Fieber erkennen und behandeln

Natürliche Abwehrreaktion
Steigt Fieber zu hoch, wird es gefährlich. Ab welcher Temperatur unbedingt ärztliche Hilfe nötig ist, hängt von Alter und allgemeinem Gesundheitszustand ab.
Allianz Gesundheitswelt - Fieber erkennen und behandeln: ein Mann ist erschöpft und hat offensichtlich Fieber. Er hält sich einen Lappen an die Stirn.
In Kürze
  • Infektionsabwehr durch Hitze: Fieber ist meist eine natürliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion. Hierbei regelt der Körper seine Temperatur über 38 °C, wodurch die Immunabwehr auf Hochtouren läuft.
  • Stress für den Körper: Die erhöhte Temperatur stresst den Körper jedoch. Die Betroffenen frösteln, schwitzen, fühlen sich unter anderem matt und leiden manchmal sogar an Appetitlosigkeit und Verwirrtheit.
  • Hohes Fieber? Ab zum Arzt! Gehen Sie spätestens zum Arzt, wenn das Fieber über 39 °C (Neugeborene: über 38 °C) steigt, länger als zwei Tage anhält oder zusätzlich ernste Symptome auftreten. Risikopatienten sollten gleich einen Arzt aufsuchen.
  • Nicht anstrengen! Bei Fieber sollten Sie sich schonen und ausreichend trinken. Sie sollten mindestens ein bis zwei Wochen nach einer fieberhaften Erkrankung pausieren, bevor Sie wieder Sport treiben oder schwer körperlich arbeiten.
Steigt die Körpertemperatur über den Normalwert, steckt in der Regel eine Infektion oder eine andere Krankheit dahinter. Jetzt heißt es, sich zu schonen. Ab welcher Temperatur Sie oder Ihr Kind unbedingt ärztliche Hilfe benötigen, hängt insbesondere vom Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.

Die normale Kerntemperatur bei Erwachsenen bis 40 Jahren liegt bei 36,8 °C und kann tageszeitlich um ±0,4 °C schwanken. In der zweiten Nachthälfte bis morgens ist die Temperatur am niedrigsten, am Nachmittag am höchsten.

Bei Frauen im gebärfähigen Alter steigt die Kerntemperatur nach dem Eisprung meist bis zu 0,5 °C an.

Zu lange Saunagänge, heiße Bäder oder extreme körperlicher Anstrengung können Ihre Kerntemperatur über 39° C treiben – bis hin zu einem lebensbedrohlichen Hitzschlag.

Bei leichtem bis mäßigem Fieber teilen sich die Abwehrzellen schneller und das Immunsystem arbeitet auf Hochtouren. Zudem schwächt die Hitze die Krankheitserreger. Die Fieberschwelle ist nicht einheitlich definiert. Üblicherweise gilt bei Jugendlichen und Erwachsenen eine Kerntemperatur über 38 °C als Fieber. Je nach Temperatur unterscheiden Mediziner folgende Schweregrade:

  • 37,5 bis 38,0 °C: erhöhte Temperatur (subfebril)
  • > 38,0 °C: leichtes Fieber
  • > 38,5 °C: mäßiges Fieber
  • > 39,0 °C: hohes Fieber
  • > 40,0 °C: sehr hohes Fieber
  • > 41,0 °C: extremes Fieber (Hyperpyrexie)

Hinter der Temperaturerhöhung steckt meist das Immunsystem. Im Falle einer Infektion oder Entzündung produziert es Botenstoffe, die die Temperaturregelung beeinflussen, sogenannte Pyrogene. Sie bewirken, dass der Hypothalamus die Kerntemperatur hochregelt: der Mensch bekommt Fieber.

Fieber verrät sich unter anderem auch durch folgende Anzeichen:

  • glänzende Augen
  • gerötete, heiße Haut
  • beschleunigte Atemfrequenz, erhöhter Puls
  • erst Schüttelfrost, dann Schweißausbruch
  • Durstgefühl, trockener Mund
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit
  • Verdauungsbeschwerden
  • Abgeschlagenheit
  • Verwirrtheit, Halluzinationen

Bei Fieber sollten Sie morgens, mittags und abends die Temperatur messen. Je nach Methodegibt es allerdings Abweichungen von der tatscählichen Körpertemperatur. Außerdem sollte der Betroffene vor dem Fiebermessen eine halbe Stunde ruhen und in dieser Zeit keine fiebersenkenden Hausmittel anwenden. Anstrengungen, Aufregungen, Kälte- oder Wärmeanwendungen sind zu meiden.

Während früher oftmals Glasthermometer üblich waren, werden mittlerweile moderne digitale- oder Infrarotthermometer eingesetzt.

 

Die präziseste Methode zur Fiebermessung ist die rektale Messung, also im Po. Bei fiebrigen Patientinnen bzw. Patienten können andere Messmethoden stark von der tatsächlichen Körpertemperatur abweichen.

