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Leiden wegen Facebook & Co.

Krank durch Technik

Smartphone und Tablet sind verantwortlich für neue Krankheitsbilder wie SMS-Daumen und Smartphone-Nacken – und erhöhen zudem die Unfallgefahr für ihre Nutzer.

In Kürze
Neue Risiken
Smartphone und Social-Media-Apps führen zu neuen Gesundheitsrisiken: Erhöhte Unfallgefahr, Muskelschmerzen, Gelenkverschleiß, aber auch die Folgen von Bewegugsmangel.
Schlafkiller
Viele Menschen nehmen ihr Smartphone oder Tablet mit ins Bett, sei es zum Videoschauen oder für Facebook & Co. Dies führt fast zwangsweise zu einem gestörten Schlaf.
Moderne Krankheitsbilder
Jedes Gerät und jede Anwendung können spezifische Symptome verursachen: Handy-Nacken und iPad-Schulter, SMS-Daumen und Mausarm. Dazu kommt das Infektionsrisiko, weil sich auf vielen Geräten Keime tummeln.
Apps & Co. können auch neue Krankheitsbilder verursachen.
Mobile Krankheitsbilder
Apps & Co. können auch neue Krankheitsbilder verursachen.
Vor zehn Jahren musste man sich seine Nackenschmerzen und Haltungsschäden noch am PC erarbeiten. Dank Smartphone und Tablet geht das jetzt auch mobil. Das Ergebnis sind neue Krankheitsbilder wie Smartphone-Nacken und SMS-Daumen.
Katalog der Leiden

Der aufrechte Gang des Homo sapiens scheint passé: Wer sich auf Schulhöfen und in öffentlichen Verkehrsmitteln umsieht, erblickt Jung und Alt mit gebeugtem Haupt auf einen kleinen Bildschirm starren und Textnachrichten tippen. Das veränderte Kommunikationsverhalten führt dabei zu neuen Gesundheitsrisiken, die erst langsam in das öffentliche Bewusstsein dringen.

Erhöhtes Unfallrisiko im Straßenverkehr

Immer häufiger sind auch Fußgänger in Verkehrsunfälle verwickelt, weil sie ins Handy vertieft rote Ampeln missachten oder herannahende Fahrzeuge überhören. Zwar gibt es noch keine belastbaren Unfallstatistiken, aber die deutsche Verkehrswacht fordert eine Aufklärungskampagne für Handynutzer.

Wie 0,8 Promille: Laut Verkehrsforscher Michael Schreckenberg wirkt sich die Bedienung eines Smartphones am Steuer ähnlich aus wie 0,8 Promille Blutalkohol. Beim Texten schwindet die Aufmerksamkeit zudem für Sekunden fast vollständig.

Muskelschmerzen und Gelenkverschleiß

Im Mittel beschäftigen sich Handy- und Tabletnutzer zwei bis vier Stunden am Tag mit ihrem Mobilgerät. Je nach Nutzungsverhalten belastet dies insbesondere Nackenmuskulatur, Schulter und Daumengelenke. Orthopäden und Chirurgen nennen die neuen Krankheitsbilder daher Handy-Nacken, iPad-Schulter und SMS-Daumen.

Zunehmender Bewegungsmangel

Computer, Spielekonsole und Fernseher tragen bereits reichlich dazu bei, dass Jung und Alt sich wenig bewegen. Handys und Tablets verleiten insbesondere Kinder und Jugendliche dazu, auch außerhalb des Kinderzimmers Bewegungspausen einzulegen. Der Bewegungsmangel führt dazu, dass immer mehr Kinder wichtige grob- und feinmotorische Fähigkeiten erst spät und oder gar nicht erlernen, z. B. Schwimmen. Die Folge sind ein erhöhtes Risiko für Freizeitunfälle und Übergewicht.

Aus dem Rhythmus

Viele Menschen nehmen ihr Smartphone oder Tablet mit ins Bett. Sei es, um noch Facebook und Twitter zu checken oder ein paar Youtube-Videos anzugucken. Dies führt fast zwangsweise zu einem gestörten Schlaf.

Zum einen emittieren die Displays von Mobilgeräten blaues Licht, das über die Netzhaut die Ausschüttung des Hormons Melatonin unterdrückt. Melatonin ist jedoch an der Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus beteiligt. Ein geringer Melatoninspiegel kann zu Schlafstörungen führen. Sie sollten daher bei neueren Mobilgeräte abends immer den Nachtmodus mit reduziertem Blaulicht aktivieren.

Nachrichten tippen und Lieblingsserie gucken hält aber ebenfalls wach. Deshalb sollten Sie auch mit Nachtmodus spätestens eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen das Handy abschalten.

Abschalten verhindert außerdem, dass Sie durch eintrudelnde Nachrichten oder Anrufe vorzeitig geweckt werden. Falls Sie Ihr Handy als Wecker nutzen, sollte es zumindest über einen Nicht-stören-Modus verfügen, der bis zum Wecken Nachrichten, Signale und Anrufe blockt.

Beziehungskiller Smartphone: Handys helfen dabei, mit geliebten Menschen in Kontakt zu bleiben. Übermäßige Smartphone-Nutzung kann aber auch Beziehungen sabotieren.

Verspannungen durch Vorbeugen

Der New Yorker Wirbelsäulenchirurg Kenneth Hansraj veröffentlichte im November 2014, welche Kräfte auf die Halswirbelsäule wirken, wenn ein Erwachsener seinen Kopf nach vorne neigt. In aufrechter Haltung muss der Hals rund 5 kg tragen. Bei 15 Grad Neigung lasten aufgrund der Hebelwirkung 12 kg auf dem Hals, bei 30 Grad 18 kg, bei 45 Grad 22 kg und bei 60 Grad 27 kg.

