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Schadstoffe in Spielzeug

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  Sicher genug?

Allianz - Gerade kleine Kinder sind durch Schadstoffe in Spielzeug gefährdet.

Babys und Kleinkinder spielen nicht nur mit Spielzeug, sondern lutschen und kauen auch darauf herum. Industriell gefertigtes Spielzeug enthält jedoch Chemikalien, die die Kleinen über Haut, Schleimhäute und mit dem Speichel aufnehmen können. Eltern sollten daher möglichst schadstoffarmes Spielzeug kaufen. Auf die EU-Spielzeug-Richtlinie ist dabei leider nur begrenzt Verlass: Deutsche Verbraucherschützer und die EU-Kommission sind unterschiedlicher Meinung, welche Schadstoffmengen tolerabel sind.

  Schadstoffe im Überblick

  • Hintergrund

  • Azofarbstoffe

  • Bisphenol-A

  • Duftstoffe

  • Formaldehyd

  • N-Nitrosamine, nitrosierbare Amine

  • Phtalate

  • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)

  • Schwermetalle

  • Zinnorganische Verbindungen

Hintergrund

Die Spielzeugindustrie verwendet zahlreiche Chemikalien, um ihre Produkte möglichst wirtschaftlich herzustellen und ihnen gewünschte Eigenschaften wie Farbe, Härte etc. zu verleihen.

In den vergangenen Jahrzehnten konnten Umweltchemiker und Mediziner nachweisen, dass viele der eingesetzten Chemikalien im Endprodukt enthalten sind und durch typischen kindlichen Gebrauch wie Einspeicheln freigesetzt werden. Hierbei entdecken Verbraucherschützer bei Produktstichproben immer wieder Spielzeug und Bedarfsartikel für Kinder, deren Schadstoffgehalte vorgeschriebene Grenzwerte überschreiten.

Azofarbstoffe

Im menschlichen Körper können viele Azofarbstoffe zu krebserregenden Stoffen abgebaut werden. Die kritischen Vertreter dieser Stoffgruppe sind daher in Gebrauchsgegenständen EU-weit verboten – somit auch in Kinderspielzeug und Textilien. Dennoch gelangen immer wieder belastetes Spielzeug und Kindertextilien aus Asien nach Europa.

Bisphenol-A

Bisphenol-A ist ein wichtiger Grundstoff, um durchsichtige Polycarbonat-Kunststoffe herzustellen. Die Chemikalie kann unter anderem die Sexualentwicklung stören. Mögliche Bisphenol-A-Quellen sind Baby- und Trinkflaschen sowie Spielzeugteile (z. B. Kinderschwimmbrillen) aus Polycarbonat.

Duftstoffe

Noch immer wird Spielzeug produziert, das mit Duftstoffen versetzt ist. Diese Duftstoffe verursachen sehr häufig Kontaktallergien. Die neue EU-Spielzeugrichtlinie nennt 55 „verbotene“ Duftstoffe, für die ein Grenzwert von 100 mg je kg Spielzeug existiert. Elf weitere allergene Duftstoffe sind nicht verboten, müssen aber auf der Verpackung genannt werden, wenn sie den Grenzwert überschreiten.

Formaldehyd

Diese Chemikalie wird unter anderem in bestimmten Kunstharzen und Klebstoffen eingesetzt. Formaldehyd entweicht als stechend riechendes Gas und reizt die Schleimhäute. Dementsprechend kann es Beschwerden wie Augenreizungen, Husten und Kopfschmerzen verursachen. Zwar reichert es sich nicht im Körper an, kann aber bei hoher Belastung eine Krebserkrankung im Nasenrachenraum auslösen.

Formaldehyd kann in Spielzeug aus Sperrholz und geleimtem Holz vorkommen.

