Warnung: Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte wechseln Sie zu einem moderneren Browser wie Chrome, Firefox oder Microsoft Edge.

Anderen eine Chance geben

Spender werden – Blutstammzellen spenden

Eine Knochenmarkspende oder Blutstammzellspende ist nicht nur für Leukämiepatienten oft die einzige Chance auf Heilung. Hilfswillige müssen sich nur registrieren lassen und einen harmlosen Abstrich machen.

In Kürze
Zu wenig Spender
Jedes Jahr erkranken über 11.000 Menschen an Leukämie, darunter viele Kinder. Doch jeder siebte Leu­kä­mie­pa­tient findet keinen passenden Spender.
Stammzellen helfen
Stammzellen bildern sämtliche Zellen des Blutes und der Immunabwehr. Eine Transplantation kann so Patienten helfen, deren Blutstammzellen krebskrank oder defekt sind.
Einfach Spender werden
Jeder Mensch zwischen 18 und 55 Jahren kann Stammzellen spenden, sofern er in ausreichend guter körperlicher Verfassung ist.
OP nicht immer nötig
In 80 % der Fälle genügt eine periphere Blutstammzellenentnahme, bei der die Zellen über eine Art Blutwäsche geerntet werden, die Stammzell-Apherese.
Zu wenige Freiwillige: Jeder siebte Leukämiepatient findet keinen passenden Spender.
Viel zu wenige Spender
Zu wenige Freiwillige: Jeder siebte Leukämiepatient findet keinen passenden Spender.
Jedes Jahr erkranken über 11.000 Menschen an Leukämie, darunter viele Kinder. Für einen Teil der Patienten ist die Stammzellspende die einzige Chance auf Heilung. Doch jeder siebte Leu­kä­mie­pa­tient findet keinen passenden Spender. Dabei müssen Hilfswillige sich nur registrieren lassen und einen harmlosen Abstrich oder eine kleine Blutentnahme machen. Auch die eigentliche Spende kostet maximal ein paar Tage Zeit – wenig Aufwand für ein Menschenleben.
Bessere Chance auf Heilung

Aus Blut, Knochenmark oder Nabelschnurblut gewonnene Stammzellen besitzen die Fähigkeit, sämtliche Zellen des Blutes und der Immunabwehr zu bilden. Eine Stammzell-Transplantation kann somit Patienten helfen, deren Blutstammzellen krebskrank oder defekt sind. Kurz vor der eigentlichen Transplantation müssen die kranken eigenen Stammzellen des Empfängers durch Strahlen oder Medikamente zerstört werden.

Eine Stammzell-Transplantation gilt als Heilungschance bei:

  • Blutkrebs (Leukämie)
  • Lymphdrüsenkrebs (Lymphom)
  • schweren Blutbildungsstörungen
  • angeborener Immunschwäche, z. B. Wiskott-Aldrich-Syndrom
  • anderen seltenen genetischen Erkrankungen, z. B. Mukopolysaccharidose

Problem Spendermangel

Nur 30 % finden einen passenden Stammzellspender in ihrer Fa­mi­lie. Die Chance, dass die Stamm­zellen eines Fremden geeignet sind, liegt bei 1 zu 20.000 bis 1 zu mehrere Millionen. Daher müs­sen Proben von Millionen Spen­dern untersucht werden.

Ausschlusskriterien

Jeder Mensch zwischen 18 und 55 Jahren kann Stammzellen spenden, sofern er in ausreichend guter körperlicher Verfassung ist. Eine Spende ist in der Regel ausgeschlossen, wenn eines oder mehrere der folgenden Kriterien zutreffen. Im Zweifelsfall ist die gesundheitliche Eignung mit dem behandelnden Arzt zu klären, der die spezielle Situation kennt:

  • Körpergewicht unter 50 Kilogramm
  • Body-Mass-Index über 40 (extremes Übergewicht)
  • Krebserkrankung
  • Erkrankungen des Blutes, Blutgerinnungssystems oder der Blutgefäße, z. B. Bluterkrankheit, tiefe Beinvenenthrombose, Marcumar-Behandlung
  • Autoimmunerkrankungen, z. B. rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa
  • schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z. B. koronare Herzkrankheit, schlecht eingestellter Bluthochdruck, Bypass-Operation
  • schwere Atemwegskrankheiten, z. B. chronische Bronchitis, schweres Asthma
  • schwere Nierenerkrankungen, z. B. Niereninsuffizienz, Zystennieren
  • bestimmte Erkrankungen des zentralen Nervensystems, z. B. Epilepsie, Multiple Sklerose
  • Erkrankungen der Hormondrüsen, z. B. insulinpflichtiger Typ-I-Diabetes, Morbus Basedow
  • bestimmte psychische Erkrankungen, z. B. behandlungsbedürftige Depressionen
  • bei bestimmten Infektionskrankheiten, z. B. HIV, Hepatitis B oder C, Borreliose, Malaria oder Salmonellen-Dauerausscheider
  • nach einer Organ- oder Fremdgewebetransplantation
  • nach einer Behandlung mit Wachstumshormonen
  • schwere, medikamentös behandelte Allergien
  • Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit

Sobald ein registrierter Spender das 61. Lebensjahr vollendet hat, wird er automatisch aus der Spenderdatei gelöscht.

Aufnahme in die Spenderdatenbank

Bei der Typisierung werden bestimmte Oberflächen-Eiweiße der weißen Blutkörperchen oder Wangenschleimhautzellen untersucht: die Humanen Leukozyten-Antigene (HLA). Diese spielen eine zentrale Rolle bei der Erkennung körpereigener bzw. fremder Zellen durch die Immunabwehr.

