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Übung macht den Meister

Sinne schärfen

Nach der Geburt lernen Kinder erst nach und nach, Sinneseindrücke zu bewerten. Sie können Ihren Nachwuchs gezielt fördern und auch als Erwachsener Ihre Sinne nachschärfen.

In Kürze
Frühstart
Bei der Geburt sind bis auf das Sehvermögen alle Sinnesorgane fertig entwickelt. Babys und Kinder lernen jedoch erst nach und nach, Sinneseindrücke zu bewerten.
Schon vor der Geburt
Die Sinnesorgane reifen in der Schwangerschaft nach und nach heran. Ungeborene nehmen unbewusst Sinneseindrücke aus dem Mutterleib und der Umgebung wahr.
Sechster und siebter Sinn
Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Fühlen: Jeder kennt die fünf Sinne. In der klassischen Aufzählung fehlen allerdings noch Gleichgewichtssinn und Tiefensensibilität.
Spielerisch trainieren
Das beste Training für Sinnesverarbeitung und Konzentrationsfähigkeit ist es, gezielt einzelne Sinne zu beanspruchen oder zu blockieren. Kinder lassen sich leicht für entsprechende Spiele begeistern. 
Gezielte Förderung
Bei der Geburt sind bis auf das Sehvermögen alle Sinnesorgane fertig entwickelt. Babys und Kinder lernen jedoch erst nach und nach, Sinneseindrücke zu bewerten und angemessen darauf zu reagieren. Sie können Ihren Nachwuchs hier gezielt fördern und auch als Erwachsener Ihre Sinne nachschärfen.
Beginn schon im Mutterleib

Die Sinnesorgane reifen bereits in den ersten Schwangerschaftsmonaten heran, sodass Ungeborene unbewusst Sinneseindrücke aus dem Mutterleib und der mütterlichen Umgebung wahrnehmen:

  • Ab der 12. Schwangerschaftswoche schluckt der Fötus erstmals Fruchtwasser und nimmt so seinen ersten Geruch- und Geschmacksreiz wahr. Der Geschmacksinn des Fötus funktioniert schon ab der 14. Schwangerschaftswoche wie beim Erwachsenen. Bei der Geburt besitzen Babys doppelt so viele Geschmacksknospen wie Erwachsene und sind in punkto Schmecken den Großen weit überlegen. Der Geruchsinn ist so ausgeprägt, dass sie den Geruch der Muttermilch wahrnehmen.
  • Die ersten Geräusche (Herztöne, Verdauungsgeräusche der Mutter etc.) registriert das Ungeborene etwa ab der 16. Woche. Der Hörsinn ist in der 23. und 24. Schwangerschaftswoche so weit entwickelt, dass der Fötus differenziert auf verschiedene Hörreize reagiert. Beispielsweise lassen ihn laute Geräusche zusammenzucken. Frühchen können ab der 28. Woche männliche und weibliche Stimmen unterscheiden. Das Gehör funktioniert nach der Geburt so gut wie bei Erwachsenen – zumindest, sobald das ganze Fruchtwasser aus den Gehörgängen verschwunden ist.
  • Ab der 12. Schwangerschaftswoche sind die Nervenbahnen ausreichend entwickelt. Nun kann sich der Fötus bewegen und erste Sinneseindrücke aus den Muskeln und Gelenken erfahren. Mit der Geburt ist die Tiefensensibilität zwar voll entwickelt, die Feinmotorik hat aber noch eine jahrelange Entwicklungszeit vor sich.
  • Das Sehen braucht die längste Entwicklungszeit. Ab der 13. Woche reagiert der Fötus auf Hell-Dunkel-Veränderungen. Bei der Geburt sieht das Neugeborene nur in etwa 25 Zentimeter Nähe halbwegs scharf. Erst ab dem 2. Lebensjahr ist die Sehschärfe so ausgereift wie bei einem Erwachsenen. Die Entwicklung des räumlichen Sehens ist erst ab dem sechsten Lebensjahr abgeschlossen.
  • Das Gleichgewichtsorgan entwickelt sich im Embryo zwischen der 6. und 10. Schwangerschaftswoche.
  • Etwa ab der 17. Schwangerschaftswoche tastet der Fötus nach der Nabelschnur und greift diese. Der Tastsinn ist bei der Geburt ausgereift und im Mund weit stärker ausgeprägt als nach der Säuglingsphase. In den ersten Lebensmonaten liefert der Tastsinn den interessantesten Input für den Säugling.

Nicht verpassen

Ob die Entwicklung Ihres Kindes normal verläuft, kann der Kinder- und Jugendarzt beurteilen. Noch übernehmen nicht alle gesetzlichen Krankenkassen die zusätzlichen Untersuchungen U10, U11 und J2.

