In der kalten Jahreszeit häufen sich Schnupfen, Husten und Halsschmerzen spürbar. Wer Erkältungen vorbeugen möchte, kommt an einfachen Hygienemaßnahmen nicht vorbei, kann aber auch mit gesunder Ernährung und ausreichend Schlaf einiges bewirken. Ebenso aufschlussreich ist der Blick auf Nahrungsergänzungsmittel: Aktuelle Studien liefern hier oft ernüchternde Ergebnisse.
Erkältung vorbeugen
Inhalt
Wie kommt es überhaupt zu einer Erkältung?
Eine Erkältung entsteht, wenn Viren die Schleimhäute in Nase und Rachen befallen und sich dort vermehren. Mehr als 300 verschiedene Viren können eine Erkältung auslösen, am häufigsten sogenannte Rhinoviren. Weil sich diese Erreger laufend verändern, ist der Körper nie dauerhaft gegen alle Varianten geschützt.
Erkältung oder Grippe – wo liegt der Unterschied?
Eine Erkältung und eine echte Grippe (Influenza) können sich deutlich unterscheiden: Eine Grippe beginnt häufig plötzlich mit hohem Fieber, ausgeprägten Muskel- und Kopfschmerzen sowie etwas später einsetzendem, trockenem Husten (Quelle: RKI). Eine Erkältung entwickelt sich dagegen meist schleichender und verläuft in der Regel milder, wobei die Symptome im Einzelfall auch bei einer Grippe schwächer ausfallen können. Wer die Anzeichen frühzeitig richtig einordnet, kann auch gezielter Grippe vorbeugen und sich zusätzlich schützen.
Warum gibt es keine Impfung gegen Erkältungen?
Eine Impfung gegen Erkältungen ist bislang nicht möglich, weil die Vielzahl unterschiedlicher Erreger einen wirksamen Rundumschutz erschwert. Ein einzelner Impfstoff könnte diese Bandbreite kaum abdecken. Kinder erkranken deshalb bis zu 13-mal pro Jahr an einer Erkältung, Erwachsene im Schnitt 2- bis 4-mal (Quelle: Stiftung Gesundheitswissen).
Warum macht Kälte anfälliger für Erkältungen?
Kälte kann die körpereigene Abwehr in der Nase schwächen. Trockene Heizungsluft und kalte Außenluft können die Nasenschleimhaut austrocknen, wodurch Viren leichter eindringen können. Eine vielbeachtete Studie liefert dafür einen Erklärungsansatz: Die Nasenschleimhaut setzt normalerweise schützende Vesikel frei, an denen sich eindringende Viren wie an einem Köder festsetzen können. Bei einer Kälteexposition von rund 4 Grad Celsius über 15 Minuten sank die Produktion dieser Schutzvesikel in der Studie um bis zu 42 Prozent (Quelle: Journal of Allergy and Clinical Immunology, 2022, zusammengefasst von CORDIS). Das könnte erklären, warum Erkältungen in der kalten Jahreszeit deutlich häufiger auftreten.
Welche Alltagsmaßnahmen schützen nachweislich vor Erkältungen?
Die wirksamsten Schutzmaßnahmen gegen Erkältungen sind einfache Hygieneregeln. Sie senken das Risiko einer Tröpfchen- oder Schmierinfektion spürbar.
Gründliches Händewaschen mit Seife kann die Übertragung von Erkältungsviren deutlich reduzieren. Empfohlen wird eine Einseifzeit von 20 bis 30 Sekunden. Dabei sollten auch Fingerzwischenräume, Nagelfalze und Daumen einbezogen werden (Quelle: BZgA).
Abstand zu erkrankten Personen, regelmäßiges Stoßlüften und das Husten oder Niesen in die Armbeuge senken das Ansteckungsrisiko zusätzlich. Ein Schal über Mund und Nase kann die eingeatmete Luft in der kalten Jahreszeit etwas vorwärmen und die Schleimhäute dadurch zusätzlich unterstützen.
In Situationen mit vielen Menschen auf engem Raum kann ein einfacher Mund-Nasen-Schutz sinnvoll sein. Untersuchungen aus der Zeit der Corona-Pandemie zeigten, dass Masken die Übertragung von Atemwegsviren spürbar reduzieren können. Wenn beide beteiligten Personen eine korrekt sitzende FFP2-Maske tragen, sank das Ansteckungsrisiko in einer vielzitierten Studie nach 20 Minuten auf rund 0,4 Prozent (Quelle: PNAS, Bagheri et al., 2021).
Wie wichtig sind Ernährung, Bewegung und Schlaf für die Abwehrkräfte?
Ein insgesamt gesunder Lebensstil kann die Infektabwehr unterstützen. Eine Erkältung lässt sich dadurch aber nicht vollständig verhindern. Vier Faktoren spielen dabei eine besondere Rolle:
- Eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann das Darmmikrobiom und damit indirekt die Abwehrkräfte unterstützen (Quelle: EU-Forschungsprojekt FIBEBIOTICS).
- Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt 150 bis 300 Minuten moderates oder 75 bis 150 Minuten intensives Training pro Woche für ein leistungsfähiges Immunsystem.
- Ausreichend Schlaf von etwa 7 bis 8 Stunden pro Nacht unterstützt die Bildung von Immunzellen und kann den Cortisolspiegel senken (Quelle: Besedovsky et al., 2012).
- Rauchen und Alkoholkonsum können die Schleimhäute zusätzlich belasten und sollten nach Möglichkeit vermieden werden (Quellen: U.S. Surgeon General Report; NIAAA).
Helfen Nahrungsergänzungsmittel, Nasensprays oder Hausmittel wirklich gegen Erkältungen?
