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Chronische Atemwegserkrankung

Was ist Asthma?

Der Begriff „Asthma“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Keuchen“. Damit steckt eines der wichtigsten Symptome bereits im Namen: Atemnot. Asthma ist eine chronische Atemwegserkrankung, die zu einer Verengung der Atemwege führt.

In Kürze
Kurz erklärt
Bei Asthma handelt sich um eine chronische, anfallsartig auftretende, entzündliche Erkrankung der Atemwege, die mit einer erhöhten Empfindlichkeit (Hyperreagibilität) der Bronchien gegenüber eigentlich harmlosen Reizen verbunden ist.
Leitsymptom
Die Hyperreagibilität der Bronchien führt zu einem Anschwellen der Schleimhaut und zur Schleimabsonderung. Die Bronchien und Bronchiolen werden zusammengezogen. In der Folge verengen sich die Atemwege und der Betroffene empfindet Atemnot. 
Diagnose
Symptome wie Luftnot, Hustenreiz und Engegefühl in der Brust sind typisch für Asthma. Sie können jedoch auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Um eine sichere Diagnose stellen zu können, müssen mehrer Untersuchungen durchgeführt werden.
Therapie
Die erfolgreiche Behandlung des Asthmas beruht auf zwei Säulen: dem gut abgestimmten Einsatz der richtigen Medikamente, der sogenannten Reliever und Controller, und verschiedenen Maßnahmen im Alltag und bei der Lebensführung.
Bluthochdruck ist häufig, wird aber oft erst spät erkannt.
Leben mit Asthma
Bluthochdruck ist häufig, wird aber oft erst spät erkannt.
Husten oder Hustenreiz, pfeifende und erschwerte Atmung, Engegefühl in der Brust: Das sind die typischen Beschwerden und Symptome des Asthmas. Beim Asthmaanfall steht die akute Luftnot im Vordergrund. Langfristig kann Asthma aber die Funktionsfähigkeit der Lunge beeinträchtigen, die Belastbarkeit einschränken und damit die Aktivität im Alltag erheblich behindern. Asthma kommt immer häufiger vor: 5 bis 10 Prozent aller Kinder und etwa 5 Prozent aller Erwachsenen haben zumindest zeitweise asthmatische Beschwerden oder eine Bereitschaft zum Asthma. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Medikamenten und einem angepassten Lebensstil lassen sich die Symptome deutlich lindern.
Vier Fragen zu Asthma
  • Was passiert beim Atmen?

      Beim Atmen strömt die sauerstoffreiche Luft durch die Nase oder den Mund, die Luftröhre und die Atemwege (Bronchien und Bronchiolen) bis in die Lungenbläschen (Alveolen) Hier, tief in der Lunge, gelangt der Sauerstoff aus der Atemluft ins Blut.

  • Was passiert bei Asthma?

    • Die Atemwege sind keine starren Röhren. Vielmehr können sich die Bronchien und Bronchiolen zusammenziehen und damit die Atemwege verengen. Innen sind die Atemwege mit Schleimhaut ausgekleidet. Sie kann Flüssigkeit und Schleim in die Atemwege abgeben. 
    • Beide Mechanismen, ihre Verengung sowie die Schleimabgabe, dienen normalerweise dem Schutz der Atemwege: Kleine Fremdkörper wie Staub oder Rauch, aber auch Bakterien und Viren, werden vom Schleim umschlossen, von den Flimmerhärchen der Schleimhaut hinausgetragen und durch einen Hustenstoß abgehustet.
    • Bei Asthma kommen dieselben Abwehrmechanismen in Gang: Die Schleimhaut befindet sich in einer ständigen Entzündungsbereitschaft (medizinisch: Hyperreagibilität). Die Atemwege reagieren dann auf eigentlich harmlose Stoffe mit einer viel zu heftigen Abwehrreaktion: Die Schleimhaut schwillt an und sondert zähen Schleim ab. Die Bronchien und Bronchiolen werden durch ihre feinen Muskelfasern zusammengezogen.
    • Die Folge: Die Atemwege verengen sich und die Luft kann nicht mehr frei ein- und ausströmen. Der Betroffene empfindet Atemnot. Bei Asthma ist jedoch nicht die Einatmung, sondern vornehmlich die Ausatmung erschwert. Die Luft kommt hinein, aber nicht wieder heraus. Dabei können pfeifende Geräusche auftreten, das sogenannte „Giemen“. Außerdem kann die Atmung von Hustenreiz oder von Husten begleitet sein.
  • Wer hat Asthma?

