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Infografik: Vorsicht, Schneelawine!

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  Gefahren erkennen, Risiken vermeiden: Kleines Lawinen-Einmaleins

In den Alpen schützen Bergwälder, Lawinenverbauungen oder Sprengungen Gemeinden und Pisten vor Lawinen – abgesehen von Extremereignissen wie jüngst in den italienischen Alpen. Abseits gesichert Hänge geraten jedoch jeses Jahr Hunderte risikofreudiger Alpinsportler unter talwärts stürzende Schneemassen. Wir werfen einen Blick auf die weiße Naturgewalt.

Allianz - Infografik Vorsicht, Schneelawine – Gefahren erkennen, Risiken vermeiden: Kleines Lawinen-Einmaleins

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  Lawinen: Wussten Sie schon ...

Weißer Tod

Die Zerstörungskraft einer Schneelawine hängt von Ihrer Masse, Fallhöhe und Geschwindigkeit ab. Je nach Beschaffenheit unterscheiden Experten Nassschnee- und Staublawinen.

Nassschneelawinen lösen sich meist spontan bei Regen oder bei starker Erwärmung. Ihre durchschnittliche Fließgeschwindigkeit beträgt 15–30 km/h.

Staublawinen bestehen überwiegend aus feinkörnigem Schnee, erreichen nach sechs Sekunden 100–130 km/h und können bei großer Fallhöhe über 300 km/h erreichen.

Quelle: National Avalanche Center (USA)

Typische Skifahrerlawine

Die typische Skifahrerlawine ist eine Schneebrettlawine – im Mittel 70 Meter breit, 200 Meter lang und 0,5 Meter dick.

Selbst ausgelöst

In neun von zehn Fällen löst ein Lawinenopfer den Schneerutsch selbst aus. Die Betroffenen sind meist Freizeitsportler auf Ski-, Snowboard- oder Schneeschuh-Tour oder Variantenfahrer (Freerider), die abseits der gesicherten Pisten unterwegs sind.

Kleine Lawinenkunde

Zwei Typen von Lawinen können Alpinsportlern gefährlich werden:

 Eigenschaften

Schneebrettlawine

Lockerschneelawine

Charakteristik

Abbruch einer meist fußballfeldgroßen Schneetafel

sich talwärts vergrößernder Kegel

Kritische Schneeschicht(en)

gebundenes Schneebrett auf einer sogenannten Schwachschicht aus weichem, grobkörnigem Schnee mit geringem Zusammenhalt

ungebundener Neuschnee oder Nassschnee

Hangneigung für Auslösung

ab 30°

ab 40°

Auslösung

spontan oder durch plötzliche Zusatzbelastung (z. B. Skifahrer, Tier, herabfallende Steine)

Fernauslösung aus flachem Hangabschnitt möglich!

meist spontan

Gefährlichkeit für Alpinsportler.

Hoch: Über 90 % der Lawinenopfer kommen in Schneebrettlawinen um.

Geringes Verschüttungsrisiko, aber hohe Gefahr, in gefährliches Gelände mitgerissen zu werden und sich beim Sturz zu verletzen.

Quellen: DAV, SLF

Risiko reduzieren

Folgende grundlegende Tipps des Deutschen Alpenvereins (DAV) und des Schweizer WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) helfen Ihnen, das Risiko bei Touren und Fahrten abseits gesicherter Pisten zu reduzieren:

