Warnung: Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte wechseln Sie zu einem moderneren Browser wie Chrome, Firefox oder Microsoft Edge.

Zuverlässig, verständlich und sicher

Seriöse Apps erkennen

Gesundheits-Apps gehören zu den beliebtesten Angeboten in den App-Stores von Apple und Google. Doch wie kann man aus der Fülle der Angebote die herausfiltern, die korrekt, zuverlässig und verständlich informieren und mit den Daten des Nutzers sicher umgehen?

In Kürze
Kaufentscheidung
Aktuelle Umfragen zeigen, dass Anwender bei der Auswahl einer Gesundheits-App bislang in erster Linie auf den Preis schauen. Vertrauenswürdigkeit steht erst an dritter Stelle.
Medical Apps
Neben den Gesundheits-Apps stehen die Medical Apps, die Patientendaten für Diagnose und Therapie nutzen. Sie müssen als Medizinprodukte zertifiziert werden und erhalten ein CE-Zeichen.
Ehrenkodex
Ob eine App vertrauenswürdig ist, zeigt der vom App-Bewertungsportal HealthOn entwickelte Ehrenkodex für Gesundheits-Apps. Er bewertet Apps anhand von sieben Kriterien.
Längst nicht alle Gesundheits-Apps sind gut oder sinnvoll.
Zuverlässige Apps finden
Längst nicht alle Gesundheits-Apps sind gut oder sinnvoll.
Gesundheitsinformationen gehören mit zu den am stärksten nachgefragten Themen im Internet. Entsprechend groß ist die Zahl an Websites und zunehmend auch an Apps rund um Gesundheit und Wellness – und bei weitem nicht alle sind seriös. Das Hauptproblem für Nutzer ist es deshalb nicht, die passende App zu finden, sondern aus der Fülle der Angebote die herauszufinden, die korrekt, zuverlässig und verständlich informieren und mit den Daten des Nutzers kein Schindluder treiben.
Wildwuchs ohne Qualitätskontrolle

Gesundheits-Apps gehören zu den beliebtesten Angeboten in den App-Stores von Apple und Google: Rund zwei Drittel der Smartphone- und Tablet-Besitzer in Deutschland nutzt entsprechende Anwendungen, die Hälfte davon regelmäßig oder häufig. Zugleich herrscht hier erheblicher Wildwuchs, denn vor der Aufnahme in den App-Store wird nur die technische Funktion einer App geprüft, nicht aber die Qualität ihrer Inhalte. Die Vielzahl der Apps und schnelle Entwicklungszyklen erschweren es Nutzern, den Überblick zu behalten.

So tummeln sich neben seriösen Gesundheits-Apps auch zahlreiche Produkte, die fragwürdige Gesundheitsempfehlungen geben, Wunderdiäten promoten oder wirkungslose Therapieverfahren präsentieren. Ebenfalls existieren Apps, die sinnvolle Ansätze ins Gegenteil verkehren, wie Alkotest-Apps, die per Trinkspiel zum „Herantrinken“ an einen bestimmten Promillewert auffordern. Noch riskanter wird es bei Apps, die bei der Medikamentendosierung helfen sollen, bei der Berechnung aber lebensbedrohliche Fehler machen.

Ein Problem bei Apps ausländischer Anbieter ist, dass diese häufig nicht auf die Strukturen des deutschen Gesundheitswesens oder die nationalen Diagnose- und Therapieleitlinien abgestimmt sind.

Wichtiger Unterschied: Neben den Gesundheits-Apps stehen die Medical Apps, die Patientendaten für Diagnose und Therapie nutzen. Sie müssen als Medizinprodukte zertifiziert werden und erhalten ein CE-Zeichen.

Preis vor Vertrauenswürdigkeit

Aktuelle Umfragen zeigen, dass Anwender bei der Auswahl einer Gesundheits-App bislang in erster Linie auf den Preis schauen. Ebenfalls ein wichtiges Auswahlkriterium sind die Empfehlungen anderer Nutzer. Der Anbieter der App und dessen Vertrauenswürdigkeit liegen dagegen nur auf Platz drei.

Erst wenn die App schon installiert ist, schauen die meisten Nutzer, ob sie die Funktionen der App nutzen können und wollen, und ob sie die Inhalte verstehen. Obwohl Anwender bei Umfragen angeben, dass ihnen Datenschutz wichtig ist, prüfen nur wenige die entsprechenden Angaben – wenn diese überhaupt vorhanden sind. Wenig Aufmerksamkeit widmen viele auch der Frage, wie sich eine solche App finanziert.

