Ist Fasten gesund? Vorteile und Risiken des bewussten Verzichts

Allianz Gesundheitswelt - Fasten: eine lächelnde Frau hält ein Wasserglas in der Hand

Fasten erfreut sich wachsender Beliebtheit – sei es zur Förderung der Gesundheit, zur Gewichtsregulation oder zur Unterstützung des Wohlbefindens. Doch ist Fasten wirklich gesund und für alle geeignet? In diesem Ratgeber erfahren Sie alles über verschiedene Formen des Fastens, wissenschaftlich belegte Vorteile und potenzielle Risiken.

Fasten beschreibt den bewussten, zeitlich begrenzten Verzicht auf feste Nahrung oder spezielle Lebensmittel. Typische Fastenmethoden umfassen bestimmte Zeitfenster ohne Nahrung oder gezielte Fastenkuren über mehrere Tage. Darin unterscheidet sich Fasten von Diäten, die meist langfristig auf eine dauerhafte Ernährungsumstellung abzielen.

Ein weiterer Unterschied: Während Diäten häufig auf Kalorienreduktion beruhen, konzentriert sich das Fasten auf gesundheitliche und therapeutische Effekte. Zudem ist Fasten auch eine weit verbreitete Praxis in vielen Religionen. Es wird oft eingesetzt, um den Stoffwechsel zu aktivieren oder die Autophagie – eine Art innerer Zellreinigung – zu fördern.

Fasten kann zahlreiche positive Effekte auf den Körper haben, auf Dauer aber auch gefährlich werden. Die Vor- und Nachteile von Fasten im Überblick:

Fasten wirkt sich nicht nur positiv auf die körperliche Gesundheit aus, sondern stärkt auch das geistige Wohlbefinden. Die Vorteile des Fastes sind z. B.:

  • Gewichtsregulation: Fasten hilft, überschüssige Pfunde nachhaltig loszuwerden, ohne den Stoffwechsel zu schädigen oder den Jo-Jo-Effekt zu begünstigen (z. B. beim Intervallfasten).
  • Autophagie: Nach etwa 14 bis 16 Stunden ohne Nahrung beginnt der Körper, beschädigte Zellstrukturen abzubauen und zu erneuern. Dieser Prozess stärkt die Gesundheit auf zellulärer Ebene und kann langfristig der Entstehung von Erkrankungen vorbeugen.
  • Entzündungsreduktion: Fasten senkt oxidativen Stress und hilft dem Körper, sich selbst zu regenerieren. Studien zeigen, dass Fasten Entzündungen im Körper reduzieren und Heilungsprozesse fördern kann.
  • Mentale Klarheit: Viele Fastende berichten von einem gesteigerten Fokus und innerer Ruhe während des Fastens.

Nachteile beim Fasten sind anfängliche Nebenwirkungen, da sich der Körper an den Energiemangel anpasst. Mittel- und langfristig drohen z. B. Muskelabbau und Nährstoffmangel.

Kurzfristige Nachteile (anfangs)

  • Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwäche: Der Körper stellt von Zucker- auf Fettstoffwechsel um.
  • Stimmungsschwankungen & Reizbarkeit: Durch sinkenden Blutzucker und Stresshormone.
  • Mundgeruch: Ketonkörper werden über Atem und Schweiß abgegeben.
  • Konzentrationsprobleme: Auch durch Nährstoffmangel und Stoffwechselanpassung.
  • Kreislaufprobleme: Herzschlag und Blutdruck können sinken. 

Langfristige Risiken und Nachteile

  • Muskelabbau: Der Körper kann neben Fett auch Muskelprotein angreifen, besonders bei strikten Nulldiäten. 
  • Nährstoffmangel: Dieser droht, wenn nicht auf Vitamine, Mineralstoffe und Fettsäuren geachtet wird. 
  • Gallensteine: Langfristiges, starkes Fasten (über 16-18 Stunden) erhöht das Risiko. 
  • Jo-Jo-Effekt: Der Stoffwechsel stellt sich bei längerem Fasten um, was nach der Kur zu schneller Gewichtszunahme führen kann. 
  • Herz-Kreislauf-Risiken: Eine Studie deutet auf ein erhöhtes Sterberisiko bei extrem kurzen Essensfenstern hin (Intervallfasten). Die Kausalität wird hier noch diskutiert. 

