Erste Hilfe: Fakten und Tipps

So helfen Sie im Not­fall
Allianz Gesundheitswelt Erste Hilfe: zwei Hände versuchen durch eine Herzdruckmassage eine verunfallte Person zu retten.
In Deutschland ereignen sich jährlich rund 30 Millionen Notfälle. Dazu zählen Verkehrsunfälle, Herzstillstände, Schlaganfälle, Vergiftungen, allergische Schocks, Sportverletzungen, Stürze und Verbrennungen. Viele Notfälle passieren im häuslichen Umfeld. Ihre Fähigkeiten als Ersthelfer:in können entscheidend für das Leben eines Menschen sein. In Deutschland sind alle Bürger:innen gesetzlich verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Auch wenn Sie keinen medizinischen Beruf ausüben, können Sie Leben retten. Dazu stehen Ihnen verschiedene Wege offen, wie zum Beispiel Erste Hilfe, Blutspende, Knochenmarkspende und Organspende.

Von Ihrer Fähigkeit, Erste Hilfe zu leisten, kann das Leben eines Menschen abhängen. Insbesondere bei schweren Verletzungen oder Herzstillstand entscheiden die Sofortmaßnahmen in den ersten Minuten darüber, ob die Person ohne Folgeschäden oder überhaupt überlebt. Bedenken Sie: Die betroffene Person kann ein Familienmitglied, Freundin oder Kollege sein.

Durch das Anwenden der Prüfen–Rufen–Drücken-Methode bei Herzstillstand, das Erkennen von Schlaganfall-Symptomen mit der FAST-Methode und das Absetzen eines Notrufs können Sie im Ernstfall lebensrettende Erste Hilfe leisten. Die Methoden können Sie in einem Erste-Hilfe-Kurs erlernen.

In Deutschland erleiden jährlich etwa 65.000 Menschen einen plötzlichen Herzstillstand. Weniger als 10 % überleben. Eine sofortige Herzdruckmassage kann die Überlebenschance verdoppeln bis verdreifachen. Mit jeder Minute ohne Hilfe sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um etwa 10 %.

Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie & Intensivmedizin (DGAI) und des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten (BDA) kann eine optimale Reanimation durch Ersthelfer:innen die Überlebensrate verdoppeln bis verdreifachen: 50 % Überlebenschance bei sofortiger Herzdruckmassage, 10 % sinkende Überlebenschancen pro Minute ohne Hilfe, nahezu 0 % Überlebenschance nach 5 Minuten ohne Hilfe.

Deutschland liegt im europaweiten Ranking noch nicht auf einem der vorderen Plätze, was den Einsatz von Ersthelfern und -helferinnen angeht. Immerhin ist eine Steigerung zu verzeichnen: von rund 22 % Laienreanimationen im Jahr 2012 auf 51 % im Jahr 2022.

Wenn eine Person bewusstlos zusammenbricht, sind drei Dinge wichtig:

  1. Prüfen: Sprechen Sie die Person an: „Hören Sie mich?“. Schütteln Sie sie an den Schultern und kontrollieren Sie die Atmung.
  2. Rufen: Wählen Sie den Notruf 112 oder bitten Sie eine andere Person darum.
  3. Drücken: Machen Sie den Brustkorb frei, legen Sie Ihre Hände übereinander auf die Brustmitte, halten Sie die Arme gestreckt und drücken Sie senkrecht. Drücken Sie 5–6 cm tief und 100–120 Mal pro Minute. Hören Sie nicht auf, bis Hilfe eintrifft.

Hinweis: Dieses Vorgehen ist für Laienhelfer:innen empfohlen, die die begleitende Mund-zu-Mund-Beatmung nicht beherrschen.

Etwa 270.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich einen Schlaganfall. Die FAST-Methode hilft, Symptome schnell zu erkennen:

  • Face: Lächeln. Hängt ein Mundwinkel?
  • Arms: Beide Arme heben. Sinkt einer ab?
  • Speech: Einfachen Satz nachsprechen. Klingt die Sprache verwaschen?
  • Time: Können Sie eine der Fragen mit „Ja“ beantworten, wählen Sie sofort den Notruf.

