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Fortschreitender Knochenschwund

Was ist Osteoporose?

Die Osteoporose ist ein langsam fortschreitender Knochenschwund. Sie ist keine Alterserscheinung, sondern eine weit verbreitete und ernst zu nehmende Krankheit. Dennoch ist das Alter ein Risikofaktor für Osteoporose. Wird die Krankheit rechtzeitig erkannt, lässt sich der Knochenschwund aufhalten.

In Kürze
Kurz erklärt
Bei der Osteoporose, die auch als Knochenschwund bezeichnet wird, handelt sich um eine fortschreitende Erkrankung der Knochen, bei der der Prozess des stetigen Auf-, Ab- und Umbau des Knochens gestört ist. Die Betroffenen merken lange nichts davon.
Diagnose

    Besteht nach Anamnese und klinischer Befundung ein konkreter Osteoporose-Verdacht, werden bildgebende Verfahren wie Röntgen und Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) eingesetzt. Beide Verfahren haben jedoch ihre Schwächen.

Ursachen und Risiken
Risikofaktoren sind Alter, chronische Krankheiten wie Rheuma, Bewegungsmangel, bestimmte Medikamente und erbliche Faktoren. Aufgrund hormoneller Umstellungen nach den Wechseljahren haben zudem Frauen ein höheres Osteoporose-Risiko.
Therapie und Medikamente

    Eine medikamentöse Behandlung – in erster Linie mit Bisphosphonaten – wird empfohlen, wenn Knochenbrüche aufgetreten sind oder die vom Arzt erhobenen Risikofaktoren ein 10-Jahres-Risiko für Knochenbrüche von mindestens 30 Prozent ergeben.