Rektale Messung (im Po)

Tragen Sie eine geeignete Creme, wie Vaseline, auf die Spitze des Thermometers auf. Für die Messung sollte man auf dem Rücken oder der Seite liegen. Führen Sie das Thermometer etwa zwei Zentimeter in den After ein. Halten Sie das Thermometer während der Messung fest, um ein Herausgleiten zu verhindern. Sobald das akustische Signal ertönt, können Sie das Thermometer herausziehen. Der angezeigte Wert entspricht am ehesten der Körperkerntemperatur.

Aurikuläre Messung (im Ohr)

Bei der Messung im Ohr wird die Temperatur über den äußeren Gehörgang am Trommelfell erfasst. Ziehen Sie das Ohr leicht nach hinten und oben, um den Gehörgang freizulegen. Führen Sie die Messsonde in den Gehörgang ein, um die Temperatur zu messen. Vermeiden Sie es, unmittelbar vor der Messung auf dem Ohr zu liegen, da dies das Ergebnis verfälschen kann. Die Temperatur im Ohr ist etwa 0,3 bis 0,5 Grad niedriger als die rektal gemessene.

Diese Methode sollte bei Kindern unter drei Jahren nicht angewendet werden, da Verletzungsgefahr am Ohr besteht.

Axillare Messung (unter der Achsel)

Die Messung unter der Achsel ist die beliebteste, da in der Regel einfachste, jedoch auch die ungenaueste Methode. Hier kann die Temperatur um bis zu zwei Grad abweichen. Denn: Je schlechter es einem geht und je mehr der Körper sich anstrengen muss, um den Körperkern zu durchbluten, desto mehr weicht die Temperatur ab, da die Haut besonders schlecht durchblutet ist und die Achsel ist vergleichsweise weit vom Körperkern entfernt.

Platzieren Sie den Messfühler des Thermometers in die Achselhöhle und klemmen Sie ihn mit dem Oberarm fest. Nach dem akustischen Signal können Sie den Wert ablesen.

Orale Messung (unter der Zunge)

Legen Sie das Thermometer unter die Zunge und achten Sie darauf, dass die Lippen während der Messung geschlossen sind. Nach dem akustischen Signal können Sie den Wert ablesen. Der Wert ist etwa 0,4 Grad niedriger als bei der rektalen Messung.

Achten Sie darauf, etwa 30 Minuten vor der Messung keine kalten oder warmen Getränke zu konsumieren um das Ergebnis nicht zu verfälschen. 

 

Wo misst man also am besten?

Zusammenfassend wird empfohlen, bei Erwachsenen im Ohr zu messen, wobei die Temperatur etwas zu niedrig erscheinen kann, und bei kleinen Kindern unter drei Jahren im After.

Grundsätzlich sollten Sie sich bei Fieber schonen, um Herz und Kreislauf nicht zusätzlich zu belasten.

Insbesondere Sport und intensive körperliche Anstrengung sind tabu – mindestens ein bis zwei Wochen nachdem das Fieber abgeklungen ist. Im Falle einer Infektion erhöht körperliche Aktivität das Risiko, dass Krankheitserreger in den Blutkreislauf gelangen und weitere Organe befallen. Besonders gefürchtet ist eine zusätzliche Infektion des Herzmuskels: die Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Sie kann das Herz nachhaltig schädigen und lebensbedrohlich sein.

Fieber muss übrigens nicht zwangsläufig immer sofort gesenkt werden. Jedoch bieten sich bei über 39 °C Temperatur Wadenwickel an, um die Wärme aus dem Körper abzuleiten. Achtung: Nicht bei Schüttelfrost anwenden! Wichtig ist aber vorrangig die Therapie der Fieber-auslösenden Erkrankung.

Da der Körper bei Fieber viel Flüssigkeit verliert, sollten Sie mehr trinken – idealerweise ungesüßten Früchtetee oder Wasser.

Für jedes Grad über 37 °C braucht der Körper täglich zusätzlich einen halben bis einen Liter Flüssigkeit.

Für Erwachsene gilt als grobe Orientierung: Ab zum Arzt, sobald das Fieber über 39 °C steigt, über zwei Tage anhält oder zusätzlich ernste Symptome auftreten, z. B. starke Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden oder Durchfall.

Dennoch lässt sich ein Arztbesuch nicht alleine an einer bestimmten Temperatur festmachen: Achten Sie auch auf Ihr Krankheitsgefühl und mögliche zusätzliche Beschwerden neben der erhöhten Temperatur.

Risikogruppen wie chronische Kranke und Schwangere sollten bei Fieber binnen eines Tages einen Arzt aufsuchen.

Gefährlich hohes Fieber: Über 40 °C zerfallen wichtige Enzyme im Körper, immer mehr Zellen sterben ab. Fieber über 42 °C kann sogar tödlich enden.

Viele Auslöser

Fieber tritt bei vielen Erkrankungen als Symptom auf. Die Hauptursache sind Infektionen, zum Beispiel:

  • Lungenentzündung
  • Nierenbeckenentzündung
  • Herzklappenentzündung

Andere Ursachen für Fieber können zum Beispiel auch sein:

  • rheumatologische Erkrankungen, z. B. Rheumatoide Arthritis, Systemischer Lupus erythematodes, Fibromyalgie
  • Schilddrüsen- oder Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Arzneimittelnebenwirkungen
Bilder: antic/Fotolia;  Kindergesundheit - Chris Whitehead/gettyimages