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Nasenspray: Hilfe und Risiko

Bei Erkältungen und Allergien lindern Nasensprays Atemprobleme. Aber wer die kleinen Helfer zu intensiv nutzt, kann bald nicht mehr darauf verzichten.

In Kürze
Wirksamer Helfer
Bei bestimmten infektiösen Erkrankungen sind Nasensprays sinnvoll. Sie erleichtern das Atmen und können helfen, dass eine Nasennebenhöhlenentzündung oder Mittelohrentzündung schneller abklingt.
Große Vielfalt
Prinzipiell lassen sich die Nasensprays unterscheiden in abschwellende Sprays, Salzwassersprays, Nasensprays mit mit Kortikoiden sowie antiallergische Sprays mit Cromoglicinsäure und mit Antihistaminika.
Abhängigkeit droht
Bei längerer Anwendung verkehrt sich der Effekt von Nasenspray ins Gegenteil: Die Nasenschleimhaut gewöhnt sich daran und schwillt sofort wieder an, sobald dessen Wirkung nachlässt.
Nasenspray hilft bei verstopfter Nase, kann aber auch schnell süchtig machen.
Riskante Erleichterung
Nasenspray hilft bei verstopfter Nase, kann aber auch schnell süchtig machen.
Ist die Nase verstopft, fällt vielen das Atmen schwer – besonders beim Schlafen. Für eine ungestörte Nachtruhe sprüht sich jeder Vierte Schnupfenmittel in die Nase. Doch Nasenspray ist nicht gleich Nasenspray: Manche Sprays können die Schleimhäute schädigen und sogar süchtig machen. Sie sollten deshalb einige Vorsichtsregeln beachten.
Nasenzyklus aus dem Takt

Die Nase ist nicht nur zum Riechen da, sondern bereitet zum Schutz der Lunge die Atemluft auf. Die Nasenschleimhäute filtern Staub heraus, befeuchten und temperieren die Luft. Ist die Luft besonders trocken oder kalt, schwellen die Schleimhäute an. Dadurch bremst der Luftstrom ab und wird effektiver befeuchtet und erwärmt. Das geht so weit, dass die Nase läuft.

Aber auch unter optimalen Bedingungen schwillt die Nasenschleimhaut einseitig und abwechselnd für wenige Stunden an. Dieses Phänomen nennt sich Nasenzyklus und führt dazu, dass vier von fünf Menschen überwiegend durch ein Nasenloch atmen. Zweck der Schwellung: Die geschwollene Seite wird mit Nährstoffen gepäppelt und regeneriert.

Krankheitserreger wie Erkältungsviren, Allergene wie Pollen oder Reizstoffe wie Rauchgas können die Schleimhaut so stark reizen, dass sich diese entzündet und anschwillt. Die Folge ist Schnupfen.

Rohr frei bei Gefahr: In Gefahrensituationen schüttet der Körper vermehrt Adrenalin ins Blut aus: Das Stresshormon lässt die Nasenschleimhäute abschwellen, was eine optimale Sauerstoffzufuhr für Flucht und Kampf gewährleistet.

Schnelle Erleichterung

Bei bestimmten infektiösen Erkrankungen sind Nasensprays durchaus sinnvoll. Sie erleichtern nicht nur das Atmen und damit den Schlaf, sondern können dabei helfen, dass eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) oder Mittelohrentzündung (Otitis) schneller abklingt: Bei halbwegs freier Nase kann der infektiöse Schleim besser nach unten ablaufen.

Da Nasensprays als Arzneimittel auch Nebenwirkungen haben können, ist die Wahl des Präparats und die richtige Anwendung entscheidend.

Achtung: Wer abschwellende Nasensprays oder -tropfen über Wochen missbraucht, kann die Schleim­haut der Nase dauerhaft schädigen. Im Extremfall bleibt nur ein faulig riechender Schorf übrig, Stinknase genannt.

