Kindergesundheit

Wehwehchen oder ernsthafte Erkrankung?
 Husten, Schnupfen, Bauchschmerzen – dass Kinder krank werden, lässt sich kaum vermeiden. Doch wann kann man die Beschwerden mit Hausmitteln selbst behandeln und wann ist der Gang in die Arztpraxis erforderlich? 
Allianz Gesundheitswelt - Kindergesundheit: ein Mädchen liegt schlafend auf einem gelben Sessel und kuschelt mit dem Familienhund.
  • Symptome richtig deuten: Bei Kindern ist oft schwer zu erkennen, ob nur eine kleine Verstimmung oder eine ernsthafte Erkrankung vorliegt. Bei sehr kleinen Kindern oder wenn Sie unsicher sind, empfiehlt sich der Gang zu Arzt bzw. Ärztin.
  • Omas Hausmittel: Oft helfen schon eine Extraportion Aufmerksamkeit oder Omas Hausmittel, um Wehwehchen wie Bauchschmerzen, Hals- oder Ohrenschmerzen zu lindern. Bei ernsthaften Erkrankungen können sie jedoch eine medizinische Behandlung nicht ersetzen.
  • Vorsicht bei Medikamenten: Medikamente sollten bei Kindern nur nach Verordnung durch den Arzt oder Ärztin und in der passenden Dosierung gegeben werden. Damit Kinder die Arzneimittel auch akzeptieren, ist die richtige Darreichungsform wichtig.

Kinder haben Schmerzen und Beschwerden wie Erwachsene auch. Wie sie dies äußern oder damit umgehen, ist jedoch oft ganz anders.  Eltern stehen vor der Frage, ob Omas Hausmittel ausreichen oder ob der Gang zur Arztpraxis nötig ist..

Bauchschmerzen, Fieber, Durchfall, Hals- oder Ohrenschmerzen? Diese Beschwerden treten bei Kindern häufig auf. Mit der Zeit kennen Eltern ihr Kind aber sehr genau und können manche Wehwehchen selbst behandeln. Oft können Hausmittel diese Beschwerden auch ohne den Griff in den Medikamentenschrank lindern.

Zudem schenken Sie Ihrem Kind mit selbst gemachten Umschlägen oder einem frisch gebrühten Tee eine Extraportion Aufmerksamkeit und Zuwendung – und das ist die beste Medizin! Wenn Mama und Papa am Bett sitzen, trösten, streicheln und ihr Kind in den Arm nehmen, geht es den Kleinen meist schnell wieder besser. Häufig auftretende, harmlose Beschwerden müssen nicht unbedingt medikamentös behandelt werden.

Hausmittel können Symptome lindern und Ihr Kind beim Gesundwerden unterstützen, eine medizinische Behandlung ersetzen sie aber nicht unbedingt.

Bestimmte Beschwerden können auf eine schwere Erkrankung hinweisen, dann sollten Sie Ihr Kind rasch von einem Arzt untersuchen lassen. Vorsicht geboten ist auch bei Kindern unter zwei Jahren. Je jünger ein Kind ist, desto schneller kann sich eine Krankheit ausbreiten und zu ernsten Komplikationen führen.

Falls Sie unsicher sind, sollten Sie sich an Ihren Arzt oder Ihre Ärztin wenden. Ist dieser nicht erreichbar, wenden Sie sich an die Nothilfe des nächst gelegenen Krankenhauses. Diese ist rund um die Uhr für Sie da. Am besten schreiben Sie sich die Notfallnummer bereits vorher auf oder fragen in der Arztpraxis danach.

Es muss nicht immer sofort der Gang in die Kinderarztpraxis sein. Gerade in den Wintermonaten werden viele Eltern bestätigen, dass alleine der Aufenthalt im vollen Wartezimmer nicht selten eine Herausforderung darstellt. Nichtsdestotrotz sollten Sie bei den folgenden Symptomen auf eine Selbstmedikation verzichten und unbedingt einen Arzt bzw. Ärztin aufsuchen:

  • Bauchschmerzen treten plötzlich auf und verschlimmern sich rasch
  • Bewusstseinsstörungen: Ihr Kind ist benommen, orientierungslos, nicht ansprechbar und stark schläfrig
  • Empfindlichkeit bei Berührungen
  • Starke Schmerzen
  • Schrilles Schreien
  • Hauteinblutungen (ein Hautausschlag der nicht wegdrückbar ist, zum Beispiel mit einem Glas durch das man schaut)
  • Ihr Kind wirkt schwer krank
  • Austrocknung, zum Beispiel seit mehr als 12 Stunden keine Urinausscheidung
  • Sehr schnelles Atmen, Luftnot
  • Kinder unter 3 Monaten mit 38 °C, im Po gemessen
  • Fieber länger als 3 Tage
  • Sie sind sehr besorgt oder unsicher

Bei verschiedenen Beschwerden haben sich Heilpflanzentees zur Linderung bewährt. Sie sind im Reformhaus oder in der Apotheke erhältlich und schnell zubereitet.