    • Asthma ist eine lebenslange, chronische Erkrankung, die meist schon im Kindes- oder Jugendalter in Erscheinung tritt.
    • Die Erkrankung kommt in einigen Familien, oft gemeinsam mit allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Neurodermitis, gehäuft vor. Sie ist also genetisch „vorprogrammiert“ und kann vererbt werden.
    • Weitere sogenannte Risikofaktoren sind: männliches Geschlecht, Übergewicht, Rauchen oder Passivrauchen sowie Leben in städtischem Umfeld. Einige dieser Risikofaktoren sind also nicht beeinflussbar, andere durchaus.
  • Wodurch werden Asthmaanfälle ausgelöst?

    • Asthma wird durch die genannten Risikofaktoren begünstigt. Eine Neigung zu Asthma kann lange Zeit vorhanden sein, ohne dass irgendwelche Beschwerden auftreten.
    • Asthma wird erst dann akut, wenn bestimmte Asthma trigger (Englisch für „Auslöser“) hinzukommen. Jeder Betroffene weiß: Mal geht‘s besser, mal schlechter mit der Luft.
    • Diese Veränderlichkeit der Beschwerden (Variabilität) ist typisch für Asthma. Mehr dazu im letzten Abschnitt „Triggervermeidung“.
Diagnose
  • Asthma ist nicht die einzige Erkrankung, die Atemnot verursachen kann. Im fortgeschrittenen Alter kommen auch die chronisch obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem als Ursache für Atemprobleme in Frage.
  • Die chronisch obstruktive Bronchitis (englisch: chronic obstructive pulmonary disease, „COPD“) tritt oft als Folge des Rauchens oder einer langjährigen Belastung der Atemwege (z. B. Steinstaublunge) auf. 
  • Das Lungenemphysem ist eine dauerhafte Überblähung der Lunge, bei der die Alveolen (Lungenbläschen) absterben. Auch wenn diese Erkrankungen oft im gleichen Zusammenhang genannt werden, handelt es sich doch um unterschiedliche Krankheiten mit unterschiedlichen Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten.
  • Anfallartige Luftnot, giemende Atmung, Husten – wenn Sie oder ein Angehöriger unter diesen Beschwerden leiden, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen: Er kann den Asthmaverdacht bestätigen, andere Erkrankungen ausschließen, den Schweregrad der Erkrankung feststellen und Behandlungsmöglichkeiten mit Ihnen besprechen. 
  • Eine sichere Aussage, ob Asthma vorliegt und wie schwer es ist, kann erst getroffen werden, wenn die Ergebnisse mehrerer Untersuchungen zusammengeführt werden. Bei Asthma gehören dazu eine Befragung (Anamnese), eine körperliche Untersuchung und das Messen der Lungenfunktion.
Messen der Lungenfunktion
Eine der wichtigsten Diagnosemethoden bei Verdacht auf Asthma ist das Messen der Lungenfunktion. Mit den verschiedenen Lungenfunktionsuntersuchungen wird die Leistungsfähigkeit der Lunge gemessen. Die wichtigste Frage dabei: Kann die Atemluft frei und ungestört durch die Atemwege strömen oder sind diese verengt? Zwei Methoden sind dazu geeignet: die Peak-Flow-Messung und die Spirometrie.
 
  • Peak-Flow-Messung: Mit einem einfachen Gerät, dem Peak-Flow-Meter, kann zu Hause unter Alltagsbedingungen die Ausatmungeschwindigkeit gemessen werden. Wenn man kräftig in das Gerät hineinpustet, zeigt es die Kraft der Ausatmung auf einer Skala an. Diesen Peak-Flow-Wert trägt man in ein Protokoll, eine Art Tagebuch, ein. Das Peak-Flow-Protokoll ist für den Arzt ein wertvolles Dokument bei der ersten Diagnosestellung. Später kann es helfen, die Wirkung von Medikamenten und den Einfluss von Triggern im weiteren Verlauf der Erkrankung aufzuzeichnen.
  • Spirometrie: Diese Untersuchung wird normalerweise vom Hausarzt durchgeführt. Sie pusten kräftig in ein Gerät, welches sowohl die Kraft der Ausatmung als auch die nicht ausgeatmete Luftmenge misst. Aussagekräftig ist vor allem die Menge an Luft, die mit aller Kraft in einer Sekunde ausgeatmet werden kann, die sogenannte Einsekundenkapazität (FEV1 = forciertes exspiratorisches Volumen in einer Sekunde). Diese wird ins Verhältnis gesetzt zur insgesamt ausgeatmeten Luft. Eine vorhandene Verengung der Bronchien spricht bei Asthma gut auf eine die kleinen Luftwege erweiternde Testmedikation an. Dies hilft, die Diagnose zu sichern.
  • Normalerweise genügen diese Unter suchungen, um Asthma festzustellen. Sollten aber noch andere Erkrankungen in Frage kommen, oder falls die Untersuchungsergebnisse nicht eindeutig sind, können weitere Untersuchungen nötig werden. Dazu gehören: Röntgenbilder der Lunge, Allergietests, Blutgasanalysen und die sogenannte Bodyplethysmographie, bei der in einem geschlossenen Raum, ähnlich einer Telefonzelle, zusätzliche Messwerte erhoben werden.