      • Informieren Sie sich bei der Tourenplanung über das Wetter und die Lawinensituation (Lawinen-Lagebericht/Bulletin).
      • <Informieren Sie Dritte, wo, wann und auf welcher Route Sie unterwegs sind.
      • Nehmen Sie alle ein Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), eine Schaufel und eine Sonde mit. Kontrollieren Sie vor Tourbeginn, ob alle LVS funktionieren, und stellen Sie diese auf Senden!
      • Beurteilen Sie auf ihrer Tour laufend die aktuellen Verhältnisse bezüglich Wetter, Schnee, Gelände, Zeitplan und Gruppenmitglieder (Erfahrung, Fitness, Gesundheitszustand, Ausrüstung etc.).
      • Umgehen Sie frische Triebschneeansammlungen.
      • Bei Nebel, schlechter Sicht in steilem oder unbekanntem Gelände und anderen ungünstigen Verhältnissen gilt: verzichten, umgehen oder umkehren.
      • Halten Sie 10 m Abstand beim Aufstieg und mindestens 30 m Abstand bei der Abfahrt.
      • Durchfahren Sie Schlüsselstellen und extreme Steilhänge nur einzeln.
      • Meiden Sie steilste Hangpartien, felsdurchsetztes Gelände oder Bergrinnen (Couloirs).
      • Fahren Sie vorsichtig und vorausschauend, um Stürze zu vermeiden.
      • Beachten Sie die tageszeitlichen Temperaturschwankungen.

Quellen: SLF, DAV

Erhöhtes Risiko erkennen

Diese Merksätze helfen Ihnen, ein erhöhtes Lawinenrisiko abseits der Piste zu erkennen:

  1. Der erste schöne Tag nach einem bedeutenden Schneefall ist besonders gefährlich.
  2. Neuschnee + Wind = Lawinengefahr!
  3. Je steiler und schattiger, desto gefährlicher.
  4. Frische Lawinen und „Wumm“-Geräusche sind Zeichen für Lawinengefahr.
  5. Eine schnelle und markante Erwärmung erhöht kurzfristig das Lawinenrisiko.

Quelle: SLF 2016

Minimalausrüstung für Ihre Sicherheit

Die Minimalausstattung bei Touren umfasst je ein Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), Lawinenschaufel und -sonde, deren Handhabung Sie am besten bei einem Lawinenkurs erlernen. Ebenso unverzichtbar sind: Erste-Hilfe-Set inkl. Rettungsdecke, Handy oder Funkgerät, Orientierungsmittel (GPS oder Karte, Höhenmesser und Kompass) sowie ein angemessener Kälte- (z. B. Funktionskleidung, Gamaschen) und Sonnenschutz (z. B. Skibrille).

Verschüttet! Was tun?

Versuchen Sie die Schneedecke über sich zu durchzubrechen. Falls dies nicht auf Anhieb geht, abwarten. So sparen Sie Luft. Schreien Sie, sobald die Helfer über Ihnen sind.

Quelle: Martin Engler 2010

Überleben in der Lawine

Fast 10 % der total Verschütteten sterben in der abgehenden Lawine. Weitere 15 % erliegen nach und nach ihren tödlichen Verletzungen. Zwischen 15 Minuten und 35 Minuten nach dem Verschütten ersticken alle, die keine Atemhöhle haben. Nach 90 Minuten droht der Erfrierungstod.

Begleiter sind als Ersthelfer unverzichtbar! Bergretter brauchen häufig über 30 Minuten zur Unglücksstelle!

Quelle: SLF 2016

Kampf ums Überleben

Was tun, wenn eine Lawine auf Sie zurollt oder sich ein Schneebrett unter Ihnen löst? Die Lawinenexperten vom SLF und DAV empfehlen:

  • Versuchen Sie aus dem Lawinenbereich herauszufahren.
  • Aktivieren Sie Ihren Lawinenairbag oder Lawinenball, falls vorhanden.
  • Nehmen Sie die Hände aus den Stockschlaufen.
  • Halten Sie die Hände vors Gesicht, um eine Atemhöhle zu schaffen.
  • Kämpfen Sie, geben Sie nicht auf.