N-Nitrosamine, nitrosierbare Amine

Die sogenannten N-Nitrosamine gelten als stark krebserregend. Sie kommen in Tabakrauch vor und bilden sich, wenn gepökelte Lebensmittel zu stark erhitzt werden. Außerdem entstehen N-Nitrosamine und nitrosierbare Amine bei der Herstellung von Natur- und Synthesekautschuk. Betroffene Spielzeuge und Babyartikel sind typischerweise Schnuller, Flaschensauger, Luftballons und Gummistiefel. Die N-Nitrosamine gelangen über die Haut, die Lunge oder mit dem Speichel in den Körper. Denselben Weg nehmen nitrosierbare Amine, die im Magen zu N-Nitrosaminen umgewandelt werden können.

Phtalate

Phtalate werden in zahlreichen Kunststoffprodukten als Weichmacher eingesetzt. Neuste Studien der Universität Uppsala weisen darauf hin, dass bestimmte Phtalate die Insulinbildung hemmen und somit die Entstehung von Diabetes Typ 2 begünstigen könnten. Außerdem stehen Phthalate in Verdacht, Männer unfruchtbar zu machen und Fehlbildungen der Sexualorgane bei Kindern zu verursachen.

Für Babys und Kleinkinder bestimmtes Spielzeug darf in der EU daher überhaupt keine Phthalate enthalten. Dasselbe gilt für Lebensmittelverpackungen und Kosmetika. Dennoch entdecken Produkttester immer wieder belastete Billigprodukte, die in der Regel außerhalb Europas gefertigt wurden.

Phthalate sind aber weiterhin in vielen Produkten aus Weich-PVC erlaubt. Typische Beispiele sind Plastikspielzeug für ältere Kinder, Kabel, Folien, Fußbodenbeläge, Sport- und Freizeitartikel.

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)

PAK kommen natürlich in Kohle und Erdöl vor. Sie entstehen zudem bei unvollständiger Verbrennung organischer Materialien – also auch beim Grillen und Räuchern. Einige PAK gelten als krebserregend und erbgutschädigend. Ihr häufigster und giftigster Vertreter ist Benzo(a)pyren. Der TÜV-Rheinland fand im Jahr 2009 sehr hohe PAK-Werte in Gummiprodukten wie Puzzlematten, Fahrradlenkergriffen, Badesandalen, Hammerstielen und Armbanduhren.

Prinzipiell können alle Spielzeuge aus Gummi oder Kunststoff PAK enthalten. Vernünftige PAK-Grenzwerte für Bedarfsgegenstände und Kinderspielzeug treten erst im Dezember 2015 in Kraft.

Schwermetalle

Auch Schwermetalle können auf unterschiedliche Wege auf oder ins Spielzeug gelangen – beispielsweise als Katalysatoren oder Farbpigmente. Kauen kleine Kinder auf Spielzeug herum, schlucken sie auch Lacksplitter und Farbreste herunter. Der menschliche Körper reichert Schwermetalle in Leber, Nieren, Hirn, Knochen oder anderen Organen an, die dabei auf Dauer Schaden erleiden. Hier einige Beispiele:

  • Blei und Quecksilber schaden unter anderem der Hirnentwicklung.
  • Barium begünstigt Bluthochdruck und schadet den Nieren.
  • Antimon und Arsen gelten als kanzerogen.
  • Nickel kann eine Nickel-Kontaktallergie verursachen.

Zinnorganische Verbindungen

Diese Gruppe von Chemikalien gilt als hochgiftig und wird unter anderem in der Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Da zinnorganische Verbindungen auch als Stabilisatoren bei der PVC-Herstellung dienen, finden Verbraucherschützer diese hochgiftige Schadstoffgruppe immer wieder in erhöhten Mengen in Kinderspielzeug.

Der menschliche Körper kann zinnorganische Verbindungen über die Haut und mit dem Speichel aufnehmen. Mögliche Folgen sind Störungen des Hormonsystems und Nervenschäden.

  Streit um Grenzwerte

Im Juli 2013 trat die neue EU-Spielzeug-Richtlinie in Kraft. Sie regelt, welche Schadstoffmengen ein Spielzeug freisetzen darf, ohne dass die kindliche Gesundheit gefährdet wird. Im Gegensatz zur alten Richtlinie berücksichtigt sie ein breiteres Spektrum an Chemikalien – unter anderem weitere Schwermetalle und PAK.