Hier die wichtigsten Heilpflanzentees mit ihren Anwendungsgebieten:

Blähungen:

  • Anis-Fenchel
  • Anissamen
  • Fenchelsamen

Schweißtreibend:

Harntreibend, abführend:

Erkältungen, Husten:

  • Holunderblüte
  • Huflattichblätter
  • Thymian

Durchfall, Erbrechen, Magen-Darm-Störungen:

  • Heidelbeere
  • Pfefferminze
  • Kamille (auch als Mundspülmittel bei Entzündungen im Mund-/Rachenraum und bei Zahnbeschwerden)

Beruhigend:

Achtung: Kinder unter fünf Jahren dürfen nicht mit Erkältungsbalsam eingerieben werden, der Kampfer oder Eukalyptus enthält. Das kann zu Asthmaanfällen führen.

Fieber selbst ist keine Krankheit. Fieber ist eine normale und meistens hilfreiche Abwehr des Körpers im Umgang mit Krankheitserregern. Dabei regelt der Körper die Temperatur so, dass bei ansonsten gesunden Kindern Fieber unschädlich bleibt. Es gibt gemäß Leitlinie keine wissenschaftliche Grundlage die besagt, dass Fieber bei zuvor gesunden Kindern und Jugendlichen schädigend ist.

Bei Kindern und Jugendlichen spricht man von Fieber bei einer Körpertemperatur ab 38,5 °C. Bei Kindern unter 3 Monaten gilt bereits eine Temperatur ab 38,0 °C per Definition als Fieber.

Bei Fieber im Rahmen einer Infektion reguliert der Körper die Temperatur. Wenn Ihr Kind Fieber hat, vermitteln Sie Ihm durch liebvolle Zuwendung Ruhe und Sicherheit. Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung für ungestörten Schlaf und bieten Sie regelmäßig Getränke an.

Wichtig: Beobachten Sie Ihr Kind genau und achten Sie auf die weiter unten auf dieser Seite genannten Warnzeichen.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen! Geben Sie deshalb Medikamente nur in Abstimmung mit Ihrem Arzt oder Ärztin.

Bei Fieber im Rahmen einer Infektion reguliert der Körper die Temperatur. Das bedeutet, dass Sie nicht sofort und zwingend eine Kinderarztpraxis aufsuchen müssen. Es gibt allerdings Warnzeichen bei denen Sie ärztlichen Rat einholen sollten:

  • Bewusstseinsstörungen: Ihr Kind ist benommen, orientierungslos, nicht ansprechbar und stark schläfrig
  • Empfindlichkeit bei Berührungen
  • Starke Schmerzen
  • Schrilles Schreien
  • Hauteinblutungen (ein Hautausschlag der nicht wegdrückbar ist, zum Beispiel mit einem Glas durch das man schaut)
  • Ihr Kind wirkt schwer krank
  • Austrocknung, zum Beispiel seit mehr als 12 Stunden keine Urinausscheidung
  • Sehr schnelles Atmen, Luftnot
  • Kinder unter 3 Monaten mit 38 °C, im Po gemessen
  • Fieber länger als 3 Tage
  • Sie sind sehr besorgt oder unsicher

Nicht alle Thermometer sind gleich genau. Es kommt auf das Alter des Kindes an, welches Thermometer Sie am besten nutzen sollten. Bei Neugeborenen und Säuglingen sollte im Po mit einem Digitalthermometer gemessen werden. Die Thermometerspitze sollte dabei vorab gleitfähig gemacht werden. Bei älteren Kindern und Jugendlichen bietet sich eine Messung im Ohr an. Alternativ kann bei älteren Kindern und Jugendlichen auch unter der Zunge mit einem Digitalthermometer gemessen werden. Das ist aber etwas ungenauer, ebenso wie das Stirnthermometer. Eine Messung unter den Achseln ist in allen Altersklassen ungenau.

An der Stirn:

Im Mund:

Im Ohr:

Unter der Achsel:

Im Po:

Bitte beachten

Viele kindliche Infekte führen zu Halsschmerzen. Mit Halswickeln lassen sie sich gut lindern – wenn auch die Anwendung nicht jedermanns Sache ist. Verschwinden Halsschmerzen und Fieber nicht innerhalb von ein bis zwei Tagen, sollten Sie Ihr Kind vom Arzt bzw. Ärztin untersuchen lassen, um eine Mandelentzündung auszuschließen.