Eindrücke auf vielen Kanälen
  • Riechen

    Geübte Nasen können über 10.000 Gerüche unterscheiden. Entsprechend wichtig ist der Riechkolben für Genießer, denn die Zunge allein liefert nur spärliche kulinarische Informationen.
  • Schmecken

    Der Geschmacksinn in Mund und Rachen kann zumindest sechs Geschmacksqualitäten unterscheiden: süß, salzig, bitter, sauer, fettig und umami (dt. „lecker“). Aktuelle Studien weisen zudem darauf hin, dass die menschliche Zunge unter Umständen noch weitere Geschmackseindrücke unterscheiden kann.
  • Sehen

    Das Auge arbeitet wie eine analoge Kamera mit Blende (Iris), Linsensystem (Hornhaut, Linse, Glaskörper) und Film (Netzhaut). In der Netzhaut sitzen spezialisierte Sinneszellen die Helligkeit (Stäbchen) oder Farbe (Zapfen) wahrnehmen. Der Mensch hat hierbei drei verschiedene Typen von Zapfen, die unterschiedlich empfindlich auf Licht bestimmter Wellenlänge reagieren. So lassen sich Milliarden unterschiedlicher Farbeneindrücke wahrnehmen. Die Bildeindrücke beider Augen verarbeitet das Gehirn zu einem dreidimensionalen Bild.
  • Hören

    Dieser Sinn ist essenziell für die Sprachentwicklung, da das Kind sich selbst und Bezugspersonen hören können muss, um Sprechen zu lernen. Mit zwei normal entwickelten Ohren kann ein Mensch nicht nur Geräusche wahrnehmen, sondern auch deren Quelle orten.
  • Gleichgewichtssinn

    Neben zwei Augen und zwei Ohren verfügt der Mensch auch über zwei Gleichgewichtsorgane (Vestibularorgane), die im Innenohr liegen. Sie erfassen Dreh- und Linearbeschleunigung des Kopfes. Um das Gleichgewicht zu halten, benötigt das Gehirn aber noch weitere Sinneseindrücke, um den restlichen Körper zu orientieren – und zwar von den Sinnesorganen der Tiefensensibilität.
  • Tiefensensibilität (Propriozeption)

    Dass Sie auch bei geschlossenen Augen wissen, wo ihre Arme und Beine stehen, verdanken Sie Sinnesorganen in Gelenken und Muskeln. Sie erfassen die Stellung der Gelenke, den Spannungszustand des Muskels und die Bewegung der Gliedmaßen.
  • Tastsinn (Oberflächensensibilität)

    Das größte Organ, die Haut, enthält zahlreiche unterschiedliche Sinnesrezeptoren, die auf Berührung, Vibration, Druck, Kälte, Wärme und Schmerzreize (thermisch, chemisch, mechanisch, elektrisch) reagieren. Besonders viele Rezeptoren finden sich an empfindlichen Körperstellen wie Fingerspitzen, Lippen und Schleimhäuten.
Positive Anregungen

Als Eltern können Sie ab dem ersten Atemzug Ihres Kindes damit beginnen, dessen Sinne zu schärfen. Praktischerweise fördert dies nicht nur die Sinnesentwicklung, sondern auch die gesamte geistige und körperliche Entwicklung.

  • In den ersten Lebensmonaten heißt das oberste Gebot: Viel kuscheln! Für Neugeborene und Säuglinge ist enger Hautkontakt mit ihrer Bezugsperson unverzichtbar für eine emotionale Bindung und gesunde Entwicklung.
  • Sobald Ihr Baby halbwegs sicher aufrecht sitzen kann, setzen Sie es auf eine Decke und ziehen Sie es so langsam über den Boden. Das fördert Gleichgewichtssinn und Tiefensensibilität.
Training mit Spaßfaktor

Mit zunehmendem Alter wächst das Repertoire an Möglichkeiten. Am besten trainieren Sie die Sinnesverarbeitung und Konzentrationsfähigkeit, indem Sie gezielt einzelne Sinne beanspruchen oder blockieren, z. B. die Augen verbinden. Praktischerweise lassen sich Kinder leicht für entsprechende Spiele begeistern – vorausgesetzt, die Atmosphäre ist entspannt, und Sie geizen nicht mit Aufmerksamkeit und Lob.

Diese Spiele helfen außerdem, Ängste der Kinder (z. B. Angst vor Dunkelheit) abzubauen und stärken die Eltern-Kind-Bindung:

  • Das bekannte Kalt-Heiß-Suchspiel ist gut für Kleinkinder geeignet. Es schärft das Zusammenspiel von Sehen und Gehör und verbessert das räumliche Vorstellungsvermögen.
  • Gegenstände blind ertasten: gut für Fingerspitzengefühl und Vorstellungsvermögen.
  • Obst und Gemüse mit verbundenen Augen raten – nur mithilfe des Tast-, Geschmack- oder Geruchsinns. Positiver Nebeneffekt: So manches heikle Kind lässt sich auf diesem Wege für abwechslungsreichere Kost begeistern.
  • Das Zusammenspiel von Sehen und Motorik lässt sich beim Spiegelspiel verbessern: Ein Elternteil stellt sich in eine beliebige Pose, und das Kleinkind oder Kind soll diese möglichst getreu nachstellen. Sie können den Schwierigkeitsgrad beliebig steigern, indem die Kleinen statt einfachen Posen direkt Bewegungen nachahmen.
  • Fangspiele mit verbundenen Augen wie „Blinde Kuh“ trainieren Gehör, Gleichgewichtsinn und Körpergefühl. Kinder im Vorschulalter sollten dies aber nur unter Aufsicht und im Garten spielen.
  • Rückwärts gehen. Sobald Ihr Nachwuchs sicher geradeaus gehen kann, sollten Sie ihn auch rückwärtsgehen beibringen. Das ist eine wichtige Bewegungserfahrung, die die Koordination deutlich verbessert.
  • Raus in die Natur. Neue Erfahrungen und Sinneseindrücke sammeln Kinder idealerweise in der Natur, etwa beim Wandern oder auf einer Radtour. Besonders spannende Bilder, Geräusche, Gerüche und Greifbares bieten Streichelzoos und Barfußpfade.
Bild: Shots Studio/Shutterstock