Um als Blutspender:in in Frage zu kommen und mit Ihrer Blutspende Verletzten oder schwerkranken Menschen helfen zu können, gibt es verschiedene Vorgaben, die zu beachten sind. Vor jeder Spende müssen Sie entsprechend detaillierte Auskunft über ihre medizinische Vorgeschichte geben.

  • Mindestalter: 18 Jahre
  • Mindestgewicht: 50 kg
  • Gesundheitszustand: fit und gesund
  • Mindestabstand: 56 Tage zwischen den Spenden
  • Universalspender sind besonders gefragt, insbesondere aus der Blutgruppe 0 Rhesusfaktor negativ.

Ausschlusskriterien sind unter anderem Infektionskrankheiten wie HIV und Hepatitis C. Ebenso können kürzlich unternommene Fernreisen, Tätowierungen oder Piercings gegen eine Blutspende sprechen. Aber auch eine in jüngerer Zeit erfolgte Medikamenteneinnahme, Operation oder zahnärztliche Behandlung kann vorübergehend eine Blutspende ausschließen.

Der gesamte Ablauf einer Blutspende, von Anmeldung über Blutabnahme und Erholungsphase dauert in der Regel ca. eine Stunde, die Blutspende selbst nur etwa 10 Minuten. In dieser Zeit können Sie durch Ihr Blut bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten helfen.

Täglich werden in Deutschland etwa 15.000 Blutspenden benötigt. Blutspenden sind essenziell für:

  • Unfallopfer
  • Krebspatientinnen und -patienten
  • Operationen
  • Behandlungen chronischer Krankheiten

47 % der Menschen in Deutschland haben mindestens einmal in ihrem Leben Blut gespendet. Bei den Männern liegt der Anteil der Blutspender bei 52 %, bei den Frauen sind es 43 %. In der Altersgruppe der 18 bis 25-Jährigen ist der Anteil der Blutspender:innen mit 29 % besonders hoch. Insgesamt spenden Frauen bis zu vier Mal, Männer bis zu sechs Mal pro Jahr Blut.

Jedes Jahr erkranken über 11.000 Menschen an Leukämie, darunter viele Kinder. Für einen Teil der Patienten und Patientinnen ist die Stammzellspende die einzige Chance auf Heilung. Doch jede:r siebte Leukämiepatient:in findet keine:n passende:n Spender:in. In Deutschland sind fast 10 Millionen Menschen als Spender:innen registriert. Die Wahrscheinlichkeit, als Spender:in ausgewählt zu werden, liegt im ersten Jahr bei etwa 1 %, innerhalb von zehn Jahren bei etwa 5 %.

In Deutschland besteht ein Mangel an Spenderorganen. Zum einen besitzen nur etwa 35 Prozent der 17- bis 75-Jährigen einen Organspendeausweis. Zum anderen kommt lediglich rund ein Prozent der im Krankenhaus Verstorbenen für eine Organspende infrage. Im Jahr 2024 haben 953 Menschen in Deutschland nach ihrem Tod Organe gespendet. Insgesamt wurden 2.854 Organe transplantiert. Gleichzeitig warten über 8.000 Menschen auf ein Spenderorgan.

In Deutschland wird daher jedes Jahr am ersten Samstag im Juni auf das Thema aufmerksam gemacht, um möglichst viele Menschen zu einer Entscheidung pro Organ- und Gewebespende zu motivieren.

Wichtig: In Deutschland müssen Sie einer Organspende zustimmen, in anderen Ländern gilt eine fehlende Willenserklärung als Ja. Dokumentieren Sie beizeiten Ihren Willen.

Seit dem 18. März 2024 haben Sie die Möglichkeit, online über das Organspende-Register Ihre Bereitschaft zur Organspende zu dokumentieren.

Warum ist es so wichtig, Erste Hilfe zu leisten?

