Volkskrankheit Rückenbeschwerden

Ursachen erkennen 
Rückenschmerzen kennt fast jeder Erwachsene. Die Ursachen sind vielfältig und oft schwer einzugrenzen. Unbehandelt können die Schmerzen chronisch und damit zur Dauerbelastung werden.
Allianz Gesundheitswelt - Rückenbeschwerden: ein Mann im Hemd steht mit dem Rücken vor einer Schreibtischpaltte. Seine Hände stemmt er in den unteren Rücken, um seine Rückenschmerzen zu lindern.
In Kürze
  • Stoßdämpfer Wirbelsäule: Die Wirbelsäule ist keinesfalls starr und unbeweglich, sondern äußerst flexibel und anpassungsfähig. Sie fungiert als wichtiger Stoßdämpfer. 
  • Auslöser von Rückenschmerzen: Sowohl körperliche als auch seelische Faktoren können Rückenbeschwerden verursachen. Das Herausfinden der Schmerzursachen gestaltet sich oft schwierig.
  • Schmerzgedächtnis: Werden Rückenschmerzen nicht rechtzeitig behandelt, besteht die Gefahr, dass sie chronisch werden.  Das Schmerzgedächtnis kann dann starke Beschwerden vervorrufen, auch wenn der eigentliche Schmerzauslöser nicht mehr da ist.
Viele sind betroffen
Rückenschmerzen? Fast jeder kennt es. Oft sind die Ursachen nicht leicht zu finden, neben körperlichen Faktoren können auch psychische Belastungen eine Rolle spielen. Chronische Rückenbeschwerden schränken die Lebensqualität erheblich ein, eine rechtzeitige Behandlung ist daher sehr wichtig. Nehmen Sie die Warnsignale Ihres Körpers ernst!
Rückgrat als Stoßdämpfer

Viele Menschen glauben, das Rückgrat sei starr und unbeweglich, um für Stabilität zu sorgen. Aber genau das ist nicht der Fall. Die Wirbelsäule ist äußerst flexibel und anpassungsfähig.

Die 24 Wirbelkörper von Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sind nur lose durch zahlreiche kleine Gelenke und Bänder miteinander verknüpft. In Richtung Gesäß schließen sich Kreuz- und Steißbein an, hier sind die Wirbel zu größeren Knochen verschmolzen. 

Betrachtet man den Körper von der Seite, ist die typische Krümmung der Wirbelsäule erkennbar – sie gleicht einem doppelten S. Diese geschwungene Form und die Bandscheiben sorgen dafür, dass das Rückgrat sehr gute Stoßdämpfereigenschaften hat. Trotzdem gehen die mechanischen Belastungen nicht spurlos an ihm vorüber.

Weit verbreitet

Rund 70 Prozent der Deutschen haben mindestens einmal im Jahr Rückenschmerzen – besonders die 30- bis 50-Jährigen leiden darunter. 

Aber die Jüngeren holen auf: Bei etwa 65 Prozent der Jugendlichen unter 18 Jahren lassen sich bereits Haltungsschäden nachweisen. Rückenschmerzen sind oft die Folge. 

Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen sind immens: Die Kosten für Therapie, Arbeitsausfälle, Renten und Rehabilitationsmaßnahmen gehen in die Milliarden. Der Löwenanteil wird durch chronische Rückenerkrankungen verursacht.

Nicht immer Wirbelsäule oder Rückenmuskeln

Bei einem Großteil der Rückenschmerzpatienten lässt sich nicht „die eine“ Ursache festmachen. Meist spielen mehrere Faktoren eine Rolle. 

Eine schlechte Körperhaltung kann über Fehlbelastung und Muskelverspannungen zu Schmerzen führen. Über längere Zeiträume ziehen Fehlhaltungen leicht knöcherne Abnutzungserscheinungen und Schäden an den Bandscheiben nach sich – auch das ist mit Schmerzen verbunden. 

Bandscheibenvorfälle können die kleinen Kanäle verengen, in denen die Nerven aus dem Rückenmarkskanal in den Körper laufen. Die Folgen sind starke Schmerzen, Empfindungsstörungen oder sogar Lähmungen entlang der Nervenbahnen, die in Arme und Beine ziehen.

Schmerzhaft kann auch der Abbau von Knochenmasse (Osteoporose) im höheren Lebensalter sein. Die Knochen verlieren ihre Stabilität und es treten Schmerzen auf – oft lange bevor Brüche entstehen.

Die meisten Menschen vermuten, dass Ihre Rückenbeschwerden durch zu wenig körperliche Aktivität und durch das Sitzen am Schreibtisch bei der Arbeit verursacht werden. 

Psychische Einflüsse

Innere Konflikte, Niedergeschlagenheit oder unbewältigter Stress führen zu einer verkrampften Körperhaltung und Verspannungen. Dadurch wird die Muskeldurchblutung gestört, was die Muskeln weiter verhärtet. Eine dauerhaft angespannte Rückenmuskulatur ermüdet schneller und kann alltägliche mechanische Belastungen nicht mehr abfangen. 

Umgekehrt können chronische Rückenbeschwerden den Alltag, Beruf und das soziale Leben erheblich beeinträchtigen. Diese wechselseitige Beeinflussung von Psyche und Rücken kann in einem Teufelskreis münden. Zu durchbrechen ist dieser nur mit einer konsequenten Behandlung, die Körper und Psyche berücksichtigt. Bewährt hat sich die Kombination von verhaltenstherapeutischen Methoden mit Physiotherapie und medikamentöser Schmerzbehandlung.

Wenn der Schmerz zur Krankheit wird

Mediziner unterscheiden akute und chronische Rückenschmerzen. Bei etwa 80 Prozent der Betroffenen bilden sich akut auftretende Rückenschmerzen innerhalb von zwei Monaten wieder zurück.

Bei den anderen bleiben sie länger oder sogar dauerhaft – die Rückenschmerzen werden chronisch. Hier verliert der Schmerz seine sinnvolle Alarmfunktion und wird zur eigenständigen Krankheit. Meist belastet der Schmerz den Menschen jetzt stärker als der ursprüngliche Auslöser, z. B. ein Bandscheibenvorfall oder eine Muskelverspannung. 

Wenn sich starke Schmerzsignale über Wochen wiederholen, verändert sich die Signalübermittlung im Rückenmark und es bildet sich ein so genanntes „Schmerzgedächtnis“. Ist dieses einmal aktiviert, werden selbst angenehme Reize wie Wärme, Berührung oder Dehnung als Schmerz empfunden. Sogar seelische Belastungen, Angst oder die Erinnerung an das Stechen und Ziehen können neue Schmerzen auslösen. 

Das lässt sich nur verhindern, wenn Sie Ihre Rückenschmerzen ernst nehmen und rechtzeitig behandeln. Dann springt auch das Schmerzgedächtnis nicht an.

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