Quelle: SLF 2016

Verhalten als nicht Erfasster

Für eine erfolgversprechende Rettung benötigen Sie mindestens einen Lawinenkurs sowie eine Lawinen-Notfallausrüstung (LVS, Schaufel, Sonde):

  • Lawinen und Erfassten genau beobachten, Verschwindepunkt merken
  • Übersicht gewinnen, nachdenken, handeln:
  1. eigene Sicherheit beurteilen und Folgeunfälle vermeiden
  2. Bergrettung alarmieren (Handy, Funk)
  3. verschüttete Person(en) suchen

Quelle: SLF 2016

Bergrettung alarmieren

Alarmieren Sie die Bergrettung über die international gültige Notrufnummer 112. Auf diese Informationen kommt es an:

  • Wo ist der Unfallort?
  • Wer meldet (Name, Telefonnummer, Standort)?
  • Was ist geschehen?
  • Wann ist der Unfall geschehen?
  • Wieviele Personen sind ganz verschüttet?
  • Helfer vor Ort?
  • Wetter am Unfallort?

Quelle: SLF 2016

Bessere Chancen mit Airbag

Sie können Ihre Überlebenschance mit einem Lawinenairbag erhöhen. Dieser kann eine Verschüttung verhindern oder zumindest die Verschüttungstiefe deutlich reduzieren. Außerdem schafft ein ausgelöster Airbag zusätzlichen Luftraum und schützt den Kopf. Lawinenairbags oder Lawinenrucksäcke mit integriertem Airbag kosten zwischen 500 und 1.000 Euro.

Alternative Hilfsmittel

Weitere Alternativen für Tourengeher und Freerider sind der Avalanche-Ball und die AvaLung. Ersterer hängt mit einer Leine am Rucksack und schwimmt auf der Lawine. Das erleichtert den Rettern, den Verschütteten zu finden. Die AvaLung ist ein spezieller Rucksack, mit dessen Hilfe man im Schnee atmen kann.

Lawinentote im Alpenraum

Trotz des Booms der Alpinsportarten pendelte sich die Zahl der Lawinentoten in den letzten 20 Jahren bei etwa 100 pro Jahr ein. Dies ist überwiegend der Aufklärungsarbeit der Alpenvereine, Lawinenschutzmaßnahmen und Lawinen-Notfallausrüstungen zu verdanken.

Quelle: SLF 2016

Lawinengefahrenskala

Die Lawinengefahrenskala ist in Europa einheitlich und gibt Gefahrensituationen wieder. Da sich viele Tourengeher und Freerider auch bei Stufe 3 in die Berge wagen, sind bei dieser Gefahrenlage die meisten Opfer zu beklagen.

Gefahrenstufe

Lawinengefahr

Häufigkeit

Todesopfer bei Touren und Variantenfahrten

5 sehr groß

Es drohen viele große, mehrfach auch sehr große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände. meist nur einmal pro Winter, da Katastrophensituationen vorbehalten
4 groß Lawinen können sich bereits bei geringer Zusatzbelastung** an zahlreichen Steilhängen lösen. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten. wenige Tage 12 %
3 erheblich Lawinen können bereits bei geringer Zusatzbelastung** auslösen, vor allem an den angegebenen Steilhängen*. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt auch große Lawinen möglich. ein Drittel des Winters 47 %
2 mäßig Lawinen können insbesondere bei großer Zusatzbelastung** auslösen, vor allem an den angegebenen Steilhängen*. Große spontane Lawinen sind nicht zu erwarten. die Hälfte des Winters 34 %
1 gering Lawinen lösen sich allgemein nur bei großer Zusatzbelastung** an vereinzelten Stellen im extremen Steilgelände*. Spontan sind nur Rutsche und kleine Lawinen möglich. ein Fünftel des Winters 7 %

* Von Lawinen gefährdetes Gelände wird im Lawinenlagebericht beschrieben: Höhenlage, Exposition, Gelände.
** Zusatzbelastung:

  • Gering: Ein Skifahrer/Snowboarder, sanft schwingend, nicht stürzend; Schneeschuhgeher, Gruppe mit über 10 m Entlastungabständen.
  • Groß: ein Fußgänger; zwei oder mehr Skifahrer/Snowboarder ohne Entlastungsabstände; Pistenfahrzeug, Sprengung.

