Warnung: Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte wechseln Sie zu einem moderneren Browser wie Chrome, Firefox oder Microsoft Edge.

Sägewerk im Schlafzimmer

Schnarchen oder Schlafapnoe?

Fast jeder zweite schnarcht gelegentlich, wobei die Häufigkeit mit dem Alter zunimmt. Schnarchen kann aber auch Anzeichen einer schwerwiegenden Erkrankung sein.

In Kürze
Resonanzraum
Schnarchlaute entstehen, wenn die oberen Atemwege verengt sind und Weichteile in Mund und Rachen im Luftstrom vibrieren.
Schnarch-Auslöser
Schnarchen wird unter anderem begünstigt durch Nasenpolypen, Atemwegsinfekte, Übergewicht, bestimmte Medikamente, Alkohol, Rauchen.
Atemaussetzer
Schnarchen kann Anzeichen einer Schlafapnoe sein, falls Sie sich morgens nicht erholt fühlen und tagsüber an Schläfrigkeit leiden.
Gefährliche Stille
Eine unbehandelte Schlafapnoe erhöht das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt und kann langfristig zu einer Herzschwäche führen.
Schnarchen kann Anzeichen einer schwerwiegenden Erkrankung sein.
Mögliches Problemzeichen
Schnarchen kann Anzeichen einer schwerwiegenden Erkrankung sein.
Fast jeder zweite schnarcht gelegentlich, wobei die Häufigkeit mit dem Alter zunimmt. Manche rasseln leise, andere sägen ganze Wälder nieder. Was für Außenstehende amüsant klingt, kann Anzeichen einer schwerwiegenden Erkrankung sein. Erfahren Sie hier, wann Schnarchen zum Gesundheitsproblem wird.
Hörbare Vibrationen

„Schnarchen“ bezeichnet atmungsabhängige Geräusche, die meist beim Einatmen und im Schlaf auftreten. Schnarchlaute entstehen im gesamten Bereich des Rachens, seltener auch im Kehlkopf.

Bei jeder Form des Schnarchens sind die oberen Atemwege verengt, wodurch die Atemluft schneller ein- und ausströmt. Im Schlaf nimmt zudem die Muskelspannung ab, sodass Gaumensegel und andere weiche Gewebe in Rachen und Mund leichter im Luftstrom vibrieren. So entstehen die charakteristischen Geräusche.

Musizieren statt Schnarchen: HNO-Ärzte empfehlen Schnarchern, die Rachen- und Gaumenmuskulatur zu stärken, indem sie ein Blasinstrument erlernen und spielen.

Nicht nur verengte Atemwege

Die Ursachen für das Schnarchen sind vielfältig. Wer regelmäßig schnarcht, hat meist anatomisch bedingt zu enge Atemwege – beispielsweise verursacht durch eine krumme Nasenscheidewand, eine vergrößerte Nasenmuschel, Nasenpolypen oder eine zu große Zunge. Zudem begünstigt Übergewicht das Schnarchen, wenn Fettdepots Hals und Rachen füllen.

„Unverbaute“ Atemwege können auch zu eng werden, wenn Teile von ihnen anschwellen. So steigt die Schnarchwahrscheinlichkeit auch durch allergischen Schnupfen, eine Atemwegsinfektion, eine Nasennebenhöhlenentzündung oder entzündete Mandeln.

Rauchen ist ein zusätzlicher Risikofaktor. Des Weiteren können Alkohol, Schlafmittel und bestimmte Medikamente Schnarchen verursachen, da sie die Muskulatur der Atemwege entspannen.

Auch die Schlafposition spielt eine Rolle – typisch ist Schnarchen in Rückenlage.

Nächtliche Ruhestörung

Schnarchen häuft sich bei Männern ab 35 Jahren; etwa 30 % dieser Altersgruppe schnarchen. Auch Frauen in dieser Lebensperiode sind betroffen, jedoch nur halb so häufig wie Männer.

Mit höherem Alter steigt bei beiden Geschlechtern das Risiko von Schlafproblemen etwa um das Doppelte an.

Isoliertes Schnarchen ist für den Schnarcher harmlos. Die Ge­räu­sche können jedoch bis zu 90 Dezibel erreichen und Mit­be­woh­nern und Nachbarn den Schlaf rauben.

Mandeln oder Übergewicht

Kinder können ebenfalls schnarchen und durch eine Verlegung der oberen Atemwege stark hörbare Atemgeräusche zeigen. Häufig sind hier vergrößerte Rachenmandeln (Polypen, Adenoide) oder Gaumenmandeln (Tonsillen) die Ursache.

Leider spielt heute auch bei Kindern Übergewicht zunehmend eine Rolle.

Warnsignale beachten

Als Warnsignal gilt, wenn zusätzlich zum Schnarchen Ein- und Durchschlafstörungen, übermäßige Tagesschläfrigkeit und Leistungsminderung auftreten.

Kritisch wird es, wenn beim Schnarchen die Atmung aussetzt. Schlafmediziner sprechen dann von Schlafapnoe.

Sekundenschlaf und Langzeitrisiko

Atemaussetzer im Schlaf bedeuten enormen Stress für das Herz und das Gehirn des Betroffenen. Zum einen wird das Gehirn vorübergehend mit zu wenig Sauerstoff versorgt. Zum anderen muss das Herz stärker arbeiten, um den Sauerstoffmangel zu kompensieren. Das bedeutet, Puls und Blutdruck steigen.

Der stetige Herz-Kreislauf-Stress erhöht bei den Betroffenen das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Zudem kann eine Schlafapnoe langfristig zu einer sogenannten Herzschwäche führen.