 

Medikamente und Lebensstil
  • Asthma ist eine chronische Erkrankung, die Lebensfreude und -qualität erheblich beeinträchtigen kann. Der Schweregrad kann sich im Verlauf der Erkrankung ändern. Er wird an der Therapiestufe festgemacht, die erforderlich ist, um die Symptome zu kontrollieren und akuten Verschlechterungen erfolgreich vorzubeugen.
  • Die Wissenschaft hat in den letzten Jahren viele neue Erkenntnisse über Asthma gewonnen. Die meisten Betroffenen können heute ein weitgehend beschwerdefreies Leben führen. 
  • Die erfolgreiche Behandlung des Asthmas beruht auf zwei Säulen: dem gut abgestimmten Einsatz der richtigen Medikamente und verschiedenen Maßnahmen im Alltag und bei der Lebensführung.

 

Controller und Reliever
So unterschiedlich die modernen Asthmamedikamente auch heißen, aussehen oder angewandt werden, prinzipiell werden sie in die beiden Hauptgruppen „Controller“ und „Reliever“ eingeteilt.
 
  • Controller: Medikamente, die langsamer und vorbeugend wirken. Die Controller unterdrücken die ständige Entzündungsbereitschaft der Atemwege, sodass die Trigger ihre Wirkung nicht voll entfalten können und die Bereitschaft der Bronchien zur Verkrampfung verringert wird. Sie wirken damit vorbeugend, werden als Dauertherapie, unabhängig von den akuten Beschwerden, täglich angewandt. Beispiele dafür sind Kortisonsprays wie Beclometason, Budesonid, Fluticason oder Ciclesonid.
  • Reliever: Medikamente, welche die akuten Beschwerden lindern. Ihre Wirkung tritt schnell ein, hält aber nicht lange an. Reliever erweitern die Bronchien. Sie werden nur eingenommen, wenn Asthmabeschwerden bestehen oder erwartet werden und schaffen schnelle Erleichterung (Reliever: Englisch für „Erleichterer“). Reliever werden also, im Gegensatz zu den Controllern, nicht dauerhaft eingesetzt, sondern nur bei Bedarf. Beispiele dafür sind Salbutamolspray, Fenoterol oder Terbutalin.
  • In den sogenannten Kombinationspräparaten sind mehrere Wirkstoffe in einem Inhaliergerät oder Spray zusammengefasst, meist eine bronchienerweiternde Substanz, die lang andauernd wirkt, und ein Kortisonpräparat. Diese Kombination hat den Vorteil, dass sie nur ein- oder zweimal täglich aus einem Gerät inhaliert werden muss.
Medikamente richtig einsetzen
  • Die Therapieleitlinien empfehlen ein Stufenschema, nach dem mit zunehmendem Schweregrad der Beschwerden auch die Medikamente gesteigert werden sollen. Es wird regelmäßig inhaliert. Also jeden Morgen und/oder jeden Abend, unabhängig von der Schwere der Asthmabeschwerden. Es bewirkt keine schnelle Erleichterung, sondern senkt die Häufigkeit der Asthmaanfälle und den Verbrauch des Bedarfsmedikaments.
  • Das Bedarfsmedikament (siehe Stufe 1) wird weiterhin bedarfsweise inhaliert. Entsprechend sollen die Zahl, die Einnahmehäufigkeit und die Dosis der Asthmamedikamente mit abnehmenden Beschwerden auch wieder heruntergesetzt werden. Eine Erhöhung der Medikation kann also häufig nur vorübergehend sein. Für Kinder und Jugendliche existiert ein gesonderter Stufenplan.
  • Die meisten Asthmamedikamente können und sollen inhaliert, also eingeatmet werden. Dadurch gelangen sie direkt an den Wirkort und haben weniger unerwünschte Wirkungen auf den gesamten Körper. 
  • Die Hersteller haben verschiedene Dosieraerosole, Pulverinhalatoren und Inhalationshilfen (z. B. Spacer, Autohaler, Turbohaler, Aerolizer u. a.) entwickelt, mit denen die wirksamen Substanzen durch einen Sprühstoß oder einen Atemsog in der Luft verteilt werden, sodass sie inhaliert werden können. 
  • Die Handhabung sollte im Beisein eines Experten erlernt und geübt werden. Über die Vor- und Nachteile der einzelnen Geräte können Sie sich bei Ihrem Arzt oder bei einer Asthmaschulung informieren.