Quarkwickel

Speisequark etwa einen halben Zentimeter dick auf ein Tuch streichen, das Tuch falten und um den Hals wickeln. Zwischen dem Quark und der Haut sollte sich eine Stoffschicht befinden. Anschließend einen Wollschal um den Hals wickeln. Der Wickel sollte mehrere Stunden am Hals bleiben.

Kartoffelwickel

Zwei Kartoffeln mit Schale kochen, etwas aus kühlen lassen, zerdrücken und in ein Tuch einwickeln. Den warmen Umschlag um den Hals legen und mit einem Schal fixieren. Den Kartoffelwickel etwa eine halbe Stunde wirken lassen. Testen Sie unbedingt zuvor die Temperatur des Wickels mindestens 30 Sekunden lang an sich selbst.

Gut für Kinder

Erkältungen führen meist nicht nur zu einer verstopften Nase, sondern auch zu Husten. Dieser macht vor allem kleinen Kindern zu schaffen. Selbst gemachter Hustensaft kann den Hustenreiz lindern.

Zwiebel-Kräuter-Saft

1 Zwiebel
1 TL Thymian
1 TL Salbei
100 g Kandiszucker
1/4 l Wasser

  • Hacken Sie eine Zwiebel und kochen Sie diese mit einem Teelöffel Thymian, einem Teelöffel Salbei, 100 Gramm Kandiszucker und einem Viertelliter Wasser, bis sich der Kandis aufgelöst hat.
  • Die Flüssigkeit abseihen und im Kühlschrank aufbewahren.
  • Geben Sie Ihrem Kind dreimal täglich einen Teelöffel des vorwiegend süßen, bei Kindern sehr beliebten Saftes.

Rettich-Honig-Saft

1 Rettich
Honig

  • Er eignet sich bei besonders hartnäckigem Husten.
  • Raspeln Sie einen Rettich und lassen Sie ihn einige Stunden in reichlich Honig stehen. Es setzt sich ein Saft ab. 
  • Geben Sie Ihrem Kind stündlich einen Teelöffel davon.

Bitte beachten

Erkältungen gehen bei Kindern sehr häufig mit Ohrenschmerzen einher. Nicht immer steckt eine akute Mittelohrentzündung dahinter. Hat Ihr Kind zusätzlich hohes Fieber, sollten Sie eine Arztpraxis aufsuchen.

Zwiebelwickel

  • Eine Zwiebel in Würfel hacken, in ein Tuch legen, leicht zerdrücken, bis sich der Saft im Tuch festsetzt.
  • Auf das Ohr legen und mit einem Schal festbinden (ca. 30 Minuten).
  • Diesen Wickel können Sie in jedem Fall anwenden, weil er schmerzlindernd wirkt.

„Mama, mir tut der Bauch so weh!“ Diesen Satz hören Eltern oft. Die Ursache können Blähungen, aber auch ein „allgemeiner Schmerz“ sein. Wenn sich Kinder nicht gut fühlen, spüren sie das zuerst im Bauch. Andererseits können Bauchschmerzen auch Ausdruck einer ernsthaften Erkrankung wie z. B. einem entzündeten Blinddarm sein. Liegen zusätzlich Fieber, Übelkeit und/oder Erbrechen vor, und/oder ist der Bauch druckschmerzempfindlich, sollten Sie Ihren Arzt kontaktieren.

Tipps:

  • Massieren Sie zunächst den Bauch Ihres Kindes im Uhrzeigersinn. Bei Blähungen oder seelischen Schmerzen sit diese Methode besonders wirkungsvoll.
  • Verzichten Sie bei kleinen Kindern auf Wärmflaschen, Kirschkernkissen oder Ähnliches; sie können zu schweren Verbrennungen führen.
  • Besser sind Bauchwickel: Dazu zwei Teelöffel Kamille mit einem halben Liter kochendem Wasser übergießen und fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Dann ein Tuch in den Tee tauchen, fest auswringen, längs falten und auf den Bauch legen. Mit einem zweiten Tuch fixieren und etwa 15 Minuten ruhen lassen. Testen Sie die Temperatur des Wickels vorher unbedingt ca. 30 Sekunden lang an Ihrem Unterarm, damit der Wickel nicht zu heiß ist.

