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  Angriff auf den Zahnschmelz

Allianz - Fruchtsäure geht aufs Gebiss

Jeder weiß, dass Süßigkeiten schlecht für die Zähne sind. Doch auch andere Nahrungs- und Genussmittel greifen direkt oder indirekt den Zahnschmelz an. Neben zucker- und stärkehaltigen Lebensmitteln gehören säurehaltige Getränke zu den Übeltätern. Zuweilen lauert die Gefahr an unerwarteter Stelle – so kann selbst Obst für Zahnschäden verantwortlich sein.

  Nährboden für Karies

Karies gehört zu den häufigsten Infektionen überhaupt: Nur ein Prozent der Erwachsenen in Deutschland hat ein kariesfreies Gebiss. Die in der Mundhöhle siedelnden Kariesbakterien produzieren Säuren, die den Zahnschmelz angreifen, und tragen mit ihren Stoffwechselprodukten zum Aufbau von Zahnbelag (Plaque) bei. Dieser überzieht als hartnäckig haftender, reich bevölkerter Biofilm die Zähne.

Geht es darum, die Mikroorganismen im Zaum zu halten, spielt die richtige Ernährung eine große Rolle, ebenso regelmäßige und gründliche Zahnpflege. An den Zähnen haftende Speisereste sind die Nahrungsgrundlage der Erreger. Je mehr Zucker diese enthalten, desto nahrhafter sind sie. Rauchen ist ein zusätzlicher Risikofaktor: Es unterstützt nicht nur die Bildung von Zahnbelägen, sondern schwächt auch die körpereigene Immunabwehr und fördert Zahnfleischentzündungen.

  Klebrig, süß und sauer

Die Frage, welche Lebensmittel besonders riskant für die Zahngesundheit sind, lässt sich auf den ersten Blick beantworten mit: „Alles was süß ist und Kindern gut schmeckt.“ Die Realität ist etwas komplizierter. Natürlich stehen Bonbons, Schokoriegel oder Nougatcreme weit oben auf der Liste. Doch auch Salzstangen und selbst Haferflocken oder Brot können Auslöser von Kariesattacken sein, denn die in ihnen enthaltene Stärke lässt sich von den Bakterien mühelos in Zucker umwandeln.

Neben den von den Karieserregern erzeugten Säuren greifen in Lebensmitteln enthaltene Säuren den Zahnschmelz direkt an. Viele Nahrungsmittel und Getränke enthalten Säuren als natürlichen Bestandteil oder als hinzugefügte Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel. Hierzu gehören etwa Obst, Essig, Fruchtsäfte, Softdrinks und Limonaden, aber auch Wein und Sekt. Vitamin C (Ascorbinsäure) und Zitronensäure sind häufige Zugaben bei Produkten.

Fruchtsäfte und Limonaden liefern mit einer Kombination aus hohem Zucker- und Säuregehalt gewissermaßen einen Doppelschlag. Viele Softdrinks besitzen einen pH-Wert um 3 und liegen damit im stark sauren Bereich, weit vom neutralen Mittelwert 7. Zum Vergleich: Wein hat einen pH-Wert von 4, Orangen- und Apfelsaft von 3,5, Essig von 2,5 und Zitronensaft von 2,4. Der Zahnschmelz wird ab einem pH-Wert unterhalb von 5,5 angegriffen. Bereits binnen weniger Minuten werden Kalzium und Phosphat aus dem Zahnschmelz gelöst. Die Demineralisierung macht die Zähne empfindlicher und brüchiger.

Neben dem Kohlenhydrat- und Säurenanteil tragen zur Zahnschädlichkeit als wesentliche Faktoren die Klebrigkeit, die Verweildauer im Mund und die Menge bei. Klebrige Speisen haften besonders gut an den Zähnen, deshalb bleiben die Reste länger im Mund. Und gerade nach dem Naschen zwischendurch putzen die wenigsten sofort die Zähne. Bonbons kleben zwar kaum, dafür lutschen wir gerne länger daran. Schnell verzehrbares Süß- und Knabberzeug sowie Süßgetränke werden dafür gern in größeren Mengen konsumiert.

