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  Selbstbestimmt wohnen – trotz Pflegebedarf

Allianz - Innovative Wohnformen erlauben selbstbestimmtes Wohnen auch im Pflegefall

Jeder Mensch hat das Bedürfnis, so lange wie möglich in seinen eigenen vier Wänden zu leben. Das Zuhause ist eine vertraute Umgebung, es birgt Familienerinnerungen und steht für persönliche Freiheit. Allein zu wohnen funktioniert mit zunehmender Pflegebedürftigkeit oder Demenz nur eingeschränkt oder gar nicht. Die Lösung sind moderne Wohn-Pflege-Konzepte, die Betroffenen ein Höchstmaß an Selbstbestimmung, soziale Kontakte und individuelle Pflege bieten.

  Freiheitsgrade – ambulant bis stationär

Die Mehrheit pflegebedürftiger Menschen wird zu Hause betreut, durch Angehörige sowie ambulante Pflegedienste. Doch Angehörige können selten auf Jahre eine adäquate Rundumbetreuung leisten. Sei es aufgrund von Berufstätigkeit oder weil auch Kinder versorgt werden müssen. Auch Nachbarn und enge Freunde sind nur begrenzt beanspruchbar. Und nur wenige können über Jahre eine ambulante 24-Stunden-Pflege für einen Einzelhaushaushalt bezahlen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie als Pflegefall direkt aus den eigenen vier Wänden in ein Pflegeheim umziehen müssen. Mittlerweile existieren in Deutschland Tausende Projekte, die Wohnen und Pflege auf vielfältige Weise verbinden. Sie setzen auf Privatsphäre, Gemeinschaft, barrierefreies Wohnen und aktive Teilhabe aller Bewohner am Alltagsleben. Ehrenamtliche Helfer, Pflegepersonal, staatliche Betreuer, aber auch junge Mitbewohner unterstützen die Pflegebedürftigen.

Die Projekte reichen von privatem Wohnen mit Pflegeleistungen über Wohngemeinschaften bis hin zu speziell auf Alte und Pflegebedürftige zugeschnittene Stadtquartiere oder Dorfgemeinschaften.

Pflege als Normalfall?

Rund 2,5 Millionen pflegebedürftige Menschen leben heute in Deutschland. Im hohen Alter ist bereits jeder Zweite auf Pflege angewiesen. Und Pflegebedürftigkeit kann jeden treffen – oft genug überraschend.

  Wohnformen bei Pflegebedarf und Demenz

  • Zu Hause

  • Betreutes Wohnen zuhause

  • Gemeinschaftliches Wohnen

  • Betreute Wohn- und Hausgemeinschaften

  • Mehrgenerationenwohnen

  • Betreutes Wohnen – Service-Wohnen

  • Wohnstift bzw. Seniorenresidenz

  • Stationäre Pflegeeinrichtung

Zu Hause

Über zwei Drittel aller Pflegebedürftigen leben in ihrem alten Zuhause. Sie organisieren die notwendige Pflege entweder eigenständig über ambulante Dienstleister, oder das soziale Umfeld (Angehörige, Freunde) leistet oder beauftragt die notwendige Pflege.

Betreutes Wohnen zuhause

Mit mehreren Dienstleistern zu jonglieren, ist sowohl für Pflegebedürftige als auch für pflegende Angehörige zeitraubend und stressig. In immer mehr Regionen bieten soziale Einrichtungen, Kommunen und Wohnungsgesellschaften daher „Betreutes Wohnen zuhause“ an.

Das Angebot umfasst professionell organisierte Betreuungs- und Vermittlungsleistungen, aber auch eine Hausnotrufsicherung und regelmäßige Hausbesuche. Der Pflegebedürftige schließt einen so genannten Betreuungsvertrag mit den gewünschten Leistungen ab und zahlt monatlich eine Betreuungspauschale. Dementsprechend können die Preise stark schwanken.

Informationen über regionale „Betreutes Wohnen zuhause“-Angebote gibt es bei Pflegediensten, Wohlfahrtsverbänden oder Wohnungsunternehmen.

Gemeinschaftliches Wohnen

Zu gemeinschaftlichen Wohnformen zählen alle Wohnprojekte, die selbstbestimmtes Wohnen bei gleichzeitiger Erfahrung von Gemeinschaftlichkeit zum Ziel haben. In der Regel hat jede Partei ihre eigene barrierefreie Wohnung und es gibt barrierefreie Gemeinschaftsräume. Ähnlich wie studentischen Wohngemeinschaften aus Studentenzeiten wird das Zusammenleben von den Bewohnern selbst organisiert.

Die gegenseitige Unterstützung der Bewohner kann deutlich über die gewöhnliche Nachbarschaftshilfe hinausgehen. Pflegeleistungen müssen die Pflegebedürftigen jedoch individuell organisieren.

Vorteil: Die Bewohner unterstützen sich im Alltag gegenseitig, und niemand ist allein auf sich gestellt.

Nachteil: Wer schwerstpflegebedürftig oder dement wird, muss unter Umständen ausziehen.