Die Spenderdaten werden anonymisiert und in die Datenbank der World Marrow Donor Association (WMDA) eingespeist, in der Ärzte weltweit nach Spendern mit passenden HLA-Merkmalen suchen können. In der Datenbank sind über 32 Millionen Spender erfasst (Stand Oktober 2019).

Gleichen sich alle untersuchten HLA-Merkmale zweier Personen, dann sind diese ein passendes Spender-Empfänger-Paar.

Welche Kosten hat der Spender?

Keine. Die Behandlungskosten des Spenders trägt die Krankenversicherung des Empfängers. Sie kommt auch für Reisekosten, Verdienstausfall und andere nichtmedizinische Aufwendungen auf.
Operation nicht immer nötig

Sofern die HLA-Merkmale mit einem Empfänger übereinstimmen, wird der registrierte Spender zu einer erneuten Gewebetypisierung gebeten. Kommt eine Knochenmark- oder Blutstammzelltransplantation in Frage, informiert der Arzt über den genauen Ablauf und holt das schriftliches Einverständnis für die Spende ein.

Nun wird das Blut des Spenders untersucht, ob er nicht an einer unentdeckten Infektion leidet. Ist auch der Empfänger infektionsfrei, wird er nun für die Transplantation „konditioniert“. Das heißt, er muss eine Chemotherapie oder Ganzkörperbestrahlung über sich ergehen lassen, sodass alle eigenen Blutstammzellen absterben. Zieht ein Spender zu diesem Zeitpunkt seine Spendebereitschaft zurück, ist der Patient meist dem Tode geweiht.

In 80 % der Fälle genügt eine periphere Blutstammzellenentnahme. Hierbei erhält der Spender über fünf Tage den natürlichen Wachstumsfaktor G-CSF (Granulozyten-Kolonie-stimulierender-Faktor) verabreicht. Dieser bewirkt, dass das Knochenmark vermehrt Blutstammzellen bildet und in den Blutkreislauf abgibt. Anschließend werden die Blutstammzellen über eine Art Blutwäsche geerntet, die sogenannte Stammzell-Apherese. Hierbei leitet ein Schlauch Blut aus einer Armvenen in den sogenannten Zellseparator, der die begehrten Blutstammzellen herausfiltert. Über einen Schlauch in eine Vene des anderen Arms gelangt das gefilterte Blut wieder zurück in den Blutkreislauf. Der Vorgang dauert rund vier Stunden. In einigen Fällen muss der Vorgang am nachfolgenden Tag wiederholt werden, da beim ersten Durchlauf nicht genügend Blutstammzellen zusammen kamen.

Im Falle einer Knochenmarkentnahme benötigt der Spender eine Vollnarkose, damit die Ärzte Knochenmark mit Blutstammzellen direkt aus dem Beckenkamm absaugen können. Die Operation dauert etwa 60 Minuten und hinterlässt zwei kleine Einschnitte an der Hüfte. Danach muss der Spender noch maximal zwei bis drei Tage zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben.

Nabelschnurblut spenden

Werdende Mütter können nach der Entbindung Nabelschnurblut spenden. Dieses enthält ebenfalls für Behandlungen geeignete Blutstammzellen und kann daher Leben retten.

Umfangreich abgesichert

Die periphere Blutstammzellentnahme gibt es seit 1989. Als Nebenwirkungen sind nur grippeähnliche Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen bekannt, die durch den Wachstumsfaktor G-CSF ausgelöst werden und gut mit Schmerzmitteln behandelbar sind. Langfristige Folgen sind nicht bekannt.

Eine Knochenmarkentnahme ist ein operativer Eingriff unter Vollnarkose, dementsprechend bestehen die üblichen Narkoserisiken und ein Infektionsrisiko. Etwa jeder Zehnte leidet nach einer Vollnarkose an vorübergehender Übelkeit, Erbrechen oder Heiserkeit. Alle Spender haben für einige Tage Wundschmerzen und einen Bluterguss am Beckenkamm. Obwohl die Operateure über einen Liter Blut-Knochenmark-Gemisch aus dem Beckenkamm ernten, füllt sich der Beckenknochen etwa binnen zwei Wochen wieder mit frischen Blutstammzellen.

Inwieweit sind Spender abgesichert?

Die gesetzliche Un­fall­ver­si­che­rung schützt Spender von der Anreise bis zur Rückkehr von der Ent­nah­me­klinik. Zusätzlich sichern Spenderdateien Spender durch weitere Versicherungen ab, z. B. gegen Invalidität.

Abwehrreaktion

Nach der Chemotherapie oder Strahlenbehandlung sind die Patienten schutzlos gegen Krankheitserreger, bis das Immunsystem durch die Blutstammzellspende wieder aufgebaut ist.

Sofern die Blutstammzellen nicht vom Patienten selbst oder von dessen eineiigem Zwilling stammen, erleiden drei bis sechs von zehn Empfängern eine akute Transplantat-gegen-Empfänger-Reaktion (engl. Graft-versus-Host-Disease). Hierbei erkennen die neuen Immunzellen die Gewebe und Zellen des Patienten als fremd und attackieren diese. Die Folge sind schwere Entzündungen bis hin zu Organschäden. Hierbei sind häufig Darm, Haut und Leber betroffen.

Um einer Transplantat-gegen-Empfänger-Krankheit vorzubeugen, erhalten gefährdete Patienten spezielle Medikamente, die die Immunantwort unterdrücken.

Bild: Stammzellen spenden - Image Point Fr/Shutterstock