Zu gut gemeint

Übermotivierte Pflege kann den Zahnschmelz beschädigen: Wer etwa frisches Obst isst und sich danach sofort die Zähne putzt, schrubbt unter Umständen den von der Fruchtsäure aufgeweichten Schmelz von den Zähnen.

  Guter Ausgleich

Rohkost oder Vollkornbrot sind ein gutes Mittel gegen zu viel Säure im Mund: Sie erfordern intensives Kauen und regen damit die Speichelproduktion an. Speichel ist leicht basisch und neutralisiert und verdünnt die Säuren.

Einige Nahrungs- und Genussmittel entfalten aktuellen Untersuchungen zufolge ebenfalls eine gewisse Schutzwirkung. So legt sich etwa das in Käse enthaltene Fett als Film über die Zähne und schließt sogar Zuckerpartikel ein. Das in ihm enthaltene Kalzium und Phosphat tragen zur Remineralisierung der Zähne bei. Vor allem Schwarzer, aber auch Grüner Tee bremsen mit ihren Inhaltsstoffen das Wachstum von Karieserregern. Die Bitterstoffe des Kaffeeswirken ebenso – am besten, wenn der Kaffee frisch aufgebrüht ist. Einziger Wermutstropfen: Tee und Kaffee verfärben auf Dauer die Zähne.

  Säuren neutralisieren

Wenn Sie bei Ihrer Ernährung nicht auf Vieles verzichten wollen, können Sie den Kontakt mit Säuren kaum vermeiden. Sie können die aggressive Substanz jedoch entschärfen:

  • Kombinieren Sie säurehaltige Lebensmitteln mit kalziumhaltigen – Joghurt zum Obst und Käse zum Wein schmecken und sind gesünder.
  • Ein Glas Milch nach säurehaltigem Essen hilft ebenso.
  • Warten Sie nach dem Genuss säurehaltiger Nahrungsmittel mindestens 20 Minuten mit dem Zähneputzen – so hat Ihr Speichel Zeit, den pH-Wert im Mund wieder zu erhöhen.
  • Kauen Sie dabei einen zuckerfreien Kaugummi, das regt die Speichelproduktion an.
  • Fluoridhaltige Mundspülungen und Gele schützen und stabilisieren den Zahnschmelz.
  • Ein beliebtes Hausmittel gegen die Säuren im Mund ist eine Mundspülung mit einer Natronlösung: ein Esslöffel Natron auf einen halben Liter Leitungswasser.

  Grundlagen im Kindesalter

Kinder lassen sich schon früh an eine zahnfreundliche Ernährung gewöhnen.

  • Verzichten Sie bei Babys und Kleinkindern weitgehend auf zuckerhaltige Getränke, geben Sie ihrem Kind lieber ungesüßte Früchte- und Kräutertees oder Wasser als Durstlöscher.
  • Gewöhnen Sie Ihr Kind früh an das Trinken aus der Tasse – gerade beim Dauernuckeln aus der Flasche werden die Zähne ständig vom Getränk umspült.
  • Achten Sie bei Fertigprodukten auf die Inhaltsstoffe – Kariesbakterien ist es egal, ob sie ihre Energie aus Saccharose (Kristallzucker), Glucose (Traubenzucker), Fructose (Fruchtzucker) oder anderen Zuckerarten gewinnen. Zugesetzte Zitronensäure verbirgt sich häufig unter der Zusatzstoffbezeichnung E 330.
  • Gewöhnen Sie Ihr Kind an regelmäßige Essenszeiten ohne „Dauernaschen“, dann können sich die Zähne in den Phasen dazwischen erholen.

Langzeitfolgen vermeiden

Führen Sie Ihre Kinder früh an die Zahnpflege heran: Zahnerosion im Kindesalter hat gravierende Folgen, etwa Fehlstellungen, Abflachen des Gebisses oder Zahnwanderungen.

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