Betreute Wohn- und Hausgemeinschaften

Betreute Wohn- und Hausgemeinschaften können auch bei schwerer Pflegebedürftigkeit ein hohes Maß an Selbstbestimmung und Alltagsnormalität ermöglichen. Sechs bis zwölf Pflegebedürftige wohnen unter einem Dach und teilen sich eine geräumige Küche, Sanitäranlagen und in der Regel einen Gemeinschaftsraum. Jeder hat sein eigenes Zimmer oder Apartment, das er mit eigenen Möbeln einrichten kann. Betreuer führen den Haushalt und sind bei Bedarf rund um die Uhr anwesend. Die individuelle Pflege leisten Pflegekräfte.

Vorteil: Im Gegensatz zu Pflegeheimen wird der Tagesrhythmus nicht durch die Pflegeroutine bestimmt. Die Bewohner bestimmen selbst über ihre Mahlzeiten, ihre Zimmereinrichtung und wer sie unterstützt. Die Betreuer können haben dank der kleinen Gruppen auch mehr Zeit, auf die individuellen Bedürfnisse der Mitbewohner einzugehen.

Nachteil: Die Pflegebedürftigen leben eng zusammen und müssen gegenüber ihren Mitbewohnern bei der Gestaltung ihres Alltags auch kompromissbereit sein. Zudem gibt es kein Beschäftigungsangebot wie in großen stationären Einrichtungen.

Aufgrund rechtlicher Unwägbarkeiten empfiehlt das Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), sich bei der zuständigen Heimaufsichtbehörde zu informieren, bevor man sich für eine betreuten Wohn- oder Hausgemeinschaft entscheidet. Eine Checkliste des BMFSFJ listet auf, was Pflegebedürftige bei einem Umzug in eine ambulant betreute Wohngemeinschaft beachten sollten.

Mehrgenerationenwohnen

Viele Projekte für gemeinschaftliches Wohnen wollen mehrere Generationen unter einem Dach vereinen. Das Ziel ist gegenseitige Unterstützung: Beispielsweise unterstützen die Jungen die Älteren im Haushalt, dafür fungieren die Älteren als Babysitter.

Betreutes Wohnen – Service-Wohnen

Hier handelt es sich um barrierefreie Wohnanlagen, die speziell auf die Bedürfnisse älterer und pflegebedürftiger Menschen zugeschnitten sind. Die Betroffenen wohnen in gekauften oder gemieteten Apartments und können bei Bedarf Pflege- und Haushaltsdienstleistungen direkt im Haus anfordern.

Derartige Wohnanlagen können sehr unterschiedlich organisiert sein.

  • Ein Büro in der Anlage beauftragt externe Dienstleistungen bis hin zur ambulanten Pflege.
  • Hauseigenes Personal besorgt die ambulante Pflege und andere Dienstleistungen.
  • Es existiert eigener Pflegebereich.
  • Die Wohnanlage arbeitet mit einer stationären Pflegeeinrichtung zusammen.

Vorteil: Im Gegensatz zu Wohnstiften bzw. Seniorenresidenzen müssen nur in Anspruch genommene Dienstleistungen bezahlt werden. In der Regel ist nur eine geringe Grundpauschale für das Vorhalten der Dienstleistungen fällig.

Nachteil: Am lukrativen Markt für betreutes Wohnen tummeln sich auch viele schwarze Schafe. Deshalb sollten Betroffene und Angehörige vorhandene Angebote genau prüfen und vergleichen.

Mit der Checkliste des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend können Sie prüfen, ob eine betreute Wohnanlage in Betracht kommt. Unverzichtbar sind 24-Stunden-Präsenz und Barrierefreiheit in der gesamten Anlage.

Wohnstift bzw. Seniorenresidenz

Wohnstifte und Seniorenresidenzen sind privat geführte, meist überdurchschnittlich gut ausgestattete Wohnanlagen für Pflegebedürftige. Sie bieten ambulante Pflege und häufig auch vollstationäre Pflegeleistungen in abgetrennten Bereichen der Anlage. Mittagessen, Wohnungsreinigung und allgemeine Betreuungsleistungen gehören zur Basisversorgung. Ein repräsentatives Freizeitangebot mit Bibliothek, Schwimmbad, Clubräumen, Restaurant, Theaterbesuchen und Reisen unterstreicht den Servicecharakter.

Stationäre Pflegeeinrichtung

Bei Schwerstpflegebedürftigen kann unter Umständen nur eine stationäre Pflegeeinrichtung die notwendige medizinische und pflegerische Unterstützung leisten. Oder es fehlt den Betroffenen und ihren Angehörigen die Kraft, den Haushalt mit ambulanter 24-Stunden-Pflege weiter zu führen.

Das Pflegeheim entlastet zwar den Pflegebedürftigen und seine Angehörigen, jedoch verliert ersterer in der Pflegeroutine einen Teil seiner persönlichen Freiheit.

  Weiterführende Informationen

  Mehr zu diesem Thema in der Allianz Gesundheitswelt

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