Toiletten­hygiene: So schützen Sie sich vor Keimen

Wie Sie zu Hause, unterwegs und bei Kindern für saubere Toiletten­hygiene sorgen.
Allianz Gesundheitswelt - Toilettenhygiene: Weiße Toilette vor grauen Badfliesen

Bei der Toilettennutzung im Alltag denken wir nicht immer daran, wie leicht sich dabei Keime verbreiten. Schon eine gründliche Reinigung und die richtige Entscheidung zwischen Papier oder Wasser senken das Infektionsrisiko spürbar. Auch Kindern können Eltern Toilettenhygiene Schritt für Schritt vermitteln, und selbst unterwegs lässt sie sich mit wenigen Handgriffen einhalten.

Toilettenhygiene ist wichtig, weil sich Krankheitserreger wie Bakterien und Viren über Stuhlreste, Hände und Oberflächen in der Toilette schnell verbreiten können. Weltweit haben nach Angaben von UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation rund zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu einer sicheren, hygienischen Toilette. Fehlende sanitäre Grundversorgung zählt zu den häufigsten Ursachen für Durchfallerkrankungen.

Der Welttoilettentag am 19. November, initiiert von der World Toilet Organization und seit 2013 von den Vereinten Nationen anerkannt, erinnert jährlich an diese globale Herausforderung. Auch zu Hause kann mangelnde Toilettenhygiene das Risiko für Magen-Darm-Infektionen erhöhen, weshalb sich einige grundlegende Regeln lohnen.

Für eine gründliche Reinigung der Toilette genügen handelsübliche Putzmittel, wenn Sie diese regelmäßig anwenden. Spezielle antibakterielle Reiniger benötigen Sie im Haushalt in der Regel nicht, normale Reinigungsmittel reichen für eine gute Hygiene meist völlig aus. Nutzen Sie für die Toilette einen eigenen Lappen oder Schwamm, den Sie nicht auch für andere Oberflächen im Bad verwenden, und waschen Sie ihn regelmäßig bei mindestens 60 Grad.

Lassen Sie die Toilettenbürste nach Gebrauch abtropfen und trocknen, statt sie dauerhaft feucht in der Halterung stehen zu lassen. So finden Keime weniger Nährboden.

Zu einer hygienischen Toilette gehört mehr als Reinigungsmittel. Achten Sie auf folgende Punkte:

  • Ausreichend mehrlagiges Toilettenpapier
  • Regelmäßig gewechselte Handtücher, in gemeinsam genutzten Bädern idealerweise Einmalhandtücher
  • Ein eigener Putzlappen nur für die Toilette, gewaschen bei mindestens 60 Grad
  • Eine Toilettenbürste, die nach Gebrauch gut abtrocknen kann

Beim Toilettengang selbst kommt es vor allem auf die Wahl zwischen Papier und Wasser, das Schließen des Deckels vor dem Spülen und gründliches Händewaschen an.

Wasser kann laut aktuellen Studien Keime an den Händen wirksamer reduzieren als trockenes Toilettenpapier allein. In Japan und Südkorea sind sogenannte Washlets weitverbreitet, Toiletten mit integrierter Po-Dusche, die den Intimbereich nach dem Toilettengang mit Wasser reinigen. Eine japanische Studie mit Pflegestudierenden fand nach der Nutzung einer Bidet-Toilette eine deutlich geringere Keimbelastung an den Händen als nach alleiniger Reinigung mit Toilettenpapier, im Schnitt rund 4.150 statt etwa 39.500 koloniebildende Einheiten. Zu festes Wischen mit Papier kann zudem kleine Hautverletzungen verursachen. Bei übermäßiger oder unsachgemäßer Nutzung können Bidet-Toiletten laut einer weiteren Studie allerdings auch Analbeschwerden begünstigen oder als Kontaminationsquelle für Fäkalbakterien wie Escherichia coli dienen. Wischen Sie sich als Frau zudem grundsätzlich von vorne nach hinten ab, um zu verhindern, dass Darmbakterien in Richtung Harnröhre gelangen.

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Merkmal
Trockenes Toilettenpapier
Wasser (Bidet/Po-Dusche)
Was Sie tun können
Reinigungswirkung Entfernt Rückstände oberflächlich Reinigt Studien zufolge gründlicher Mehrlagiges, weiches Papier ohne starken Druck verwenden
Hautverträglichkeit Kann bei zu festem Wischen reizen Bei Übernutzung möglich: Analbeschwerden (Studie) Auf zu festes Wischen beziehungsweise Übernutzung verzichten
Verfügbarkeit In Deutschland Standard Klassische Bidets in Südeuropa verbreitet (zum Beispiel Frankreich, Spanien, Italien), Washlets in Japan/Südkorea, in Deutschland selten Lauwarmes Wasser mit moderatem Druck nutzen, wenn vorhanden

Wenn Sie den Toilettendeckel vor dem Spülen schließen, können Sie verhindern, dass Bakterien und feinste Wassertröpfchen als Aerosol durch die Luft im Bad verteilt werden. Studien zu sogenannten Toilet Plumes (Wolken aus feinen Wassertröpfchen und Aerosolen, die beim Spülen einer Toilette in die Luft aufgwirbelt werden) zeigen, dass sich beim Spülen mit offenem Deckel Bakterien wie Escherichia coli in der Luft verteilen und einige Zeit schweben können. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt deshalb, den Deckel vor dem Spülen zu schließen.

