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Pflegereform 2017

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  Was Sie jetzt wissen müssen

Allianz - Durch die Reform sollen über eine halbe Millionen mehr Menschen Leistungsansprüche beziehen können als bislang.

Das Bundeskabinett hat die zweite Stufe der aktuellen Pflegereform beschlossen. Nachdem zu Jahresbeginn Leistungen der Pflegeversicherung erhöht wurden, regelt nun die nächste Stufe, wer als pflegebedürftig gelten soll. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

  Was verändert das neue Gesetz?

Das neue Gesetz soll eine Gleichstellung erreichen: So sollen Menschen mit sogenannten kognitiven Einschränkungen wie beispielsweise einer Demenz von der Pflegeversicherung genauso profitieren wie Patienten mit körperlichen Gebrechen. Künftig sollen Unterschiede entfallen und nur noch geprüft werden, wie stark der Einzelne tatsächlich unterstützt werden muss. Dies soll in zwei Schritten geschehen:

  • Der Fragebogen zur Einschätzung der Pflegestufe soll ausgeweitet und konkretisiert werden: Ab 2017 sollen die Gutachter der Medizinischen Dienste 77 statt 30 einzelne Kategorien prüfen.
  • Zudem wird die Systematik von drei Pflegestufen in fünf Pflegegrade geändert. So lässt sich der Pflegebedarf genauer einordnen. Maßgeblich ist künftig der Grad der Selbstständigkeit der Person in allen pflegerelevanten Bereichen.

  Sind Nachteile für heute Pflegebedürftige zu erwarten?

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat allen bis Ende 2016 erfassten Versicherten Bestandsschutz zugesichert. Danach soll keiner dieser Patienten durch die Reform schlechter gestellt werden. Geplant ist, durch ein festes Schema die alten Pflegestufen automatisch in das neue System umzurechnen – ohne gesonderte Prüfung.

So wird beispielsweise die alte Pflegestufe I im neuen System zu Pflegegrad 2 oder die alte Pflegestufe III zu Pflegegrad 4. Eine zusätzlich festgestellte „eingeschränkte Alltagskompetenz“ aus dem alten System führt im neuen System zu einer automatischen Anhebung des Pflegegrades um zwei Stufen, so wird etwa aus Pflegestufe II mit „eingeschränkter Alltagskompetenz“ dann Pflegegrad 4.

  Welche finanziellen Auswirkungen hat das neue Gesetz?

Durch die Reform sollen über eine halbe Millionen mehr Menschen Leistungsansprüche beziehen können als bislang.

Kosten soll die zweite Stufe der Reform im ersten Jahr etwa fünf Milliarden Euro. Um dies zu finanzieren, ist geplant, den Beitragssatz der gesetzlichen Pflegekasse 2017 um 0,2 Prozentpunkte anzuheben. Außerdem sollen 4,4 Milliarden Euro einmalig aus der Rücklage der Sozialen Pflegeversicherung entnommen werden – für die Überleitungskosten in das neue System

  Die Leistungen des Pflegestärkungsgesetzes II auf einen Blick

Welche Neuerungen ergeben sich seit 01. Januar 2017 in der Pflegepflichtversicherung?

  1. Statt drei Pflegestufen gibt es ab 1. Januar 2017 fünf Pflegegrade.
  2. Ausschlaggebend für die Leistungen der Pflegeversicherung ist der Grad der Selbstständigkeit.
  3. Seit dem 1. Januar 2017 wird der Grad der Selbständigkeit in sechs verschiedenen Bereichen (Modulen) gemessen, diese werden unterschiedlich gewichtet und zu einer Gesamtbewertung zusammengeführt. Dieses Ergebnis bildet dann den Pflegegrad.

Ermittlung der neuen Pflegegrade seit Januar 2017

In unserer Infografik sehen Sie, wie die Ermittlung des Pflegegrads seit 01. Januar 2017 im Rahmen der Begutachtung erfolgt.

Liegt bereits eine Pflegebedürftigkeit zum 31. Dezember 2016 vor, so erfolgt eine automatische Überleitung in einen Pflegegrad, eine erneute Begutachtung ist nicht erforderlich.

Allianz - Übersicht: Bestimmung des Pflegegrades

Übersicht der Leistungen seit Januar 2017

Pflegegrad Häusliche/ambulante Pflege Vollstationäre Pflege
Durch Angehörige bzw. ehrenamtliche Pflege­per­­sonen („selbst be­schaff­te Pflege­per­so­nen“) Durch ambulanten Pfle­ge­dienst oder teil­sta­tio­nä­re Pflege im Pflegeheim
Pflegegeld Pflegesachleistung1
1 - - 125 €
2 316 € 689 € 770 €
3 545 € 1.298 € 1.262 €
4 728 € 1.612 € 1.775 €
5 901 € 1.995 € 2.005 €
Entlastungsbetrag: bis 125 €2

1) Soziale Pflegeversicherung = Pflegesachleistung; Private Pflegeversicherung = Kostenerstattung

2) Pflegebedürftige in häuslicher Pflege haben Anspruch auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von bis zu 125 € monatlich (als Kostenerstattung)

Die Leistungen im Überblick

 

Pflegehilfsmittel Versorgung mit qualitativ hochwertigen Leihprodukten. Bei Kauf: Erstattung in Höhe der Leihkosten

Für Versicherte der Allianz (Private Pflegeversicherung): Bitte informieren Sie uns vorab, wenn Sie ein Hilfsmittel von der Privaten Pflegeversicherung benötigen. Hilfsmittel müssen leihweise zur Verfügung gestellt werden. Falls Sie eigenmächtig ein Hilfsmittel beschaffen, riskieren Sie, dass Sie die Kosten nicht oder nur teilweise erstattet bekommen.
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch Allianz Kunden mit einem Pflegegrad haben monatlich bis zu 40 € Anspruch auf Pflege-Verbrauchs-Hilfsmittel
Umbaumaßnahmen Bis zu 4.000 € als Zuschuss pro Maßnahme
Pflegekurse Schulungskurse für ehrenamtlich Pflegende
Verhinderungspflege (Anspruch besteht für Pflegebedürftige in Pflegegrad 2–5 Bis zu 1.612 Euro und bis 42 Tage im Jahr
Kurzzeitpflege (Anspruch besteht für Pflegebedürftige in Pflegegrad 2–5 Bis zu 1.612 Euro und bis 56 Tage im Jahr
Entlastungsbetrag 125 Euro monatlich
Ehrenamtliche Pflege Unter bestimmten Umständen für die Pflegeperson: Rentenbeiträge, Arbeitslosenversicherung, Unfallversicherung
Wohngruppen: Gründungszuschuss 2.500 Euro
Wohngruppen: monatliche Leistung 214 Euro pro Pflegebedürftigen

  Bedeutet die Reform eine umfängliche Absicherung von Pflegebedürftigen?

Das neue Gesetz erhöht in vielen Fällen die Zahlungen – insbesondere bei den hohen Pflegegraden 4 und 5. Mit dem niedrigsten Pflegegrad 1 haben erstmals auch Menschen mit geringerem Unterstützungsbedarf (z. B. Hilfe bei der allgemeinen Betreuung) Anspruch auf Leistungen.

Dagmar Weinfurtner, Pflegeexpertin der Allianz, sagt: „Das Gesetz setzt wichtige Impulse und hilft insbesondere Menschen mit Krankheiten wie der Demenz. Dennoch reicht die Absicherung über die verpflichtende Pflegeversicherung nicht aus.“ Es sei weiter notwendig, zusätzlich selbst mit privaten Pflegetarifen vorzusorgen.

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