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Alltag aus den Fugen

Trauer

Der Grund für die Trauer ist immer ein Verlust. Ein Angehöriger ist gestorben, eine Ehe geschieden oder eine Freundschaft zerbrochen. Jeder Mensch erlebt Phasen der Trauer, und doch sind sie schwer zu überstehen.

In Kürze
Hilfe suchen
Betroffene, denen es an Kontakten fehlt, können sich an eine Selbsthilfegruppe wenden oder entsprechende Online-Foren nutzen.
Trauerarbeit
Die meisten Menschen können durch die Auseinandersetzung mit dem Verlust, durch bewusstes Trauern, Nachdenken und Neu-Ordnen am Ende wieder Lebensfreude schöpfen.
Körperliche Symptome
Obwohl Trauer keine Krankheit ist, stellen sich oft auch körperliche Symptome wie Schwindel, Herzrasen oder Schmerzen ein.
Trauer ist ein natürlicher Prozess, an dessen Ende oft neue Perspektiven stehen.
Die Wucht der Gefühle
Trauer ist ein natürlicher Prozess, an dessen Ende oft neue Perspektiven stehen.
Plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Der Partner, ein Elternteil oder Freund wurde aus dem Leben gerissen. Wir trauern, und unser Alltag gerät aus den Fugen. Überfordert von der Wucht der Gefühle vergessen wir meist: Trauer ist ein natürlicher Prozess, an dessen Ende oft neue Perspektiven stehen.
Notwendiger Vorgang
Der Grund für die Trauer ist immer ein Verlust. Ein Angehöriger ist gestorben, eine Ehe geschieden oder eine Freundschaft zerbrochen. Jeder Mensch erlebt Phasen der Trauer, und doch sind sie schwer zu überstehen. Das eigene Leben erscheint plötzlich sinnlos, meist fühlen wir uns einsam und wie am Boden zerstört. Oft stellen sich auch körperliche Symptome wie Schwindel, Herzrasen oder Schmerzen ein. Dann ist es gut zu wissen: Trauer ist keine Krankheit. Sie ist ein normaler und notwendiger Vorgang, durch den wir lernen, mit dem Verlust zu leben.
Phasen
Trauer ist damit nicht nur ein Gefühl, sondern auch ein Prozess des Loslassens und des Abschiednehmens. Vor diesem Hintergrund erschuf Sigmund Freud bereits vor hundert Jahren den Begriff der Trauerarbeit. Seine Vorstellung war, dass die Trauer aktiv durchlebt und überwunden werden muss. Und tatsächlich können die meisten Menschen durch die Auseinandersetzung mit dem Verlust, durch bewusstes Trauern, Nachdenken und Neu-Ordnen am Ende wieder Lebensfreude schöpfen.
 
Aufbauend auf Freud haben Wissenschaftler wie die Schweizer Psychologin Verena Kast oder der deutsche Sozialwissenschaftler Yorick Spiegel in den 1970er-Jahren die Trauer in Phasen eingeteilt. Am Anfang stehen die Verzweiflung und das Nicht-Wahrhaben-wollen, am Ende die Hinwendung zu neuen Perspektiven. Durch den Prozess soll der Trauernde den Verstorbenen also nicht vergessen. Das Ziel ist vielmehr, mit dem Verlust zu leben.

Trauerphasen:
  • Verleugnung und Nicht-Wahrhaben-Wollen
  • Aufbrechende Emotionen
  • Suchen und sich trennen
  • Neuer Selbst- und Weltbezug
Unterschiedliche Verlustsituationen

Neuere Erkenntnisse der Trauerforschung zeigen, dass jeder Mensch individuell trauert und nicht jeder alle diese Phasen durchlebt. Passen die eigenen Gefühle nicht in das oben vorgestellte Schema, sollten sich Trauernde deshalb keine Gedanken machen. Denn jede Verlustsituation ist einzigartig. Auch wie lange und wie intensiv wir trauern, kann ganz unterschiedlich sein.

Wichtig ist, dass im Laufe der Zeit eine Besserung eintritt und der Trauernde auch wieder Phasen der Freude erlebt. In diesem Zusammenhang hat der amerikanische Psychologe George A. Bonanno herausgefunden, dass die meisten Menschen über eine natürliche Überwindungskraft verfügen – Resilienz genannt. Sie hilft, nach dem Verlust geliebter Menschen die innere Balance wiederzufinden. Die Resilienz ermöglicht vielen sogar, innerlich gestärkt aus dem Trauerprozess hervorzugehen.

Bei einer Minderheit der Menschen bessert sich die Gefühlslage auch nach Monaten des Trauerns nicht. Sie schaffen es nicht alleine, ihren Verlust zu überwinden, und entwickeln eine Depression. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel von einem Psychotherapeuten.

Depression erkennen: Antriebslosigkeit, Verlust von Interessen, sozialer Rückzug, Freudlosigkeit oder vermindertes Selbstwertgefühl können Symptome einer Depression sein, wenn diese Stimmungen längere Zeit anhalten.

Oft allein gelassen

In unserer modernen Gesellschaft wird Trauer nicht mehr offen gelebt. Sie ist Privatsache der engsten Angehörigen. Trauernde fühlen sich nach der Beerdigung oft allein gelassen. Nachbarn und Arbeitskollegen gehen ihnen aus dem Weg, weil sie nicht wissen, wie sie mit ihnen umgehen sollen.

Hier kann es helfen, wenn Betroffene selbst aktiv werden. Den meisten tut es gut, mit Bekannten oder Verwandten über ihre Gefühle zu sprechen. Wem es an Kontakten fehlt, der kann sich an eine Selbsthilfegruppe wenden oder entsprechende Online-Foren nutzen.

Viele Trauernde empfinden es auch als tröstlich, ein Tagebuch oder Briefe an den Verstorbenen zu schreiben. Sobald mit der Zeit die Trauer langsam schwächer wird, finden viele durch ein Hobby, Sport oder soziales Engagement zu neuer Lebensfreude.

Bild: Goran Bogicevic/Shutterstock