Deutschland verfügt über eines der modernsten Gesundheitssysteme der Welt und betreibt ein dichtes Netz von Rettungsdiensten. Dennoch sind viele Unfallopfer und Schwerkranke auf die Hilfsbereitschaft von Verwandten, Freunden und Dritten angewiesen. Kompetente Erste Hilfe vor Ort sowie internationale Blut-, Gewebe- und Organspenden sind unersetzlich.

Wie viele Menschen in Deutschland können Erste Hilfe leisten?

Die genaue Zahl ist schwer zu bestimmen, aber viele Menschen haben im Rahmen des Führerscheins einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. Allerdings fühlen sich viele unsicher, im Notfall zu helfen.

Eine Studie der Asklepios Kliniken (2017) zeigt, dass 52 % der Befragten in einer Notfallsituation einer schwer verletzten Person nicht helfen würden. Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein:

Umgebung: Menschen in einer urbanen Umgebung helfen weniger als Menschen in ländlicher Umgebung.

Wirtschaftlicher Entwicklungsstand: In Ländern mit hoher wirtschaftlicher Entwicklung wird weniger erste Hilfe geleistet als in Ländern mit niedriger wirtschaftlicher Entwicklung (gemessen an der Kaufkraftparität, KKP).

Zeit: Zeitdruck reduziert die Hilfsbereitschaft.

Geschlechtszugehörigkeit: Ist die hilfsbedürftige Person männlich, wird ihr weniger oft geholfen als einer weiblichen Person.

Ethnische Zugehörigkeit: Gehört die hilfsbedürftige Person einer anderen ethnischen Gruppe an als die helfende Person sinkt die Hilfsbereitschaft.

Attraktivität: Ist die hilfsbedürftige Person vermeintlich unattraktiv wird ihr weniger geholfen als einer attraktiven Person.

Gruppe: Gibt es mehrere Zeugen, sinkt die Hilfsbereitschaft. Vor allem, wenn diese sich untereinander nicht kennen. Ist ein:e potenzielle:r Helfer:in hingegen alleine oder fühlt sich unbeobachtet, hilft er oder sie eher.

Einordnung der Situation: Ist die Situation eindeutig, wird eher geholfen als in einer zweideutigen Situation.

Vertrauen in die eigene Kompetenz: Fast 40 % der Deutschen trauen sich nicht zu, im Notfall Erste Hilfe zu leisten. Frauen haben dabei mit 47 % ein deutlich geringeres Vertrauen in die eigene Kompetenz als Männer mit 32 %.

Ist es strafbar, einer Person nicht zu helfen?

Ja, gemäß § 323c StGB ist unterlassene Hilfeleistung strafbar und kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden. 

Was löst Herzstillstand aus?

Herzstillstand kann durch Probleme wie unregelmäßige Herzschläge, Herzinfarkt oder verstopfte Arterien ausgelöst werden. Verletzungen, Medikamente oder ein schlechter Elektrolythaushalt können das Herz ebenfalls stoppen. Weitere Ursachen können Herzklappenerkrankungen sein.

Wie hoch ist die Überlebenschance bei Herzstillstand?

Die Überlebenschance bei einem Herzstillstand hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Ursache des Herzstillstands, der Schnelligkeit der medizinischen Hilfe und der Art der durchgeführten Maßnahmen. Ohne sofortige Hilfe liegen die Überlebenschancen nur bei etwa 6 bis 26 %. Wenn innerhalb von 4 bis 6 Minuten nach dem Herzstillstand mit Wiederbelebungsmaßnahmen (wie Herz-Druck-Massage und Defibrillation) begonnen wird, kann die Überlebenschance auf etwa 40 bis 50% steigen. Je länger der Herzstillstand dauert, desto geringer werden die Überlebenschancen, da das Gehirn und andere Organe ohne Sauerstoff sehr schnell geschädigt werden.
Bilder: Jeder kann helfen - islandboy_stocker/Shutterstock; Wege der Lebensrettung - Kzenon/Fotolia;