Sind meine Daten sicher?

Falsche, fehlerhafte oder von wirtschaftlichen Interessen gesteuerte, einseitige Informationen sind bei Gesundheits-Apps ein großes Problem – aber bei weitem nicht das einzige. Im „Kleingedruckten“ verbergen sich oft weitere Fallen. Bei manchen Apps akzeptiert etwa der Anwender bei der Installation, dass der Anbieter die anfallenden Daten beliebig für eigene Zwecke nutzen oder sogar an Dritte weiterverkaufen darf. Das ist gerade bei Gesundheitsdaten lukrativ, aber meist nicht im Sinne des Anwenders. Prinzipiell gilt das deutsche Datenschutzrecht auch für ausländische Unternehmen, die Apps auf dem deutschen Markt anbieten, doch bei Verstößen hat man häufig wenig Handhaben.

Selbst wenn sensible Daten nicht weitergegeben werden, werden sie oft nicht sicher verschlüsselt und liegen damit für den Zugriff durch Dritte offen. Zugriffe und Berechtigungen der App selbst sind ein weiteres Problemfeld: Manche App verlangt etwa unnötigerweise vollen Zugriff auf E-Mail, Kontakte oder Kamera des Smartphones oder liest die Daten anderer Anwendungen aus. Nach wie vor vielfach unterschätzt wird die Aussagekraft von Metadaten. Wer seine täglich zurückgelegten Geh- und Laufstrecken mit einer Fitness-App trackt, erstellt etwa ganz nebenbei ein detailliertes Bewegungsprofil, aus dem sich persönliche Gewohnheiten und Vorlieben ableiten lassen.

Auf Nummer sicher: Prüfen Sie vor der Installation, wie die App mit Daten umgeht, schalten Sie Berechtigungen bewusst frei, wählen Sie restriktive Einstellungen – und installieren Sie die App bei Zweifeln lieber nicht.

Ihre digitale Gesundheits-Assistentin
Mit Vivy ma­na­gen Sie Ihre Gesundheitsdaten wie La­bor­werte, Medikationspläne, Notfalldaten oder Impfungen ganz einfach und sicher. Als persönliche digitale Ge­sund­heits­as­sis­ten­tin unterstützt Vivy Sie täglich in Ih­rem Alltag: Lassen Sie sich zum Beispiel an Arzttermine oder Vorsorge­un­ter­su­chun­gen erinnern oder erhalten Sie Hin­wei­se zu Wechselwirkungen von Me­di­ka­men­ten und vieles mehr. Über Vivy erhalten Sie auch Tipps zu den Themen Gesundheit, Bewegung und Ernährung.
Bewertung anhand von Kriterien

Einen schnellen Überblick, ob eine App eher vertrauenswürdig ist oder nicht, erlaubt der vom App-Bewertungsportal HealthOn entwickelte Ehrenkodex für Gesundheits-Apps. Er bewertet Apps anhand von sieben Kriterien:

  • Die App gibt ihre Datenquellen und die Aktualität ihrer Informationen an.
  • Die Autoren der App sind fachlich qualifiziert.
  • Die Anbieter der App erläutern ihre Datenschutzrichtlinien.
  • Die App enthält einen Hinweis zu ihrer Werbepolitik.
  • Die App legt alle ihre Finanzierungsquellen offen.
  • Die App bietet eine Kontaktmöglichkeit zu einem Ansprechpartner, an den man sich mit Fragen zu gesundheitsbezogenen Informationen der App wenden kann.
  • Die App besitzt ein schnell auffindbares Impressum, das auch die in diese Liste aufgeführten Informationen enthält.

Bei den von ihm getesteten Apps zeigt das Portal über eine Reihe von Symbolen neben der Beschreibung auf einen Blick, welche Kriterien erfüllt sind und welche nicht. Ein zusätzliches Gütesiegel zeigt an, dass alle Kriterien erfüllt sind.

Liste der Prüfkriterien
Eine gute Gesundheits-App muss nicht nur die entsprechenden Qualitätskriterien erfüllen, sondern auch Ihren Bedürfnissen entgegenkommen. Die beste App ist sinnlos, wenn Sie nicht nutzen, weil Sie mit ihrer Bedienung nicht zurechtkommen oder weil Sie sich mit ihr nicht wohlfühlen. Prüfen Sie deshalb vor der Entscheidung:
  • Funktionen

    Passt das, was die App bietet, zu den Zielen, die Sie mit ihr erreichen wollen? Sind die Funktionen übersichtlich aufgeführt und nachvollziehbar beschrieben? Im Idealfall enthält die Beschreibung im App-Store bereits die wesentlichen Angaben und verlinkt zu weiterführenden verlässlichen Informationsquellen.