Wischen Sie sich als Frau zudem grundsätzlich von vorne nach hinten ab, um zu verhindern, dass Darmbakterien in Richtung Harnröhre gelangen. Waschen Sie sich nach dem Toilettengang gründlich mit Seife die Hände, mindestens 20 bis 30 Sekunden lang, und trocknen Sie sie danach sorgfältig mit einem sauberen Handtuch ab, denn feuchte Hände übertragen Keime leichter.

Kinder brauchen beim Toilettengang zunächst Unterstützung, um Hygieneregeln wie Wischrichtung und Händewaschen zu verinnerlichen. Toilettenaufsätze und kleine Hocker erleichtern kleineren Kindern eine sichere Sitzposition.

Üben Sie die Wischrichtung von vorne nach hinten sowie das gründliche Händewaschen anfangs gemeinsam mit Ihrem Kind, statt es allein damit zu lassen. Unterwegs können Einweg-Sitzauflagen oder ein kurzes Abwischen der Toilettenbrille zusätzliche Sicherheit geben.

Setzen Sie Ihr Kind beim Toilettentraining nicht unter Druck, denn jedes Kind braucht dafür sein eigenes Tempo. Lob und Geduld helfen mehr als Ungeduld. Wichtig ist vor allem Ihre Vorbildfunktion, denn Kinder übernehmen Hygieneroutinen leichter, wenn Sie sie selbst konsequent vorleben.

Wischen Sie unterwegs die Toilettenbrille vor der Benutzung kurz ab und waschen oder desinfizieren Sie sich möglichst bald danach die Hände. Ein kleines Handdesinfektionsmittel gehört sinnvollerweise in die Reiseapotheke, falls unterwegs keine Waschgelegenheit in der Nähe ist. Direkten Hautkontakt mit Türklinken oder Spülknöpfen vermeiden Sie oft mit einem Stück Papierhandtuch.

Nutzen Sie bei einer akuten Magen-Darm-Infektion in der Familie nach Möglichkeit eine separate Toilette, um eine Ansteckung anderer Haushaltsmitglieder zu vermeiden. Passende Hausmittel bei Magen-Darm-Beschwerden lindern zusätzlich akute Beschwerden. Auch gezielte Desinfektionsmittel für Sitz, Spülung und Türgriff sind in diesem Fall sinnvoll, während im hygienischen Alltag ohne akute Erkrankung normale Reinigungsmittel ausreichen.

Auf einen Blick: Toilettenhygiene unterwegs

  • Toilettenbrille kurz abwischen, notfalls mit Einweg-Sitzauflage
  • Möglichst bald nach dem Toilettengang Hände waschen oder desinfizieren
  • Direkten Kontakt mit Türklinken und Spülknöpfen meiden, etwa mit Papierhandtuch
  • Bei Magen-Darm-Infektionen nach Möglichkeit eine separate Toilette nutzen

Wie oft sollten Sie die Toilette reinigen?

Im normalen Haushalt reicht eine gründliche Reinigung ein- bis zweimal pro Woche aus. Bei mehreren Personen im Haushalt oder bei einer akuten Magen-Darm-Erkrankung sollten Sie häufiger und mit Desinfektionsmitteln reinigen.

Sind Desinfektionssprays für die Toilettenbrille unterwegs sinnvoll?

Spezielle Desinfektionssprays sind für gesunde Erwachsene meist nicht zwingend notwendig, da eine intakte Haut einen guten Schutz vor den meisten Keimen bietet. Wenn Sie sich unsicher fühlen oder ein geschwächtes Immunsystem haben, können Sie zusätzlich zu Desinfektionstüchern greifen. Ein kurzes Abwischen der Toilettenbrille, etwa mit Papier oder einer Einweg-Sitzauflage, ist unterwegs unabhängig vom Gesundheitszustand empfehlenswert.

Können Toilettenkeime tatsächlich krank machen?

Ja, insbesondere Bakterien wie Escherichia coli oder Noroviren können über verunreinigte Hände oder Oberflächen übertragen werden und Magen-Darm-Infektionen auslösen. Regelmäßiges Händewaschen senkt dieses Risiko deutlich.

Quellen
  • infektionsschutz.de (BZgA): Toilettenhygiene – https://www.infektionsschutz.de/hygienetipps/toilettenhygiene/
  • Oie, S. & Kawai, S.: Microbial contamination of hands with or without the use of bidet toilets after defecation. Journal of Water and Health, Vol. 20, No. 1 (2022), S. 271–275.
  • Tsunoda, A.: Bidet Toilet Use May Cause Anal Symptoms and Nosocomial Infection. Journal of the Anus, Rectum and Colon, Vol. 5, No. 4 (2021). DOI: 10.23922/jarc.2021-027.
  • PTAheute: Warum man den WC-Deckel stets schließen sollte – https://www.ptaheute.de/serien/hygiene-im-apothekenalltag/warum-man-wc-deckel-stets-schliessen-sollte
  • UNICEF/WHO: Zugang zu sicherer Sanitärversorgung – https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/-/zugang-zu-sicherem-trinkwasser/275656
  • kindergesundheit-info.de (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit): Empfehlungen zur Hygiene – https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/alltagstipps/krankheitszeichen/hygiene-empfehlungen/
  • kinderaerzte-im-netz.de (Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte): Toilettentraining beginnt, wenn Kinder Interesse zeigen – https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/toilettentraining-beginnt-wenn-kinder-interesse-zeigen/

Bild: Lilifox/Fotolia