Demenz vorbeugen

So halten Sie Ihr Gehirn fit
Allianz Gesundheitswelt - geistig fit bleiben: eine ältere Dame in weißer Bluse spielt mit ihrem Enkel in grauem Sweater Schach.

Viele Menschen wünschen sich, bis ins hohe Alter geistig fit zu bleiben. Eine Pille gegen das Vergessen gibt es bislang nicht, doch die Forschung zeigt: Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko für eine Demenz senken. Entscheidend ist, die beeinflussbaren Risikofaktoren zu kennen und gezielt vorzubeugen: mit Bewegung, Hirntraining und bewusster Ernährung. Dieser Ratgeber zeigt, was laut Wissenschaft hilft und warum Nahrungsergänzungsmittel dabei keine Rolle spielen.

Demenz ist ein neurologisches Krankheitsbild, bei dem geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache und Orientierung schrittweise nachlassen. In Deutschland leben derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz (Stand Ende 2023). Da die Gesellschaft altert, dürfte diese Zahl weiter steigen (Deutsche Alzheimer Gesellschaft). Welche Form der Demenz vorliegt, hängt davon ab, was im Gehirn geschieht. Die folgende Übersicht zeigt die drei häufigsten Gruppen:

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Demenzform
Anteil
Wie sie entsteht
Alzheimer-Demenz 60–70 % Eiweißablagerungen im Gehirn können Nervenzellen und ihre Verbindungen schädigen
Vaskuläre Demenz rund 15 % Durchblutungsstörungen im Gehirn, beispielsweise nach einem Schlaganfall oder bei langjährigem Bluthochdruck
Weitere Formen übrige Fälle Lewy-Body-Demenz, Mischformen und seltenere Ursachen

Der Abbau der geistigen Fähigkeiten beginnt meist schleichend und kann sich über Jahre erstrecken. Erste Anzeichen sind oft wiederkehrende Gedächtnislücken, später können Sprach- und Orientierungsprobleme hinzukommen. Die meisten Demenzerkrankungen gelten bislang als nicht heilbar. Umso mehr lohnt sich der Blick auf die Vorbeugung, denn Ihr Lebensstil kann das Erkrankungsrisiko beeinflussen.

Die Forschung hat 14 Risikofaktoren identifiziert, die eine Demenz begünstigen können. Viele davon lassen sich beeinflussen. Nach Berechnungen der Lancet-Kommission könnten sich bis zu 45 Prozent aller Demenzerkrankungen verzögern oder sogar verhindern lassen, wenn diese Faktoren konsequent angegangen werden (Livingston et al., The Lancet, 2024). Die wichtigsten beeinflussbaren Faktoren – und was Sie ihnen entgegensetzen können – zeigt diese Übersicht:

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Bereich
Risikofaktoren
Was Sie tun können
Herz & Stoffwechsel Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, erhöhte Cholesterinwerte, starkes Übergewicht Werte regelmäßig prüfen lassen, mehr bewegen, ausgewogen essen
Lebensstil Bewegungsmangel, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum 150 Minuten Bewegung pro Woche, Rauchstopp, Alkohol reduzieren
Sinne & Psyche unbehandelte Hör- und Sehprobleme, Depression, soziale Isolation und Einsamkeit Hörgerät oder Brille nutzen, Kontakte pflegen, Hilfe bei Depression suchen
Umfeld & Biografie wenig geistige Anregung, Kopfverletzungen, Luftverschmutzung Gehirn regelmäßig fordern, Kopf beim Sport schützen

Viele dieser Risikofaktoren haben eines gemeinsam: Sie belasten die Blutgefäße, fördern Entzündungen oder schwächen die Widerstandskraft des Gehirns. Liegen mehrere gleichzeitig vor, steigt das Risiko deutlich. Alter, Geschlecht und Gene lassen sich dagegen nicht verändern. Eine Garantie gibt es deshalb nicht: Auch Menschen mit gesunder Lebensweise können erkranken. Wer jedoch mehrere Risikofaktoren gleichzeitig reduziert, senkt sein persönliches Risiko deutlich und schützt zugleich Herz und Gefäße. Denn dieselben Maßnahmen beugen auch einem Schlaganfall vor, der seinerseits zu den häufigsten Ursachen für Pflegebedürftigkeit zählt.

Demenz vorbeugen können Sie am wirksamsten mit einer Kombination aus Bewegung, geistiger Aktivität, ausgewogener Ernährung, sozialen Kontakten und medizinischer Vorsorge. Je früher Sie beginnen, desto besser: Studien deuten darauf hin, dass der Mensch in jungen Jahren geistige Reserven aufbaut, die einen späteren Abbau ausgleichen können. Aktiv zu werden lohnt sich aber in jedem Lebensalter.

Nein, nach aktuellem Stand der Forschung können Nahrungsergänzungsmittel einer Demenz nicht vorbeugen. Die WHO rät ausdrücklich davon ab, die Vitamine B und E, mehrfach ungesättigte Fettsäuren oder Multikomplex-Präparate zur Senkung des Demenzrisikos einzunehmen. Auch Ginkgo (ein pflanzliches Arzneimittel aus den Blättern des Ginkgobaumes) ist laut Deutscher Gesellschaft für Neurologie zur Vorbeugung von Demenzerkrankungen nutzlos. Dasselbe gilt für vermeintliche Geheimtipps wie grüner Tee oder Kaffee: Hochwertige Studien, die eine Schutzwirkung belegen, fehlen bislang. Wer sich ausgewogen ernährt, nimmt die nötigen Nährstoffe in der Regel über die Nahrung auf. Zusätzliche Präparate bringen dem Gehirn keinen nachweisbaren Vorteil.

Mit diesen Maßnahmen können Sie Ihr persönliches Demenzrisiko senken und bleiben zugleich körperlich fit:

  • mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche
  • Sport mit Köpfchen: Tanzen oder Klettern verbinden Bewegung und Denken
  • das Gehirn abwechslungsreich fordern – Instrument, Fremdsprache, Denksport
  • mediterran essen: viel Gemüse, Obst und Fisch, wenig Zucker und Wurst
  • soziale Kontakte aktiv pflegen, Einsamkeit vermeiden
  • Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin regelmäßig prüfen lassen
  • Hör- und Sehprobleme behandeln lassen
  • auf Rauchen verzichten, Alkohol reduzieren, ausreichend schlafen

Bemerken Sie bei sich oder Angehörigen wiederholte Gedächtnislücken oder Orientierungsprobleme, ist die hausärztliche Praxis die erste Anlaufstelle. Eine frühe Abklärung kann den Demenzverlauf günstig beeinflussen und erleichtert den Umgang mit der Erkrankung.

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Bild: Photophonie/Shutterstock