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  Umstritten und überschätzt

Allianz - Fast leerer Teller

Jährlich quälen sich hun­dert­tau­sen­de Men­schen in Deutsch­land mit ei­ner Fas­ten­kur. An­hän­ger al­ter­na­ti­ver Heil­me­tho­den und tief­re­li­giö­se Men­schen sind über­zeugt von der „ge­sund­heits­för­der­nden“ oder „den Geist rei­ni­gen­den“ Wir­kung des vo­rü­ber­ge­hen­den Hun­ger­zu­stands. Se­riö­se Medi­zi­ner und Er­näh­rungs­ex­per­ten leh­nen ex­trem ein­sei­ti­ge Diä­ten wie to­tales Fas­ten we­gen me­di­zi­ni­scher Ri­si­ken ab. Heil­fas­ten fin­det da­ge­gen auch bei Me­di­zi­nern Be­für­wor­ter, ob­wohl die Wi­rkun­gen bis­her wis­sen­schaft­lich nicht be­legt sind.

  Fasten ist nicht gleich Fasten

Der Begriff „Fasten“ umfasst alle kurzfristigen Diätmaßnahmen, bei denen ein Mensch einen bis mehrere Tage deutlich weniger Kalorien und Nährstoffe aufnimmt, als sein Körper tatsächlich benötigt. Totales Fasten bedeutet hierbei Verzicht auf jegliche Nährstoffe.

Sanfte Fastenformen gestehen dem Betroffenen zumindest einige hundert Kilokalorien sowie Vitamine und Mineralien zu – meist in Form von Obst- und Gemüsesäften.

Die Ziele der sogenannten Heilfastenkuren sind, in sich zu gehen, Selbstheilungsprozesse anzukurbeln und den Körper von „Gift- und Schlackstoffen“ zu reinigen.

Verbreitete Heilfastenformen sind unter anderem:

  • Saftfasten: Obst- und Gemüsesäfte.
  • Früchtefasten: Gemüse, Obst, Nüsse und Kräuter.
  • Molkefasten: Molke, Obstsäfte und Sauerkrautsaft.
  • Buchinger-Heilfasten: Gemüsebrühe, Obstsäfte und Einläufe.

  Folgen des Hungerzustands

Der menschliche Körper verbraucht ständig Energie für Muskelarbeit, Hirnfunktionen und andere Stoffwechselvorgänge. Im Hungerzustand erhält der Körper nicht ausreichend Nährstoffe von außen und greift daher auf seine Reserven zu: die Kohlehydratspeicher (Glykogen) in Leber und Muskeln, die Fettdepots, aber auch das Muskeleiweiß.

Wie schnell Fett und Muskeln abgebaut werden, ist individuell verschieden und hängt vom Körperfettanteil ab. Bei Übergewichtigen schmelzen die Fettreserven schneller als bei Schlanken, die entsprechend früher Muskelsubstanz verlieren.

Bei Hungernden nimmt die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit mit der Zeit merklich ab – abhängig von Konstitution und Reserven. Auch Kopfschmerzen können auftreten. Nach etwa einer Woche bis zehn Tagen sinkt der Grundumsatz messbar; der Körper geht sozusagen auf Sparflamme.

Nimmt der Fastende nicht ausreichend Vitamine und Mineralien zu sich, sind entsprechende Mangelerscheinungen programmiert.

Bei längeren Hungerperioden führt insbesondere der Eiweißmangel zu Apathie und zu Flüssigkeitsansammlungen im Körper, sogenannten Hungerödemen (z. B. Hungerbauch). Die Darmschleimhaut verkümmert, und der Körper zehrt sogar am Herzmuskel.

Fasten hilft nicht beim Abnehmen!

Fasten eignet sich nicht, um nachhaltig abzunehmen. Die kurzfristig abgehungerten Pfunde kehren schnell zurück, wenn man sich wieder wie zuvor ernährt (Jo-Jo-Effekt).

  Entschlacken – ein Mythos

Bei Nährstoffmangel steigen die Blutfettwerte für Triglyzeride, Cholesterin und Fettsäuren. Außerdem reichern sich Endprodukte des Fettabbaus im Blut an und übersäuern dieses. Ein anhaltender, starker Fettabbau kann so im Extremfall zu einer sogenannten Ketoazidose führen, die ärztlich behandelt werden muss. Die Symptome sind Erbrechen, Durst sowie Schwäche bis hin zum Bewusstseinsverlust.

Muss der Körper vermehrt Eiweiße in lebensnotwendige Glukose umwandeln, entsteht als Abfallprodukt Harnsäure. Im Hungerzustand steigt der Harnsäurespiegel im Blut an, was – ähnlich wie bei Gicht – zu Gelenkentzündungen führen kann. Außerdem steigt das Risiko, dass sich Harnsteine in Niere, Harnleiter oder Blase bilden.

Tatsächlich gelangen mit der Nahrung verschiedene Umweltgifte (z. B. Schwermetalle, PCB) in den Körper, wobei sich die fettlöslichen im Fettgewebe einlagern. Greift der Körper auf die Fettreserven zurück, so gelangen sie mit den Fettabbauprodukten ins Blut und werden auch ausgeschieden.

Fasten und Hungern fluten das Blut mit Fettabbauprodukten und fettlöslichen Umweltgiften, die im abgespeckten Fett enthalten sind. Umweltgifte die im restlichen Körperfett oder in anderen Geweben lagern, bleiben auch von der „ausgefeiltesten“ Fastenkur unberührt.

  Bescheidener Nutzen

Bei Hunger schüttet der Körper Stresshormone aus, die eine innere Unruhe auslösen. Außerdem produziert das Gehirn verstärkt Serotonin und Endorphine, die stimmungsaufhellend wirken. Viele Fastende berichten deshalb von einer „positiven Fastenerfahrung“. Diese kann dazu motivieren, den Körper anschließend auf eine gesündere Ernährung umzustellen.

  Achtung, Risikogruppen!

Folgende Patienten- und Personengruppen sollten wegen möglicher Probleme grundsätzlich aufs Fasten verzichten:

  • Kinder
  • Schwangere und stillende Frauen
  • Untergewichtige
  • Personen, die unter einer Essstörung leiden
  • Akut Kranke und Personen, die sich von einer Krankheit oder Operation erholen
  • Personen mit erhöhtem Purinspiegel – diese haben beim Fasten ein erhöhtes Gichtanfall-Risiko
  • Personen, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen. Der Hungerzustand beeinflusst die Arzneimittelwirkung!
  • Typ-1-Diabetiker
  • Herz-Kreislauf-Kranke
  • Krebskranke
  • Menschen mit bestimmten Stoffwechselstörungen (z. B. Schilddrüsenüberfunktion, Phenylketonurie)
  • Bluter

Fasten für Gesunde

Auch wenn Sie gesund sind, sollten Sie keine mehrtägigen Heilfastenkuren auf eigene Faust unternehmen. Lassen Sie sich vor ab von Ihrem Arzt untersuchen und beraten. Er kann Ihnen sagen, worauf Sie in Ihrem Fall beim Fasten achten sollten.

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