Die meisten frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmittel können eine Erkältung laut aktueller Studienlage nicht zuverlässig verhindern. Am Beispiel von Vitamin D zeigt sich das deutlich: Eine große Metaanalyse fand insgesamt keinen signifikanten Schutzeffekt gegen akute Atemwegsinfekte (Quelle: Jolliffe et al., Lancet Diabetes & Endocrinology, Februar 2025). Auch für hochdosiertes Vitamin C, Zink und Echinacea sowie Nasenspülungen und Nasensprays fällt die Studienlage unterschiedlich, aber insgesamt eher zurückhaltend aus – die Tabelle unten gibt einen Überblick. Vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann eine Rücksprache mit ärztlichem oder pharmazeutischem Fachpersonal sinnvoll sein.
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Maßnahme
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Wissenschaftliche Einschätzung
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Was Sie tun können
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|---|---|---|
| Vitamin D | Kein signifikanter Schutzeffekt in der Gesamtauswertung, möglicher Nutzen in einzelnen Untergruppen (zum Beispiel Kinder). | Auf ausreichende Versorgung durch Ernährung und Sonnenlicht achten, statt gezielt zur Erkältungsvorbeugung hoch zu dosieren. |
| Vitamin C | Kein belegter Vorbeugeeffekt bei hohen Dosen in der Allgemeinbevölkerung. Bei regelmäßiger Einnahme kann Vitamin C die Erkältungsdauer etwas verkürzen (Cochrane: rund 8 % bei Erwachsenen, 14 % bei Kindern) und die Beschwerden leicht mildern. | Vitamin C über Obst und Gemüse aufnehmen. Eine regelmäßige Einnahme kann Dauer und Schwere einer bereits bestehenden Erkältung etwas verringern. |
| Zink und Echinacea | Möglicher, aber statistisch nicht signifikant abgesicherter Effekt (Cochrane: 10 Studien ohne signifikanten Unterschied zu Placebo). | Vor der Einnahme ärztliches oder pharmazeutisches Fachpersonal um Rat fragen. |
| Nasenspülung / Nasenspray | Studienlage uneinheitlich, im Einzelfall hilfreich. | Bei Bedarf ausprobieren und auf saubere Anwendung achten. |
Erkältung: Wann sollten Sie zum Arzt?
Ein Arztbesuch kann sinnvoll sein, wenn Symptome ungewöhnlich stark ausfallen oder sich über längere Zeit nicht bessern. Zu den Warnsignalen zählen gelblich-grüner Nasenschleim, starke Kopf- oder Ohrenschmerzen, Husten über drei Wochen sowie hohes Fieber. Eine unkomplizierte Erkältung klingt in der Regel innerhalb von 7 bis 10 Tagen von selbst wieder ab.
Auf einen Blick:
- Gründliches Händewaschen und Abstand senken das Ansteckungsrisiko spürbar.
- Ausgewogene Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf unterstützen die Abwehrkräfte.
- Die meisten Nahrungsergänzungsmittel bieten laut aktueller Studienlage keinen verlässlichen Schutz.
- Bei anhaltenden oder starken Symptomen kann ärztlicher Rat sinnvoll sein.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Erkältung vorbeugen
Wie lange sind Erkrankte ansteckend, bevor sie selbst etwas merken?
Erkältungsviren können bereits übertragen werden, bevor die ersten Symptome spürbar sind. Am höchsten ist die Ansteckungsgefahr in den ersten Krankheitstagen, wenn Nase und Rachen am stärksten von Viren besiedelt sind.
Warum erkälten sich manche Menschen ständig, andere kaum?
Ein geschwächtes Immunsystem, chronischer Stress, wenig Schlaf oder häufiger enger Kontakt zu vielen Menschen können das Erkältungsrisiko erhöhen. Auch individuelle Unterschiede in der Immunantwort spielen eine Rolle.
Hilft Saunieren oder Kälte-Wärme-Training wirklich gegen Erkältungen?
Für einen vorbeugenden Effekt von Sauna oder gezielten Kältereizen auf das Erkältungsrisiko gibt es bislang keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege. Wer Sauna oder kalte Duschen als angenehm empfindet, kann sie dennoch in den Alltag einbauen, sollte aber keinen Schutz vor Erkältungen davon erwarten.
Quellen
- Stiftung Gesundheitswissen
- BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)
- Journal of Allergy and Clinical Immunology, 2022: Studie zur Kälte-Immunantwort der Nasenschleimhaut (zusammengefasst von CORDIS)
- PNAS, Bagheri et al., 2021: Studie zur Schutzwirkung von FFP2-Masken
- EU-Forschungsprojekt FIBEBIOTICS (2012–2016), zusammengefasst von CORDIS: Studien zu Ballaststoffen, Darmmikrobiom und Immunfunktion
- Besedovsky, Lange, Born, Pflügers Archiv – European Journal of Physiology, 2012: Übersichtsarbeit zu Schlaf und Immunfunktion
- U.S. Department of Health and Human Services, Report of the Surgeon General "The Health Consequences of Smoking": Kapitel zu Rauchen und Atemwegsabwehr
- National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA), Alcohol Research: Current Reviews: Übersichtsarbeit zu Alkohol und Infektanfälligkeit der Atemwege
- Jolliffe et al., Lancet Diabetes & Endocrinology, Februar 2025: Metaanalyse zu Vitamin D und Atemwegsinfekten
- Cochrane-Review (Karsch-Völk et al.) zu Echinacea und Erkältungsprävention
- Hemilä & Chalker, Cochrane Database of Systematic Reviews, 2013: Review zu Vitamin C, Erkältungsdauer und -schwere
- Weltgesundheitsorganisation (WHO), Bewegungsempfehlungen
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