Pilze sammeln

Von Pfifferling bis Steinpilz – Pilzarten sicher bestimmen
Allianz Gesundheitswelt - Pilze sammeln: Mann und Kind gehen mit Körben in der Hand in den Wald.

Ein Spaziergang durch den Wald, frische Luft und der Duft von Moos – Pilze sammeln spricht alle Sinne an. Ob Steinpilz, Pfifferling oder Maronenröhrling: Wer die Klassiker finden und zuverlässig erkennen möchte, sollte vorbereitet sein. Und: Wann ist eigentlich Pilzsaison? Welche Ausrüstung sollten Sie mitführen? Wo können Sie Pilze identifizieren lassen? Mit dem nötigen Wissen und einem geschulten Blick lässt sich das Pilzesammeln sicher und verantwortungsvoll gestalten. 

Pilze sammeln schult die Sinne, entspannt und bringt frische, saisonale Lebensmittel direkt aus der Natur auf den Teller. Wer Pilze sucht, lernt seine Umwelt besser kennen und entdeckt mit etwas Glück essbare Arten wie Steinpilz oder Pfifferling. Viele schätzen dabei die Kombination aus Bewegung, Achtsam­keit und kulinarischem Gewinn.

Wer Pilze sucht, sollte nicht unvorbereitet losziehen. Mit der richtigen Planung sind Sie optimal gerüstet. Dazu gehören das Wissen um gute Sammel­zeiten, passende Fundorte und die richtige Ausrüstung.

Die besten Bedingungen zum Pilzesammeln bieten milde Temperaturen und feuchte Böden.

Standorte: Besonders ergiebig sind Mischwälder mit altem Baumbestand, feucht-moosigem Untergrund und Lichtungen.

Hauptsaison: Spätsommer und Herbst (August bis Oktober)

Tipp: Ergiebige Pilzplätze immer merken oder in einem Notizbuch markieren und Ihren persönlichen Geheimplatz im nächsten Jahr wieder aufsuchen.

Mit der richtigen Ausrüstung wird das Pilzesammeln nicht nur sicherer, sondern auch komfortabler:

  • Korb oder Stoffbeutel: Derlei Behältnisse sorgen für eine gute Belüftung und verhindern Druckstellen sowie Schimmelbildung bei Ihrer Beute.
  • Pilzmesser mit Bürste: Zum sauberen Abschneiden und groben Reinigen direkt im Wald.
  • Pilze-App oder Pilzbestimmungsbuch: Apps sind ungemein praktisch. Dennoch empfiehlt sich beim Pilzesammeln immer noch ein Bestimmungsbuch mit Bildern und Beschreibungen. Zuverlässig, auch ohne Netzempfang.
  • Notizbuch oder unb der Kartnen-App: Zum Markieren von Fundstellen und für eine optimale Orientierung unverzichtbar.
  • Robuste, wetterfeste Kleidung: Sie schützt vor Feuchtigkeit, Dornen und Zecken. Ideal sind lange Hosen und feste Schuhe.
  • Verpflegung und Getränke: Besonders bei längeren Touren ist etwas Proviant empfehlenswert.

Beim Pilzesammeln gilt: Weniger ist mehr und Sicherheit geht vor. Konkrete Grundregeln helfen, Fehler zu vermeiden und den Gang in den Wald verantwortungsvoll zu gestalten:

  1. Nur bekannte Arten mitnehmen: Sammeln Sie ausschließlich Pilze, die Sie zweifelsfrei bestimmen können, idealerweise mit Hilfe eines Bestimmungsbuchs oder durch Rücksprache mit sachkundigen Personen.
  2. Keine alten oder beschädigten Pilze sammeln: Diese können verdorben sein oder untypische Merkmale aufweisen, die eine sichere Bestimmung unmöglich machen.
  3. Pilze korrekt ernten: Schneiden oder vorsichtig herausdrehen – so bleibt das Pilzgeflecht im Boden unversehrt. Wichtig: Stiel, Hut und Unterseite vollständig mitnehmen.
  4. Nur Röhrlinge sammeln: Röhrlinge haben schwammartige Poren statt Lamellen unter dem Hut. Sie gelten als vergleichsweise sicher, da unter ihnen kaum giftige Doppelgänger vorkommen. Ausnahme: der giftige Satansröhrling. Dieser ist mit seinen roten Röhren jedoch einfach zu identifizieren.
  5. Pilze mit weißen Lamellen meiden: Viele giftige Pilze, etwa der Knollenblätterpilz, besitzen weiße Lamellen. Wer unsicher ist, sollte diese grundsätzlich stehen lassen.
  6. Rücksicht auf Tiere und Ökosysteme nehmen: Beachten Sie Brut- und Setzzeiten und sammeln Sie nicht in Naturschutzgebieten. Betreten Sie zudem keine empfindlichen Flächen und treten Sie keine jungen Pflanzen oder Bäume nieder.
  7. Nur für den Eigenbedarf sammeln: In den meisten Regionen gilt eine Obergrenze für das Sammeln (oft etwa 1–2 kg pro Person und Tag). Geschützte Arten dürfen grundsätzlich nicht mitgenommen werden.

