Superfoods
- Wertvolle Bestandteile: Superfoods liefern reichlich wertvolle Eiweiße, bekömmliche Kohlenhydrate, essenzielle Fettsäuren, Vitamine, Mineralien oder sekundäre Pflanzenstoffe wie Antioxidanzien.
- Fragwürdige Versprechen. Aggressiv beworbenen Superfoods werden häufig gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben, die nicht durch wissenschaftliche Studien belegt sind.
- Risiko Superfoods. Im Übermaß verzehrte Superfoods können gesundheitsschädlich sein. So können Goji-Beeren mit bestimmten blutverdünnenden Medikamenten wechselwirken und starke Blutungen verursachen.
- Bewährte Alternativen. Viele Lebensmittel sind gut erforscht und nachweislich gesund. Hierzu gehören unter anderem Kakao, Kaffee, Kürbiskernöl, Olivenöl, Walnüsse, Grünkohl, Knoblauch, Zwiebel, Ingwer und Brokkoli.
Extra gesunde Lebensmittel?
Riskante Trendsetter: Populäre Superfoods
Açaí-Fruchtpulver
Die dunkelvioletten, nussig schmeckenden Früchte der Açaí-Palme (Euterpe oleracea) gelten im Amazonasgebiet als Nahrungsmittel. Das Fruchtfleisch ist unter anderem reich an Ballaststoffen, Eiweiß, Ölsäure, Linolensäure, Vitamin C, Provitamin A, Kalzium und Eisen. Die blauen Farbstoffe (Anthocyane) wirken im Labor hoch antioxidativ, werden vom Verdauungstrakt aber kaum aufgenommen.
Das Pulver gilt im Internet als Anti-Aging-Wunderdroge und Fettkiller; wissenschaftliche Belege dafür fehlen jedoch. Aubergine, Schwarze Johannisbeere, rote Weintraube, Heidelbeere und Sauerkirsche enthalten ähnlich große Mengen Anthocyane und sind preisgünstiger.
Kosten (Pulver): 20–190 EUR/kg
Achtung: Açaí-Fruchtpulver kann wie ein Kontrastmittel die Ergebnisse einer MRT-Untersuchung beeinflussen. Ansonsten sind keine Nebenwirkungen bekannt, zumal Bewohner des Amazonas reichlich Açaí-Smoothies trinken.
Chia-Samen
Schon die Azteken aßen die unscheinbaren Samen des Salbeis (Salvia hispanica, Salvia columbaria). Sie enthalten hochwertiges Eiweiß, reichlich alpha-Linolensäure (Omega-3-Fettsäure), Ballaststoffe, mehr Kalzium als Milch sowie viel Provitamin A, Magnesium, Phosphor, Eisen und Antioxidanzien.
Kosten: 9–10 EUR/kg
Achtung: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit empfiehlt, maximal 15 Gramm pro Tag zu verzehren. Die Samen wirken möglicherweise blutverdünnend und blutdrucksenkend. Personen mit zu niedrigem Blutdruck, Blutgerinnungsschwäche oder blutverdünnender Medikation sollten daher vorsichtshalber auf Chia-Samen verzichten.
Goji-Beere
Die Früchte des Gemeinen Bocksdorns (Lycium barbarum) gibt es hierzulande als Trockenfrüchte, Saft, Marmelade oder Pulver. Die Zubereitungen aus Goji-Beeren enthalten reichlich Provitamin A, Kalzium und Eisen. Der Gehalt an Vitamin C entspricht dem von frischen Orangen. Ansonsten ist die Frucht mit Polysacchariden, Antioxidanzien und anderen sekundären Pflanzenstoffen vollgepackt. Die Beeren sollen Immunsystem und Herz stärken, wofür es aber keinerlei wissenschaftliche Belege gibt.
Kosten: 14–20 EUR/kg
Achtung: Im März 2013 warnte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vor gefährlichen Wechselwirkungen mit bestimmten gerinnungshemmenden Medikamenten (Vitamin K-Antagonisten). Inhaltstoffe der Beere hemmen anscheinend den Abbau von Phenprocoumon (z. B. Marcumar®) und Warfarin (z. B. Coumadin®) in der Leber. Nehmen Patienten neben ihren Medikamenten auch Goji-Zubereitungen ein, kann dies zu schweren Blutungen führen.
Noni-Frucht
Die nach ranzigen Käse riechende Frucht des in Australien und Polynesien heimischen Nonibaums (Morinda citrifolia) wird als Saft und Pulver weltweit vertrieben. Sie birgt reichlich Antioxidanzien und andere sekundäre Pflanzenstoffe.
Labor- und Tierversuche belegen, dass die Inhaltsstoffe die Immunabwehr stimulieren. In einer kleinen US-Studie verbesserte Nonisaft nach einem Monat zumindest die Entzündungs-, Homocystein- und Cholesterinwerte im Blut starker Raucher.
Kosten: Noni-Saft, 10 EUR/l; Noni-Pulver: 80 EUR/kg.
Achtung: Die EU stuft eine Tagesdosis von 30 ml Noni-Saft als sicher ein. Wer jedoch eine kaliumarme Diät einhalten muss, beispielsweise bei Niereninsuffizienz, sollte seinen behandelnden Arzt konsultieren, bevor er Noni zu sich nimmt.
Moringa-Blattpulver
Die Blätter und Früchte des tropischen Meerrettichbaums (Moringa oleifera) sind reich an Proteinen, Provitamin A, Vitamin C und Kalzium. Entwicklungshelfer in Afrika und Asien bauen das schnell wachsende „Superfood“ an, um Unterernährung zu bekämpfen. Inwieweit sich das Blattpulver positiv oder negativ auf die Gesundheit auswirkt, ist mangels aussagekräftiger Studien unklar.
Kosten: 50 EUR/kg
Achtung: Moringa-Blätter und -Früchte werden in Entwicklungsländern nur gekocht verzehrt. Das Blattpulver konzentriert die Inhaltsstoffe um das Fünffache. Tierversuche deuten darauf hin, dass über 1 Gramm Blattpulver pro Kilogramm Körpergewicht die Blut-, Leber- und Nierenwerte verschlechtern kann.