Tipp: Anwendungsvideos zur Inhalation finden Sie auf der Website der Atemwegsliga.

 

Therapie nach Leitlinie
  • Stufe1: Beschwerden treten ein- bis zweimal pro Woche auf

    Wenn die Asthmabeschwerden nur zeitweilig, etwa ein- bis zweimal in der Woche auftreten, genügt ein Spray oder Pulver, welches nur bei einem Auftreten von Beschwerden, also nur bedarfsweise, inhaliert wird (Bedarfsmedikament). Es handelt sich um eine schnell- und kurzwirksame, bronchienerweiternde Substanz (sog. Reliever).
  • Stufe 2: Beschwerden treten mehrmals pro Woche auf

    Wenn Asthmabeschwerden mehrmals in der Woche auftreten oder das Bedarfsmedikament mehrmals in der Woche gebraucht wird, soll zusätzlich ein kortisonhaltiges Spray oder Pulver regelmäßig inhaliert werden. Dieses Kortisonpräparat wird in niedriger Dosis verordnet.
  • Stufe 3: Behandlung gemäß Stufe 2 reicht nicht aus

    • Wenn Asthmabeschwerden trotz konsequenter Behandlung nach Stufe 2 weiter bestehen, wird ein dritter Wirkstoff zusätzlich verordnet: das sogenannte „langwirksame, inhalative Beta-2- Sympathomimetikum“.
    • Dieser Wirkstoff wird ebenfalls als Spray oder Pulver inhaliert. Er erweitert die Bronchien wie das Bedarfsmedikament, wirkt aber länger. Er wird regelmäßig inhaliert. Also jeden Morgen und/oder jeden Abend. Meistens wird ein Kombinationspräparat verordnet, in dem sich das langwirksame Beta-2 Sympathomimetikum und das inhalative Kortison (Stufe 2) befinden.
    • Langwirksame Beta-2-Sympathomimetika dürfen bei Asthma nicht als alleinige Therapie gegeben werden.
  • Stufe 4: Behandlung gemäß Stufe 3 reicht nicht aus

    • Wenn Asthmabeschwerden trotz konsequenter Behandlung nach Stufe 3 weiter bestehen, wird die Menge (Dosis) des inhalierbaren Kortisonpräparates und des langwirksamen Beta-2-Sympathomimetikums gesteigert oder es wird häufiger eingenommen.
    • Außerdem kann Tiotropium hinzugefügt werden.
  • Stufe 5: Behandlung gemäß Stufe 4 reicht nicht aus

    • Wenn Asthmabeschwerden trotz konsequenter Behandlung nach Stufe 4 weiter bestehen, wird um Tiotropium ergänzt und es können bei schwerem allergischem Asthma mit ganzjährig wirksamen Auslösern Anti-IgE-Antikörper eingesetzt werden. 
    • Bei schwergradigem Asthma mit deutlich erhöhter Eosinophilenzahl können Anti-IL-5-Antikörper verordnet werden.
Zu oft Reliever, zu selten Controller
  • Viele Asthmabetroffene verwenden ihre Relieversprays zu häufig, die Controller aber zu selten.
  • Das hat zwei Gründe: Zum einen entfaltet sich die Wirkung der Controller erst beim regelmäßigen Gebrauch. Anders als bei den Relievern ist also keine sofortige Wirkung zu spüren. Zum anderen enthalten Controller meistens Kortison. Kortisonhaltige Medikamente können, wenn sie in höheren Mengen und als Tabletten oder Spritzen verabreicht werden, langfristig unangenehme Nebenwirkungen auslösen. Deshalb werden sie von vielen gemieden.
  • Kortisonhaltige Asthmasprays zeigen jedoch, richtig angewendet, diese ernsthaften Nebenwirkungen nicht. Vielmehr können sie dazu beitragen, den Verbrauch an Relieversprays zu senken und die Zahl der Asthmaanfälle zu senken.

 

Titelbild: hikdaigaku86/AdobeStock; Kontrolle behalten: RFBSIP/AdobeStock; Leben mit Asthma: Georgijevic/Gettyimages; Broschüre: ulkas/AdobeStock