Quellen: DAV, EAWS, SLF 2016

Große Lawinenkatastrophen

Datum Ort Geschehen Opfer
01.03.1910 Windy Mountain, Wellington, USA Eine Schneelawine erfasst zwei Passagierzüge. 96 Tote
13.12.1916 Südalpen, Italien Nach neun Tagen Schneefall gehen in den Südalpen zahlreiche Lawinen ab. ca. 5.000, v. a. Soldaten
10.–12.01.1954 Vorarlberg, Österreich Binnen drei Tagen gehen im Großen Walsertal und im
Montafon 400 Lawinen ab und verschütten mehrere Dörfer.
125 Tote
10.01.1962 Nevado Huascarán, Peru Rund 3 Millionen Kubikmeter Eis und Geröll begraben die
Stadt Ranrahirca und sechs weitere Orte.
ca. 4.000 Tote
16.04.1970 Plateau d’Assy, Frankreich Eine Lawine donnert über eine Lungenheilanstalt. 74 Tote (56 Kinder)
30.08.1988 Mattmark, Schweiz Ein Gletschersturz zerstört eine Baustelle oberhalb des Staudamms. 88 Tote
23.02.1999 Galtür und Valzur, Österreich Am Sonnberg stürzt eine 400 Meter breite Lawine ins Paznauntal. 31 Tote Galtür,
7 Tote Valzur
18.01.2017 Gran-Sasso-Massiv, Italien Erdbeben lösen Schneelawinen in den Abruzzen aus. Ein Viersternehotel wird verschüttet. 29 Tote

Quellen: HistoryLink.org, wissen.de, Walserheimat 2014, NZZ 2016 & 2017, Oxford Research Encyclopedias 2016

Problematische Schneelagen

Jede Schneelage hat ihre eigenen Tücken. Nur erfahrene Bergführer und Lawinenexperten können die Stabilität von Schneedecken beurteilen.

Die beliebte Grafische Reduktionsmethode (GRM) und die SnowCard (SC) zur Risikoreduzierung bei Touren sind nur bei Neu- und Altschnee nützlich.

  • Neuschnee: GRM und SnowCard sind hier nützlich.
  • Triebschnee: GRM/SC wenig nützlich. Durch Wind aufgehäufter Schnee ist schon ab 30° Neigung
    auslösefreudig.
  • Nassschnee: GRM/SC wenig nützlich. Wasser schwächt die Schneedecke, dadurch sind spontane
    Auslösungen möglich.
  • Altschnee: GRM/SC nur teilweise nützlich. Schwachschichten schwer erkennbar.

Lawinenlagebericht lesen!

Alle Alpenanrainer geben für ihre Wintersportgebiete Lawinenlageberichte heraus.
Lesen Sie sie aufmerksam.

Merken Sie sich zudem die Bedeutung folgender Symbole und Fachbegriffe.

  • Gefahrenstufe 1–5: siehe „Lawinengefahrenskala“
  • Regionale Gefahrenstufe: Zeigt Unterschiede der Gefahrenstufe in der Kartenübersicht.
  • Gefahrstellen: Nennt das Gelände, in dem Personen von Lawinen erfasst werden können, z. B. „oberhalb der Waldgrenze“, „in Kammnähe“.
  • Wichtige Gefahrstellen haben eigene Symbole: Hanglage (Exposition), z. B. Nordwest über Nord bis Südost gefährdet
  • Höhe: Gefahrstufe 2 unterhalb 2.000 m, Stufe 3 ab 2.000 m
  • Schneedecke: Gibt erfahrenen Tourengehern Aufschluss über die Stabilität der Schneedecken. Siehe auch „problematische Schneelagen“.
  • Hinweise und Tendenz: Geben einen Ausblick auf die erwartete Wetter- und Lawinenlage in den folgenden Tagen.

Quellen: DAV 2011, SLF 2016

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