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Stress und Burn-out

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  Der Fluch der Flexibilität

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Aufgabenverdichtung, Multitasking und ständige Erreichbarkeit dank Smartphone und „Always on“-Mentalität: Die gefeierte und geforderte Flexibilität am Arbeitsplatz bedeutet für den einzelnen oft, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen und Stress und Erschöpfung zunehmen. Damit leiden auch immer mehr Menschen unter einem Burn-out-Syndrom.

  Das Burn-out-Syndrom

„Meine Akkus sind leer“, „Ich bin völlig ausgebrannt“: Diese umgangssprachlichen Wendungen umschreiben treffend die Gemütslage eines Betroffenen. Wesentliches Kennzeichen des Burn-out-Syndroms ist eine umfassende Erschöpfung auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene. Daneben treten meist weitere Symptome auf wie fehlende Motivation und ständige Anspannung, geringes Leistungsvermögen und psychosomatische Beschwerden.

Charakteristischerweise hat ein Burn-out seine Wurzeln im beruflichen Bereich. Aktuellen Statistiken zufolge ist unter deutschen Arbeitnehmern die Zahl der durch Burn-out-Syndrom verursachten Krankheitstage zwischen 2004 und 2011 um das 18-Fache gestiegen. Psychische Probleme sind mittlerweile der zweitwichtigste Grund für Krankmeldungen und Ursache von mehr als 40 Prozent der Frühverrentungen.

Ein Burn-out kommt nicht über Nacht. Prof. Matthias Burisch, seit Jahrzehnten mit dem Burn-out befasst und Verfasser des Standardwerks zum Thema, hat ein Phasenmodell für Entstehung und Entwicklung eines Burn-out-Syndroms erarbeitet.

  Phasen des Burn-outs

  • Überengagement/Überforderung

  • Reduziertes Engagement

  • Emotionale Reaktionen

  • Abbau und sinkende Leistungsfähigkeit

  • Verflachung und Desinteresse

  • Verzweiflung

Überengagement/Überforderung

Hohe Motivation führt nicht selten geradewegs in den Burn-out: Gerade besonders idealistische Menschen stürzen sich in großen Engagement in ihre Aufgaben und überschreiten dabei ihre eigenen Grenzen. Erhalten sie dann keine Anerkennung, beginnt der schleichende Abstieg. Auch zu großer Druck von außen – sei es durch Überlastung, sei es durch Mobbing – kann ein Auslöser sein. Bereits in dieser Phase können psychosomatische Beschwerden auftreten.

Reduziertes Engagement

Fehlen positive Bestätigung oder Erfolge, reduzieren Betroffene ihr Engagement deutlich. Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit wachsen, und das nicht allein am Arbeitsplatz: Wer in dieser Phase steckt, macht häufig nicht nur den Schritt zur „inneren Kündigung“ und arbeitet nur das Nötigste, sondern geht auch im privaten Umfeld auf Distanz zu Bekannten, Freunden und Angehörigen. Mitgefühl und Anteilnahme für andere sinken.

Emotionale Reaktionen

Irgendwer muss schuld sein an der fortdauernden Frustration: Je nach Typ suchen Betroffene die Schuld für ihre Lage bei sich oder in ihrem Umfeld. Im ersten Fall halten sie sich für Versager, mit entsprechenden Folgen für das Selbstwertgefühl. Die Melange aus Ohnmacht und innerer Leere, Angst und Nervosität kann dabei in einer Depression münden. Im zweiten Fall reagieren Betroffene zunehmend aggressiv auf ihre Umgebung und sind ständig gereizt, ungeduldig und intolerant.

Abbau und sinkende Leistungsfähigkeit

Wer ständig angespannt und erschöpft ist, macht mehr Fehler, arbeitet langsamer und kann nur noch schwer Entscheidungen treffen. Aufgaben, die Kreativität erfordern, werden immer schwerer lösbar. Betroffene bewegen sich lieber in geregelten Bahnen und wehren sich gegen Veränderungen. Initiative und Motivation schwinden ebenso wie die Produktivität.

Verflachung und Desinteresse

Auf das verringerte Leistungsvermögen folgt der Rückzug auch auf der emotionalen Ebene: Gleichgültigkeit macht sich breit, das Interesse an Hobbys und anderen Aktivitäten sinkt, unter Umständen bis auf den Nullpunkt. Auch zu Angehörigen und Freunden geht man auf Distanz.

Verzweiflung

In der Endphase des Burn-outs beherrscht eine umfassende Hoffnungslosigkeit den Betroffenen. Die extreme Verzweiflung beschwört selbst Suizidgedanken herauf.

  Methoden zum Selbsttest

Einer der ersten Tests in diesem Bereich war der Maslach Burn-out Inventory (MBI) von 1981. Er prüft mit Hilfe von 22 Fragen den Grad der emotionalen Erschöpfung, der Depersonalisierung und der reduzierten persönlichen Leistungsfähigkeit. Zwar genügt der MBI nicht den heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen, liefert aber einen schnellen Überblick über Symptome und Warnsignale. Als Standard im deutschsprachigen Raum gilt heute der von Prof. Matthias Burisch nach wissenschaftlichen Kriterien entwickelte (und von ihm auch kostenpflichtig angebotene) Burn-out-Selbsttest HBI40. Der HBI40 genügt bisher als einziger auf Deutsch verfügbarer Online-Selbsttest wissenschaftlichen Ansprüchen.

Auch wenn ein Selbsttest dazu führt, sich mit der eigenen Lage auseinanderzusetzen: Für eine Diagnose ist das Gespräch zwischen Patient und Arzt oder Therapeutem nach wie vor wichtig: Hier lassen sich die dem Burn-out zugrundeliegenden Ursachen und Mechanismen und damit die Ansatzpunkte für eine Therapie herausarbeiten.

  Rechtzeitig gegensteuern

  Burn-out-Folgen

Ein Burn-out-Syndrom ist noch keine Depression: Letztere erfasst alle Lebensbereiche und ist neben dem Verlust von Lebensfreude und Selbstwertgefühl durch das Erkalten sämtlicher – positiver und negativer – Emotionen gekennzeichnet sowie häufig durch Gedanken, sich etwas anzutun. Der Burn-out als stärker auf das Arbeitsumfeld bezogene, stressbedingte Leistungs- und Motivationsstörung kann jedoch der erste Schritt dorthin sein.

Zusätzlich riskant wird ein Burn-out als auslösender Faktor für andere gesundheitliche Probleme. So steigert ein Burn-out-Syndrom aktuellen Untersuchungen zufolge das Risiko für eine Schädigung der Herzkranzgefäße erheblich. Ebenfalls belegt ist ein Zusammenhang mit der Entwicklung von Angststörungen, Fettleibigkeit und Schlaflosigkeit.

Großer Risikofaktor

Eine prospektive Studie der Universität von Tel Aviv unter 8.838 Männern und Frauen zwischen 19 und 67 Jahren zeigte: Bei Burn-out-Kandidaten steigt das Risiko für eine Koronare Herzkrankheit um 40 Prozent, bei den am stärksten Betroffenen sogar um 79 Prozent.

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