• Viele Berufstätige leiden an Stress und chronischer Erschöpfung – dem wesentlichen Kennzeichen des Burnout-Syndroms. Zu den weiteren Symptomen zählen fehlende Motivation und eine ständige Anspannung.
  • Die Ursachen für einen Burnout liegen charakter­istischer­weise im beruflichen Bereich. Die „Always-on-Mentalität“ und heute geforderte Flexibilität am Arbeits­platz haben ihre Folgen.
  • Ein Burnout tritt nicht über Nacht auf. Beachten Sie daher frühzeitig die Warnzeichen, wie z. B. das Gefühl, unersetzbar zu sein und nicht abschalten zu können. Um Stress und Erschöpfung rechtzeitig gegen­zusteuern, treiben Sie Sport, treffen Sie Freunde und setzen Sie beruflich wie privat klare Prioritäten.
  • Hilft das nicht, lassen Sie sich zu Behandlungs- und Therapie­möglichkeiten ärztlich beraten. Beispiels­weise durch die Expertinnen und Therapeuten unseres Partner­netz­werks Psyche. Denn ein Burnout-Syndrom hat unbehandelt Spät­folgen und kann das Risiko für koronare Herz­erkrankungen oder Angst­störungen deutlich erhöhen.
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Erklärung
Typische Rede­wendungen wie „Meine Akkus sind leer“ oder „Ich bin völlig ausgebrannt“ um­schreiben sehr treffend die Gemüts­lage eines Betroffenen mit Burnout (Englisch für „ausbrennen“). Beim Burnout oder Burn-out handelt es sich um eine umfassende Erschöpfung auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene.

Aufgaben­verdichtung, Multi­tasking und ständige Erreichbar­keit dank Smart­phone: Die gefeierte Flexibilität und zunehmenden Heraus­forderungen am Arbeits­platz lassen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit oft verschwimmen. Stress und Erschöpfung nehmen für die Einzel­person zu, sodass immer mehr Menschen unter einem sogenannten Burnout leiden. Bei einem Burnout handelt es sich nach der WHO „um ein durch unverarbeiteten Stress am Arbeits­platz ausgelöstes Syndrom“. Zwischen 2004 und 2021 stieg die Zahl der Krankheits­tage durch Burnout unter deutschen Arbeit­nehmern und Arbeit­nehmerinnen statistisch von 4,6 auf 88 Krankheits­tage je 1.000 Mitglieder der BKK (betrieblichen Kranken­kassen). Insgesamt hat sich das Ausmaß an Arbeits­unfähigkeiten aufgrund psychischer Diagnosen in den letzten zehn Jahren drastisch erhöht. Mit aktuell 17,1 % belegen psychische Erkrankungen den zweiten Platz unter den möglichen Ursachen für Arbeits­unfähigkeit in Deutschland.

Wichtig zu wissen: „Burnout“ ist zwar ein prägnanter Begriff, aber eigentlich keine medizinisch anerkannte Diagnose. Es gibt keine einheitliche Definition, kein offiziell beschriebenes Krankheits­bild. Daher ist auch die Bezeichnung „Burnout-Syndrom“ irre­führend.

Quelle: Statista

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Symptomatik & Diagnose
Neben den Haupt­symptomen Stress und Erschöpfung fühlen sich Betroffene meist über einen längeren Zeit­raum hinweg ausgelaugt und sehen keinen Sinn mehr in ihrer Arbeit. In der Folge leiden sie unter Schlaf- und Konzentrations­mangel, an psycho­somatischen Beschwerden oder fallen in eine soziale Isolation.
Burnout ist ein Phänomen, das vorwiegend im beruflichen Umfeld auftritt. Betroffen sind meist Arbeitnehmer:innen, die ihren Berufsalltag als besonders stressig, nervenaufreibend und emotional belastend wahrnehmen. Hierzu zählen beispielsweise Angestellte in sozialen Berufen, systemrelevanten Positionen oder Berufen mit großer Verantwortung. Ihre Arbeitstage sind häufig gekennzeichnet durch lange Arbeitszeiten mit vielen Überstunden. Für Aus­gleich in Form von Bewegung oder Sport, aus­reichend Schlaf und Erholungs­phasen bleibt wenig Raum.

Ein Burnout äußert sich in der Regel bei jedem Menschen individuell. Die emotionale und körperliche Erschöpfung unter­scheidet sich bei Frauen und Männern dabei nicht wesentlich. 

Echte körperliche Unter­schiede zwischen den Geschlechtern machen sich beispiels­weise beim Verlust der Libido bemerkbar, da ein Burnout bei Männern neben mangelnder Lust am Sex zudem Erektions­störungen zur Folge hat. Je nach Aus­prägung und Phase, in der sich Betroffene mit Burnout befinden, äußert sich dieser bei Männern unter Umständen zudem eher durch aggressives Verhalten.