Manchmal können Bauchschmerzen auch Ausdruck anderer Erkrankungen sein. Da kleinere Kinder bei schweren Erkrankungen wie z. B. einer Hirnhautentzündung mitunter ausschließlich über Bauchschmerzen klagen, sollten Sie im Zweifelsfall immer eine Arztpraxis aufsuchen. Insbesondere dann, wenn Ihr Kind hohes Fieber hat, sich lethargisch verhält oder Sie Wesensveränderungen bei Ihrem Kind wahr nehmen

Erbricht Ihr Kind, verliert es viel Flüssigkeit. Diese müssen Sie ersetzen.

Gegen Brechreiz helfen am besten Kräutertees wie Kamille, Pfefferminze und Melisse, die in kleinen Schlucken getrunken werden. Fett verträgt ein gereizter Magen nicht. Geben Sie besser Zwieback, geriebene Äpfel, Salzgebäck und zerdrückte Bananen.

Auch bei Durchfall verlieren Kinder binnen kurzer Zeit sehr viel Flüssigkeit und Mineralien. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Mischung aus einem Liter abgekochtem Wasser bzw. Tee mit einem halben Teelöffel Kochsalz und acht gestrichenen Teelöffeln Zucker. So werden die notwendigen Mineralien ersetzt. 

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Medikamente sollten Sie Ihrem Kind deshalb nur nach Verordnung durch Ihren Arzt oder Ärztin geben. Vor dem Griff in den Medikamentenschrank sollten Sie einiges beachten.

Vorsicht bei der Dosierung:

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, die lediglich eine geringere Dosierung brauchen. Es hängt vom Alter ab, wie sich die Arzneistoffe im Körper verteilen und wie sie verarbeitet werden. Manche Wirkstoffe sammeln sich beispielsweise im Fettgewebe an und werden verzögert freigesetzt. Bei Neugeborenen macht das Fettgewebe etwa zwölf Prozent der Körpermasse aus, bei erwachsenen Männern 20 Prozent und bei Frauen sogar 30 Prozent. In diesem Fall muss sich die Dosis nicht nur dem Körpergewicht, sondern auch der weiteren Verteilung in den unterschiedlichen Geweben anpassen. Bekämen Kinder eine „Erwachsenendosis“, käme es zu nicht vorhersehbaren und falschen Blutspiegeln.

Medikamente werden vor allem gegen Infektionen und Fieber eingesetzt, die in den ersten Lebensjahren besonders häufig vorkommen. Geben Sie Ihrem Kind nur Medikamente, die ihm der Arzt schon einmal verschrieben hat. Selbst eine normale Kopfschmerztablette kann bei Kleinkindern ernste Nebenwirkungen haben. Auch vermeintlich harmlose pflanzliche Medikamente können schwere Vergiftungsreaktionen hervorrufen. Fragen Sie den Arzt bzw. die Ärztin, welche Medikamente Sie Ihrem Kind im Wiederholungsfall in welcher Dosierung geben können (beispielsweise bei hohem Fieber). Für die häufigsten „Notfallsituationen“ können Sie sich eine kleine Liste erstellen.

Die richtige Darreichungsform:

Oft brauchen Sie gute Überredungskünste, damit Kinder die Arzneien schlucken. Probieren Sie aus, welche Darreichungsform bei Ihrem Kind am besten ankommt – Tropfen, Saft, Zäpfchen oder Tabletten – und lassen Sie diese dann bevorzugt verordnen. Kleinkindern geben Sie Medikamente am besten als Saft, Tropfen oder Zäpfchen. Viele Arzneien enthalten Geschmacksstoffe wie Erdbeer- oder Orangenaroma als Zusatz. Tropfen können Sie auch auf ein Stück Würfelzucker träufeln und lutschen lassen. Für Babys können Sie manche Medikamente mit etwas Tee oder Saft vermischen und mit einer Plastikspritze (ohne Nadel!) langsam seitlich in den Mund geben. Achten Sie genau auf die vorgeschriebene Menge und ändern Sie auf keinen Fall die verschriebene Dosierung.

Für den Fall, dass Ihr Kind einen Großteil des Safts oder der Tropfen wieder ausspuckt oder erbricht, müssen Sie die Dosis ggf. noch einmal verabreichen. Klären Sie das mit Ihrem Arzt ab. Das Gleiche gilt bei Durchfall/Stuhlgang in der ersten Stunde nach Verabreichung eines Zäpfchens. 

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Bilder: Titelbild - Chris Whitehead/gettyimages;  Hilfe bei Erkältungen - Studio Barcelona/Shutterstock; Broschüre Kindergesundheit - Chris Whitehead/gettyimages;