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Zu gut gemeint

Übertriebene Hygiene

Kinder, die zu sauber aufwachsen, entwickeln häufiger Allergien und Asthma. Außerdem kann eine übertriebene Hygiene ähnlich gesundheitsschädlich sein wie nachlässige Hygiene.

In Kürze
Training für das Immunsystem
Kinder, die in einer übertrieben keimfreien Umgebung aufwachsen, sind wesentlich anfälliger für Allergien und Asthma und entwickeln z. B. häufiger Heuschnupfen.. 
Hygiene nicht vernachlässigen
Bei mangelnder Hygiene können sich Mikroben und Schimmelpilze einnisten. Besonders wichtig ist die Küchen- und damit Lebensmittelhygiene. 
Desinfektion meist unnötig
In Küche, Bad oder Kinderzimmer sind Desinfektionsmittel in der Regel überflüssig. Sie sind oft selbst gesundheitsschädlich und können die Entstehung resistenter Keime fördern.
Allzu viel ist ungesund - das gilt auch beim Putzen.
Auslöser von Allergien
Allzu viel ist ungesund - das gilt auch beim Putzen.
In Deutschland leidet fast jeder Dritte an einer allergischen Erkrankung. Jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse belegen: Kinder, die zu sauber aufwachsen, ent­wickeln häufiger Allergien und Asthma. Außerdem kann eine übertriebene Hy­gie­ne ähnlich gesundheitsschädlich sein wie nachlässige Hygiene.
Training für das Immunsystem

Vor über 15 Jahren entdeckte Dr. Erika von Mutius, Professorin für Pädiatrie an der Universität München, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, deutlich seltener Allergien entwickeln als Großstadtkinder. So haben Bauernhofkinder ein um die Hälfte geringeres Risiko, an Asthma zu erkranken, und ein um zwei Drittel geringeres Risiko für Heuschnupfen.

Mittlerweile hat sich herauskristallisiert, dass eine stalltypische Mischung aus Bakterien und Schimmelpilzen das Immunsystem von Kleinkindern derart prägt, dass sie vor Asthma und Allergien geschützt sind.

Es schadet nicht, Kinder im Freien spielen zu lassen. Wald und Wie­se enthalten eine Vielzahl weit­ge­hend harmloser Or­ga­nis­men, die das Im­mun­sys­tem trainieren. Schmutz sollte jedoch nicht in Augen, Körperöffnungen oder Wunden gelangen.

Aber: Bestehende Allergien oder asthmatische Beschwerden werden auf einem Bauernhof nicht gelindert. Wer an Pollenallergie leidet, setzt sich unter Umständen unnötig Pollenallergenen aus.

Zudem entdeckte das Forscherteam um Dr. von Mutius, dass auch die Ernährung der werdenden/stillenden Mutter entscheidend dazu beiträgt, ob diese antiallergische Botenstoffe auf das Kind überträgt. Offenbar enthält unbehandelte Rohmilch Bestandteile, die im Endeffekt vor Allergien schützen.

Jedoch raten Mediziner davon ab, dass Schwangere oder Kleinkinder Rohmilch trinken oder Rohmilchkäse essen. Diese kann Krankheitserreger wie Kolibakterien oder Listeria monocytogenes enthalten. Letztere kann hierbei nicht nur eine schwere Infektion, sondern auch eine Fehlgeburt verursachen. Grundlagenforscher versuchen jedoch, die schützenden Bestandteile der Rohmilch zu identifizieren. Das Langzeitziel lautet: Ein Milchprodukt zu entwickeln, dass wie Rohmilch vor Allergien schützt, aber keine potenziell gefährlichen Keime enthält.

Nicht vernachlässigen!

Umgekehrt beugt es allerdings keineswegs Allergien und Asthma beim Nachwuchs vor, wenn man die Hygiene im Haushalt schleifen lässt. Mit mangelnder Hygiene laufen Sie Gefahr, die falschen Mikroben und Schimmelpilze zu fördern. Dabei reizen dann Schimmelsporen die Lunge und können so eine Schimmelpilzallergie und in schweren Fällen eine Lungenentzündung verursachen.

Besonders wichtig ist die Küchen- und damit Lebensmittelhygiene. Mit unbehandelten Lebensmitteln gelangen unter Umständen gefährliche Krankheitserreger wie Ehec-Bakterien (z. B. in rohem Hackfleisch, Salaten), Listerien (z. B. in Rohmilch), Salmonellen (z. B. in rohen Eiern, rohem Geflügel) in die Küche und müssen dort unschädlich gemacht werden, bevor sie andere Lebensmittel und Geschirr kontaminieren.

Desinfektionsmittel meist unnötig

Übertriebene Hygiene mit scharfen Desinfektionsmitteln ist überflüssig und gesundheitsschädlich. Zum einen lassen sich die Keime ausreichend mit Essigreiniger, biologischen Reinigern oder Spülmittel entfernen. Zum anderen enthalten desinfizierende Reiniger giftige Stoffe, die auch dem Menschen schaden:

  • Triclosan: Die Chemikalie hemmt das Bakterienwachstum und wird in antiseptischen Seifen, Reinigern und Zahnpasten eingesetzt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät vom Einsatz ab. Triclosan begünstigt Antibiotikaresistenzen, belastet Gewässer und schädigt im Tierversuch den Herzmuskel.
  • Natriumhypochlorit: Es ist der Hauptbestandteil vieler desinfizierender Reiniger, Schimmelentferner und Rohrreiniger. Das freigesetzte Chlorgas kann Haut und Schleimhäute reizen.

Außerdem sollten Sie die desinfizierenden Reiniger nicht auf die Haut bekommen. Einige der enthaltenen Chemikalien können die Haut durchdringen, diese reizen und mit der Zeit eine Allergie auf Bestandteile des Reinigers auslösen. Außerdem wird die natürliche Hautflora vorübergehend zerstört, wodurch unerwünschte Krankheitserreger leichter die Haut besiedeln können.

Sanfte Reiniger statt Chemiebomben

Sie müssen keine Chemiewaffen auffahren, um Ihren Haushalt zu reinigen:

  • Sanfte Reiniger sind ausreichend: Verwenden Sie biologisch abbaubare Reiniger wie Essigreiniger.
  • Benutzen Sie Gummihandschuhe, um Ihre Haut zu schützen.
  • Spülen Sie Putzlappen und Küchenschwämme nach Gebrauch mit heißem Wasser (mindestens 60 °C) aus.
  • Wechseln Sie wöchentlich ihre Putzlappen.
  • Halten Sie Bad, Küche und WC trocken.
  • Leeren und reinigen Sie regelmäßig alle Abfalleimer.
Bilder: Schädlicher Putzfimmel - Kontantin Yuganov/Fotolia; Problemzonen - Africa Studio/Fotolia