Frauen hingegen können infolge eines Burnouts eine Neigung zum Weinen oder ein vermindertes Selbst­wertgefühl (Insuffizienz­gefühl) entwickeln.

Leiden Sie an einem oder sogar mehreren der beschriebenen Symptome oder nehmen Sie Ihren Berufs­alltag dauerhaft als stressig und ermüdend wahr? Machen Sie einen Selbst­test, um heraus­zufinden, ob bei Ihnen bereits Warn­zeichen für einen Burnout vorliegen. Folgende Methoden zum Selbst­test haben sich bislang etabliert:
Burnout-Selbsttest HBI40

Als Standard im deutsch­sprachigen Raum gilt heute der von Prof. Matthias Burisch nach wissenschaftlichen Kriterien ent­wickelte und kostenpflichtige Selbst­test HBI40. Er genügt bisher als einziger auf Deutsch verfügbarer Online-Selbst­test wissen­schaftlichen Ansprüchen.

Doch auch wenn ein Selbst­test dazu führt, sich mit der eigenen Lage auseinander­zusetzen: Für eine Diagnose ist das Gespräch zwischen Patient:in und Arzt oder Ärztin bzw. Therapeut:in entscheidend. Hier lassen sich die dem Burnout zugrunde­liegenden Ursachen und Mechanismen und damit die Ansatz­punkte für eine Therapie heraus­arbeiten.

Maslach Burnout Inventory (MBI)

Als einer der ersten Tests in diesem Bereich gibt der MBI anhand von 22 Fragen Hinweise zu den drei Dimensionen von Burnout:

  • emotionalen Erschöpfung
  • Depersonalisierung
  • reduzierte persönliche Leistungs­fähigkeit

Depersonalisierung oder Depersonalisation bezeichnet das Gefühl der Selbst­entfremdung, bei dem sich Betroffene selbst als unwirklich oder fremd wahrnehmen. Der MBI ist zwar kostenfrei im Netz verfügbar und liefert einen schnellen Überblick über Symptome und Warn­signale eines Burnouts. Eine wirklich verlässliche Diagnose bietet er bislang vorliegenden Studien zufolge allerdings nicht.

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Entstehungs­faktoren
Burnout kann jeden Menschen auf unter­schiedliche Art und Weise treffen. Meist ist ein Zusammen­spiel aus den jeweiligen Persönlichkeits­merkmalen mit situativen Faktoren für die Erkrankung ver­antwortlich.

In Zeiten globaler Krisen und wirtschaftlicher Unsicherheit fehlt es vielen Menschen an Perspektive. Sie verlieren beruflich und privat den Halt und können Stress sowie Ihre Arbeits­belastung nicht mehr bewältigen. Dabei spiel es keine Rolle, ob die betreffende Person Ihrem Beruf von Anfang an gewachsen war oder nicht. Sowohl sie als auch stark engagierte und idealistische Menschen können an einer Aufgabe scheitern. Insbesondere dann, wenn erschwerend folgende Faktoren hinzu­kommen:

  • Große Ver­antwortung unter Zeitdruck
  • Unerfüllbare Vorgaben sowie unklare oder nicht definierte Erfolgs­kriterien
  • Langweilige Routinen, mangelnder Ein­fluss im Arbeits­umfeld
  • Konflikte oder schlechtes Betriebs­klima am Arbeits­platz
  • Angst vor einer Kündigung und Arbeits­platzverlust
  • Kränkungen und der Verlust des Selbstwert­gefühls, wenn sich beruflicher Erfolg nicht einstellt
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Über­engagement/Über­forderung

Hohe Motivation führt nicht selten in einen Burnout: Gerade besonders idealistische Menschen stürzen sich mit großem Engagement in ihre Aufgaben und über­schreiten dabei ihre eigenen Grenzen. Ohne die gewünschte An­erkennung beginnt der schleichende Abstieg. Auch zu großer Druck von außen, z. B. durch Über­lastung oder Mobbing durch Kollegen am Arbeits­platz, kann ein Auslöser sein. Bereits in dieser Phase können psycho­somatische Beschwerden wie Schlaf­störungen, Kopf­schmerzen oder eine erhöhte Infekt­anfälligkeit auf­treten.

Reduziertes Engagement

Fehlen positive Bestätigung oder Erfolge, reduzieren Betroffene ihr Engagement deutlich. Antriebs­losigkeit und Gleich­gültigkeit wachsen, und das nicht allein am Arbeits­platz: Wer in dieser Phase steckt, arbeitet häufig nur das Nötigste. Auch im privaten Umfeld geht diese Person auf Distanz zu Be­kannten, Freunden und An­gehörigen. Mitgefühl und Anteil­nahme für andere sinken.