Osteoporose ist häufig, wird aber oft erst spät erkannt.
Stilles Leiden
Osteoporose ist häufig, wird aber oft erst spät erkannt.
Osteoporose ist eine Volkskrankheit, die mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland betrifft – Frauen häufiger als Männer.  Sie ist keine Alterserscheinung, sondern eine weit verbreitete und ernst zu nehmende Krankheit. Dennoch nimmt das Risiko für Osteoporose im Alter zu. Die Knochen entkalken, sie werden morsch und brüchig. Leider bleibt die Knochenkrankheit bei vielen lange unbemerkt. Wird Osteoporose nicht rechtzeitig und wirksam behandelt, drohen Knochenbrüche, chronische Schmerzen, Behinderung oder Pflegebedürftigkeit. Dies lässt sich aber verhindern, wenn man die Krankheit rechtzeitig erkennt und Maßnahmen dagegen ergreift.
Teufelskreislauf
  • Dass sie krank sind, merken die meisten Betroffenen erst, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Denn häufig erfahren sie von ihrer Krankheit erst, wenn sie sich bei einem Sturz einen Knochenbruch zuziehen. 
  • Jedes Jahr ereignen sich aufgrund von Osteoporose mehr als 400.000 Knochenbrüche. Betroffen sind vor allem Unterarm, Schenkelhals oder die Wirbelkörper. Folgen sind chronische Schmerzen, Behinderung oder Pflegebedürftigkeit.
  • Nach einem osteoporosebedingten Bruch des Oberschenkels erlangen nur 24 Prozent der Betroffenen dessen volle Funktionsfähigkeit zurück, 22 Prozent sind anschließend pflegebedürftig. Und hat ein Betroffener bereits einen Knochenbruch aufgrund von Osteoporose erlitten, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Folgebrüche bis auf das Zwölffache.
  • Nur bei jedem vierten Betroffenen in Deutschland wird Osteoporose – die nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO zu den zehn weltweit häufigsten Krankheiten zöhlt – rechtzeitig erkannt und adäquat behandelt. Betroffen sind vor allem Frauen nach den Wechseljahren. Aber auch bei Männern steigt das Risiko mit dem Alter an.
  • Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung sowie ausreichender Kalzium- und Vitamin-D-Versorgung kann vorbeugen. 
  • Mit einer rechtzeitigen Diagnose und Therapie lassen sich die Folgen der Osteoporose wirkungsvoll abmildern.
Knochenstoffwechsel
  • Der Knochen ist keine tote Substanz, sondern verändert sich ständig.
  • Die Knochenzellen, aus denen ein Knochen besteht, werden nach ihrer Funktion unterschieden. Die Osteoblasten bilden fortlaufend neues Knochengewebe.
  • Damit de Knochen nicht ständig weiter wächst, kontrolliert eine zweite Zellart – die Osteoklasten – den Knochenstoffwechsel. Sie bauen das Knochengewebe wieder ab. 
  • So wird ein Knochen ständig auf-, um- und abgebaut und behält so die für ihn typische Form und Funktion. Dieser transformative Prozess hält das ganze Leben lang an.
  • Etwa bis zum 35. bis 40. Lebensjahr überwiegen die Aufbauprozesse und die Knochenmasse nimmt stetig zu. Danach vermindert sich die Knochenmasse, weil verstärkt Abbauprozesse stattfinden. 
  • Der Knochen besteht aus Wasser (ca. 25 Prozent), organischen Stoffen (vor allem dem Eiweiß Ossium) und anorganischen Mineralien. Dazu gehören Kalzium, Phosphor, Magnesium sowie, in geringen Mengen, Eisen, Kalium, Natrium, Chlor und Fluor.
  • Für den Aufbau und Erhalt der Knochensubstanz ist eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D besonders wichtig. 
  • Auch körperliche Betätigung regt den Knochenstoffwechsel an. Bewegungsmangel und falsche Ernährung können zu einem frühzeitigen Abbau von Knochensubstanz führen.
Viele Faktoren
  • Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko für eine Osteoporose erhöhen. Manches lässt sich nicht beeinflussen, beispielsweise wenn chronische Krankheiten, wie Rheuma, oder erbliche Faktoren vorliegen. So haben Personen ein erhöhtes Risiko, wenn Osteoporose schon in der Familie vorkommt.
  • Eine wichtige Rolle spielen auch die Hormone. Frauen sind von Osteoporose viermal häufiger betroffen als Männer – vor allem wegen der hormonellen Umstellung in den Wechseljahren. So sind Frauen, die früh in die Wechseljahre eintreten, besonders gefährdet, genauso wie junge Mädchen mit Essstörungen.
  • Auch viele Medikamente haben negative Auswirkungen auf die Knochen. 
  • Andere Risikofaktoren sind beeinflussbar, weil der Lebensstil eine Rolle spielt.  Dazu zählen Bewegungsmangel, falsche Ernährung und Rauchen.
  • Osteoporose beginnt nicht erst im Alter. Ob jemand die Krankheit bekommt, hängt auch davon ab, wie viel Knochengewebe die Person im Lauf der Jahre aufgebaut hat. 
  • Und hier spielt eine knochengesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung und richtiger Ernährung eine entscheidende Rolle. Diese ist in den ersten vier Lebensjahrzehnten, also solange Knochensubstanz aufgebaut wird, besonders wichtig.
Diagnose
Entstehung
 
  • Osteoporose beginnt klammheimlich. Die Patienten selbst merken am Anfang nicht, dass ihre Knochen immer brüchiger werden. Die äußere Knochenform ist in der Frühphase der Osteoporose noch intakt. Trotzdem wird im Inneren des Knochens die Substanz bereits abgebaut. 
  • Dieser Abbau der Knochenmasse setzt sich über Jahre hinweg fort, bis schließlich ein kleiner Anlass genügt, um den Knochen brechen zu lassen. Das kann sogar passieren, wenn man heftig niest oder an ein Hindernis stößt. Plötzlich bricht ein Wirbel, der Oberschenkelhals, eine Rippe oder ein Unterarm.
  • Bei einem Bruch des Oberschenkelhalses ist die Diagnose schnell klar: Das Bein lässt sich nicht mehr bewegen und Laufen ist unmöglich. 
  • Anders die Wirbelkörperbrüche: Sie bleiben oft lange unerkannt, weil sie sich hinter Rückenschmerzen, einer Rundrückenbildung („Witwenbuckel“) oder einer starken Abnahme der Körpergröße verbergen. 
  • Viele Betroffene bewegen sich dann noch weniger und begeben sich damit in einen Teufelskreis. 
  • Wenn Sie lang anhaltende Schmerzen haben, sollten Sie sich auf Brüche untersuchen und eine mögliche Osteoporose ggf. behandeln lassen. 

