhle – aber greifen Sie wegen der Infektionsgefahr nicht hinein.
    • Stillen Sie die Blutung durch Kompression; verwenden Sie dazu saubere Stofftaschentüchern, wenn Sie kein Verbandmaterial parat haben.
    • Suchen Sie fehlende Zähne oder Zahnstücke.
    • Fassen Sie ausgeschlagene Zähne nicht an der Zahnwurzel an und waschen Sie sie nicht ab.
    • Geben Sie den Zahn so schnell wie möglich in eine Zahnrettungsbox oder einen anderen geeigneten Behälter.
  • Symptome

    Typische Symptome von Zahnverletzungen sind:

    • Zahnschmerzen und Kieferschmerzen
    • Temperaturempfindlichkeit
    • Aufbissempfindlichkeit
    • Klopfempfindlichkeit
    • Erhöhte Beweglichkeit des Zahnes
    • Blutungen
    • Zahn erscheint kürzer oder länger als die Nachbarzähne
Kurz- und Langzeitfolgen

Ein Zahn besteht aus den Zahnhartgeweben Zahnschmelz und Zahnbein (Dentin) sowie dem von Blutgefäßen und Nerven durchzogenen Zahnmark (Pulpa), dem „Zahnnerv“. Im Kiefer befestigt ist er durch den Zahnhalteapparat, das Parodont. Dieses Parodont setzt sich zusammen aus dem Zahnzement, der die Zahnwurzel bedeckt, und dem Zahnfachknochen (Alveolarknochen). Spezielle Haltefasern zwischen Knochen und Zahnzement sichern dabei den Zahn.

Ein Zahntrauma kann alle diese Komponenten beeinträchtigen: Blutgefäße oder Haltefasern können reißen, Zellen gequetscht werden, Knochen oder Zahnhartgewebe brechen. Gerade die spezialisierten Zellen in der Wurzelhaut können an einem ausgeschlagenen Zahn nicht lange überleben. Erfolgt die Zahnrettung richtig und zeitnah, überleben die Wurzelhautzellen. Ein wieder eingesetzter Zahn verheilt mit dem Zahnhalteapparat und funktioniert wieder wie vorher. Sind die Zellen bereits abgestorben, kann sich der Zahn nicht mehr richtig im Knochen verankern und geht nach dem Einsetzen noch nach Monaten oder Jahren verloren.

Bleibt nach einem Umfall eine Zahnlücke, beeinträchtigt diese mit der Zeit die übrigen Zähne oder sogar die Kiefergelenke. Kieferknochen und Zahnfleisch werden abgebaut, die Nachbarzähne kippen in die Lücke, die Zähne aus dem Gegenkiefer wachsen in die Lücke. Neben dem Aussehen leidet dabei oft auch die Aussprache. Soll die Lücke nach einiger Zeit mit einem Implantat geschlossen werden, müssen oft Knochen und Zahnfleisch erst wieder aufgebaut werden.

Moderne Verfahren
  • Ankleben von Bruchstücken
    Abgeschlagene Stücke der Zahnkrone lassen sich mit einem Spezialkleber oft wieder am Zahn befestigen. Ist das Bruchstück zwischenzeitlich ausgetrocknet, kann es sich allerdings verfärben.
  • Reparatur von Bruchstellen
    Lässt sich das Bruchstück nicht mehr ankleben, ist ein Aufbau mit Hilfe einer Kompositfüllung, eines Veneers oder einer Krone möglich.
  • Schutz des Zahnnervs
    Geht ein Bruch tief genug, liegt der Zahnnerv frei. Dann muss er abgedeckt werden, damit er sich nicht entzündet und abstirbt.
  • Verlagerte Zähne repositionieren
    Einen verschobenen Zahn muss der Zahnarzt in seine ursprüngliche Position bringen. Eine Zahnschiene hält ihn dann während des Heilungsprozesses an seinem Platz.
  • Gelockerte Zähne schienen
    Auch gelockerte Zähne werden mit einer Zahnschiene stabilisiert.
  • Reimplantieren ausgeschlagener Zähne
    Rechtzeitig gerettete Zähne lassen sich wieder in den Kiefer einpflanzen und wachsen unter günstigen Bedingungen wieder vollständig an. Auch hier ist eine Zahnschiene zur Stabilisierung erforderlich.
  • Wurzelkanalbehandlung
    Gerade bei schwereren Zahnunfällen ist das Absterben des Zahnnervs kaum vermeidbar. In diesem Fall ist eine Wurzelkanalbehandlung erforderlich, um das tote Nervengewebe zu entfernen und den Wurzelkanal zu verfüllen. Bei noch nicht ausgewachsenen Zahnwurzeln sind dabei vor der endgültigen Wurzelfüllung mehrere Behandlungen nötig.
Melden Sie jeden Zahnunfall sofort Ihrer Krankenversicherung: Der volle Schaden zeigt sich oft erst später. Eine Untersuchung und ggf. Kontrollbesuche dokumentieren auch Folgeschäden. Zudem hilft die Dokumentation, zivilrechtliche Ansprüche durchzusetzen.
Zähne schützen

Freizeitsport gehört im Hinblick auf Zahnverletzungen zu den größten Risiken. Dabei sind nicht nur Kontaktsportarten wie Kampfsport oder Stocksportarten wie Hockey gefährlich. Gerade Trendsportarten wie Inline-Skaten, Mountainbiking und Snowboarding sind die Ursache vieler Zahntraumen. Ebenfalls gefährlich sind Ballsportarten wie Handball oder Fußball.

Existieren für die jeweilige Sportart Schutzhelme mit integriertem Kinnbügel, sollten Sie diese tragen. Optisch weniger auffällig sind auf die Sportart abgestimmte, im Mund zu tragende Kunststoffschienen, sogenannte Mouthguards. Einfache Formen gibt es im Sportfachhandel, sicherer und bequemer sind individuell vom Zahnarzt angepasste, mehrlagige Schienen.

Bilder: Zahnverletzungen - Aamon/Fotolia