Deutsche Behörden sahen einige der neuen Schwermetall-Grenzwerte als nicht streng genug an. Daher klagte die Bundesregierung bereits 2012 gegen die neuen Grenzwerte für Arsen, Antimon, Barium, Blei und Quecksilber. Im Mai 2014 errang Deutschland einen Teilerfolg vor Gericht und darf die strengeren Grenzwerte für Blei im Spielzeug beibehalten. Bezüglich der übrigen vier Schwermetalle befanden die EU-Richter, dass die neuen europäischen Grenzwerte sogar strenger als die deutschen seien. Diese Meinung teilen die deutschen Experten nicht.

Der Streitpunkt: Die Grenzwerte sind schwer vergleichbar. Die EU-Richtlinie unterscheidet, wie viel Schadstoff ein Spielzeug abgeben darf – abhängig von seiner Konsistenz. Die bis Juli 2013 gültigen deutschen Grenzwerte gaben dagegen an, wie viel vom Schadstoff aus dem Spielzeug in den menschlichen Körper gelangen darf.

Tipps für Eltern

Sicheres und schadstoffarmes Spielzeug können Sie an bestimmten Prüfzeichen und Gütesiegel erkennen. Mit diesen Tipps können Sie Ihr Kind vor mangelhaftem Spielzeug schützen.

  Neue Grenzwerte für Polyzklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)

Aktuell liegt der Grenzwert für bestimmte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) bei bis zu 100 Milligramm pro Kilogramm. Dieser Grenzwert gilt definitiv als zu hoch. Das BfR schätzt: Spielt ein Kind eine Stunde mit einem so belasteten Spielzeug, würde es so viel krebserzeugendes Benzo(a)pyren über die Haut aufnehmen, wie im Rauch von 40 Zigaretten enthalten ist.

Ab 27. Dezember 2015 dürfen Baby- und Spielzeugartikel nicht mehr als 0,5 mg/kg PAK enthalten. Für sonstige Gummi- und kunststoffhaltige Alltagsprodukte gilt ab diesem Termin ein ähnlich niedriger Grenzwert von 1 mg/kg PAK.

Auch wenn die bestehenden Grenzwerte noch hoch sind, können Verbraucher PAK-freies Spielzeug leicht erkennen: Babyartikel und Spielzeug für Kinder unter 36 Monate müssen weniger als 0,2 mg/kg PAK enthalten, um das Gütesiegel „Geprüfte Sicherheit“ zu erhalten.

  Tests offenbaren Mängel

Auf der Suche nach sicherem und schadstoffarmem Spielzeug weichen viele Eltern von Plastik auf natürliche Materialien aus. Doch auch Holz- und Metallspielzeug ist nicht unbedingt frei von Chemie. Hier ein paar Testergebnisse der letzten Jahre:

Im November 2013 veröffentlichte das Bundesinstitut für Risikobewertung seine Überwachungsergebnisse für Metallspielzeug: 29 von 32 untersuchten Metall- und Modellbausätzen überschritten den Grenzwert für Nickel-Freisetzung. Problem: Das Schwermetall kann leicht eine Kontaktallergie auf Nickel auslösen.

Zur selben Zeit erschien ein Testbericht der Zeitschrift Stiftung Warentest, die Holzspielsachen für Kinder unter drei Jahren auf Schadstoffe überprüfte. Im Testfeld befanden sich Greiflinge, Wagenschmuck, Bauklötze, Puzzles sowie Nachzieh- und Schiebetiere. Die Tester fanden PAK, Nickel, nitrosierbare Stoffe, Formaldehyd und zinnorganische Verbindungen. Keines der Holzspielzeuge war schadstofffrei. Aufgrund der hohen Schadstoffgehalte gaben die Tester sieben Produkten die Note „mangelhaft“. Neun Spielzeuge bekamen ein „ausreichend“, sechs „befriedigend“ und nur acht „gut“.

Verschluckbare Spielzeugteile

Lassen sich von einem Spielzeug Kleinteile ablösen, können diese beim Verschlucken in die Atemwege gelangen und das Kind ersticken.

  Weiterführende Informationen

  Mehr zu diesem Thema in der Allianz Gesundheitswelt

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