Wer Pilze sammelt, sollte nur mitnehmen, was er sicher erkennt. Viele essbare Pilze haben giftige Doppelgänger, die sich auf den ersten Blick ähneln. Eine sorgfältige Bestimmung schützt vor gesundheitlichen Risiken. Im Zweifel gilt: Finger weg und lieber die bekannten Leckerbissen ins Körbchen geben.

Ein gutes Pilzbestimmungsbuch, eine Schulung oder ein Austausch mit erfahrenen Sammlerinnen und Sammlern sind unerlässlich. Die gängigsten Speisepilze lassen sich grundsätzlich einfach identifizieren:

Der grüne Knollenblätter­pilz zählt zu den giftigsten Pilzarten. Bereits geringe Mengen reichen für eine lebens­bedrohliche Vergiftung. Schulen Sie deswegen Ihren Blick. Er ist erkennbar an seinem weißen Stiel mit Knolle, hat freie weiße Lamellen und einen olivgrünen Hut.

Kontaktieren Sie im Zweifelsfall Pilz­sach­verständige entsprechender Beratungs­stellen, wie die Pilz­beratung der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft. Ähnliche Anlaufstellen gibt es in vielen Bundesländern.  

Um auf Nummer sicher zu gehen, kontaktieren Sie die Deutsche Gesellschaft für Mykologie und lassen Sie Ihren Fund begutachten.

Wenn ein giftiger Pilz im Essen landet, kann das potenziell unangenehme Folgen haben. Deswegen ist es besonders wichtig, mögliche Anzeichen für eine Vergiftung früh zu erkennen und im Ernstfall schnell zu reagieren.

Die Beschwerden nach dem Verzehr eines giftigen Pilzes treten je nach Art und Giftstoff unterschiedlich schnell auf. Der Zeitraum reicht von wenigen Minuten bis hin zu mehreren Stunden.

Typische Symptome sind:

  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauch­schmerzen und -krämpfe
  • Schwindel, Verwirrtheit, Halluzinationen, Bewusstseins­störungen
  • Schweiß­ausbrüche, Schwindel, beschleunigter Puls, Herzrasen
  • Fieber, Muskel­schmerzen, Haut­ausschlag, Atemnot
  • Bei schwerer Vergiftung: Leber- und Nieren­schäden

Hinweis: Nicht bei allen giftigen Pilzen folgen die Symptome direkt nach dem Verzehr. Beim Knollenblätter­pilz etwa treten erste Symptome – Übelkeit, Erbrechen, Durch­fälle und Halluzinationen – erst etwa sechs bis zwölf Stunden nach dem Verzehr auf.

Wann sollten Sie bei einer Pilzvergiftung ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen? Grundsätzlich gilt: Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung keine Zeit verlieren. Je schneller ärztliche Hilfe erfolgt, desto besser sind die Heilungschancen.

  • Sofort den Notruf 112 wählen: Warten Sie nicht ab, ob sich die Symptome verschlimmern.
  • Weitere potenziell Geschädigte informieren: Wer hat noch von den Pilzen gegessen? Informieren Sie alle Personen, die das Pilzgericht zu sich genommen haben.
  • Reste der gesammelten Pilze aufbewahren: Roh, gegart oder als Putzreste: Pilzreste unbedingt sichern, sie helfen bei der Identifizierung des Pilzes und bei der Einleitung angemessener Behandlungen.
  • Keine Hausmittel anwenden: Erbrechen auslösen oder Milch trinken kann die Situation verschlimmern. Halten Sie sich an die Anweisungen des medizinischen Fachpersonals.
  • Bei Unsicherheiten an ein Giftinformationszentrum wenden: Bundesweit erreichbar unter:
    Giftnotruf: 030 / 19240 (Charité Berlin, 24 h täglich erreichbar)

Immer wieder kursieren Halbwahrheiten zu Pilzen. Um Fehlbestimmungen zu vermeiden, ist es wichtig, zwischen Mythos und Tatsache zu unterscheiden.