Problematisch bei Schlafapnoe ist die Tagesmüdigkeit durch den gestörten Schlaf: Die Folgen sind Sekundenschlaf und Kon­zen­tra­tions­schwä­che, die das Risiko für Unfälle im Straßenverkehr stark erhöhen.

Warnsignale
  • Schlafapnoen bei seinen Liebsten erkennt man, wenn das Schnarchen und die Atemgeräusche plötzlich verstummen und die betroffene Person nach mehreren Sekunden meist mit lautem Getöse Luft holt.
  • Bei Ihrem Kind bemerken Sie neben der hörbaren Atempause eventuell nächtliches Schwitzen, Kopfschmerzen am Morgen, nächtliches Einnässen und sogar Herzrhythmusstörungen.
  • Selbst Entwicklungs- und Wachstumsstörungen bei jüngeren Kindern können ein Symptom für nicht erholsamen Schlaf sein. Kinder sind dann unter Umständen aufgedrehter als sonst und weinerlich.
  • Nicht selten werden diese körperlichen Unruhen am Tag fehlgedeutet. Bei der Abklärung etwa von Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndromen sollte deshalb unbedingt das Schlafverhalten der Kinder hinterfragt werden.

Nächtliches Zähneknirschen ist meist genetisch veranlagt. Ursachen können auch Kie­fer­fehl­stel­lun­gen oder psy­chi­sche Ängs­te und Anspannung sein. Ent­span­nungs­übun­gen können hier Abhilfe schaffen.

Häufige Symptome

Anzeichen für eine behandlungsbedürftige Schlafstörung sind erhöhte Tagesschläfrigkeit ohne ersichtliche äußere Ursache, eine Einschlafneigung bei monotonen Tätigkeiten, anhaltend niedergeschlagene Stimmung, Erektionsstörungen und nachlassendes sexuelles Interesse, Kopfschmerzen nach dem Erwachen und ein trockener Mund am Morgen.

Wenn Atemaussetzer oder Minderatmung mehr als sechs Mal pro Stunde auftreten, lohnt es sich, einen HNO-Arzt zu konsultieren.

Detaillierte Diagnose

Zuerst befragt der Arzt den Patienten unter anderem zu seiner Krankengeschichte, seinen Schlafgewohnheiten und seinem Genussmittelkonsum. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung, bei der er unter anderem Nase und Rachen auf mögliche Verengungen inspiziert.

Gegebenenfalls erhält der Patient ein mobiles Testgerät, mit dem er zuhause seine Schnarchaktivität und Atemaussetzer messen kann. Der Arzt entscheidet dann über weitere notwendige Untersuchungen, etwa im Schlaflabor.

Wirksame Gegenmaßnahmen

Am wichtigsten ist es, das Problem selbst in die Hand zu nehmen und seine Lebensgewohnheiten zu ändern. Was zum gesunden Schlaf beiträgt, kann auch gegen Schlafstörungen helfen.

Bereits einfache Schlafhygiene-Maßnahmen können den Schlaf verbessern:

  • Essen Sie früh zu Abend und trinken Sie drei Stunden vor dem Zubettgehen keine alkoholischen Getränke mehr.
  • Meiden Sie Antihistaminika, Beruhigungs- und Schlafmittel vor dem Schlafengehen.
  • Sorgen Sie für eine angenehm kühle Schlafzimmertemperatur von 16 bis 18 °C und versuchen Sie seitlich oder auf dem Bauch zu schlafen.
  • Halten Sie einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus ein.

Treiben Sie zudem regelmäßig Sport. Falls Sie übergewichtig sind, sollten Sie auch abnehmen.

Nicht nur für Kinder

Besonders für Kinder sind Einschlafrituale wichtig. Diese sollten sich als Konstante am Abend wiederholen. Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, sich über Erfahrenes und Gelerntes am Tag auszutauschen und zu verarbeiten. Fernsehen oder wilde Spiele sind dafür eher nicht geeignet.

Auch für Erwachsene sind entspannungsfördernde Schlafrituale sinnvoll. Beispiele könnten hier ein warmes Bad, YogaProgressive Muskelentspannung oder eine Kurzlektüre im Bett sein. Handys, Tablets und Co. sollten Sie aus dem Schlafzimmer verbannen, da diese zum Surfen, Texten, Spielen verleiten und damit unnötig wachhalten.

Nichts hilft gegen schlechten Schlaf? Wenn Schlafhygiene und die genannten Tipps keinen Erfolg erzielen, sollten Sie mit Ihrem Arzt über weitere Maßnahmen sprechen.

Beatmungstherapie und mehr

Die möglichen Ursachen für Schnarchen oder Schlafapnoe sind vielfältig. Es hängt daher vom individuellen Fall ab, welche Therapie der behandelnde Arzt für erfolgversprechend befindet.

Eine häufig angewandte und wirksame Methode bei der Schlafapnoe durch verlegte Atemwege ist die nächtliche Beatmungstherapie. Hier trägt der Patient im Schlaf eine Atemmaske, die durch leichten Überdruck verhindert, dass die Atemwege blockieren. Aufgrund der Nebenwirkungen (trockener Mund, Druck auf den Ohren etc.) und Beeinträchtigungen für den Patienten wird das Gerät nur bei sorgfältig diagnostizierter obstruktiver Schlafapnoe eingesetzt.

Für medikamentöse Therapien, Schnarchsprays, Schnarchkissen oder Weckapparate gibt es derzeit keinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis. Schnarcher-Schienen können bei Schlafapnoen nicht empfohlen werden, wenngleich durch sie eine Besserung des Schnarchens zu erwarten ist. Unter Umständen kann auch ein chirurgischer Eingriff helfen, der eine natürlich gewachsene Engstelle wie Nasenpolypen oder übergroße Mandeln beseitigt.

Bild: Ljupco Smokovski/Shutterstock