Große Vielfalt

Die Vielfalt der erhältlichen Nasensprays ist für Verbraucher unübersichtlich. Prinzipiell lassen sich die Schnupfensprays in sechs Typen unterscheiden:

  • abschwellende Nasensprays: Diese enthalten ein so genanntes Sympathomimetikum z. B. Xylometazolin, Oxymetazolin, Naphazolin, Tetryzolin, Tramazolin, Phenylephrin oder Pseudoephedrin, das die Blutgefäße der Nasenschleimhaut verengt und dadurch abschwellen lässt. Derartige Sprays dürfen Sie nicht länger als fünf bis sieben Tage anwenden – ansonsten drohen gesundheitliche Schäden (siehe unten).
  • Präparate mit Salzwasser/Meerwasser: Die Kochsalzlösung spült den Schleim weg und befeuchtet die Schleimhaut, was die Beschwerden etwas lindert.
  • homöopathische Mittel: Bei homöopathischen Nasensprays wie Luffa-Nasenspray ist die Wirkung identisch mit der von Salzwasser- und Meerwasser-Nasensprays.
  • Nasensprays mit Kortikoiden: Diese sind verschreibungspflichtig und wirken gegen allergischen Schnupfen wie Heuschnupfen. Kortison hemmt jedoch das Immunsystem, wodurch Pilze und Bakterien leichter die Schleimhaut besiedeln können.
  • Nasensprays mit Cromoglicinsäure: Diese helfen gegen allergischen Schnupfen und sind nur in Apotheken erhältlich.
  • Nasensprays mit Antihistaminika: ebenfalls antiallergisch und apothekenpflichtig.

Achtung: Die beiden letzteren Spraytypen sind ausschließlich gegen allergischen Schnupfen (Rhinitis allergica) gedacht.

Kinder brauchen eigene Nasensprays: Für Kinder, Kleinkinder und Säuglinge gibt es eigens dosierte Nasensprays. Ein Sym­pa­to­mi­me­ti­kum für Erwachsene kann bei einem Säugling Herz- und Atemfrequenz soweit senken, dass dieser ins Koma fällt.

Nebenwirkungen möglich

Viele Nasensprays oder -tropfen enthalten das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid. Dieses kann die Flimmerhärchen der Nasenschleimhaut funktional beeinträchtigen, sodass Fremdstoffe aus der Nase erschwert abtransportiert werden. Hierdurch sind bei häufiger Anwendung Schleimhautschäden möglich. Achten Sie deshalb beim Kauf darauf, dass das Präparat kein Benzalkoniumchlorid enthält.

Beachten Sie bitte, dass konservierungsmittelfreie Nasentropfen und -sprays im Kühlschrank aufbewahrt werden sollten und in der Regel nur eine Woche halten. Danach sind sie mit Keimen belastet und schaden den Nasenschleimhäuten mehr als sie nutzen

Nicht zu lange benutzen

Verwenden Sie abschwellende Nasensprays mit Bedacht. Die darin enthaltenen Sympathomimetika lassen zwar die Schleimhäute abschwellen und erleichtern so die Nasenatmung. Bei längerer Anwendung verkehrt sich der Effekt allerdings ins Gegenteil.

Binnen weniger Wochen gewöhnt sich die Schleimhaut an das Arzneimittel und schwillt sofort wieder an, sobald dessen Wirkung abklingt. Verwenden Sie derartige Präparate länger als eine Woche, müssen Sie schnell mehrmals täglich sprühen, um die Nase frei zu halten. Es entsteht ein medikamentös bedingter Schnupfen, die sog. Rhinitis medicamentosa.

Strategie gegen Abhängigkeit: Reduzieren Sie die Dosis über ein bis zwei Wochen: Steigen Sie erst auf Kinder-Nasenspray und dann schrittweise auf Salzwasser um. Sie können auch erst ein Nasenloch entwöhnen und dann das zweite.

Beipackzettel beachten!

Bei Schwangeren schwellen die Nasenschleimhäute aufgrund des veränderten Hormonhaushalts besonders leicht an. Die gefäßverengenden Wirkstoffe in vielen Nasensprays können jedoch die Blutversorgung des Ungeborenen beeinträchtigen. Deshalb sind viele Nasensprays nur unter Einschränkungen für Schwangere zugelassen.

Weisen Sie beim Kauf eines Nasensprays unbedingt Ihren Apotheker darauf hin, wenn das Mittel für eine Schwangere bestimmt ist. Außerdem sollten Sie den Beipackzettel aufmerksam lesen.

Für Schwangere sind nur konservierungsmittelfreie Meerwassersprays uneingeschränkt zu empfehlen. Bei erkältungsbedingtem Schnupfen können zudem natürliche Hausmittel Linderung verschaffen.

Bilder: Nasenspray - SunKids/Shutterstock; Frei durchatmen - mangostock/Shutterstock