Emotionale Reaktionen

Auf der Suche nach einem Sünden­bock für ihre fortdauernde Frustration suchen Betroffene je nach Typ die Schuld für ihre Lage bei sich oder in ihrem Umfeld: Im ersten Fall halten sie sich für Versager – mit ent­sprechenden Folgen für das Selbst­wertgefühl. Die Mischung aus Ohnmacht und innerer Leere, Angst und Nervosität kann dabei in einer Depression münden. Im zweiten Fall reagieren Betroffene zunehmend aggressiv auf ihre Um­gebung. Sie sind ständig gereizt, ungeduldig und intolerant.

Abbau und sinkende Leistungs­fähigkeit

Wer ständig angespannt und erschöpft ist, macht mehr Fehler, arbeitet langsamer und kann nur noch schwer Ent­scheidungen treffen. Auf­gaben, die Kreativität erfordern, werden immer schwerer lösbar. Betroffene bewegen sich lieber in geregelten Bahnen und wehren sich gegen Ver­änderungen. Initiative und Motivation schwinden ebenso wie die Produktivität.

Ver­flachung und Des­interesse

Auf das verringerte Leistungs­vermögen folgt der Rückzug auf emotionaler Ebene: Burnout-Patienten und -Patientinnen entwickeln eine Gleich­gültigkeit in vielen Lebens­bereichen, ihr Interesse an Hobbys und anderen Aktivitäten sinkt stetig. Auch der Kontakt zu An­gehörigen und Freunden reduziert sich oft auf ein Minimum.

Ver­zweiflung

In der End­phase des Burnouts beherrscht Betroffene eine umfassende Hoffnungs­losigkeit. Die extreme Verzweiflung kann im schlimmsten Fall Suizid­gedanken auslösen. Spätestens jetzt besteht dringender Handlungs­bedarf. Finden Sie sich selbst in dieser Situation wieder, suchen Sie sich professionelle Hilfe. Spezielle Therapie­angebote oder Coachings, wie eine telefonische Beratung durch qualifizierte Psychologinnen oder Therapeuten und die individuelle Betreuung bei psychischen Anliegen sind empfehlens­wert. Nutzen Sie beispiels­weise unsere Online-Services Mein Psych­Coach, mein Stress­Coach Online oder unser Partner­netzwerk Psyche. So kann verhindert werden, dass sich Ihr Krankheits­bild verschlimmert und Sie beispiels­weise in eine Depression geraten.
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Unterscheidung
Ein Burn­out ist noch keine Depression: Letztere erfasst alle Lebens­bereiche und ist gekennzeichnet durch den Verlust von Lebens­freude und Selbst­wertgefühl. Der Burnout ist eine eher kontext­bezogene (meist stärker auf das Arbeits­umfeld), stress­bedingte Leistungs- und Motivations­störung.
  • Im Gegen­satz zu einer Depression stehen bei einem Burnout das starke Erschöpfungs­gefühl und die zunehmend negative Haltung zum eigenen Job im Vorder­grund. Die berufliche Leistung nimmt ab, bis nach Durch­leben verschiedener Phasen (Über­forderung, Frustration etc.) ein Zustand völliger Er­schöpfung erreicht ist. Ein Burnout wird vorwiegend mit Gesprächs- und Psycho­therapie behandelt. In diesen Sitzungen lernen Betroffene unter professioneller An­leitung, wie sie mit Stress umgehen.
  • Eine Depression oder Erschöpfungs­depression definiert sich gemäß Welt­gesundheits­organisation (WHO) als eine „psychische Krankheit, die durch anhaltende Traurigkeit und einen Mangel an Interesse oder Freude an zuvor angenehmen Aktivitäten gekenn­zeichnet ist.“ Die Ursachen für eine Depression liegen im Zusammen­spiel zwischen körperlichen, psychischen und genetischen Aus­lösern. Besonders anfällig für eine depressive Verstimmung oder Depression sind Menschen, die sich in schwierigen Lebens­phasen befinden oder traumatische Ereignisse durchlebt haben.

    Depressive Menschen nehmen sämtliche Emotionen – positive wie negative – nur noch ein­geschränkt wahr. Sie spielen häufig mit dem Gedanken, sich etwas anzutun. Behandelt wird eine Erschöpfungs­depression in aller Regel mit einer Kombination aus medikamentöser Therapie (Anti­depressiva) und Psycho­therapie.