Die gebeugte Kopfhaltung führt zwangsweise zu Verspannungen mit Kopf- und Nackenschmerzen. Bei einer durchschnittlichen Handynutzung von 700 bis 1.400 Stunden pro Jahr kann die regelmäßige Fehlbelastung auch zu einem Haltungsschaden, Bandscheibenvorfall und Abnutzungserscheinungen an der Wirbelsäule führen.

Handy-Nacken vorbeugen

Halten Sie das Handy möglichst hoch und neigen Sie nicht den Kopf, sondern blicken nur mit den Augen nach unten. Gönnen Sie sich alle 15 Minuten eine Pause und entspannen Sie Ihren Nacken aktiv.

Bewegungsmangel und Fehlbelastung

Eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2012 zeigte, dass bei intensiver Tablet-Benutzung die Schultergelenke zu wenig bewegt und falsch belastet werden. Die resultierenden Schmerzen können dabei zu einer behandlungsbedürftigen Bewegungseinschränkung der Schulter führen.

iPad-Schulter vorbeugen

Wechseln Sie immer wieder Ihre Hand und Haltung. Legen Sie alle 15 Minuten eine Pause ein und lockern Sie Schultern und Bizeps. Tablet-Ständer und externe Tastatur erleichtern längeres Lesen und Schreiben.

Sehnenscheidenentzündung

Beim sogenannten SMS-Daumen handelt es sich um eine Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis), ausgelöst durch eine sich stetig wiederholende Belastung der Daumen. Dies betrifft in der Regel Vieltexter am Handy sowie Konsolenspieler, die stundenlang den Feuerknopf des Spielecontrollers betätigen.

Bei einer Sehnenscheidenentzündung schwillt die Sehnenscheide so stark an, dass die Sehne nur schwer und unter Schmerzen bewegt werden kann. Kühlkompressen und Schmerzmittel lindern die Beschwerden. Die Entzündung dauert in der Regel nur ein paar Tage und klingt von selbst ab. Wer eine Sehnenscheidenentzündung nicht auskuriert, riskiert jedoch, dass die Beschwerden wieder aufflammen und über Wochen oder sogar Monate anhalten.

SMS-Daumen vorbeugen

Tippen Sie Textnachrichten nicht nur mit einem Daumen, sondern mit allen Fingern. Schonen Sie zudem Ihre Daumen und nutzen Sie die Spracherkennung zur Texteingabe.

RSI-Syndrom droht

Stetig sich wiederholende Fehlbelastungen durch Maus und Tastatur können ein sogenanntes RSI-Syndrom verursachen. RSI bedeutet dabei „Verletzung durch wiederholte Belastung“. Die Beschwerden können Nerven, Sehnen (siehe SMS-Daumen), Muskeln oder Bindegewebe betreffen. Die ähnlich gelagerten Beschwerden heißen je nach vermutetem Auslöser auch Mausarm, Tennisarm oder Golfellenbogen.

Nehmen Sie einen Mausarm nicht auf die leichte Schulter, unbehandelt kann sich daraus ein chronisches Leiden entwickeln. So können schmerzende Hände bei und nach der PC-Arbeit Warnzeichen für geschädigte Handnerven sein.

Kribbeln oder schon Taubheitsgefühl im kleinen und Ringfinger deutet bereits auf ein Ulnarisrinnensyndrom hin. Die fortschreitende Druckschädigung des Ellennervs (Nervus ulnaris) kann zur „Krallenhand“ führen, auch bekannt als „Klauenhand“ oder „Radfahrerlähmung“.

Beim Karpaltunnelsyndrom nimmt der im Bereich der Handwurzel liegende Nervus medianus Schaden. Unbehandelt führt dieses zu Muskelschwund im Daumenballen, zu Greifschwäche und zu einem verminderten Tastgefühl.

So können Sie dem Mausarm am Büroarbeitsplatz vorbeugen:

  • Bremsen Sie Ihr Klicktempo – langsame Bewegungen sind schonender.
  • Legen Sie regelmäßig Pausen für Dehnübungen ein.
  • Sorgen Sie für einen ergonomischen Arbeitsplatz mit passender Tischhöhe, Sitzposition etc.
  • Nutzen Sie Gelkissen am Mauspad und vor der Tastatur. Diese verhindern, dass die Handgelenke abknicken und der Blutfluss in die Hände vermindert wird.
  • Nutzen Sie Alternativen zur Maus, z. B. Vertikalmaus, Trackball oder Pen-Tablett.
  • Lassen Sie Ihren Privat-PC abends einfach mal aus, wenn Sie den ganzen Arbeitstag am Rechner gesessen sind.
  • Stützen Sie sich im Sitzen oder Liegen nicht auf Ihre Ellbogen.
  • Schlafen Sie nicht auf dem gebeugten Arm.
Unterschätzte Brutstätte

Handys, Tablets, Tastaturen und insbesondere Mäuse sind beliebte Tummelplätze für Bakterien. Essensreste, Talg, Schweiß und sonstige biologische Spuren dienen zahlreichen Mikroorganismen, darunter auch Krankheitskeimen, als Nahrungsquelle. So kann beispielsweise eine gemeinsam genutzte Maus Durchfallerreger von einem Familienmitglied zum anderen übertragen.

Besser Sie reinigen zumindest wöchentlich die Oberflächen Ihrer Eingabe- und Mobilgeräte. Handy, Tablet und Maus lassen sich gut mit feuchten Allzweck-Reinigungstüchern säubern. Bei Tastaturen bieten sich spezielle Reinigungssets an, die auch die Ritzen vom Schmutz befreien.

Bilder: Robert Kneschke/Fotolia