    Ansonsten sollten Sie nach zusätzlichen Angaben auf der Website des Anbieters sowie nach Testberichten von vertrauenswürdigen Stellen suchen.

  • Nutzbarkeit

    • Gibt es die App für das Betriebssystem Ihres Smartphones oder Tablets?
    • Gibt es die App in ihrer Muttersprache, oder in einer Sprache, die Sie gut genug verstehen, um die App nutzen zu können?
    • Berücksichtigt die App nationale Besonderheiten, etwa bei Impfungen oder Vorsorgeuntersuchungen?
    • Können Sie die App auch offline nutzen, oder muss immer eine Verbindung zum Internet bestehen?
  • Kosten

    • Erhalten Sie einen Überblick über offene und verdeckte Kosten?
    • Ist eine kostenpflichtige App für einen einmaligen Betrag erhältlich, oder schließen Sie stattdessen oder zusätzlich ein fortlaufendes Abonnement ab?
    • Ist eine Gratis-App komplett kostenlos, oder lassen sich wichtige bzw. nützliche Funktionen nur gegen Geld freischalten? Oder ist die App nur während einer Schnupperphase gratis?
    • Wie finanziert sich die kostenlose App? Wird Werbung eingeblendet? Nehmen Werbekunden womöglich Einfluss auf die Inhalte?
  • Qualität

    • Ist die App von unabhängigen Stellen geprüft oder zertifiziert? Wichtig: Alle Apps, die sich direkt zur Diagnose einsetzen lassen oder medizinische Messwerte wie Blutdruckdaten eals Grundlage für Behandlungen erfassen und auswerten, müssen in Deutschland als Medizinprodukte zertifiziert sein und ein CE-Kennzeichen besitzen.
    • Ist der Entwickler und/oder Anbieter seriös und fachlich kompetent?
    • Entsprechen die Inhalte dem aktuellen Stand der Medizin, sind sie überprüfbar bzw. durch Quellen belegt?
    • Werden Sponsoren o. ä. offengelegt?
    • Wird die App regelmäßig – technisch und inhaltlich – aktualisiert?
    • Gibt es eine Feedback-Möglichkeit, damit Nutzererfahrungen in die Weiterentwicklung einfließen können?
  • Gesundheitsrisiko

    Wägen Sie ab, ob die Informationen und Funktionen einer App für Sie zum Gesundheitsrisiko werden können. Eine App, die etwa anhand von zehn Fragen ihre psychische Gesundheit evaluieren will, birgt ebenso die Gefahr einer belastenden Fehldiagnose wie eine App, die die Hautkrebserkennung per Smartphone-Kamera anbietet und ständig Krebsverdacht meldet.

    Je gesundheitsrelevanter und tiefgreifender die Funktionen einer App sind, desto höher ist das Risiko. Treffen Sie Entscheidungen nicht allein auf Basis der Empfehlungen einer App – fragen Sie immer Ihren Arzt!

    Ein Haftungsausschluss im Kleingedruckten à la „Diese App dient rein der Information und ist nicht für Diagnose und Therapie gedacht.“ sollte ein Warnsignal sein, wenn genau solche Funktionen angeboten werden.

  • Datenschutz

    In Deutschland unterliegen gesundheitsbezogene Daten besonderem rechtlichen Schutz. Auch Gesundheits-Apps müssen die Anforderungen des Bundesdatenschutzgesetzes wie die Absicherung gegen den Zugriff durch Dritte erfüllen. Die App muss deshalb etwa solche Daten verschlüsselt speichern und mit Passwort und Login schützen. Auch die Datenübertragung – etwa zu einem Arzt – darf nur über eine gesicherte, verschlüsselte Verbindung erfolgen.

    Für die Erhebung und Weitergabe der Daten muss jeder Beteiligte – der Anbieter ebenso wie weitere Stellen – Ihr explizites Einverständnis einholen. Vorsicht vor Generalklauseln in den Nutzungsbedingungen der App!

    Achtung: Wenn die App Daten in die Cloud auslagert, bestehen zahlreiche Zugriffsmöglichkeiten durch Dritte.

    Achtung: Der Zugriff über Social-Media-Logins wie Facebook- oder Google-Konto ist zwar schnell und bequem, erlaubt aber vielfältige Verknüpfungen Ihrer Gesundheitsdaten mit anderen Daten.

Bilder: Seriöse Apps - goodluz/Fotolia; Vivy - Allianz