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Rechtzeitig gegensteuern
Stress, Er­schöpfung und Burnout sind heute typische Begleit­erscheinungen des modernen Berufs­lebens. Doch diese Be­schwerden treten nicht plötzlich auf, sondern kündigen sich durch verschiedene Warn­zeichen bereits vorher an. Nehmen Sie diese ernst und ergreifen Sie selbst recht­zeitig ent­sprechende Gegen­maßnahmen.
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Risiko­faktor gesund­heitliche Probleme
Zusätzlich riskant wird ein Burnout Syndrom als auslösender Faktor für andere gesundheitliche Probleme. So steigert Burnout Unter­suchungen zufolge das Risiko für eine Schädigung der Herz­kranz­gefäße erheblich.
Das andauernd hohe Stresslevel und die Schlaf­losigkeit haben schädliche Aus­wirkungen auf das Herz­gewebe und unseren gesamten Organismus. Ebenfalls belegt ist ein Zusammen­hang zwischen Burnout und der Entwicklung weiterer psychischer Folge­erkrankungen wie Angst­störungen oder Depression. Eine stress­bedingt ungesunde Ernährung über einen langen Zeitraum hinweg und der mit der allgemeinen Erschöpfung verbundene Mangel an Sport und Bewegung begünstigen zudem auf lange Sicht Über­gewicht und Fett­leibigkeit. In der Folge können Betroffene mit Burnout eine Diabetes-Erkrankung Typ 2 ausbilden.
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FAQ

Wie fühlt sich ein Burnout an?

Wenn alles zu viel ist, nichts mehr Freude bereitet und der eigene Körper nicht mehr zur Ruhe kommt: Dann machen sich Kopf­schmerzen, chronische Müdig­keit und reduzierte Leistungs­fähigkeit bemerk­bar. Be­troffene fühlen sich häufig gelang­weilt und leiden an Atem­beschwerden, Brust- oder Rücken­schmerzen.

Wie verhalten sich Menschen mit Burnout?

Betroffene mit Burnout kommen nach einem Arbeits­tag nicht zur Ruhe, an Ent­spannung ist oft nicht zu denken. Durch die ständige An­spannung und den Stress sind sie zwar permanent müde und kraftlos, finden aber dennoch keinen Schlaf. In der Folge stellen sich psycho­somatische Beschwerden ein, wie allgemeine Schwäche­gefühle oder ein geschwächtes Immun­system.

Was pasiert, wenn ein Burnout unbehandelt bleibt?

Unbehandelt kann ein Burnout den ersten Schritt in Richtung einer Erschöpfungs­depression bedeuten. Zudem gibt es eine Reihe von Neben­erscheinungen bzw. Spätfolgen wie Angst­störungen, Herz­erkrankungen oder Adipositas, die ein erhebliches Gesundheits­risiko darstellen.

Was ist der typische Verlauf eines Burnouts?

Ein Burnout verläuft in der Regel phasen­weise und beginnt eher schleichend mit einem extremen Über­engagement in beruflichen Dingen. Die Symptomatik zieht sich von emotionalen Reaktionen und einer sinkenden Leistungs­fähigkeit bis hin zu Des­interesse gegenüber Anderen, Hoffnungs­losigkeit und Ver­zweiflung.

Was ist die Vorstufe von Burnout?

Burn-out-Symptome sind auf den ersten Blick kaum von „normalen“ Anzeichen für Stress oder eine temporäre Erschöpfung nach Jobwechsel oder ähnlichen beruflichen Änderungen zu unterscheiden. Hierzu zählen beispiels­weise eine gesteigerte Arbeits­aktivität und Rast­losigkeit sowie die Vernach­lässigung eigener Bedürfnisse.

Wie lange dauert es, bis sich Betroffene von Burnout erholen?

Von thera­peutischer Seite heißt es: Die Erholung von einem Burnout dauert in etwa so lange wie die Zeit, bis die Betroffenen in der Krise steckten. Die wichtigste Voraus­setzung für eine Erholung nach Burnout ist daher die (Er-)Kenntnis und Diagnose des Krankheits­bildes. Erste Selbsttests können Ihnen die Richtung weisen, in der Regel brauchen Betroffene aber einen professionellen Ansprech­partner. Mit fachlicher Unter­stützung eines Psychologen oder einer Psycho­therapeutin können Sie den Ursachen für Ihren Burnout auf den Grund gehen und gemeinsam Therapie- und Lösungs­ansätze erarbeiten.

Entscheidend ist zudem, wie lange Betroffene bereits in dieser Erschöpfungs­phase stecken. Je nach Schweregrad kann sich auch die Regeneration von einem Burnout entsprechend hinziehen. Nicht selten steht am Anfang eine mehr­wöchige stationäre Behandlung in einer psychischen Reha- oder Kurklinik, der eine ambulante Therapie oder Behandlung folgt.

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