Spender werden – Blutstammzellen spenden

Anderen eine Chance geben
Allianz Gesundheitswelt - Bluststammzellen spenden: eine junge Frau entnimmt mit einem Abstrich Stammzelle aus der Mundschleimhaut.

Jedes Jahr erkranken alleine in Deutschland über 13.000 Menschen (Stand: 2022) an Leukämie. Eine Knochenmark- oder Blutstammzellspende ist oft die einzige Chance auf Heilung. Fast jede:r zehnte Leukämiepatient:in findet aber keine passenden Spender:innen, weltweit liegt der Prozentsatz sogar deutlich höher. Dabei müssen Hilfswillige sich nur registrieren lassen und einen harmlosen Abstrich oder eine kleine Blutentnahme machen, oft geht das sogar online und mit Selbstabstrich-Kits.

Aus Blut, Knochenmark oder Nabel­schnur­blut gewonnene Stamm­zellen besitzen die Fähigkeit, sämt­liche Zellen des Blutes und der Immun­abwehr zu bilden. Eine Stammzell-Trans­plantation kann somit Patienten und Patientiennen helfen, deren Blut­stamm­zellen krebs­krank oder defekt sind. Kurz vor der eigent­lichen Trans­plantation müssen die kranken eigenen Stamm­zellen der Empfänger:innen durch Strahlen oder Medikamente zerstört werden.

Eine Stammzell-Trans­plantation gilt als Heilungs­chance bei:

  • Blutkrebs (Leukämie)
  • Lymphdrüsen­krebs (Lymphom)
  • schweren Blut­bildungs­störungen
  • angeborener Immun­schwäche, z. B. Wiskott-Aldrich-Syndrom
  • anderen seltenen genetischen Erkrankungen, z. B. Mukopolysaccharidose

Nur ein knappes Drittel finden einen passenden Stammzell­spender in ihrer Familie. Die Chance, dass die Stamm­zellen von Fremden geeignet sind, liegt oft bei 1:1.000.000 oder noch schlechter. Daher müssen die Proben von Millionen Hilfswilligen untersucht werden.

Jeder Mensch zwischen 18 und ca. 60 Jahren (Aufnahme in Spender­datei oft nur bis 55 Jahre und auch schon mit 17 Jahren möglich) kann Stamm­zellen spenden, sofern er in ausreichend guter körper­licher Verfassung ist. Eine Spende ist in der Regel ausge­schlossen, wenn eines oder mehrere der folgenden Kriterien zutreffen. Im Zweifelsfall ist die gesund­heit­liche Eignung mit dem medizinischen Fachpersonal zu klären, das die spezielle Situation kennt:

  • Körpergewicht unter 50 Kilogramm
  • Body-Mass-Index über 40 (extremes Über­gewicht)
  • Krebserkrankung
  • Erkrankungen des Blutes, Blut­gerinnungs­systems oder der Blutgefäße, z. B. Bluter­krankheit, tiefe Beinvenen­thrombose, Marcumar-Behandlung
  • Auto­immun­erkrankungen, z. B. rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa
  • schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z. B. koronare Herz­krankheit, schlecht eingestellter Blut­hochdruck, Bypass-Operation
  • schwere Atemwegs­krankheiten, z. B. chronische Bronchitis, schweres Asthma
  • schwere Nieren­erkrankungen, z. B. Nieren­insuffizienz, Zystennieren
  • bestimmte Erkrankungen des zentralen Nerven­systems, z. B. Epilepsie, Multiple Sklerose
  • Erkrankungen der Hormon­drüsen, z. B. insulin­pflichtiger Typ-I-Diabetes, Morbus Basedow
  • bestimmte psychische Erkrankungen, z. B. behandlungs­bedürftige Depressionen
  • bei bestimmten Infektions­krankheiten, z. B. HIV, Hepatitis B oder C, Borreliose, Malaria oder Salmonellen-Dauerausscheider
  • nach einer Organ- oder Fremdgewebe­transplantation
  • nach einer Behandlung mit Wachstums­hormonen
  • schwere, medikamentös behandelte Allergien
  • Alkohol-, Medikamenten- oder Drogen­abhängigkeit

Sobald registrierte Spender:innen das maximale Alter für eine Spende über­schritten haben, werden sie auto­matisch aus der Spender­datei gelöscht.

Bei der Typisierung werden bestimmte Oberflächen-Eiweiße der weißen Blut­körperchen oder Wangen­schleimhaut­zellen untersucht: die Humanen Leukozyten-Antigene (HLA). Diese spielen eine zentrale Rolle bei der Erkennung körper­eigener bzw. fremder Zellen durch die Immun­abwehr.

Die Spender­daten werden anony­misiert und in die Datenbank der World Marrow Donor Association (WMDA) einge­speist, in der Ärztinnen und Ärzte weltweit nach passenden HLA-Merkmalen suchen können. In der Datenbank sind über 43 Millionen Spender:innen erfasst (Stand Anfang 2026).

