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Entscheidungs- und Orientierungshilfen für Ärzte

Behandlungsleitlinien

Medizinische Leitlinien sind von Experten verfasst, gehen auf spezifische Erkrankungen und Krankheitsbilder ein und geben Empfehlungen, wie Diagnostik und Therapie erfolgen sollten.

In Kürze
Expertenwissen
Im Regelfall entstehen Leitlinien unter Federführung medizinischer Fachgesellschaften und werden von Experten verfasst, die sich  als Fachärzte mit den betreffenden Erkrankungen befassen.
Unverbindlich
Leitlinien sind keine verbindlichen Richtlinien. Der Arzt wägt die zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten für den Patienten hinsichtlich Chancen und Risiken ab.
Pendant für Patienten
Für eine Reihe häufiger Krankheitsbilder gibt es eigene Patientenleitlinien. Abgeleitet von den Therapie-Leitlinien informieren sie in verständlicher Sprache.
Bei einem Schlaganfall gilt: Je schneller die Behandlung beginnt, desto besser.
Aktuelles medizinisches Fachwissen als Basis
Bei einem Schlaganfall gilt: Je schneller die Behandlung beginnt, desto besser.
Wer mit Beschwerden zum Arzt geht, hofft darauf, dass dieser anhand der Symptome die zugrundeliegende Erkrankung erkennt und dann korrekt behandelt. Sowohl Diagnose als auch Therapie führt der Arzt nach eigenem Ermessen durch – aber natürlich nicht ohne Rückgriff auf das aktuelle medizinische Fachwissen. Erfahren Sie hier, wie und warum Ihr Arzt sich für oder gegen eine bestimmte Behandlung entscheidet.
Wie ist eine Erkrankung am besten zu behandeln?

Basis einer Therapie ist die Evidenz, also die belegte Wirksamkeit einer medizinischen Behandlung. Die entsprechenden Grundlagen erlernt ein Arzt in seinem Studium und der anschließenden Facharztausbildung. Darüber hinaus muss sich ein Arzt in Deutschland laufend fortbilden, um hinsichtlich seines medizinischen Wissens und im Hinblick auf Verfahren und Arzneimittel auf der Höhe der Zeit zu bleiben.

Eine Form der Weiterbildung ergibt sich aus dem Praxisalltag: Hier arbeitet ein Arzt häufig interdisziplinär und schaut so ständig über den Tellerrand seines Fachbereichs hinaus. Außerdem kann er sich mit Kollegen auf Kongressen, bei Konsultationen von Kollegen und auf Online-Plattformen austauschen – und das längst nicht nur fach-, sondern auch länderübergreifend. Ebenso international ist heute die aktuelle Fachliteratur, auf die ein Arzt zurückgreifen kann.

Wichtige Rollen spielen die die Empfehlungen der Facharztverbände und Behandlungsleitlinien für bestimmte Krankheitsbilder.

Unterstützung im Behandlungsalltag

Medizinische Leitlinien sind Entscheidungs- und Orientierungshilfen für Ärzte im Behandlungsalltag: Sie übertragen wissenschaftliche Erkenntnisse in die ärztliche Praxis, indem sie auf spezifische Erkrankungen und Krankheitsbilder bezogen Empfehlungen geben, wie Diagnostik und Therapie erfolgen sollten.

Das Erstellen einer Leitlinie nimmt Zeit in Anspruch. Durch ihren aufwendigen Entstehungsprozess und den nötigen Vorlauf stellt eine Leitlinie eine Momentaufnahme des medizinischen Wissens dar. Leitlinien müssen regelmäßig auf ihre Aktualität geprüft und bei Bedarf fortgeschrieben werden. Eröffnet ein neuer Wirkstoff oder eine neue Methode innovative Behandlungswege, kann die kurzfristige Teilaktualisierung einer Leitlinie notwendig werden

Nicht jedes als neu propagierte Verfahren mündet sofort in eine Leitlinien-Empfehlung. Eine neue Therapie muss erst sorgfältig auf ihre Sicherheit und Erfolgsrate geprüft werden. Zudem ist längst nicht jede in den Medien hochgejubelte Entdeckung praxisreif – hier werden bei Patienten zuweilen voreilig Hoffnungen geweckt.

