Pilze sammeln
Ein Spaziergang durch den Wald, frische Luft und der Duft von Moos – Pilze sammeln spricht alle Sinne an. Ob Steinpilz, Pfifferling oder Maronenröhrling: Wer die Klassiker finden und zuverlässig erkennen möchte, sollte vorbereitet sein. Und: Wann ist eigentlich Pilzsaison? Welche Ausrüstung sollten Sie mitführen? Wo können Sie Pilze identifizieren lassen? Mit dem nötigen Wissen und einem geschulten Blick lässt sich das Pilzesammeln sicher und verantwortungsvoll gestalten.
Inhalt
- Warum ist Pilze sammeln so faszinierend und worauf kommt es an?
- Welche Vorbereitungen sollten Sie beim Pilzesammeln treffen?
- Welche Regeln sollten Neulinge und Profis beim Pilzesammeln beachten?
- Sichere Pilzbestimmung: Welche Pilze sind essbar, welche giftig?
- Pilzvergiftung: Was tun im Notfall?
- Welche häufigen Mythen und Fakten rund um das Pilzesammeln gibt es?
Warum ist Pilze sammeln so faszinierend und worauf kommt es an?
Pilze sammeln schult die Sinne, entspannt und bringt frische, saisonale Lebensmittel direkt aus der Natur auf den Teller. Wer Pilze sucht, lernt seine Umwelt besser kennen und entdeckt mit etwas Glück essbare Arten wie Steinpilz oder Pfifferling. Viele schätzen dabei die Kombination aus Bewegung, Achtsamkeit und kulinarischem Gewinn.
Welche Vorbereitungen sollten Sie beim Pilze sammeln treffen?
Wer Pilze sucht, sollte nicht unvorbereitet losziehen. Mit der richtigen Planung sind Sie optimal gerüstet. Dazu gehören das Wissen um gute Sammelzeiten, passende Fundorte und die richtige Ausrüstung.
Wann und wo finden Sie die besten Pilze?
Die besten Bedingungen zum Pilzesammeln bieten milde Temperaturen und feuchte Böden.
Standorte: Besonders ergiebig sind Mischwälder mit altem Baumbestand, feucht-moosigem Untergrund und Lichtungen.
Hauptsaison: Spätsommer und Herbst (August bis Oktober)
Tipp: Ergiebige Pilzplätze immer merken oder in einem Notizbuch markieren und Ihren persönlichen Geheimplatz im nächsten Jahr wieder aufsuchen.
Was gehört zur unverzichtbaren Ausrüstung für Pilzsammler:innen?
Mit der richtigen Ausrüstung wird das Pilzesammeln nicht nur sicherer, sondern auch komfortabler:
- Korb oder Stoffbeutel: Derlei Behältnisse sorgen für eine gute Belüftung und verhindern Druckstellen sowie Schimmelbildung bei Ihrer Beute.
- Pilzmesser mit Bürste: Zum sauberen Abschneiden und groben Reinigen direkt im Wald.
- Pilze-App oder Pilzbestimmungsbuch: Apps sind ungemein praktisch. Dennoch empfiehlt sich beim Pilzesammeln immer noch ein Bestimmungsbuch mit Bildern und Beschreibungen. Zuverlässig, auch ohne Netzempfang.
- Notizbuch oder unb der Kartnen-App: Zum Markieren von Fundstellen und für eine optimale Orientierung unverzichtbar.
- Robuste, wetterfeste Kleidung: Sie schützt vor Feuchtigkeit, Dornen und Zecken. Ideal sind lange Hosen und feste Schuhe.
- Verpflegung und Getränke: Besonders bei längeren Touren ist etwas Proviant empfehlenswert.
Welche Regeln sollten Neulinge und Profis beim Pilzesammeln beachten?
Beim Pilzesammeln gilt: Weniger ist mehr und Sicherheit geht vor. Konkrete Grundregeln helfen, Fehler zu vermeiden und den Gang in den Wald verantwortungsvoll zu gestalten:
- Nur bekannte Arten mitnehmen: Sammeln Sie ausschließlich Pilze, die Sie zweifelsfrei bestimmen können, idealerweise mit Hilfe eines Bestimmungsbuchs oder durch Rücksprache mit sachkundigen Personen.
- Keine alten oder beschädigten Pilze sammeln: Diese können verdorben sein oder untypische Merkmale aufweisen, die eine sichere Bestimmung unmöglich machen.
