Mentale Gesund­heit bei Kindern und Jugendlichen

Bedeutung, Erkennung und Förderung
Allianz Gesundheitswelt - mentale Kindergesundheit: Mutter und Vater neben ihrem Sohn

Rund jedes fünfte Kind in Deutschland zeigt psychische Auffällig­keiten – das belegen Daten des Robert Koch-Instituts. Seit der COVID-19-Pandemie hat sich die Lage weiter verschärft. Doch wie erkennen Eltern, ob ihr Kind seelisch belastet ist? Was können sie tun, um die mentale Gesund­heit ihrer Kinder zu stärken? Und wann ist professionelle Hilfe sinnvoll? Ein umfassender Überblick über Warn­signale, Schutz­faktoren und konkrete Maßnahmen für den Alltag.

Psychische Gesundheit – im internationalen Sprachgebrauch auch als „mental health“ bezeichnet – umfasst weit mehr als die Abwesenheit von Krankheiten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert sie als einen Zustand des Wohlbefindens, in dem ein Mensch seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Belastungen des Lebens bewältigen und einen Beitrag zur Gemeinschaft leisten kann.

Bei Kindern und Jugendlichen bedeutet das konkret: Sie können ihre Gefühle altersgemäß ausdrücken, stabile Beziehungen aufbauen und mit den Herausforderungen des Alltags – sei es in der Schule, im Freundeskreis oder in der Familie – umgehen. Psychische Gesundheit ist damit die Grundlage für eine gesunde Entwicklung und ein erfülltes Leben.

Mentale Gesundheit ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen. Dazu zählen emotionale Stabilität, also die Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen und zu regulieren. Ebenso gehören ein gesundes Selbstwertgefühl, soziale Kompetenz im Umgang mit Gleichaltrigen und Erwachsenen sowie die Fähigkeit zur Stressbewältigung dazu.

Auch kognitive Aspekte wie Konzentrationsfähigkeit und Problemlösungskompetenz spielen eine wichtige Rolle. All diese Bereiche entwickeln sich im Kindesalter stetig weiter und können gezielt gefördert werden.

Die Datenlage zur seelischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist besorgniserregend. Die KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts (LINK zur Studie) zeigt, dass etwa jedes fünfte Kind und jeder fünfte Jugendliche in Deutschland psychische Auffälligkeiten aufweist. Die COPSY-Studie (Corona und Psyche) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (LINK zur Studie) hat zudem belegt, dass sich die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen während der COVID-19-Pandemie deutlich verschärft hat.

Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien, mit Migrationshintergrund sowie Kinder alleinerziehender Elternteile. Angststörungen und depressive Symptome gehören zu den häufigsten Diagnosen. Fachleute betonen daher die Bedeutung von Prävention und Früherkennung, um langfristige Folgen für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu vermeiden.

Die Kinderpsyche unterscheidet sich grundlegend von der eines Erwachsenen. Kinder durchlaufen in ihrer psychischen Entwicklung verschiedene Phasen, in denen sie neue Fähigkeiten erlernen und emotionale Meilensteine erreichen. Im Kleinkindalter steht die sichere Bindung zu Bezugspersonen im Vordergrund. Im Vorschulalter gewinnen soziale Beziehungen zu Gleichaltrigen an Bedeutung. Schulkinder entwickeln zunehmend ein Bewusstsein für ihre eigenen Stärken und Schwächen, während in der Pubertät die Identitätsfindung zentral wird.

Ein wichtiger Unterschied: Kinder und Jugendliche verfügen noch nicht über die gleichen Bewältigungsstrategien wie Erwachsene. Belastungen wie familiäre Konflikte, Leistungsdruck oder soziale Ausgrenzung können sie daher stärker beeinträchtigen. Das Wissen um diese Besonderheiten hilft Eltern und Bezugspersonen, angemessen auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen.

Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen wird durch ein komplexes Zusammenspiel von Schutz- und Risikofaktoren bestimmt. Zu den wichtigsten Schutzfaktoren zählen eine sichere Bindung zu mindestens einer verlässlichen Bezugsperson, ein stabiles familiäres Umfeld, positive Freundschaften und die Möglichkeit, altersgerechte Erfolgserlebnisse zu sammeln.

Auf der anderen Seite können Risikofaktoren wie psychische Erkrankungen der Eltern, Trennung oder Scheidung, Gewalterfahrungen, Medienkonsum, Armut und Mobbing die seelische Entwicklung belasten. Forschungsergebnisse des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zeigen, dass insbesondere die Kumulation mehrerer Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit psychischer Störungen bei jungen Menschen erhöht.

Viele Eltern fragen sich, ab wann professionelle Hilfe tatsächlich notwendig ist. Eine klare Orientierung bietet die Faustregel: Wenn Verhaltensauffälligkeiten oder emotionale Belastungen über mehrere Wochen anhalten, den Alltag des Kindes deutlich beeinträchtigen und sich trotz elterlicher Unterstützung nicht bessern, sollte fachliche Beratung in Anspruch genommen werden.

Professionelle Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche – im Gegenteil: Es zeugt von Verantwortungsbewusstsein und elterlicher Fürsorge. Je früher psychische Probleme bei jungen Menschen erkannt und behandelt werden, desto besser sind die Heilungschancen.

 In Deutschland gibt es ein umfangreiches Netz an Unterstützungsangeboten für Familien mit psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt ist oft die erste Ansprechperson und kann bei Bedarf an Fachleute überweisen. Erziehungsberatungsstellen bieten kostenlose und vertrauliche Hilfe. Kinder- und Jugendpsychotherapeut:innen sowie Kinder- und Jugendpsychiater:innen sind auf die Behandlung psychischer Erkrankungen im Kindesalter spezialisiert.

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