Fasten lässt sich flexibel an Ihre individuellen Bedürfnisse und Lebensumstände anpassen und einfach in den Alltag integrieren. Bei der Wahl der Methode kommt es auf individuelle Vorlieben, gesundheitliche Voraussetzungen und persönliche Ziele an. Die Sicherheit und Wirksamkeit des Fastens sollte dabei oberste Priorität haben. Hier finden Sie die beliebtesten Methoden zusammengefasst:

Diese Methode ist besonders alltagstauglich. Ein bekanntes Beispiel ist die 16:8-Methode, bei der 16 Stunden gefastet und in den verbleibenden 8 Stunden normal gegessen wird. Diese Methode wird auch als Intervallfasten bezeichnet.

Heilfasten geht über den bloßen Nahrungsverzicht hinaus. Es wird meist medizinisch begleitet und verfolgt therapeutische Ziele, wie etwa die Behandlung chronischer Beschwerden.

Das Buchinger Heilfasten ist eine strukturierte Fastenkur mit klaren Abläufen. Es kombiniert Nahrungsverzicht mit Bewegung, Entspannung und seelischer Reinigung.

Fastenkuren sind häufig weniger geregelt und werden ähnlich wie Diäten oft zur Gewichtsreduktion angewendet. Sie sollten jedoch mit Vorsicht genutzt werden, da sie keine standardisierten Rahmenbedingungen bieten.

Ein erfolgreiches Fasten verläuft meist in fünf Phasen:

  1. Vorbereitungsphase: Hier wird der Körper sanft entlastet, indem schwer verdauliche Lebensmittel und Genussmittel aus der Ernährung gestrichen werden.
  2. Umstellungsphase: Die ersten Fastentage sind herausfordernd, da sich der Körper an den Nahrungsverzicht gewöhnen muss.
  3. Reinigungsphase (Ketose): In der Ketose beginnt der Körper, Fettreserven als Energiequelle zu nutzen.
  4. Stabilisierungsphase: Der Nahrungsverzicht wird beendet, und der Körper gewöhnt sich langsam wieder an normale Mahlzeiten.
  5. Aufbauphase (Fastenbrechen): Das Fastenbrechen erfolgt durch leichte, nährstoffreiche Lebensmittel wie Gemüsebrühe oder gedünstetes Gemüse.

Bestimmte Personengruppen sollten auf Fasten verzichten oder es nur unter ärztlicher Kontrolle durchführen:

  • Schwangere und stillende Mütter: Der Körper benötigt während dieser Zeit zusätzliche Energie und Nährstoffe.
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen: Fasten kann den Stoffwechsel beeinflussen und gesundheitliche Probleme verschärfen. Beispiele hierfür sind z. B. Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme, Krebskranke, Menschen mit bestimmten Stoffwechselstörungen (z. B. Schilddrüsenüberfunktion, Phenylketonurie) oder Bluter.
  • Menschen mit Essstörungen: Fasten könnte bestehende Probleme verstärken.
  • Kinder: Der Körper wächst und benötigt Nährstoffe sowie ausreichend Flüssigkeit.
  • Akut Kranke und Personen, die sich von einer Krankheit oder Operation erholen.
  • Personen mit erhöhtem Purinspiegel – diese haben beim Fasten ein erhöhtes Gichtanfall-Risiko
  • Personen, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen. Der Hungerzustand beeinflusst die Arzneimittelwirkung!

Generell gilt: Aus Sicherheitsgründen sollte längeres Fasten immer unter medizinischer Aufsicht stattfinden.

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Bilder: Fasten - Evgeny Atamaneko/Shutterstock; Abnehmen mit Sport - Blaj Gabriel/Shutterstock