- Pilze korrekt ernten: Schneiden oder vorsichtig herausdrehen – so bleibt das Pilzgeflecht im Boden unversehrt. Wichtig: Stiel, Hut und Unterseite vollständig mitnehmen.
- Nur Röhrlinge sammeln: Röhrlinge haben schwammartige Poren statt Lamellen unter dem Hut. Sie gelten als vergleichsweise sicher, da unter ihnen kaum giftige Doppelgänger vorkommen. Ausnahme: der giftige Satansröhrling. Dieser ist mit seinen roten Röhren jedoch einfach zu identifizieren.
- Pilze mit weißen Lamellen meiden: Viele giftige Pilze, etwa der Knollenblätterpilz, besitzen weiße Lamellen. Wer unsicher ist, sollte diese grundsätzlich stehen lassen.
- Rücksicht auf Tiere und Ökosysteme nehmen: Beachten Sie Brut- und Setzzeiten und sammeln Sie nicht in Naturschutzgebieten. Betreten Sie zudem keine empfindlichen Flächen und treten Sie keine jungen Pflanzen oder Bäume nieder.
- Nur für den Eigenbedarf sammeln: In den meisten Regionen gilt eine Obergrenze für das Sammeln (oft etwa 1–2 kg pro Person und Tag). Geschützte Arten dürfen grundsätzlich nicht mitgenommen werden.
Sichere Pilzbestimmung: Welche Pilze sind essbar, welche giftig?
Wer Pilze sammelt, sollte nur mitnehmen, was er sicher erkennt. Viele essbare Pilze haben giftige Doppelgänger, die sich auf den ersten Blick ähneln. Eine sorgfältige Bestimmung schützt vor gesundheitlichen Risiken. Im Zweifel gilt: Finger weg und lieber die bekannten Leckerbissen ins Körbchen geben.
Ein gutes Pilzbestimmungsbuch, eine Schulung oder ein Austausch mit erfahrenen Sammlerinnen und Sammlern sind unerlässlich. Die gängigsten Speisepilze lassen sich grundsätzlich einfach identifizieren:
Champignons sind in Wäldern, Wiesen und Gärten zu finden.
- Hutdurchmesser: Ca. 5–15 cm, zunächst halbkugelig, später gewölbt, gegebenenfalls auch mittig abgeflacht
- Farbe: Weiß bis cremefarben mit manchmal braunen Schüppchen
- Lamellen: Anfangs fleischrosa, später schokoladenbraun
- Stiel: Weiß, oft mit kleinem Ring versehen, Fleisch weiß, rötet gelegentlich beim Anschneiden
Doppelgänger: Karbol-Champignon und Knollenblätterpilz
Der Steinpilz zählt zu den beliebtesten Speisepilzen. Er wächst häufig unter Buchen, Fichten und Kiefern.
- Hut: Kastanien- bis mittelbraun, samtig, Durchmesser bis 25 cm
- Röhren: Zunächst weiß, später gelbgrün, sehr fest, ohne blaue Flecken beim Druck, keine Lamellen
- Stiel: Dickbäuchig, hell bis beige, mit Stielnetz überzogen
- Fleisch: Weiß, färbt sich beim Anschnitt nicht um
Doppelgänger: Gallenröhrling (ungenießbar), Satansröhrling (giftig)
Der Maronenröhrling wächst oft in Nadelwäldern und ist ein beliebter Speisepilz.
- Hut: Kastanien- bis dunkelbraun, 5 – 15 cm Durchmesser, bei Feuchtigkeit schmierig oder glänzend
- Röhren: Jung weiß-creme, später olivgelb, bei Druck klar blau verfärbend
- Stiel: Oft zylindrisch, ohne Netzzeichnung, heller als der Hut
- Fleisch: Weißlich, säuerlich, angenehm im Geruch, färbt sich blau beim Anschnitt
Doppelgänger: Gallenröhrling (ungenießbar)
Pfifferlinge duften angenehm nach Aprikose und wachsen bevorzugt in moosigen Laub- und Nadelwäldern.
Hut: Dotter- bis goldgelb, 2 – 9 cm (selten mehr), anfangs halbkugelig, später trichterförmig, oft welliger Rand
Unterseite: Feine, leicht verzweigte Leisten, die weit den Stiel hinablaufen
Stiel: Fest, farblich zum Hut passend, oft etwas heller
Doppelgänger: Falscher Pfifferling (ungenießbar bis schwach giftig)
Der Parasolpilz fällt durch seinen großen Schirm und den auffälligen Ring am Stiel auf, der sich verschieben lässt. Er wächst auf Wiesen, Lichtungen und an Waldrändern.