Fakt. Es gibt keine Pilze in Europa, die beim Hautkontakt Vergiftungen auslösen. Dennoch kann es bei manchen Pilzarten bei Berührung zu Haut­irritationen kommen. Deshalb: Nach dem Pilzesuchen immer gründlich die Hände waschen – so vermeiden Sie unabsichtlichen Kontakt mit Schleim­häuten. 

Nicht ganz. Denn: Der Herbst ist klar die Haupt­saison fürs Pilzesammeln. Auch im Frühling und Sommer gibt es einige essbare Arten, etwa Morcheln, Pfifferlinge oder Parasol. Doch im Winter ist die Ausbeute extrem gering. Besonders bei Minus­graden werden Sie keine essbaren Arten finden. Wenn Sie Glück haben, entdecken Sie bei Temperaturen um den Gefrierpunkt Samtfuß­rübling oder Austern­seitlinge.

Fakt. Die Vorstellung, dass Schnecken nur essbare Pilze anknabbern, ist trügerisch. Schnecken reagieren auf Pilzgifte völlig anders als der menschliche Organismus. Auch stark giftige Doppel­gänger können für sie harmlos sein. Ein angefressener Pilz ist daher kein Beweis für seine Unbedenklich­keit, sondern nur für seine Attraktivität für Weichtiere. Darüber hinaus sollten Sie angeknabberte Pilze in jedem Fall stehen lassen.  

Nein. Bei echtem Schimmel­befall sind Pilze nicht mehr genießbar. Aber: Weiße, flaumige Beläge an gesammelten Pilzen werden oft fälschlicher­weise für Schimmel gehalten. Es kann sich dabei aber auch um sogenannte Myzelien handeln. Diese sind von gesundheits­schädlichen Schimmeln zu unterscheiden und können in der Regel abgebürstet oder weggeschnitten werden.

Zum Vergleich: Echter Schimmel kann auch in anderen Farben auftreten, dringt in das Pilzfleisch ein und lässt sich nicht leicht abbürsten. Auch hier gilt: Bei Unsicher­heiten besser weiterziehen und den Pilz stehen lassen.

Wie sammle ich richtig Pilze?

Nur mitnehmen, was Sie sicher bestimmen können, das ist die wichtigste Regel. Pilze sollten vorsichtig mit einem Messer herausgeschnitten oder herausgedreht werden, damit das unterirdische Pilzgeflecht erhalten bleibt. Transportieren Sie gesammelte Pilze locker und luftig, am besten in einem Korb. Plastiktüten fördern den Verderb und sind ungeeignet.

Wann ist die beste Zeit, Pilze zu sammeln?

Die Haupt­saison liegt zwischen August und Oktober. Doch auch im Frühjahr oder Spätherbst lassen sich essbare Pilze finden – abhängig von Region, Temperatur und Niederschlag. Nach warmen Regenfällen sind die Bedingungen am besten. Besonders frühmorgens ist die Chance auf frische Funde groß.

Welche Pilze aktuell Saison haben, wechselt je nach Jahreszeit. Im Spätsommer und Herbst dominieren Klassiker wie Steinpilz, Maronen­röhrling, Pfifferling oder Parasol. Auch die Krause Glucke findet sich bis November. Aktuelle Hinweise zu Fund­zeiten verschiedener Pilzarten geben regionale Pilzvereine oder Plattformen wie die Deutsche Gesellschaft für Mykologie. 

Wie kann ich Pilze haltbar machen?

Sie können Pilze etwa für ein halbes Jahr haltbar machen. Pilzkenner:innen bevorzugen hierbei folgende Methoden:

  • In handliche Stücke schneiden, blanchieren und in Essig einlegen. Diese Methode ist gut für Pfifferlinge und andere festfleischige Pilze geeignet.
  • In Scheiben schneiden, blanchieren und einfrieren.
  • Steinpilze in Scheiben schneiden und roh einfrieren.
  • Trocknen: Dazu schneiden Sie die Pilze in 3 bis 5 mm dicke Scheiben und trocknen sie in einem Dörrgerät. Notfalls funktioniert dies auch in einem Backofen: Lassen Sie dort die Pilze fünf Stunden bei 40 bis 50°C und leicht geöffneter Ofentür dörren.
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