Diagnose

  • Trotz moderner bildgebender Verfahren ist es schwierig, eine Osteoporose zu erkennen.  Eine Röntgenaufnahme zeigt zwar eine etwaige Porosität des Knochens – aber erst, wenn er mindestens 30 Prozent seiner Dichte verloren hat.
  • Später sind die Veränderungen am Knochen unübersehbar. An der Wirbelsäule können beispielsweise Wirbelveränderungen oder sogar Brüche sichtbar sein. 
  • Bei der Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) werden zwei schwache Röntgenstrahlen durch die Knochen an Oberschenkel oder Lendenwirbelsäule geschickt.
  • Die Strahlen haben eine bestimmte Intensität. Je nach Knochendichte wird die Intensität stärker oder geringer abgeschwächt, und diese Abschwächung ist messbar. 
  • Wichtig ist der so genannte T-Wert. Er vergleicht den aktuellen Befund mit den Werten eines jungen Erwachsenen. T-Werte von -1 und niedriger deuten auf eine krankhafte Knochenveränderung hin; T-Werte unter -2,5 zeigen eine Osteoporose an. Allerdings gibt es durchaus Patienten mit osteoporosebedingten Brüchen und normalen T-Werten.
  • Unklar ist auch, ab welchem Wert das Risiko für Brüche sinkt, wenn während einer Behandlung die Knochendichte wieder zunimmt. Daher ist der Nutzen der speziellen Knochendichtemessung umstritten.
Therapie
  • Gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sind nicht nur die wichtigsten Prophylaxe-Maßnahmen, sondern auch die Basis der Osteoporosetherapie. 
  • Eine medikamentöse Behandlung wird empfohlen, wenn Knochenbrüche aufgrund von Osteoporose aufgetreten sind oder der T-Wert und die vom Arzt erhobenen Risikofaktoren ein 10-Jahres-Risiko für Knochenbrüche von mindestens 30 Prozent ergeben.
  • In erster Linie werden Bisphosphonate verordnet, die – je nach Präparat – täglich, wöchentlich oder einmal pro Monat eingenommen werden. Diese Medikamente hemmen den Knochenabbau und vermindern die Häufigkeit von Knochenbrüchen.
  • Eine weitere Therapieoption für Frauen ist der so genannte „Selektive Östrogen-Rezeptor-Modulator“ (SERM). Die Substanz verhindert den weiteren Knochenabbau und wird täglich in Form von Tabletten eingenommen. Nicht zu verwechseln sind diese Medikamente mit der Hormonersatztherapie in den Wechseljahren, die zwar den Knochenschwund stoppt, aber auch das Risiko von Brustkrebs erhöht. Das gilt vor allem bei langer Einnahmedauer, wie sie zur Osteoporosebehandlung nötig wäre.
  • Eine neue Medikamentengruppe beinhaltet Abkömmlinge des Nebenschilddrüsenhormons (Parathormon), das den Knochenaufbau und die Bildung neuer Knochenstrukturen fördert. Es muss unter die Haut gespritzt werden und ist für Frauen mit Osteoporose nach den Wechseljahren und für Männer mit einem hohen Frakturrisiko zugelassen.
Titelbild: Jenny Sturm/AdobeStock; Lange unerkannt: Photographee.eu/AdobeStock, Osteoporose vorbeugen: Africa Studio/AdobeStock, Broschüre: Jenny Sturm/AdobeStock