- Hut: Groß, bis 30 cm, hellbraun mit dunklen Schuppen
- Stiel: Lang, schlank, genattert, mit verschiebbarem Ring
- Lamellen: Weiß, freistehend
Doppelgänger: Spitzschuppiger Stachel-Schirmling (ungenießbar), Gift-Safranschirmling (giftig), Pantherpilz (stark giftig)
Die Krause Glucke wächst an der Basis von Kiefern und erinnert in ihrer Form an einen Badeschwamm. Sie gilt als besonders aromatischer Speisepilz.
- Wuchsform: Blumenkohlartig, gelblich bis cremefarben
- Struktur: Gewellte, lappenartige Falten
Doppelgänger: Breitblättrige Glucke (essbar), Bauchweh-Koralle (giftig)
Vorsicht vor dem Knollenblätterpilz
Der grüne Knollenblätterpilz zählt zu den giftigsten Pilzarten. Bereits geringe Mengen reichen für eine lebensbedrohliche Vergiftung. Schulen Sie deswegen Ihren Blick. Er ist erkennbar an seinem weißen Stiel mit Knolle, hat freie weiße Lamellen und einen olivgrünen Hut.
Kontaktieren Sie im Zweifelsfall Pilzsachverständige entsprechender Beratungsstellen, wie die Pilzberatung der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft. Ähnliche Anlaufstellen gibt es in vielen Bundesländern.
Tipp: Pilzberatung in Anspruch nehmen
Um auf Nummer sicher zu gehen, kontaktieren Sie die Deutsche Gesellschaft für Mykologie und lassen Sie Ihren Fund begutachten.
Pilzvergiftung: Was tun im Notfall?
Wenn ein giftiger Pilz im Essen landet, kann das potenziell unangenehme Folgen haben. Deswegen ist es besonders wichtig, mögliche Anzeichen für eine Vergiftung früh zu erkennen und im Ernstfall schnell zu reagieren.
Symptome: Wie erkenne ich eine Pilzvergiftung?
Die Beschwerden nach dem Verzehr eines giftigen Pilzes treten je nach Art und Giftstoff unterschiedlich schnell auf. Der Zeitraum reicht von wenigen Minuten bis hin zu mehreren Stunden.
Typische Symptome sind:
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und -krämpfe
- Schwindel, Verwirrtheit, Halluzinationen, Bewusstseinsstörungen
- Schweißausbrüche, Schwindel, beschleunigter Puls, Herzrasen
- Fieber, Muskelschmerzen, Hautausschlag, Atemnot
- Bei schwerer Vergiftung: Leber- und Nierenschäden
Hinweis: Nicht bei allen giftigen Pilzen folgen die Symptome direkt nach dem Verzehr. Beim Knollenblätterpilz etwa treten erste Symptome – Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle und Halluzinationen – erst etwa sechs bis zwölf Stunden nach dem Verzehr auf.
Sofortmaßnahmen und Notrufnummern
Wann sollten Sie bei einer Pilzvergiftung ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen? Grundsätzlich gilt: Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung keine Zeit verlieren. Je schneller ärztliche Hilfe erfolgt, desto besser sind die Heilungschancen.
- Sofort den Notruf 112 wählen: Warten Sie nicht ab, ob sich die Symptome verschlimmern.
- Weitere potenziell Geschädigte informieren: Wer hat noch von den Pilzen gegessen? Informieren Sie alle Personen, die das Pilzgericht zu sich genommen haben.
- Reste der gesammelten Pilze aufbewahren: Roh, gegart oder als Putzreste: Pilzreste unbedingt sichern, sie helfen bei der Identifizierung des Pilzes und bei der Einleitung angemessener Behandlungen.
- Keine Hausmittel anwenden: Erbrechen auslösen oder Milch trinken kann die Situation verschlimmern. Halten Sie sich an die Anweisungen des medizinischen Fachpersonals.
- Bei Unsicherheiten an ein Giftinformationszentrum wenden: Bundesweit erreichbar unter:
Giftnotruf: 030 / 19240 (Charité Berlin, 24 h täglich erreichbar)
Welche häufigen Mythen und Fakten rund um das Pilzesammeln gibt es?
Immer wieder kursieren Halbwahrheiten zu Pilzen. Um Fehlbestimmungen zu vermeiden, ist es wichtig, zwischen Mythos und Tatsache zu unterscheiden.