Wissenschaftlich begründet und evidenzbasiert

Im Regelfall entstehen Leitlinien unter Federführung medizinischer Fachgesellschaften und werden von Experten verfasst, die sich – etwa als Fachärzte – mit den betreffenden Erkrankungen befassen. Dieser Prozess läuft interdisziplinär ab, es können also verschiedene Fachrichtungen beteiligt sein.

Leitlinien sind wissenschaftlich begründet und evidenzbasiert. Das bedeutet, dass die Leitlinien-Autoren alle verfügbaren wichtigen und aktuellen Studien zu dem Krankheitsbild auswerten, auf das sich die Leitlinie bezieht. Außerdem gehen die Erfahrungen behandelnder Ärzte ein, sodass das verfügbare medizinische Wissen möglichst vollständig berücksichtigt wird.

Insbesondere bei Patientenleitlinien und Nationalen Versorgungsleitlinien sind Vertreter aus Patientenorganisationen beteiligt. Sie beteiligen sich direkt an der Entstehung oder lesen Entwürfe gegen. Sie entscheiden auch mit darüber, ob ein Pilottest vor Inkrafttreten der Leitlinie sinnvoll ist.

Nutzen und Risiken werden dargestellt
Leitlinien sind keine verbindlichen Richtlinien, sondern eher „Leitplanken“, die einen Entscheidungskorridor eröffnen. Der behandelnde Arzt wägt die zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten für den individuellen Patienten hinsichtlich ihrer Chancen und Risiken ab. Dabei berücksichtigt er besonders begleitende Erkrankungen, Alter und Gebrechlichkeit sowie die Auswirkungen auf die Lebensqualität. Dafür sollte eine Leitlinie idealerweise sowohl den zu erwartenden Nutzen als auch die möglichen Nebenwirkungen und Risiken der in ihr enthaltenen Empfehlungen darstellen. In begründeten Fällen kann oder muss der Arzt von den Leitlinienempfehlungen abweichen.
Patient ist bei Entscheidungen mit eingebunden
Der Wille des Patienten ist angemessen zu berücksichtigen – er darf und soll über seine Behandlung mit entscheiden. Dafür muss er aber die Tragweite seiner Entscheidung übersehen können. Deshalb sollte ein Patient die Aufklärungspflicht des Arztes auch aktiv einfordern und sich Behandlungswege erläutern lassen. Manchmal ist es hilfreich, die Meinung eines zweiten Arztes einzuholen.
Informationsquelle für Patienten
Leitlinien richten sich in erster Linie an Ärzte und sind deshalb für medizinische Laien nicht immer einfach zu verstehen. Deshalb gibt es inzwischen für eine Reihe häufiger Krankheitsbilder eigene Patientenleitlinien. Abgeleitet von den Therapie-Leitlinien informieren sie in verständlicher Sprache über Krankheitsursachen, Untersuchungen und Behandlungsmethoden. Außerdem erläutern sie Fachbegriffe, und Patienten erhalten Tipps, wie sie mit ihrer Krankheit am besten umgehen. Solche Patientenleitlinien gibt es zum Beispiel für Asthma, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, Diabetes, Herzschwäche, koronare Herzerkrankung, Kreuzschmerzen, Depression sowie verschiedenen häufige Krebserkrankungen.

Ein Patient, der sich vorab kundig macht, kann präzisere Fragen stellen. Die Gesprächsebenen von Arzt und Patient nähern sich an. Und nur ein informierter Patient kann zusammen mit seinem Arzt eine fundierte Entscheidung treffen.

Bild: Stasique/Fotolia