Gleichen sich alle unter­suchten HLA-Merkmale zweier Personen, dann sind diese ein passendes Spender-Empfänger-Paar.

Sofern die HLA-Merkmale mit Empfänger:innen überein­stimmen, werden registrierte Spender:innen zu einer erneuten Gewebe­typisierung gebeten. Kommt eine Knochenmark- oder Blut­stammzell­transplantation in Frage, informiert der Arzt bzw. die Ärztin über den genauen Ablauf und holt das schrift­liche Einverständnis für die Spende ein.

Nun wird das Blut der Spender:innen auf unent­deckte Infektionen unter­sucht. Sind auch die Empfänger:innen infektions­frei, werden sie nun für die Trans­plantation „kondi­tioniert“. Das heißt, sie müssen eine Chemo­therapie oder Ganz­körper­bestrahlung über sich ergehen lassen, sodass alle eigenen Blut­stammzellen absterben.

In über 80 % der Fälle genügt eine periphere Blut­stammzellen­entnahme. Hierbei erhalten Spender:innen über fünf Tage den natürlichen Wachstums­faktor G-CSF (Granulozyten-Kolonie-stimulierender-Faktor) verabreicht. Dieser bewirkt, dass das Knochen­mark vermehrt Blut­stammzellen bildet und in den Blut­kreislauf abgibt. Anschließend werden die Blut­stammzellen über eine Art Blutwäsche geerntet, die sogenannte Stammzell-Apherese. Hierbei leitet ein Schlauch Blut aus einer Armvene in den sogenannten Zell­separator, der die begehrten Blut­stammzellen heraus­filtert. Über einen Schlauch in eine Vene des anderen Arms gelangt das gefilterte Blut wieder zurück in den Blut­kreislauf. Der Vorgang dauert rund vier Stunden. In einigen Fällen muss der Vorgang am nach­folgenden Tag wieder­holt werden, da beim ersten Durchlauf nicht genügend Blut­stammzellen zusammen kamen.

Im Falle einer Knochenmark­entnahme benötigen Spender:innen eine Voll­narkose, damit Knochen­mark mit Blut­stammzellen direkt aus dem Becken­kamm abgesaugt werden kann. Die Operation dauert etwa 60 Minuten und hinter­lässt zwei kleine Einschnitte an der Hüfte. Danach müssen Spender:innen noch maximal zwei bis drei Tage zur Beobachtung im Kranken­haus bleiben.

Werdende Mütter können nach der Entbindung Nabelschnur­blut spenden. Dieses enthält ebenfalls für Behand­lungen geeignete Blut­stammzellen und kann daher Leben retten.

Die periphere Blut­stammzell­entnahme gibt es seit 1989. Als Neben­wirkungen sind nur grippe­ähnliche Symptome wie Kopf- und Glieder­schmerzen bekannt, die durch den Wachstums­faktor G-CSF ausgelöst werden und gut mit Schmerz­mitteln behandelbar sind. Lang­fristige Folgen sind nicht bekannt.

Eine Knochenmark­entnahme ist ein operativer Eingriff unter Voll­narkose, dement­sprechend bestehen die üblichen Narkose­risiken und ein Infektions­risiko. Etwa jede:r Zehnte leidet nach einer Voll­narkose an vorüber­gehender Übelkeit, Erbrechen oder Heiserkeit. Alle Spender:innen haben für einige Tage Wund­schmerzen und einen Blut­erguss am Becken­kamm. Obwohl die Operierenden über einen Liter Blut-Knochenmark-Gemisch aus dem Becken­kamm ernten, füllt sich der Becken­knochen etwa binnen zwei Wochen wieder mit frischen Blut­stammzellen.

Nach der Chemo­therapie oder Strahlen­behandlung sind die Patientinnen und Patienten schutzlos gegen Krankheits­erreger, bis das Immun­system durch die Blut­stammzell­spende wieder aufgebaut ist.

Sofern die Blut­stammzellen nicht von den Empfänger:innen selbst oder von ihrem eineiigem Zwilling stammen, erleiden drei bis sechs von zehn Empfänger:innen eine akute Transplantat-gegen-Empfänger-Reaktion (engl. Graft-versus-Host-Disease). Hierbei erkennen die neuen Immun­zellen die Gewebe und Zellen der Empfänger:innen als fremd und attackieren diese. Die Folge sind schwere Ent­zündungen bis hin zu Organ­schäden. Hierbei sind häufig Darm, Haut und Leber betroffen.

Um einer Transplantat-gegen-Empfänger-Krankheit vorzu­beugen, erhalten gefährdete Patientinnen und Patienten spezielle Medi­kamente, die die Immun­antwort unter­drücken.

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Bild: Stammzellen spenden - Image Point Fr/Shutterstock