Es gibt keine kontaktgiftigen Pilze in Europa
Fakt. Es gibt keine Pilze in Europa, die beim Hautkontakt Vergiftungen auslösen. Dennoch kann es bei manchen Pilzarten bei Berührung zu Hautirritationen kommen. Deshalb: Nach dem Pilzesuchen immer gründlich die Hände waschen – so vermeiden Sie unabsichtlichen Kontakt mit Schleimhäuten.
Pilzsaison: Ganzjähriges Vergnügen
Nicht ganz. Denn: Der Herbst ist klar die Hauptsaison fürs Pilzesammeln. Auch im Frühling und Sommer gibt es einige essbare Arten, etwa Morcheln, Pfifferlinge oder Parasol. Doch im Winter ist die Ausbeute extrem gering. Besonders bei Minusgraden werden Sie keine essbaren Arten finden. Wenn Sie Glück haben, entdecken Sie bei Temperaturen um den Gefrierpunkt Samtfußrübling oder Austernseitlinge.
Schneckenfraß ist kein Indikator für Genießbarkeit
Fakt. Die Vorstellung, dass Schnecken nur essbare Pilze anknabbern, ist trügerisch. Schnecken reagieren auf Pilzgifte völlig anders als der menschliche Organismus. Auch stark giftige Doppelgänger können für sie harmlos sein. Ein angefressener Pilz ist daher kein Beweis für seine Unbedenklichkeit, sondern nur für seine Attraktivität für Weichtiere. Darüber hinaus sollten Sie angeknabberte Pilze in jedem Fall stehen lassen.
Pilze sind trotz sichtbarem Schimmel genießbar
Nein. Bei echtem Schimmelbefall sind Pilze nicht mehr genießbar. Aber: Weiße, flaumige Beläge an gesammelten Pilzen werden oft fälschlicherweise für Schimmel gehalten. Es kann sich dabei aber auch um sogenannte Myzelien handeln. Diese sind von gesundheitsschädlichen Schimmeln zu unterscheiden und können in der Regel abgebürstet oder weggeschnitten werden.
Zum Vergleich: Echter Schimmel kann auch in anderen Farben auftreten, dringt in das Pilzfleisch ein und lässt sich nicht leicht abbürsten. Auch hier gilt: Bei Unsicherheiten besser weiterziehen und den Pilz stehen lassen.
Welche Fragen werden häufig zum Pilze sammeln gestellt?
Wie sammle ich richtig Pilze?
Nur mitnehmen, was Sie sicher bestimmen können, das ist die wichtigste Regel. Pilze sollten vorsichtig mit einem Messer herausgeschnitten oder herausgedreht werden, damit das unterirdische Pilzgeflecht erhalten bleibt. Transportieren Sie gesammelte Pilze locker und luftig, am besten in einem Korb. Plastiktüten fördern den Verderb und sind ungeeignet.
Wann ist die beste Zeit, Pilze zu sammeln?
Die Hauptsaison liegt zwischen August und Oktober. Doch auch im Frühjahr oder Spätherbst lassen sich essbare Pilze finden – abhängig von Region, Temperatur und Niederschlag. Nach warmen Regenfällen sind die Bedingungen am besten. Besonders frühmorgens ist die Chance auf frische Funde groß.
Welche Pilze aktuell Saison haben, wechselt je nach Jahreszeit. Im Spätsommer und Herbst dominieren Klassiker wie Steinpilz, Maronenröhrling, Pfifferling oder Parasol. Auch die Krause Glucke findet sich bis November. Aktuelle Hinweise zu Fundzeiten verschiedener Pilzarten geben regionale Pilzvereine oder Plattformen wie die Deutsche Gesellschaft für Mykologie.
Wie kann ich Pilze haltbar machen?
Sie können Pilze etwa für ein halbes Jahr haltbar machen. Pilzkenner:innen bevorzugen hierbei folgende Methoden:
- In handliche Stücke schneiden, blanchieren und in Essig einlegen. Diese Methode ist gut für Pfifferlinge und andere festfleischige Pilze geeignet.
- In Scheiben schneiden, blanchieren und einfrieren.
- Steinpilze in Scheiben schneiden und roh einfrieren.
- Trocknen: Dazu schneiden Sie die Pilze in 3 bis 5 mm dicke Scheiben und trocknen sie in einem Dörrgerät. Notfalls funktioniert dies auch in einem Backofen: Lassen Sie dort die Pilze fünf Stunden bei 40 bis 50°C und leicht geöffneter Ofentür dörren.