Mobbing bei Kindern und Jugendlichen
Wenn montags die Schulwoche beginnt, haben viele Kinder und Jugendliche Angst. Der Grund: Sie werden von anderen ausgegrenzt, gedemütigt oder gequält. Mobbing unter Kindern und Jugendlichen hat dramatische Folgen, viele Opfer leiden über Jahre. Die Folgen von Mobbing im Netz und im realen Leben können dramatisch sein, zum Opfer kann dabei jedes Kind werden. Mobbingopfer können sich in der Regel nicht selbst helfen und brauchen Unterstützung von Erwachsenen. Deshalb ist es für Eltern wichtig, auf Warnsignale zu achten. Wer sein Kind schützen will, sollte genau hinschauen und überlegt handeln.
Leid mit Langzeitfolgen
Meist passiert es in der Schule, und viele Opfer leiden über Jahre. Sie werden geschlagen oder gehänselt, Sachen verschwinden oder böse Gerüchte machen die Runde. Mobbing hat es vermutlich schon immer gegeben. Verhältnismäßig neu ist der Begriff. Abgeleitet vom englischen to mob (anpöbeln, fertigmachen) wird er von Psychologen für das systematische Schikanieren und Ausgrenzen einer Person verwendet.
Von Mobbing betroffen sind mehr als 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland (Quelle: Umfrage der Techniker Krankenkasse, 2024). Um zu verhindern, dass der eigene Nachwuchs Täter, Opfer oder schweigender Mitläufer wird, sollten Eltern mit ihren Kindern deshalb frühzeitig über Mobbing sprechen.
Doch wo hört eine harmlose Rangelei auf und wo fängt Mobbing an? "Von Mobbing spricht man, wenn eine Person über einen längeren Zeitraum von einem oder mehreren anderen angegriffen, verletzt, schikaniert, gemieden oder lächerlich gemacht wird", definiert der schwedische Psychologe und Pionier der Mobbing-Forschung Dan Olweus in seinem Buch "Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten – und tun können."
Die Folgen von Mobbing im Netz und im realen Leben können dramatisch sein. Die Opfer verlieren ihr Selbstwertgefühl, leiden unter Angstzuständen, Depressionen, Schlaf- oder Essstörungen. Manche nehmen sich sogar das Leben.
Wie die Gewalt entsteht
Zum Mobbingopfer können Kinder aus den unterschiedlichsten Gründen werden, das betroffene Kind selbst ist aber niemals die Ursache. Stattdessen spielen oft äußere Merkmale, "Anderssein", besondere Leistungen oder auffälliges Verhalten eine Rolle.
Den typischen Täter gibt es ebenfalls nur bedingt. Oft handelt es sich um Kinder, die gerne im Mittelpunkt stehen und sich durch ihre Taten Aufmerksamkeit erhoffen. In vielen Fällen schart ein Haupttäter mehrere Mittäter um sich. Andere werden zu Mitläufern, die Mehrheit schweigt und schaut weg.
In einer ersten Phase testet der Täter die Reaktion des Opfers und des Umfelds aus. Gelingt es dem Kind nicht, sich zu wehren, und erntet der Mobber vielleicht sogar Anerkennung, entsteht schnell eine Spirale der Gewalt. In der Klasse gilt es dann bald als normal, das Opfer zu quälen. Und wer in der Klassenhierarchie aufsteigen will, macht mit.
Im Grundschulalter kommt es überwiegend zu verbaler und körperlicher Gewalt, später verlagert sich das Mobbing zusätzlich ins Internet. Diffamierende Nachrichten, Videos, gefälschte Bilder oder Lästereien verbreiten sich rasant und erreichen ein großes Publikum.
Innerhalb der sozialen Medien sinkt zudem die Hemmschwelle der Täter: Beleidigende Inhalte sind schnell veröffentlicht und die Täter rechnen nicht mit juristischen Konsequenzen. Viele Plattformen bieten jedoch inzwischen Melde- und Beschwerdeverfahren zur Entfernung solcher Beiträge an.
Mobbing kann dem Täter eine Machtposition verschaffen und seine Rolle innerhalb der Gruppe stärken. Dies funktioniert allerdings nur, wenn sein Verhalten von Mittätern unterstützt und von der Mehrheit geduldet wird.
Warnsignale erkennen
Mobbingopfer können sich in der Regel nicht selbst helfen und brauchen Unterstützung von Erwachsenen. Das Problem: Oft vertrauen sie sich niemandem an.
Deshalb ist es für Eltern wichtig, auf Warnsignale zu achten. Das können nicht erklärbare blaue Flecken sein sowie zerstörte oder verschwundene Sachen. Eltern, Erzieher und Bezugspersonen sollten auch aufmerksam werden, wenn ein Kind nicht mehr eingeladen wird, sich zurückzieht oder nicht zur Schule gehen will.
Mobbingopfer
- wollen nicht mehr in die Schule gehen.
- erfinden Ausreden.
- erzählen nicht mehr von ihrem Tag.
- sinken in ihren Leistungen ab.
- haben oft Bauch- oder Kopfschmerzen.
- sind still und ziehen sich zurück.
Wenn mehrere dieser Merkmale auf Ihr Kind zutreffen, wird es möglicherweise gemobbt. Dann sollten Sie signalisieren: Ich bin für dich da. Eltern sollten also ihr Kind ermutigen, offen über seine Gefühle und Probleme zu sprechen. Und sie sollten ihrem Kind klar machen, dass es keine Mitschuld an den Mobbing-Attacken trägt.
In schweren Fällen kann Mobbing das Risiko für suizidales Verhalten erhöhen. Mögliche Warnzeichen können sozialer Rückzug, Hoffnungslosigkeit, selbstverletzendes Verhalten, starke Verhaltensänderungen oder Äußerungen über Todeswünsche sein. Sie sollten stets ernst genommen und fachlich abgeklärt werden.
So können Eltern helfen
Hat sich der Verdacht auf Mobbing bestätigt, sollten Eltern ihr Kind unterstützen. Wichtig ist, gemeinsam zu planen und nichts über den Kopf des Kindes hinweg zu unternehmen.
- In einem frühen Stadium kann es ausreichen, bestimmte Situationen zu üben: So lassen sich selbstbewusste Antworten auf Hänseleien überlegen oder besprechen, wen das Kind um Hilfe bitten könnte.
- Führen Sie Protokoll über Mobbing-Situationen und halten Sie Cyber-Mobbing in Form von Screenshots fest. Dies sind wichtige Beweismittel.
- Bei Mobbing in der Schule sollten Eltern auch die Schule informieren. Erste Ansprechpartner sind Klassenlehrer, Schulleiter oder Schulpsychologen. Diese können mit den Schülern über die Situation sprechen oder in der Klasse einen gewaltfreien Verhaltenskodex vereinbaren.
- Sind alle Mittel ausgeschöpft, können Eltern über eine Anzeige nachdenken. Dabei ist aber zu beachten, dass Kinder unter 14 Jahren in Deutschland nicht strafmündig sind. Eine Anzeige kann dennoch zur Dokumentation des Vorfalls sinnvoll sein; wichtiger sind häufig schulische und jugendhilferechtliche Maßnahmen.
Hilfreich (und völlig kostenlos, sowohl für Kinder/Jugendliche als auch für Erziehende): die Nummer gegen Kummer
Ebenfalls hilfreich: Unsere Gesundheitsservices für Familien mit Kindern und Jugendlichen
Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen. Wir unterstützen Sie gerne in allen Themen rund um die richtige Vorsorge und den für Sie geeigneten Versicherungsschutz. Sprechen Sie uns noch heute an.